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Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein Bilderbuch, das Kleinkinder mit allen Sinnen erleben kann

Carli und Klecks backen einen Kuchen
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Nachdem sich unsere Enkelin "Carli und Klecks auf dem Spielplatz" regelrecht erarbeitet hatte, war es beim letzten Besuch Zeit für "Carli und Klecks backen einen Kuchen". Am Telefon hatte ich dieses Bilderbuch ...

Nachdem sich unsere Enkelin "Carli und Klecks auf dem Spielplatz" regelrecht erarbeitet hatte, war es beim letzten Besuch Zeit für "Carli und Klecks backen einen Kuchen". Am Telefon hatte ich dieses Bilderbuch schon angekündigt und so war sie sehr begierig darauf. Kaum waren wir mit dem Essen fertig, holte sie dieses Bilderbuch und wollte es zusammen mit ihrer Mutter anschauen.

Auch hier wider dieses kleine Format, passend für kleine Kinderhände.Die einzelnen Seiten sind wieder aus festem Karton, der sich leicht umblättern lässt.

Carli und Klecks kannte sie ja schon vom "Spielplatz" und so hatten dieses Bilderbuch über das Kuchenbacken einen hohen Wiedererkennungswert. Ich habe nicht mitgezählt, wie oft unsere Enkelin dieses Bilderbuch lesen, bzw die Geschichte von ihrer Mutter hören wollte. Danach schaute sie sich die Bilder alleine an und noch etwas später mit Papa und dann auch mit Opa. Die Zeichnungen sind klar und ohne große Schnörkel, Sowohl Carli als auch Klecks spiegeln die Gesichter die jeweilige Situaion wider. Und da das Kuchenbacken auch seine lustigen Momente hat, gibt es viel zu lachen.

Am nächsten Tag band ich das Bilderbuch ins Kochen mit ein. Wie in Carli und Klecks gezeigt, durfte unsere Enkelin die Eier für Pfannkuchen mit dem Schneebesen verrühren. "Rühren, rühren, rühren", machten wir ein Spiel daraus. Auch die weiche Butter rührte sie mit dem Schneebesen, wie bei Carli und Klecks gesehen.

Zwar fand sie es sehr lustig, dass im Bilderbuch ein Katzenkuchen gebacken wurde, doch was wir rührten, wollte sie selbst essen. Also fanden bestimmte Gewürze keine Verwendung. Das kann man wunderbar mit Hilfe des Bilderbuches erklären.

Als sie am nächsten Tag wieder nach Hause fuhren, stand nun zur Wahl ob dieses Bilderbuch bei den übrigen Bilderbüchern bei Oma und Opa bleiben sollte oder ob sie es mitnehmen wollte. Es gab keine Frage, wie wollte "Carli und Klecks backen einen Kuchen" unbedingt mit in den Kindergarten nehmen und dort den anderen Kindern als auch ihrer dortigen Erzieherin zeigen.

Also keine Frage, dieses Bilderbuch bekommt von mir - oder besser meiner Enkelin - 5 Sternchen, da dieses Buch alles hat, was man sich von einem Bilderbuch wünscht. Es ist leicht zu blättern, erzählt eine interessante Geschichte die man mit etwas Phantasie ausbauen kann und zeigt wie Lebensmittel (in diesem Fall ein Kuchen) selbst hergestellt werden kann. Ein kleines Kind kann dieses Bilderbuch mit allen Sinnen erleben.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Eine entspannte Geburtstagsfeier dank Carli und Klecks

Carli und Klecks gehen auf den Spielplatz
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Meine Enkelin ist 2 Jahre alt und mit ihr wollte ich das Bilderbuch auch lesen. Doch die Meinung der Oma ist ja nicht maßgebend - dem Enkelkind muss das Bilderbuch gefallen.

Und da kann ich ganz klar ...


Meine Enkelin ist 2 Jahre alt und mit ihr wollte ich das Bilderbuch auch lesen. Doch die Meinung der Oma ist ja nicht maßgebend - dem Enkelkind muss das Bilderbuch gefallen.

Und da kann ich ganz klar sagen, meine Enkelin war davon begeistert. Doch jetzt der Reihe nach.

Letzten Samstag stand in der Familie eine Geburtstagsfeier im Lokal an. Für ein 2jähriges, aufgewecktes Mädchen ja nicht so unbedingt der Hammer. Doch im Vorfeld hatte ich schon angekündigt, dass ich ein neues Bilderbuch mitbringen würde.

