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Veröffentlicht am 24.11.2022

Hansi treibt es bunt

LAS VEGAS IN UNTERFILZBACH
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Hansi und Bettina Scharnagl reisen nach Amerika, um ihre dort studierende Tochter Indira zu besuchen. Auf ihrer Rundreise besuchen sie auch Las Vegas. In einem dortigen Spielcasino treffen sie durch Hansis ...

Hansi und Bettina Scharnagl reisen nach Amerika, um ihre dort studierende Tochter Indira zu besuchen. Auf ihrer Rundreise besuchen sie auch Las Vegas. In einem dortigen Spielcasino treffen sie durch Hansis Verhalten auf den Chef - der kein geringerer als Charlie Woodforth, dem Unterfilzbacher Karl Holzfurtner, ist. Dieser bekommt daraufhin Sehnsucht nach seiner Heimat und zieht mit seiner gebotoxten Freundin Scarlett und Cadillac Elvis nach Unterfilzbach. Dort steht von Stund an die Welt der älteren Damen Kopf, denn Charlie hat in seiner Jugend nichts anbrennen lassen und viele gebrochene Herzen zurückgelassen. Als Scarlett unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, riecht der Bauhofdetektiv den Mord schon gegen den Wind und beginnt zu ermitteln.

"Las Vegas in Unterfilzbach" ist wieder einmal ein humorvoller Krimi, der mich begeistert hat. Eva Adam läßt es diesmal extrem krachen in Unterfilzbach. Schon die Reise durch Amerika mit Hansis Eskapaden treibt Lachtränen in die Augen. Als dann auch noch Charlie mit seinem schillernden Vegas-Lifestyle in Unterfilzbach heimisch wird und die grantelige Berta Hinkhofer Haferlschuhe, Jerseyhose und graue Dauerwelle gegen High-Heels, Minikleid und blondierte Frisur tauscht, ist es endgültig um den Leser geschehen. Man kann sich richtig gut vorstellen, wie sie nun durch die Straßen stakst. Da ist es schon richtig schade, daß Charlie nur in diesem Band eine Rolle hat. Wer weiß, was Berta sonst noch angestellt hätte. Hansi überzeugt auch hier wieder mit Spürsinn gepaart mit ein wenig Hang zu Fettnäpfchen. Dies sowohl im Bauhof, als auch in der Familie. Herrlich, daß Tochter Isa ausgerechnet einen "Preuß" als Freund anschleppt - moch dazu einen Tätowierer. Und auch Bettina schont seine Nerven nicht, fährt in Kur und Hansi kommt fast um vor Eifersucht. Man kann schon fast Mitleid mit ihm haben. Der Fall ist wirklich spannend und sorgt für einige falsche Fährten, denen Hansi gern nachgeht und dadurch in manch eine peinliche Situation gerät. Die Auflösung ist dann sehr überraschend und Hansi wächst dabei über sich selbst hinaus. Ich mag diese Serie unheimlich. All die sympathischen Charaktere mit ihren Eigenarten sind mir sehr ans Herz gewachsen. Von den Dorfbewohnern darf wirklich niemand fehlen, denn sie gehören einfach zusammen. Sie bilden eine Einheit und stehen füreinander ein. In den Krimis von Eva Adam stimmt einfach alles - man bekommt Spannung mit tollem Humor, sympathische Charaktere und die traumhafte Kulisse eines bayrischen Dorfes. Für mich gehört der neueste Band jedes Jahr einfach zum Lesejahr dazu und deshalb hoffe ich auf noch viele Morde, die Hansi aufklären darf!

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Veröffentlicht am 21.11.2022

Ein wundervolles Buch

Rendezvous mit Tieren
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Andrea Camilleri beschreibt in seinem Buch "Rendezvous mit Tieren" sein Zusammenleben mit den Tieren verschiedenster Art. Sein toskanisches Landhaus war genauso mit Tieren bevölkert wie seine Wohnung in ...

