Profilbild von strickleserl

strickleserl

Lesejury Star
offline

strickleserl ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit strickleserl über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.12.2022

Gott ist gut, auch wenn ich nicht ihn nicht verstehe

Das hatte ich so nicht bestellt
0

Dieses bunte und abwechslungsreiche Buch verbindet in gelungener Weise persönliche Berichte mit fachlichem Rat. Elf Frauen erzählen aus ihrem Leben; von einschneidenden Ereignissen oder Schicksalsschlägen ...

Dieses bunte und abwechslungsreiche Buch verbindet in gelungener Weise persönliche Berichte mit fachlichem Rat. Elf Frauen erzählen aus ihrem Leben; von einschneidenden Ereignissen oder Schicksalsschlägen und von emotionaler Not. Da geht es beispielsweise um das Gefühl der Heimatlosigkeit oder um eine Kindheit in Armut, um einen Todesfall, um Krankheit, Schwangerschaft oder berufliche Schwierigkeiten. Das Spektrum der geschilderten Nöte ist groß. Die Frauen, die hier berichten, gehen sehr unterschiedlich mit den Krisen um, und nicht bei allen steht am Ende ein „happy end“. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie Halt im Glauben finden, selbst dann, wenn sie Gott nicht verstehen.

Die Gestaltung mit den vielen Bildern ist wunderschön. Das Lesen erinnert ein bisschen an das Lesen einer Zeitschrift. Die große Stärke dieses Buchs sind die Experteninterviews, die sehr gut zu den Lebensgeschichten passen. Es geht in den vier Interviews um Glück, Loslassen, das Alter und Enttäuschungen.

Dieses Buch enthält sehr viel Lebensweisheit! Die Frauen, die von ihren persönlichen Krisen berichten, erzählen, was ihnen in der Not geholfen hat, und wie sie dabei Gott erlebt haben. Das bietet dem Leser Anschauungsmaterial für eigene Krisen. „Wir können unsere Erlebnisse nicht ändern, aber deren Deutung und unsere Haltung. Die Vergangenheit können wir nicht umgestalten, aber unsere Zukunft.“

Die Experteninterviews vermitteln ein herzerwärmendes Bild von der Liebe Gottes und von seinem Nahe sein, auch in schweren Zeiten. Mehrere berichten, dass ihr Glaubensleben durch die Krise ehrlicher und authentischer wurde, ihr Gottesbild sich änderte, und sie selbst mitfühlender wurden.

Fazit: Wunderschön gestaltet und angefüllt mit hilfreichen Erfahrungsschätzen kann dieses Buch gut an Menschen weitergegeben werden, die etwas Schweres mitmachen oder eine Enttäuschung erleben. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 27.11.2022

Von der Tochter einer mutigen Gräfin

Die Tochter der Hungergräfin
0

Ernestine ist erst zehn, als ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt wird. Das 1626 geborene Mädchen muss mit ihrer Mutter und Schwester heimlich fliehen, denn ihr Bruder ist gestorben. Da der Vater schon ...

Ernestine ist erst zehn, als ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt wird. Das 1626 geborene Mädchen muss mit ihrer Mutter und Schwester heimlich fliehen, denn ihr Bruder ist gestorben. Da der Vater schon seit Jahren nicht mehr lebt, sicherte dieser männliche Nachkomme den Grundbesitz der Familie. Gleich nach seinem Tod drohen Verwandte der Familie ihre Besitztümer zu entreißen.

Ernestines Mutter kämpft erbittert für ihr Land. Das macht sie nicht aus eigennützigen Gründen, sondern weil sie die Landbevölkerung vor einem gemeinen Herrn schützen will. Dieser Kampf dauert lange und führt unter anderem dazu, dass Ernestine und ihre Familie hungern müssen, da sie sich in ihrer Burg verschanzen.

Dieser Roman wird aus der Sicht Ernestines erzählt und beginnt mit dem Tod ihres Bruders. Die Stimme dieses Kindes ist authentisch, wenn sie von den Entbehrungen erzählt, die für sie als verwöhnte Adlige neu sind.