Nach eingehender Begrüßung wurde es dann doch irgendwann langweilig für eine Zweijährige. Und da kamen Carli und Klecks ins Spiel..

Die Oma öffnete ihre Tasche und zauberte das Bilderbuch "Carli und Klecks auf dem Spielplatz" hervor. Das Format dieses Buches ist genau richtig für kleine Kinderhände. Die festen kartonierten Seiten nehmen auch kräftiges Zupacken nicht übel.

Zuerst wurde zusammen mit der Mama das Cover begutachtet. Carli und Klecks waren unserer Enkelin bisher frremd und mussten erst einmal eingehend begutachtet werden. Zuerst bestechen die klaren Zeichnungen und Farben. Alles auf kleine Kinder abgestimmt. Leicht zu erfassen. Vor allem Klecks mit den bunten Farbflecken auf seinem Fell, dem lustigen Gesicht und den kräftigen Barthaaren, hatte es ihr angetan. So munter, wie Klecks mit erhobenem Schwanz durch die Seiten, pardon Welt, spaziert, kann ja alles nur gut werden. Selbst zu Beginn der Geschichte, als die anderen Jungs Carli und Klecks ärgern, scheint dies den Beiden nichts anhaben zu können. Diese Episode gefiel meiner Enkelin weniger und wurde schnell umgeblätteert.

Von den Rüpeln abgeschreckt, gehen Carli und Klecks in den eigenen Garten und bauen sich einen eigenen Spielplatz. Da fängt es an lustig zu werden. Die Wippe ist simpel und schnell gebaut. Jedes Kind kann das nachvollziehen. Lustig fand unsere Enkelin, als die eine Seite der Wippe nach unten geht, die ander nach oben schnellt und Klecks mit lautem "Miau" und großen, vor Schreck geweiteten Augen durch die Luft wirbelt. Das brachte unsere Enkelin richtig zum Lachen.

Natürlich reicht es nicht, auf die wenigen gedruckten Worte zurückzugreifen, wenn man dieses Bilderbuch mit einem Kind liest. Man muss schon die persönliche Phantasie anstrengen und aus den Bildern eine eigene, passende Geschichte, erfinden.. Zweimal las unsere Enkelin mit ihrer Mama noch vorm Essen dieses Bilderbuch und war sehr zufrieden. Danach blätterte sie nochmals alleine. Nach dem Essen war dann die Oma dran und erfand rund um die Bilder eine eigene Geschichte in eigene Worte gekleidet.

Dieses Bilderbuch " Carli und Klecks auf dem Spielplatz" ermöglichte uns Erwachsenen eine entspannte Geburtstagsfeier, da wir unsere Enkelin über 2 Stunden lang damit beschäftigen konnten..

Pepina, so heißt unsere Enkelin, muss dieses Buch sehr gut gerfallen haben, denn montags nahm sie es mit in den Kindergarten, damit ihre beiden Freunde dort auch Carli und Klecks kennenlernen konnten.

Aus all diesen beschriebenen Gründen gibt es von mir 5 Sterne für dieses Bilderbuch.













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Veröffentlicht am 10.03.2026

"Eben sind sie noch da, dann sind sie plötzlich weg, und man fragt sich, wie das sein kann."

Sommer auf Perigo Island
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Dieses Buch "Sommer auf Perigo Island" von Perry Chafe ist ein Roman des Genres "Coming-of-Age".

Der Prolog (S.5) beginnt: " Menschen können wirklich spurlos verschwinden. Ich war erst neun, als ich ...

Dieses Buch "Sommer auf Perigo Island" von Perry Chafe ist ein Roman des Genres "Coming-of-Age".

Der Prolog (S.5) beginnt: " Menschen können wirklich spurlos verschwinden. Ich war erst neun, als ich erfuhr, dass mein Vater Luke Jacobs nie wieder nach Hause kommen würde. Das war im Sommer 1988........... Der kalte Nordatlantik hatte sich wieder eine Seele geholt...."

Nach diesen 6 Seiten Prolog wusste ich schon, dass ich dieses Buch lieben und mit Begeisterung lesen würde. Da ist zuerst einmal der fließende Schreibstil, der dieses Buch auszeichnet. Als Leser kann man wie von selbst in diesen Roman gleiten, spürt den rauen Wind Neufundlands und die Wellen des Atlantiks. Wir treffen erstmals den Protagonisten Pierce, der uns in seinen Alltag auf der fiktiven Insel mitnimmt und nicht wahrhaben will, dass sein Vater - ein Fischer - nie wieder mit seinem Boot in den Hafen fährt. Und wir begegnen erstmals Anna, die im späteren Verlauf spurlos verschwindet und trotzdem immer präsent ist Es ist nur eine kurze Begegnung zwischen Anna und Pierce. Doch der Autor fasst auf diesen Seiten zusammen, was man als Vorwissen braucht, die nachfolgende Handlung zu verstehen.

Der Roman selbst setzt 3 Jahre später ein. Pierce, der sich inzwischen mit dem Verlust seines Vaters abgefunden hat, verbringt mit seinen Freunden Thomas und Benny die Sommerferien auf ihrer Insel. Morgens gehen sie mit ihren geschärften Messern zum Hafen, wenn die Fischerboote vom Meer zurückkommen. Ein Nicken der Fischer genügt und die jeweiligen Jungs wissen, dass sie die Zungen der gefangenen Fische herausschneiden und verkaufen dürfen. Vom Grundschulalter an lernen die Kinder wie hart das Leben sein kann.

Es kommen mmer wieder Momente, in denen kehrt Pierce in Gedanken zu seinem Vater zurück, als dieser seinen Sohn und dessen Freunde im Boot auf den Atlantik mitnahm. Riesige Buckelwale schwammen um ihr Boot und ängstigten Thomas, dass er anfing zu weinen. "Sie sind sanfte Riesen und nur neugierig auf den kleinen Jungen, der zu ihnen herabschaut." Liebenswerter kann man einem kleinen Jungen nicht die Angst vor riesigen Walen nehmen, "Unter Wasser singen sie , und über Wasser tanzen sie." (S.55) Die Liebe zum Meer, als auch die Abhängigkeit davon, wird von Generation zu Generation weitergereicht.

In diesem Sommer 1991, treibt ein riesiger Eisberg ganz nah an der Insel vorbei. Ein faszinierendes Gletscherblau. Vertieft in diesen Anblick bemerkte Pierce dass er nicht alleine ist. Da war auch Anna, seine Seelenverwandte, die so gut zeichnen kann und die diese Schönheit des Eisbergs auf ihrem Zeichenblock einfängt. Es wird ihre vorletzte Begegnung, bevor Anna plötzlich verschwindet.

Kann ein Mensch einfach so verschwinden, ohne ein Spur zu hinterlassen? Es werden Suchtrupps zusammengestellt die ohne Erfolg die ganze Insel durchkämmen. Erfolglos.

Inzwischen gibt es einen Sommergast aus New York, Emily, die Cousine von Benny, die sofort in der Clique der Jungs aufgenommen wird. Gemeinsam verbringt man die Ferien, schneidet den Fischen die Zungen raus und gemeinsam sorgt man sich um das Verschwinden von Anna. Ob dieser seltsame altge Mann mit dem wettergegerbten Gesicht und dem wehenden weißen Haar etwas mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun hat? Die überbordende Phantasie der Kinder schlägt Purzelbäume, bis sie sich sicher sind, dass sie einem Geheimnis auf der Spur sind und in das alte und wacklige Haus von Solomon Vickers einbrechen, dieses Geheimnis zu lüften. Doch es kommt ganz anders, sie werden ertappt und müssen Abbitte leisten, indem sie bei der Katalogisierung von .seltenen Meerestieren helfen.

Ich habe keinen Bezug zum Meer. Soviel Wasser ist mir von je her unheimlich und auf einem Schiff hatte ich noch nie Freude.. Doch wie man als Leser an die Wunderwelt unter Wasser und deren Lebewesen herangeführt wird, ist faszinierend. Riesenkraken, ausgestorbene Meeresbewohner, ganz normale Fische und Beifang. Sie alle haben ihre Bedeutung. Bezeichnend der Satz (S. 160) "...Wir müssen uns die Folgen unseres Handelns klarmachen. Wenn wir begreifen, was wir dem Riesenalk angetan haben, tun wir es vielleicht nicht auch noch anderen Lebewesen an, wie zum Beispiel dem Kabeljau.". Oder auf Seite 183: "Wir nehmen nur was wir brauchen. Wenn wir für sie(Fische) sorgen, sorgen sie für uns, verstehst du?"

Es gibt auch noch eine andere Geschichte in der Geschichte. Die handelt von Freundschaft, erste jugendliche Verliebtheit und auch von Tod und Verlust. Solomon spricht zu Pierce vom Tode seiner Frau.

< "Eben sind sie noch da, dann sind sie plötzlich weg, und man fragt sich, wie das sein kann."

Es war das erste Mal, dass jemand genau das in Worte fasste, was ich beim Tod meines Dads empfunden hatte.> (Seite 192)


SOMMER AUF PERIGO ISLAND ist einerseits ein heiteres Buch über herumtollende Kinder voller Albernheiten, überbordender Phantasie und Kobolde, in Erwartung auf die Unbeschwertheit der Jugend, die mit dem Übertritt von der Grundschule in die weiterführende Schule auf dem Festland beginnen wird. Doch in der ganzen heiteren Atmosphäre dieser Ferientage lässt der Autor auch etwas Wehmut einfließen, da nichts bleibt wie es mal war. Und trotzdem geht es immer weiter.








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Veröffentlicht am 24.03.2023

Man hat immer nur eine Gelegenheit

Das glückliche Geheimnis
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"Das glückliche Geheimnis" von Arno Geiger ist eines der Bücher von denen ich mir wünschte, nie ans Ende zu kommen. Es sind nur 237 Seiten, auf denen uns der Autor an seiner persönlichen Entwicklung teilhaben ...

"Das glückliche Geheimnis" von Arno Geiger ist eines der Bücher von denen ich mir wünschte, nie ans Ende zu kommen. Es sind nur 237 Seiten, auf denen uns der Autor an seiner persönlichen Entwicklung teilhaben lässt. Es ist ein Buch über sein Leben, seine Gedanken - aber auch eine Anleitung wie man ein erfolgreicher Schriftsteller wird.

Alles begann damit, dass der Autor während seiner Studienzeit Bücher und sonstige Schriften containerte. Zwar war es ihm furchtbar peinlich im Abfall anderer Leute zu wühlen. Trotzdem zog es ihn immer wieder früh am Morgen auf seine Streifzüge. Es war wie ein Sog. Die Bücher verkauften er und seine damalige Freundin auf dem Flohmarkt um finanziell besser über die Runden zu kommen. Wahre Schätze fand er im Papiercontainer. Neben Büchern wurden auch Tagebücher, Ansichtskarten oder z. B. Protokolle von Aufnahmegesprächen mit Frauen, die gescheiterte Suizidversuche hinter sich hatten (S. 31) gefunden und mitgenommen. "Tristesse hoch drei. Die sollten mich bloß in Ruhe lassen." Zu Hause wurde sortiert und gelesen. Was er in den Containern fand entsprach oftmals nicht seinem Faible für die Sprache. Was er fand war das wahre Leben.


" Ich hatte keine Lust, bei der grauen Wirklichkeit an die Tür zu klopfen, die kannte ich auss meinem Elternhaus und hatte mir geschworen, ihr nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen. Ich sehnte mich nach der Farbigkeit des Lebens." (S. 30/31)

Wir begegnen dem Studenten Arno Geiger, der in einer billigen Behausung mit der Toilette auf dem Flur lebte. Das Leben fern des Elternhauses mit der gewonnenen Freiheiten hatte gerade angefangen. Aus dem Text spricht der Überschwung und die Neugierde auf das, was nun kommen würde. Eins wusste er: Er wollte Schriftsteller werden. Doch bis zu den ersten, kleinen Erfolgen war es ein beschwerlicher Weg. Doch auch jetzt durchstöberte er noch immer die Papiercontainer, fand Ansichtskarten, Tagebücher und auch Briefe. Das Lesen dieser Funde bringt Arno Geiger immer weiter, eröffnet ihm den Weg, die Menschen zu verstehen wie sie sind und nicht wie man sich die Menschen vorstellt. An dieser, seiner Entwicklung lässt er den Leser teilhaben.

(S. 65) "Beim Finden weiß ich: Alles ist Zufallsfund. Es gibt für alles immer nur eine Gelegnheit. Was ich versäume, ist unwiederbringlich versäumt, denn diese Dinge halten sich mir nicht zur Verfügung wie Dokumente in einem Archiv. Für wenige Tage sind sie greifbar, möglicherweise nur für einen Tag. Und entweder ich finde sie innerhalb der eng begrenzten Frist, oder sie existieren nicht mehr. Bei Briefkonvoluten und Fotografien hat das etwas Geisterhaftes."

In die Sätze des Autors schleicht sich immer mehr Nachdenklichkeit. Gleichzeitig lebt er eiin unbeschwertes Junggesellenleben. Hat eine feste Freundin und gleichzeitig mehrere Geliebte. Eine jungenhaft Leichtlebigkeit. Auch das gehört zum Autor. Stipendien ermöglichten Arno Geiger sich voll und ganz dem Schreiben zu widmen. Wir erleben die Geburt seiner Romane. Jedes Buch entwickelt sich auf seine spezielle Art.

Auch als erfolgreicher Autor schlüpft er immer wieder in seine Arbeitskleidung und durchstöbert Container. "Am Abend machte ich im Schauspielhaus eine Veranstaltung vor vollem Saal und Fernsehkameras. Zwei Tage später schlüpfte ich in Arbeitskleidung, und dann konnte ich wieder auf dem Rad beobachtet werden als anonymer Irgendwer, der dreckig seine Runde dreht. Je erfolgreicher ich wurde, desto weniger beunruhigt war ich bei dem Gedanken, wie wundersam die Haltbarkeit meines Doppellebens war, wie doppelt genäht." (S.117)

Viele kluge Sätze kann man lesen. Über die Logik des Lebens oder wie auf S. 139: "Krisen bekommen ihre Bedeutung erst vom Ende her zugewiesen."

Sehr einfühlsam beschreibt Arno Geiger, wie er sich wieder mehr seinen alternden Eltern zuwendet. Die fortschreitende Demenz seines Vaters verarbeitete er in einem Roman.

Der letzte Teil des Buches "Das glückliche Geheimnis" gefiel mir besonders gut. Im Grunde gibt es nur wenig Handlung, dafür umso mehr philosophische Betrachtungen über die Menschen und das Leben an sich. Und dann sind da noch die Schriftsteller in ihrer Blase und ihre Motivation zu schreiben.

Arno Geiger hat in diesem Buch sein Geheimnis gelüftet.






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Veröffentlicht am 08.11.2022

Seit hunderten von Jahren hängt alles mit allem zusammen

Ein Rätsel auf blauschwarzem Grund
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Um es vorweg zu sagen, dieses Buch ist wie eine Perle in der Literatur. Der Roman mit Bezug auf tatsächliche geschichtliche Ereignisse, als auch diese faszinierende Sprache - es passt einfach alles.

Sobald ...

Um es vorweg zu sagen, dieses Buch ist wie eine Perle in der Literatur. Der Roman mit Bezug auf tatsächliche geschichtliche Ereignisse, als auch diese faszinierende Sprache - es passt einfach alles.

Sobald ich mich voll auf die Geschichte eingelassen hatte, war ich verzaubert von dieser nordischen Mystik, die in dem ganzen Buch präsent ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir vor einigen Jahren Norwegen 4 Wochen lang mit dem Wohnwagen bereisten und uns genau dort wo dieser Roman spielt, nördlich von Lillehammer, für einige Tage aufgehalten haben. Schon während unseres Aufenthaltes waren wir von dieser schieren Endlosigkeit des Fjells angetan. Ab und zu stand da mal ein Sommerhaus an einem See. Ansonsten unendlich Natur. Man konnte das Gefühl haben, allein auf der Welt zu sein, da uns kaum jemand - wenn man von den vielen freilaufenden Schafen absieht - begegnete. Wir besichtigten auch 2 Stabkirchen und wanderten über Friedhöfe, die meist ganz anders angelegt waren als bei uns. Und genau das, was wir auf unsere Reise sahen und empfanden, gibt der Autor in seinem Buch wider. Mir ging das Herz auf.

Doch jetzt zum Inhalt. Zu Beginn geht es zurück in den 1. Band der Trilogie, zu den siamesischen Zwillingen, den Hekne-Schwestern, die mit ihren geschickten Händen Kunstwerke wie Kissen oder diesen sagenumwobenen Wandteppich erschufen. Es war als wüssten sie, was sich alles nach ihnen ereignen wird, denn ihre Motive erzählen davon.

Seite 99, Kai Schwaigaart: "Das Kopfkissen ist den Träumen des Einsamen ganz nah."

Kai Schwaigaard, der Pfarrer in Butangen kennen wir schon vom ersten Band. Er war verliebt in Astrid, konnte aber deren Herz nicht gewinnen, da der deutscher Architekt Schönauer kam die Stabkirche zu zeichnen, anschließend abzubauen und nach Dresden zu verschicken, wo sie wieder aufgebaut wurde. Er zeichnete nicht nur die Kirche sondern auch Astrid, die sich in ihn verliebte und später bei der Geburt ihrer Zwillingen starb. Ab da setzt die eigentliche Geschichte des zweiten Bandes ein.

Wir lernen Jehans kennen, einer von Astrids Söhnen. Der zweite Junge sei bei seiner Geburt verstorben, hieß es. Auch Jehans musste, wie alle anderen Bewohner auch, bei Oswald, dem reichsten Landbesitzer der Gegend, Frondienste leisten. Dieser, ebenfalls ein Hekne, bestimmte über das Land und vor allem über die Menschen. Oswald missbrauchte seine Macht wann immer es ihm beliebte und warf die Menschen von den Höfen, vertrieb sie von dem Land das sie bestellten. Die Handlung des Buches ist in einer Zeit vor etwa 130 Jahren angesiedelt. Was für ein Unterschied zum heutigen Leben, wie wir es in Europa kennen. Während unserer Reise durch Norwegen besichtigten wir auch das Freilichtmuseum Maihaugen und während ich dieses Buch las erinnerte ich mich wieder an diesen Besuch. Vor meinen inneren Augen erstanden wieder die alten Hütten und Häuser des Museums, in denen zu früheren Zeiten die Menschen in Norwegen lebten.

Wieder zurück zum Roman: Doch Jehans ist mehr als nur ein Arbeiter auf dem Hekne-Hof. Kai Schwaigaart versprach sich um ihn zu kümmern und ihm Bildung zu vermitteln. Er lehrte ihn Englisch und brachte ihn mit Hilfe von Büchern mit der moderneren Welt da draußen in Kontakt. Jehans war aber auch ein Jäger und ging auf die Rentierjagd. Kannte deren Gewohnheiten und wie man sich ihnen am besten näherte.

Seite 50: "Die Rentiere kamen den Berghang herab wie die franz. Kavallerie."

Auf seiner Pirsch traf er auf den Engländer Victor, der sich ebenfalls auf Rentierjagd befand. Gleichzeitig hatten sie auf das Tier geschossen und es war nicht mehr genau auszumachen, welcher Schuss das Tier tötete. Auch da kommt wieder dieses Übersinnliche der nordischen Mystik zum tragen, als die beiden Männer sich ohne viel Worte zu wechseln, verstehen. Es ist, als wüssten sie, was der Andere in nächsten Moment zu tun gedenkt. Eine Verbindung jenseits des Erklärbaren. Man einigte sich schnell in Bezug auf das Rentier. Mehr will ich dazu nicht verraten. Von da an überschlagen sich fast die Ereignisse.

Der Roman spielt über mehrere Jahrzehnte. Auch diese abgeschiedenen Ansiedlungen bekamen den ersten Weltkrieg zu spüren. Und als man froh darüber war alles hinter sich zu haben, fand die spanische Grippe ihren Weg nach Butangen. Immer wieder spielen die kunstvollen Kissen und der Wandteppich der Hekne-Schwestern eine Rolle. Haben sie nicht vor Jahrhunderten schon all diese Ereignisse durch ihre Motive in dem Teppich dargestellt? Die Schwesternglocken, von denen eine in Dresden in der Stabkirche hängt und die zweite auf dem Grund des dunklen Sees in Butangen liegt um von dort zu läuten, dass es die Menschen hören und gewarnt werden.

Wie oben schon erwähnt, ist die nordische Mystik in diesem Buch allzeit gegenwärtig.

Geplant ist eine Trilogie. Natürlich kann man diesen 2. Band lesen, ohne den vorherigen zu kennen, da dieses Buch in sich abgeschlossen ist. Doch ich würde jedem empfehlen, zuerst den 1. Band zu lesen oder als Hörbuch zu hören. Die Hekne-Schwestern, Kai Schwaigaart, Astrid, Schönauer und vor allem Butangen werden im ersten Teil dem Leser nahe gebracht und im 2. Band hat man das Gefühl, zu liebgewordenen Bekannten zurück zu kehren.

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