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Veröffentlicht am 06.11.2022

Eisprinzessin

Totentanz im Pulverschnee
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Er will Triathlet werden, der Polizist Arno Bussi. Mit Franziska trainiert er fleißig, was seiner Mutter nicht so gefällt. Sie überredet ihn, mit ihr übers lange Wochenende nach Maria Schnee zu fahren. ...

Er will Triathlet werden, der Polizist Arno Bussi. Mit Franziska trainiert er fleißig, was seiner Mutter nicht so gefällt. Sie überredet ihn, mit ihr übers lange Wochenende nach Maria Schnee zu fahren. Dort findet ein Volksfest statt wie es zwar vielen aber nicht dem Arno gefällt. Nur so ein richtiges Essen das könnte er nach der Trainingsdiät schon mal wieder vertragen. Er verträgt sich auch gut mit der Rosa von der Rezeption des Hotels, in dem die Mutter eine Suite reserviert hat. Die Rosa soll auch als Eisprinzessin beim Volksfest auftreten. Kann Arnos Mutter überhaupt richtig beobachtet haben, als sie behauptet, sie habe gesehen, wie die Rosa entführt wurde.

Diesen dritten Fall, in dem Arno Bussi ermittelt, kann man sich auch als Hörbuch gönnen. Immer noch langweilt sich Arno im Archiv, weil der Chef nicht damit einverstanden war, dass Arno mal eine Affäre mit seiner Frau hatte. Eigentlich ist Arno froh, wenn er mal aus Wien herauskommt. Aber mit seiner Mutter nach Maria Schnee zu einer Alpen Gaudi? Zwar muss sich Arno durch diesen Festlärm quälen, aber als die Rosa tatsächlich nicht auffindbar ist, beginnt Arno Fragen zu stellen. Natürlich gibt es keinen Fall und Arno ist auch nicht zuständig, aber fragen kann man ja mal.

Gekonnt und mit ansprechendem Lokalkolorit wird dieses Hörbuch vorgetragen von Markus Völlenklee. Gerne hört man von Arnos Urlaubserlebnissen mit seiner chaotischen manchmal nervigen, aber doch liebenswerten Mutter. Seine Beziehung zu Franziska geht dabei etwas unter, vielleicht sind sie doch eher Trainingspartner. Mit dem Training wird es allerdings nicht viel während des Urlaubs, der sich immer mehr zur Arbeit auswächst. Nicht immer direkt undercover, doch eben auch nicht direkt als polizeiliche Ermittlung. Und doch findet Arno Bussi Spuren, die auf etwas ganz anderes hindeuten. Das ist spannend zu hören und gerade mit dem sprachlichen verortet sein in Österreich erhält man noch einen besseren Eindruck von Arno Bussi und seiner Welt. Obwohl die anderen Fälle noch etwas überzeugender waren, ist auch dieser Ausflug Arno Bussis nach Maria Schnee ein gutes Hörerlebnis.

Veröffentlicht am 01.11.2022

Hoffnungsreise

Die Geschichte des Wassers
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Im Jahr 2017 macht sich die ungefähr 70jährige Signe mit dem Segelboot auf den Weg nach Süden. Signe ist eine Warnerin und Umweltaktivistin, die nach Jahren der Aktionen fühlt, dass sie kaum gehört wird. ...

Im Jahr 2017 macht sich die ungefähr 70jährige Signe mit dem Segelboot auf den Weg nach Süden. Signe ist eine Warnerin und Umweltaktivistin, die nach Jahren der Aktionen fühlt, dass sie kaum gehört wird. Und nun will sie den Mann wieder treffen, der der Mann ihres Lebens war und der doch so unterschiedlich dachte, dass sie nicht zusammenbleiben konnten. Im Jahr 2041 herrscht in Frankreich eine unbarmherzige Dürre. Mit knapper Not hat David mit seiner kleinen Tochter Lou ein Lager weiter nördlich erreicht. Dort wollen sie auf seine Frau Anna und seinen Sohn August warten. Die Familie wurde auf der Flucht getrennt.

Mit diesem zweiten Band ihres Klimaquartetts widmet sich die Autorin dem Wasser, genauer dem Süßwasser. Die Klimaaktivistin Signe versucht den Raubbau an dem kostbaren Gut zu verhindern. Sie will die Seen und Flüsse Norwegens in ihrem natürlichen Verlauf erhalten. Doch gegen die kommerziellen Ziele der Besitzenden kommt sie nicht an. Ungefähr 25 Jahre später herrscht in Frankreich eine große Dürre. David, der lange in einer Firma zur Wasserentsalzung gearbeitet hat, muss nach katastrophalen Bränden aus seiner Heimatstadt fliehen. Dort hatte er alles, eine Frau, zwei Kinder, Eltern, Freunde und eine Arbeit. Und nun hat er wenigstens seine Tochter und ein Feldbett in einer Flüchtlingsunterkunft.