Im zweiten Teil trifft der Leser auf die mittlerweile 14jährige Ernestine. Noch immer ist die Frage nach den Eigentumsrechten der Familie nicht geklärt. Sie reist mit ihrer Mutter nach Regensburg und wird dabei in die Gesellschaft eingeführt, da sie sich mit vierzehn im heiratsfähigen Alter befindet.

Am Anfang des dritten Teils ist Ernestine achtzehn und übernimmt immer mehr Verantwortung als Junggräfin. In diesem und im nächsten Teil geht es vor allem darum, wie Ernestine am Beispiel ihrer Mutter lernt selbstlos für die Bedürfnisse der ihr Anvertrauten zu sorgen.

Der innere Kampf um Selbstlosigkeit ist ein Hauptthema dieses Buchs. Schon als Kind überlegt Ernestine, „Was für ein Mensch wollte ich sein? Eine Herrin, die es sich auf Kosten ihrer Untertanen gut gehen ließ? Oder jemand wie meine Mutter, der das Wohlergehen ihres Volkes am Herzen lag?“ Als junge Erwachsene beschließt sie, „Ich wollte mein Bestes geben, weil diese Menschen mir nicht egal waren. Ich wollte mein Bestes geben, weil ich sie liebte, und plötzlich verstand ich, dass das der Kern einer göttlichen Berufung war: Die Liebe Gottes sprang über auf ein menschliches Herz und trieb es an.“

Ein großes Plus dieses Buchs sind die gutgezeichneten Charaktere. Ihre Persönlichkeit wird so gut wiedergegeben, dass man beim Lesen meint sie zu kennen. Die Lebensumstände in dieser längst vergangenen Zeit kennenzulernen, macht den Reiz dieses Buchs aus. Einmal angefangen, fällt es schwer mit dem Lesen aufzuhören. Dazu beruht diese Geschichte auf Tatsachen, was sie noch faszinierender macht.

Fazit: Eine interessante Erzählung über den Kampf einer Gräfin für ihr Erbe, zu einer Zeit, in der Frauen wenig zu sagen hatte. Die Wandlung eines selbstsüchtigen Kindes zu einer Frau, die das Wohl der anderen sucht, wird spannend wiedergegeben. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die historische Erzählungen lieben.

Veröffentlicht am 24.11.2022

Lieben, lieben, lieben – und loslassen

Wenn Kinder andere Wege gehen
0

Wenn Eltern von ganzem Herzen Jesus nachfolgen wollen und ihre Kinder sich von diesem Glauben abwenden, tut das sehr weh. Es geht dabei nicht nur um das Gefühl das Wichtigste im Leben nicht mit den eigenen ...

Wenn Eltern von ganzem Herzen Jesus nachfolgen wollen und ihre Kinder sich von diesem Glauben abwenden, tut das sehr weh. Es geht dabei nicht nur um das Gefühl das Wichtigste im Leben nicht mit den eigenen Kindern teilen zu können, es geht auch um die Ewigkeitshoffnung. Und manchmal geht es nicht zuletzt um den Ruf in der Gemeinde, vor allem wenn Eltern dort sehr engagiert sind.

Dieses Buch enthält viele Erfahrungsberichte von Eltern und Kindern, die mit der Frage um einen gemeinsamen Glauben ringen. Dabei gibt es mehrere hoffnungsvolle Geschichten von erwachsenen Kindern, die nach Jahren der Rebellion zurückgekehrt sind zu dem, was ihre Eltern ihnen vorgelebt haben. Neben diesen positiven Berichten stehen Zeugnisse von Eltern, die auch nach Jahren die Hoffnung auf eine Umkehr nicht aufgegeben haben. Die zerstörerisches Verhalten ihrer Kinder beobachten, aber einfach nur weiterhin beten und lieben können. Und vertrauensvoll loslassen, in dem Wissen, dass Gott seinen Weg mit ihren Kindern geht.