Andrea Camilleri beschreibt in seinem Buch "Rendezvous mit Tieren" sein Zusammenleben mit den Tieren verschiedenster Art. Sein toskanisches Landhaus war genauso mit Tieren bevölkert wie seine Wohnung in Rom. Das Besondere ist, daß er kein Tier gekauft hat - alle haben von sich aus Zuflucht bei ihm gesucht. Alle Tiere waren für Andrea Camilleri etwas besonderes. Er achtete sie alle und gab ihnen ein Zuhause, so, wie es ihren Bedürfnissen entsprach. Dies hieß allerdings auch einmal, sich von einem Tier zu trennen, wie er es im Falle von Aghi, dem Stollenhund tun mußte. Er wäre in der Stadtwohnung nicht glücklich geworden, denn er liebte es zu graben. Anderen Tieren konnte er gerecht werden. So beherbergte er den Wellensittich Pimpigallo und einen Distelfink, die so intensiv Freundschaft schlossen, daß einer ohne den anderen nicht sein konnte. Der Wellensittich erlernte sowohl die Stimme von Camilleri, als auch den Gesang des Distelfinkes. Camilleri rettete einen Kater vor Jungen, die mit diesem Fußball spielten und ihm dadurch das Rückgrat brachen. Statt der vorhergesagten 2 Jahre lebte der Kater noch 18 Jahre bei Familie Camilleri. Der Autor hat aber ebenso ein Herz für wilde Tiere. So erzählt er auf humorvolle Art, welch Anstrengungen er unternimmt, um eine Viper von seinem Grundstück zu vertreiben. Als sich diese Viper als harmlose Natter entpuppt, gewährt er ihr die Freiheit seines Gartens. Auf ebensolch humorvolle Art schreibt er von betrunkenen Schweinen und verpatzten Jagsausflügen in seiner Jugend. Dies alles hat mich wunderbar unterhalten und ist Schuld an so mancher Lachträne. Doch dabei darf man den eigentlichen Sinn des Buches nicht vergessen: Andrea Camilleri will dem Leser die Tiere näher bringen, ja, er will ihre Sprache näher bringen. Und dies gelingt ihm durch seine humorvolle Art besser, als wenn er mit erhobenem Zeigefinger geschrieben hätte. Denn an diesem Buch hat man als Leser Spaß - und somit kann dieses Buch viel mehr Menschen erreichen, als es ein Sachbuch könnte! Dazu ist das Buch einfach wundervoll gestaltet. Die einzelnen Tiere sind durch einfache Zeichnungen dargestellt, die das Buch zusätzlich auflockern.
Mir hat das Buch richtig gut gefallen, so daß ich es jedem Tierfreund sehr ans Herz legen kann!

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Veröffentlicht am 17.11.2022

Fitzek in Höchstform

Mimik
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Hannah Herbst ist Mimikresonanz-Expertin und Beraterin der Polizei. Doch nun steht sie selbst auf der Seite der Angeklagten, denn sie soll ihre Familie brutal ermordet und sich selbst dabei schwer verletzt ...

Hannah Herbst ist Mimikresonanz-Expertin und Beraterin der Polizei. Doch nun steht sie selbst auf der Seite der Angeklagten, denn sie soll ihre Familie brutal ermordet und sich selbst dabei schwer verletzt haben. Nach der nötigen Operation leidet sie durch eine Betäubungsmittelunverträglichkeit unter einer vorübergehenden Amnesie. Während ihres Krankenhausaufenthaltes wird sie vom flüchtenden Gewaltverbrecher Blankenthal entführt. Er konfrontiert sie mit dem Video ihres Verhöres, in dem sie die Morde gesteht. Doch etwas stört Hannah an ihrer Mimik - sie versucht, Blankenthal von ihrer Unschuld zu überzeugen und somit seine Pläne mit ihr abzuwenden. Eine Odyssee beginnt...

Mit "Mimik" hat sich Sebastian Fitzek einmal mehr. Das Buch beginnt mit zwei Geschehnissen in der Vergangenheit, die später Sinn ergeben werden. Die eigentliche Handlung beginnt später - und ab da herrscht wirklich atemlose Spannung. Man zittert mit Hannah und gerät in ein regelrechtes Gefühlschaos. Einerseits glaubt man fest an ihre Unschuld, andererseits kommen auch immer wieder Zweifel auf. Sebastian Fitzek hatte in diesem Buch noch eine recht ungewöhnliche Idee. Manche wenige Szenen hat er gesplittet, so daß die Handlungen von zwei Charakteren, die gerade fest zusammenhängen, jeweils rechts und links auf einer Seite gedruckt sind. Dadurch laufen diese Szenen wie ein Film, der immer hin und her springt vor Augen ab. Die ohnehin hohe Spannung wird dadurch noch erhöht. Was mich bei Fitzek immer neu fasziniert sind seine Themen. Man merkt immer sehr deutlich, daß er sich des Themas nicht einfach bedient, sondern sich intensiv damit befasst und Experten zu Rate zieht. So auch beim Thema Mimikresonanz, bei dem er sich Unterstützung von Dirk Eilert dazu holte. Dadurch wirkt alles sehr glaubhaft und man lernt über diese Wissenschaft etwas dazu. Dadurch hebt sich auch dieser Psychothriller von anderen Büchern des Genres ab. Sebastian Fitzek schreibt auch in "Mimik" wieder auf seine gewohnt lockere Art, die sehr bildhaft ist. Seine Charaktere sind allesamt schwer zu durchschauen, so daß man immer wieder in seinen Verdächtigungen schwankt. Wer ist gut, wer ist böse- ein ständiges auf und ab mit vielen Wendungen und einer für mich sehr überraschenden Auflösung.
Mich hat auch dieser Fitzek wieder voll überzeugt und bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Immer wieder schön

Lady Hardcastle und ein filmreifer Mord
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Gloucestershire im Jahre 1909. Lady Hardcastle beherbergt den Regisseur und die Schauspieler, die in Little Cotterell ihren Film "Das Verhängnis der Hexe" bewerben wollen. Doch so mancher Dorfbewohnern ...