Während die Geschichte der Bienen (Band 1 der Reihe) die Erzählungen der Protagonisten auf spannende Weise verknüpft, kommt dieses Element hier lediglich am Rande vor. Dennoch fesselt die Handlung, denn auf beiden Erzählebenen verfolgt man mit Neugier, ob die handelnden Personen ihr Ziel erreichen. Wird Signe mit ihren Aktionen etwas ändern können, wird sie ihre Norwegischen Mitbürger überzeugen können, dass Gewinnstreben nicht alles ist, dass es sich lohnt, die Natur für künftige Generationen zu erhalten. Und wird David es schaffen, seine Tochter in den Norden zu bringen, wo es noch Süßwasser und Regen gibt. Ob der Raubbau an den Quellen des Wassers in Norwegen etwas mit der Dürre im Süden zu tun haben kann, bleibt unklar. Vielleicht wäre es auch interessant gewesen, inwieweit die Autorin die Handlung ihres Romans in der Realität verankert hat. Dies kam im ersten Band des Klimaquartetts besser zutage. Dennoch liest sich der vorliegende Roman sehr flüssig und spannend.

Veröffentlicht am 30.10.2022

Western Avenue

Diese Frauen
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Dorians Tochter wurde vor vielen Jahren umgebracht. Und sie gehörte nicht zu diesen Frauen, von denen etliche getötet wurden. Dorian versucht den Frauen zu helfen, sie dürfen sich in ihrem Lokal aufhalten. ...

Dorians Tochter wurde vor vielen Jahren umgebracht. Und sie gehörte nicht zu diesen Frauen, von denen etliche getötet wurden. Dorian versucht den Frauen zu helfen, sie dürfen sich in ihrem Lokal aufhalten. Nicht alle in der Nachbarschaft finden das gut. Vor allem nicht als erneut zwei dieser Frauen umkommen. Und die Polizei? Die Polizei möchte keinen Serienmordfall. Die Behörden sehen keinen Zusammenhang. Bis auf eine Polizistin, sie hat schon während der ersten Serie an den Fällen gearbeitet und als sie vom Mord an die Sitte versetzt wurde, hatte sie wieder mit diesen Frauen zu tun.

Aus der Sicht von fünf Frauen entwickelt sich das Geschehen. Schon in den 1990ern werden in Los Angeles mehrere Prostituierte umgebracht und nun in 2014 gibt es wieder Fälle. Und Dorian kann die Frauen nicht retten. Sie muss immer an ihre Tochter denken, die ihr Leben noch vor sich hatte. Besonders eine erinnert sie an ihre Tochter, Dorian warnt sie immer wieder, doch Julianna ist jung und glaubt, sie sei unverletzbar. Bis sie ermordet am Straßenrand gefunden wird. Und nur die abgehalfterte Polizistin Esmeralda Perry interessiert sich für die toten Frauen. Sie allein sieht die Ähnlichkeiten, sie vermutet eine Serie.

Gerade zu Beginn muss man sich in diesem Roman etwas zurechtfinden, weil es sich nicht einfach um einen Thriller handelt, bei dem auf eine Tat die Aufklärung folgt. Hier kommen die Frauen zu Wort, die nicht gehört werden, die zu Opfern werden, die gezeichnet sind. Erst nach und nach gewinnen die Ermittlungen von Esmeralda Perry an Gewicht, ob wohl auch ihr kaum jemand zuhört. Ein eigenwilliger Roman, der langsam immer intensiver wird. Warum bekommen die Frauen kein Gehör, warum müssen noch mehrere von ihnen sterben. Warum werden sie nicht geschützt? Wenn sich ein Zusammenhang herauskristallisiert, gewinnt dieser Roman an echter Tiefe und wächst sich tatsächlich zu einem packenden Thriller aus.

Veröffentlicht am 22.10.2022

Schockraum

Dominoeffekt
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Die Notärztin Tekla Berg reibt sich jeden Tag für ihre Patienten auf. In der Notaufnahme eines großen Stockholmer Krankenhauses ist ihre Arbeit nicht immer von Erfolg gekrönt, dennoch soll jeder Neuankömmling ...

Die Notärztin Tekla Berg reibt sich jeden Tag für ihre Patienten auf. In der Notaufnahme eines großen Stockholmer Krankenhauses ist ihre Arbeit nicht immer von Erfolg gekrönt, dennoch soll jeder Neuankömmling seine Chance erhalten. Eines Tages wird sie zu einem Explosionsort gerufen. Ein Opfer mit schwersten Verbrennungen kann sie gerade noch am Leben erhalten. Die Ursache für die Explosion ist nicht bekannt, aber der Gedanke an einen Anschlag drängt sich schon auf. Als die Polizei beginnt, Interesse an dem Brandopfer zu zeigen, beginnt auch Tekla, über die Sache nachzudenken. Etwas an dem Verletzten irritiert sie.

Bei diesem Thriller handelt es sich um den ersten Band einer Reihe um die Notärztin Tekla Berg. Beruflich ist Teklas herausragende Arbeit anerkannt, auch wenn ihre präzise Arbeitsweise schon den Neid von Kollegen wecken könnte. Mit ihrem Privatleben hält Tekla hinter dem Berg. Ihr Vater ist schon verstorben, die Mutter im Pflegeheim. Und mit ihrem Bruder Simon hat sie sich zerstritten. Sorgen macht sie sich trotzdem um ihn, wäre er in Not, würde sie ihm immer helfen. Doch auch ihre eigenen Probleme muss sie so langsam in Griff kriegen. Tekla ist überrascht, dass sie die Aufmerksamkeit der Chefin erregt hat.

Tekla Bergs Wissen und ihre Hartnäckigkeit sind schon bewundernswert. Ob es jedoch nötig ist, eine ansonsten sympathische Protagonistin, mit Problemen zu versehen, von denen eines eigentlich nichts ist, was geheim gehalten werden muss und das andere vielleicht auch mit einer anderen Herangehensweise gelöst werden könnte als derer, die Tekla wählt. Spannend sind die Momente, in denen Tekla zu Hochform aufläuft. Wie sie sich einsetzt, um die Patienten zu retten und ihre Enttäuschung, wenn es nicht gelingt. Hier und wenn es um die Strukturen im Krankenhausapparat geht, zeigt sich die große Kompetenz des Autors, der lauf Info selbst als Arzt tätig ist. Manchmal kann es sein, dass man die Geschichte irgendwie verliert. Das mag natürlich auch einer Erkältung geschuldet sein, die einen auch beim Lesen ausbremsen kann. Wenn man nicht so glücklich ist mit sehr problembehafteten Protagonisten oder Protagonistinnen, muss man sich überlegen, ob man die Reihe weiterverfolgen möchte. Wünscht man sich einen Thriller, der im Krankenhausmilieu angesiedelt ist, kann man sicher eine spannende Lektüre erwarten.

Veröffentlicht am 09.10.2022

Nachgespürt

Der Apfelbaum
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In seiner Kindheit im Berlin musste Otto lernen sich durchzusetzen, zunächst gegen die stärkeren Kinder und später auf der höheren Schule. Sein leiblicher Vater kam im ersten Weltkrieg um. Später lernt ...

In seiner Kindheit im Berlin musste Otto lernen sich durchzusetzen, zunächst gegen die stärkeren Kinder und später auf der höheren Schule. Sein leiblicher Vater kam im ersten Weltkrieg um. Später lernt er die junge Sala kennen und beide verlieben sich sofort. Ein Happyend ist ihnen jedoch nicht beschieden. Die Nazis stehen vor der Machtergreifung und Salas Mutter ist Jüdin. Auch wenn sie Deutschland verlassen hat und ihr Vater als Intellektueller zunächst nichts zu befürchten hat, so machen die Nazi-Gesetze eine Heirat unmöglich und je länger die Herrschaft des Regimes dauert, desto gefährlicher wird es für Sala. Sie soll zu ihrer Mutter nach Madrid.

Was hat die Mutter ihrem Sohn erzählt, der erst nach diesen scheren Jahren geboren wurde. Nach der Trennung, die ihnen die Zeit auferlegte, haben sie wieder zusammengefunden. Doch was war davor. Der Sohn versucht, sie zum Erzählen zu bringen, obwohl sie schon einiges vergisst. Nur an wenige Dinge erinnert er sich selbst. Doch er will der Vergangenheit und dem Leben seiner Mutter auf die Spur kommen. Wieso war sie so? Wieso ist er so? Er will ganz sein, wie jeder. Das Leben von Sala erweist sich als dramatisch, sie ist eine Überlebende und das war nicht immer gesichert.

Der Autor hat dem Leben seiner Eltern und Großeltern nachgespürt und bei seinen Recherchen hat er Lebensgeschichten gefunden, die durchaus ungewöhnlich, bunt, dramatisch, aber auch mit vielen Gefahren und Bitternis behaftet sind. Das erinnert vielleicht an die eigenen Eltern, die auch nicht alles erzählt haben, auch wenn es sich bei deren unbekannten Lebenswelten eher um normale Geheimnisse handelt. Gut beschrieben hat der Autor die Wechsel zwischen den Gesprächen mit der Mutter, die an ihrem Lebensabend nicht mehr ganz Frau ihrer Sinne ist, und dem Eintauchen in die Vergangenheit, die er sich aus Erzählungen und Recherchen zusammenreimte. Auch wenn die Erzählung wohl da aufhört, wo die eigene Erinnerung anfängt und damit etwas unvollständig wirkt, so gibt es doch mitreißende Szenen über die Grausamkeit der Vorkriegs- und Kriegszeit, die nicht leicht zu ertragen sind und die auch nicht schnell vergessen werden.