Jedes der zwölf Kapitel verbindet Erfahrungsberichte, oft in Form von Interviews, und Schlussfolgerungen. Der Grundton des Buchs ist verständnisvoll, denn, so wie es in einer Kapitelüberschrift heißt, „selbst beste Väter haben verlorene Söhne“. Neben Tipps für Eltern, erfahren Leser auch wie Gemeinde für Jugendliche attraktiv sein kann. Besonders hilfreich in diesem Buch ist die immer wieder gestellte Frage, „Was würdest du heute anders machen?“

Zu den Ratschlägen, die Leser in diesem Buch bekommen, gehört das Stichwort „vorleben“, denn ein Glaube, der sich an Traditionen und Glaubenssätzen festmacht, aber wenig Raum im Alltag findet, ist für Teenager nicht ansprechend. Interessant sind die Schlüsse, die die Autorinnen in Bezug auf Konsequenz ziehen. So bemängeln sie ein Aufweichen von Werten und Maßstäben, um sich den Kindern anzupassen. Auch die Berichte der Kinder machen deutlich, dass ihre Achtung für Eltern steigt, wenn Mama und Papa zu dem stehen, was sie glauben. Diese Beispiele verdeutlichen, wie praktisch und hilfreich die vielen Anregungen in diesem Buch sind.

Fazit: Ein wertvoller Ratgeber für Eltern, deren Kinder vom Glauben abdriften oder bereits auf einem anderen Weg unterwegs sind. Zu den Stärken dieses Buchs zählen die Offenheit der Betroffenen und die vielen Erfahrungsberichte. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 21.11.2022

Spannungsvolle tödliche Weihnachtstage

Einsame Nacht
0

In einer kalten, einsamen Nacht beobachtet eine Frau ein merkwürdiges Vorkommnis. Ein Mann dringt in das Auto der Frau, die vor ihr fährt, ein. Aus Angst fährt die Beobachterin weiter und beruhigt sich ...

In einer kalten, einsamen Nacht beobachtet eine Frau ein merkwürdiges Vorkommnis. Ein Mann dringt in das Auto der Frau, die vor ihr fährt, ein. Aus Angst fährt die Beobachterin weiter und beruhigt sich damit, dass die Frau diesen Mann sicher kannte und alles harmlos war. Doch am nächsten Tag wird die Frau ermordet aufgefunden.

Kate Linville recherchiert gemeinsam mit ihrer neuen Chefin. Dabei stoßen sie auf einen ungelösten alten Fall, denn die Fingerabdrücke im Auto der ermordeten gleichen denen, die vor Jahren an einem Tatort hinterlassen wurden. Ob es ihnen gelingen wird nicht nur diesen aktuellen Fall zu lösen, sondern auch den mysteriösen Fall der Vergangenheit? Obwohl es Weihnachten ist, stürzen sich die Ermittlerinnen in den Fall und setzen dabei beide unvorsichtigerweise ihr Leben aufs Spiel. Ihre Aktivität lenkt sie zumindest ein bisschen von der Einsamkeit ab, die für sie an den Feiertagen immer besonders schlimm ist.

Neben dieser Geschichte gibt es einen zweiten Erzählstrang. Ein Kind wächst heran und hat mit sehr viel Ablehnung und Lieblosigkeit zu kämpfen. Der Frust dieses Jungen führt zu emotionalen Essen und zu starkem Übergewicht, was zu noch mehr Schmach führt. Im Kind entwickelt sich ein unbändiger Hass.

Dieses Buch ist so spannend, dass man es - einmal angefangen - nur schwer weglegen kann. Schnell scheint es logisch zu sein, wer der Täter ist, doch dann geschieht etwas, dass alles in Frage stellt. Der zweite Handlungsstrang lässt bis zum Schluss rätseln, wie alles zusammenhängt. Die Auflösung ist dann spannend und führt alle offene Fäden zusammen.

