Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.08.2017

Eindrücke über Afrika

Der Sandmaler
0

Die Abiturienten Elisabeth und Stefan, die eine flüchtige Beziehung hatten, treffen sich zufällig auf einer Urlaubsreise in ein (namentlich nicht benanntes) afrikanisches Land. Während er auf Vergnügen ...

Die Abiturienten Elisabeth und Stefan, die eine flüchtige Beziehung hatten, treffen sich zufällig auf einer Urlaubsreise in ein (namentlich nicht benanntes) afrikanisches Land. Während er auf Vergnügen aus ist, versucht sie das Land zu verstehen und lässt sich die geschichtlichen Hintergründe erklären.
Das Buch gibt einen guten, letztlich aber doch oberflächlich bleibenden Einblick in die für uns Europäer so fremde Welt Afrikas. Beispielhaft sind Elisabeths Erlebnisse – ihr Zug durch das Armenviertel, die Beobachtung eines Fruchtbarkeitstanzes, ihr Besuch einer einheimischen Familie und eines Lepradorfes, das (titelgebende) Gespräch mit dem einheimischen „Sandmaler“ am Strand, der in einem sozialistischen Afrika die Zukunft des Kontinents sieht. Nachdenklich stimmt, dass die Geschichte im Jahr 1971 angesiedelt ist und sich heute – Jahrzehnte später – eigentlich nicht viel geändert hat. Das Buch lässt sich schnell und einfach lesen; es wird bestimmt durch eindringlich wirkende kurze Sätze und einen schlichten Satzbau. Zu den Protagonisten bleibt aufgrund des nüchternen Schreibstils eine gewisse Distanz.

Wirklich beeindruckt hat mich das Buch letztlich nicht und ich bewerte es als im Durchschnitt liegend mit drei Sternen.

Veröffentlicht am 19.08.2017

Rastlose Reise durch Deutschland

Faserland
0

Richtig überzeugt hat mich dieses Buch nicht. Der Ich-Erzähler, offenbar Sohn aus reichem Elternhaus, ohne sich aber selbst eine Existenz aufgebaut zu haben, reist von Sylt über Hamburg, Frankfurt, Heidelberg ...

Richtig überzeugt hat mich dieses Buch nicht. Der Ich-Erzähler, offenbar Sohn aus reichem Elternhaus, ohne sich aber selbst eine Existenz aufgebaut zu haben, reist von Sylt über Hamburg, Frankfurt, Heidelberg und München nach Zürich und erzählt in einem endlosen Monolog von seinen kurzen Aufenthalten. Er trifft unterwegs vermeintliche Freunde von früher, besucht Partys und Bars. Alle geben sich dem exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum hin, übergeben sich mit einer Regelmäßigkeit, rauchen exzessiv. Immer wieder erinnert er sich an Begebenheiten aus seiner Kindheit und Jugend, kritisiert Verhalten und Aussehen seiner „Freunde“. Wichtig sind ihm Markenmodeprodukte wie die immer wieder erwähnte Barbour-Jacke.
Dieses Buch wird den bekanntesten Büchern der 90er zugeordnet. Für mich gibt es allerdings eindeutig zu wenig Handlung. Richtig Freude an dem Buch wird nur haben, wer Spaß am Interpretieren hat. Doch was will mir die Geschichte eigentlich sagen– geht es um die Orientierungslosigkeit und Unfähigkeit der im Wirtschaftswunder Deutschland aufgewachsenen jungen Leute aus besserem Hause?

Veröffentlicht am 29.07.2017

Anspruchsvoll

Sieben Nächte
0

Dieses Buch spricht besonders die Generation um die 30 an. Die Geschichte handelt und wird erzählt von einem namenlosen, nur einmal S genannten jungen Mann, der diesen ihm bevorstehenden Altersabschnitt ...

Dieses Buch spricht besonders die Generation um die 30 an. Die Geschichte handelt und wird erzählt von einem namenlosen, nur einmal S genannten jungen Mann, der diesen ihm bevorstehenden Altersabschnitt als bedeutende Zäsur in seinem Leben ansieht und eben hierüber sinniert. Die Perspektive, sich anpassen zu müssen, sich auf ein Leben, eine Arbeit, eine Frau festlegen zu müssen, erschüttert ihn. Aus diesem Grund lässt er sich auf einen Pakt mit einem flüchtigen Bekannten ein. In sieben Nächten soll er die sieben Todsünden erfahren und darüber schreiben. Das soll ihm helfen, evtl. eine Alternative zum angepassten Leben zu finden. Und so begleiten wir S. auf sieben nächtlichen Streifzügen durch seine Stadt, in denen er etwa in einem Restaurant Fleisch isst, Pferdewetten auf der Trabrennbahn abschließt, in der Universitätsbibliothek sitzt.
Das Buch wird nicht jedermanns Lesegeschmack treffen. Ich selbst kann mit Erzählungen wie der vorliegenden, die aus einer Aneinanderreihung von – zudem recht sprunghaften – Gedanken bestehen, nicht viel anfangen. Hinzu kommt, dass S. auf hohem Niveau philosophiert, was das Lesen sehr anstrengt. Es bedarf schon wiederholten Lesens einzelner Passagen, um auch nur ansatzweise zu erfassen, was der Autor mitteilen will. Bei genauer Betrachtung hat das von dem Protagonisten Erlebte wenig mit Todsünden zu tun. Aber Leser sehr anspruchsvoller Literatur werden sich zu Hause fühlen. Das Buch enthält eine Reihe zitierungswerter Sätze. Nebenbei möchte ich noch anfügen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht so recht stimmt; 16,- EUR für einen Buchtext, der sich von S.11 bis S.138 erstreckt abzgl. einiger Leerseiten zwischen den Kapiteln sind viel Geld.

Veröffentlicht am 10.07.2017

Nur eine platonische Freundschaft?

Freunde fürs Lieben
0

Am Grundthema dieser Geschichte streiten sich ja bekanntlich die Gemüter: Können Mann und Frau einfach nur beste Freunde sein oder kann es zwischen den Geschlechtern keine platonische Freundschaft geben? ...

Am Grundthema dieser Geschichte streiten sich ja bekanntlich die Gemüter: Können Mann und Frau einfach nur beste Freunde sein oder kann es zwischen den Geschlechtern keine platonische Freundschaft geben? Ein Vorzeigebeispiel für Verfechter ersterer Meinung scheinen die Protagonisten Finn und Marie zu sein. Seit Schulzeiten bis in ihre Dreißiger hinein sind sie beste Freunde (wenngleich alle anderen und schnell auch der Leser mehr in ihnen sehen), während sie wechselnde Partnerschaften pflegen. Erst als Fin an Marie mit dem verrückten Vorschlag herantritt, gemeinsam ein Kind zu bekommen, alles andere aber so zu belassen wie bisher, sehen beide auf einmal ihre Beziehung in neuem Licht. Wie und wohin sich alles entwickelt, muss jeder selbst lesen. Allerdings genügt schon, den Klappentext zu lesen, um das Ende vorhersehen zu können. Insgesamt eine sich nett lesende Geschichte für zwischendurch mit einer etwas weit hergeholten Grundidee. Als ein sich im Durchschnitt bewegendes Buch bewerte ich es mit im Mittelmaß liegenden drei Sternen.

Veröffentlicht am 15.06.2017

Freundschaft und Liebe ist, was im Leben zählt

Als wir unbesiegbar waren
0

Das Thema Freundschaft steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Wir begleiten zwei Frauen und zwei Männer über zwanzig Jahre hindurch ab Beendigung ihres Studiums in den 90er Jahren. In diesem Zeitraum ...

Das Thema Freundschaft steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Wir begleiten zwei Frauen und zwei Männer über zwanzig Jahre hindurch ab Beendigung ihres Studiums in den 90er Jahren. In diesem Zeitraum sind ihre Verbindungen untereinander mal lockerer, mal intensiver, letzteres besonders wieder am Ende, als sie sich erneut aufeinander besinnen. Natürlich gibt es auch wechselseitige geschlechtliche Beziehungen.
Ich persönlich siedle das Buch im Mittelfeld an. Die Distanz zu den Protagonisten blieb durchweg. Vor allem was Eva, die die Hauptrolle einnimmt, anbelangt, stand ich vor dem Problem, ihre Berufstätigkeit im Investmentbanking nicht so recht nachvollziehen zu können. Bei der Beschreibung ihrer Tätigkeit wurden geschäftstypische Schlagworte und Machenschaften eingebracht, die mir fremd sind. Ähnlich erging es mir mit Benedict, dessen wissenschaftliche Tätigkeit in der Teilchenphysik mir zu abstrakt ist. Anschaulicher waren da schon die Künstlerin Sylvie und ihr in der Nachtclubszene tätiger Bruder Lucien. Vermisst habe ich zu erfahren, wie es überhaupt zu einer Freundschaft der vier gekommen ist. Etwas Biss bekommt die Geschichte dadurch, dass die vier immer mal wieder philosophieren, z.B. über den Geist ihrer Generation, was den Leser zum Nachdenken anregt.

Ein Buch, das sich mal nebenher lesen lässt, aber keinen nachhallenden Eindruck hinterlässt.