Gloucestershire im Jahre 1909. Lady Hardcastle beherbergt den Regisseur und die Schauspieler, die in Little Cotterell ihren Film "Das Verhängnis der Hexe" bewerben wollen. Doch so mancher Dorfbewohnern ist von dieser Filmvorführung nicht begeistert - zu tief sitzt der Aberglaube. Nach dem ersten Kinoabend, der trotzdem sehr erfolgreich war, scheint sich der Aberglaube zu bestätigen, denn einer der Schauspieler liegt tot unter dem Vogelbeerbaum - auf ähnliche Weise zu Tode gekommen, wie sein Filmcharakter...

Lady Hardcastle und ein filmreifer Mord" ist der vierte Fall aus der Feder von T E Kinsey rund um die bezaubernden beiden Damen Lady Hardcastle und ihre Zofe Florence. Auch hier bezaubern die beiden Damen durch ihren für das Jahr 1909 sehr eigenwilligen Stil. Sie machen ihr eigenes Ding und leben ihr Leben so, wie es ihnen gefällt. Man merkt den Standesunterschied gar nicht. Dies gefällt mir wahnsinnig gut und macht für mich den Liebreiz dieser Serie aus. In diesem Buch erfährt man übrigens noch so einiges neu über Lady Hardcastle und ihre Florence. Der Krimi ist sowohl von den Dialogen, als auch vom restlichen Stil an das Jahr 1909 angepasst. Er paßt in die Zeit, ist entspannend unblutig und sehr britisch. Dieser Krimi lebt von seiner behaglichen Atmosphäre, bei der man prima miträtseln kann. Wunderbar war der Aberglaube der Dorfbewohner. Auch dies sehr passend zur Handlungszeit. Dieser, sowie die Dialoge, allen voran die zwischen Lady Hardcastle und Florence, haben hier für ein wenig lockeren Humor gesorgt, der so richtig britisch-trocken ist. Der Autor schafft es, den Leser in die Vergangenheit mitzunehmen. Man sieht die Damen in ihren Kleidern, die Landschaft lädt zum Entspannen ein - hier kann man richtig in der Handlung versinken.
Diese Serie begeistert mich mit jedem Band mehr, so daß ich auf weitere Fälle für Lady Hardcastle und Florence hoffe!

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Veröffentlicht am 13.11.2022

Bringt ein Stück ostdeutsche Zeitgeschichte näher

Die Sehnsucht nach Licht
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Luisa lebt in Bad Schlema im Erzgebirge. Sie führt dort die Touristen durch das Besucherbergwerk und erzählt ihnen die Geschichten ihrer Heimat. Ihre Familie ist schon seit vielen Generationen mit dem ...

Luisa lebt in Bad Schlema im Erzgebirge. Sie führt dort die Touristen durch das Besucherbergwerk und erzählt ihnen die Geschichten ihrer Heimat. Ihre Familie ist schon seit vielen Generationen mit dem Bergbau verbunden. Sie haben viel erlebt: Gute Zeiten, aber auch Unglücke, bei denen viele Menschen ums Leben gekommen sind. Die Familie rätselt noch heute, was Luisas Großonkel Rudolf zugestoßen sein könnte. Er kam eines Tages nicht von der Arbeit nach Hause und ist seitdem spurlos verschwunden. Man sagt, er sei im Stollen verunglückt, aber seine Leiche wurde nie gefunden. Besonders seine Schwester Irma leidet noch heute unter der Ungewissheit. Um der alten Dame zu helfen, stellt Luisa Nachforschungen an, die in eine Zeit zurückgehen, über die so gut wie gar nicht gesprochen wird. Aber Luisa gibt nicht auf und gibt ihrer Familie endlich die Gewissheit, auf die sie so lange gewartet hat.

Kati Naumanns Buch "Die Sehnsucht nach Licht" hat mich sehr berührt. Sie erzählt darin von einer Welt, die mir total unbekannt war. Das Leben im Erzgebirge, vor allem in der Zeit der DDR, war mir so fremd, als wäre es auf einem anderen Kontinent. Die Menschen haben mich tief beeindruckt. Sie haben fest zusammengehalten und keiner war auf sich allein gestellt. Ihre Sprache war einfach, aber sie waren ehrlich und zuverlässig. Was immer ihnen auch passierte, sie machten das Beste daraus und waren zufrieden. Man merkt, daß Kati Naumann viel Mühe in das Buch gesteckt hat. Ihre Aufarbeitung der Geschichte des Schlematals ist wirklich einzigartig. Dazu ist es ihr hervorragend gelungen, das Schicksal einer Familie über viele Generationen in dieser Gegend zu erzählen. Man erlebt mit den Menschen die Veränderungen ihres Lebensraumes hautnah mit und lernt so ihr Leben kennen.
Dieses Buch bringt dem Leser ein Stück ostdeutsche Geschichte näher und es tut gut, einmal daran teilzuhaben.

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