Dieses Buch ist der vierte Teil einer Serie über Kate Linville, einer unscheinbaren, doch intelligenten Kommissarin. In diesem Buch erfährt der Leser viel über ihre Sehnsucht nach einem Partner und über ihre Einsamkeit, die an den Festtagen besonders unerträglich zu sein scheint. Auch ihr guter Freund Caleb taucht in diesem Band wieder auf.

Fazit: Ein spannender Thriller, der den Leser bis zum Schluss rätseln lässt. Themen wie Einsamkeit und Mobbing kommen neben den dramatischen Geschehnissen rund um einen Mordfall zur Sprache. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 21.11.2022

Das liebende Vaterherz Gottes

Flieh, mein Sohn
0

Pappys Familie lebt zwar in einfachen Verhältnissen, doch er hat eine glückliche Kindheit im Kongo, damals Zaire. Jäh endet diese friedliche Zeit. Verschiedene Rebellengruppen morden, entführen und vergewaltigen ...

Pappys Familie lebt zwar in einfachen Verhältnissen, doch er hat eine glückliche Kindheit im Kongo, damals Zaire. Jäh endet diese friedliche Zeit. Verschiedene Rebellengruppen morden, entführen und vergewaltigen in den Dörfern und Städten Kongos. Schon als kleiner Junge muss Pappy Grauenhaftes mitansehen.

Pappys Vater will auf keinen Fall, dass sein ältester Sohn als Kindersoldat kämpfen muss, darum bereitet er alles für seine Flucht vor. Pappy hat keine Wahl als mit zwölf Jahren seine Familie zu verlassen und ins Ungewisse aufzubrechen.

Seine Reise führt ihn durch sechs andere afrikanische Länder. Unterwegs trifft er einige Jungen, die aus demselben Grund aus ihrer Heimat fliehen, und sie werden ihm zu einer neuen Familie. Doch die Sehnsucht nach seiner eigenen Familie trägt er immer als dumpfen Schmerz mit sich.

Er reist mit seinen Freunden immer weiter nach Süden, bis sie am südlichsten Punkt Afrikas sind. Dort schlagen sie sich mehr schlecht als recht durch, indem sie ihre Dienste als Parkplatzwächter anbieten oder betteln. Als Pappy eines Tages von zwei freundlichen jungen Männern zu einem christlichen Zentrum eingeladen wird, beginnt seine Reise zu dem liebenden Vaterherz Gottes. Sein Leben beginnt neu, mit der Zeit heilen seine inneren Verletzungen, und er beginnt seine Gaben einzusetzen, um anderen zu dienen.

Dieser Lebensbericht ist spannend erzählt und gibt gut die Gefühle eines einsamen jungen Mannes auf der Flucht wieder. Todesangst, Hunger, Durst, Ausweglosigkeit – all das beschreibt Pappy so gut, dass man als Leser während der gesamten Reise mitfiebert und unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

Im letzten Drittel beschreibt der Autor, wie er eine christliche Lebensgemeinschaft kennenlernt. Zuerst willigt er ein dort zu leben, weil er verzweifelt Nahrung und einen Dach über den Kopf braucht. Aber als seine wichtigsten Bedürfnisse gestillt sind, nimmt er wahr, wie besonders die Gemeinschaft in seinem neuen Zuhause ist. Er kann nur staunen über die gelebte Liebe, die er hier miterlebt. Pappy schreibt, „Mich überkam eine unbändige Freude. Ich strahlte übers ganze Gesicht. Zum ersten Mal, seit ich von zu Hause weggegangen war, fühlte ich mich frei. In dieser Gemeinschaft zu sein bewegte nicht nur meinen Körper. Auch in mir veränderte sich allmählich etwas, das ich nicht in Worte fassen konnte.“ Das zu lesen ist berührend und fordert Christen heraus tatsächlich so zu leben, dass andere diese Liebe spüren können.

Fazit: Eine Lebensgeschichte, die den Leser in seinen Bann zieht. Authentisch, emotional und sehr berührend. Dieses Buch ist sehr empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere