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Veröffentlicht am 28.11.2022

Mörderische Spannung im Sauerland

Katz und Mord
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Bereits 2017 erschien mit “Katz und Mord” der erste Sauerland-Krimi um Hauptkommissarin Anne Kirsch. Damals der Debütroman der Autorin Mareike Albracht, gibt es mittlerweile drei Folgebände, die (leider) ...

Bereits 2017 erschien mit “Katz und Mord” der erste Sauerland-Krimi um Hauptkommissarin Anne Kirsch. Damals der Debütroman der Autorin Mareike Albracht, gibt es mittlerweile drei Folgebände, die (leider) 2022 allesamt neue Cover erhalten haben. Zumindest für den ersten Band fand ich das ursprüngliche Cover absolut gelungen und passend zum Inhalt.

Doch worum geht es? Im sauerländischen Örtchen Bontkirchen an der Grenze zwischen NRW und Hessen gibt es kurz hintereinander zwei Todesfälle. Zuerst stirbt eine alte Dame an einer Pilzvergiftung, dann wird ein unbeliebter Junggeselle erschossen. Während der Dortmunder Kommissar Thorsten Seidel mit Unterstützung des jungen Briloner Kollegen Anton Hellmann ganz offiziell ermittelt, begibt sich seine Kollegin Anne Kirsch ganz eigenmächtig nach Bontkirchen. Sie mietet sich vor Ort in eine Pension ein, um fern der Großstadt den Trennungsschmerz einer frisch zerbrochenen Liebe zu überwinden und dabei undercover zu ermitteln. Verwicklungen sind dabei vorprogrammiert.

Mareike Albracht beschreibt kundig das Sauerland und seine Bewohner mit all ihren Eigenarten - den herben Charakter, die Nachbarn, die sich sehr für das Privatleben ihrer Mitmenschen interessieren, eine gewisse Konfliktfreudigkeit, aber auch das Gesellige, Schützenfest, Kirmes, Jagdgenossen und Canasterclub, sowie eine orientierungslose Jugend, die dem Rausch ebensowenig abgeneigt ist, wie die älteren Semester. Die Grenze zum Klischee ist da, aber wer einmal im Sauerland gefeiert hat, weiß um die Realität. Landschaft und Personen werden gut beschrieben, der Stil ist eingängig und lebendig.

Insgesamt hat mir dieser Krimi sehr gut gefallen und mich neugierig auf die Folgebände gemacht. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und die Spannung war durchweg gegeben. Einen kleinen Abzug muss ich aber aufgrund der zeitlichen Sprünge machen, die leicht für Verwirrung sorgen, und aufgrund eines kleinen inhaltlichen Fehlers. Dennoch vergebe ich gerne 4 Sterne für diesen schönen Regionalkrimi.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Auch Offshore wird gemordet

Trügerisches La Rochelle
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Vorab bemerkt: "Trügerisches La Rochelle" ist der vierte Band der Serie um Commissaire Clément Chevalier und sein Team. Ich würde unbedingt empfehlen, vorab die anderen Bände zu lesen.

Jean-Claude Vinet ...

Vorab bemerkt: "Trügerisches La Rochelle" ist der vierte Band der Serie um Commissaire Clément Chevalier und sein Team. Ich würde unbedingt empfehlen, vorab die anderen Bände zu lesen.

Jean-Claude Vinet konfrontiert seine Leserschaft diesmal mit einem ganz besonderen Schauplatz. Wer die Reihe aufgrund der bisherigen landestypischen Schauplätze wie Salzgärten, Weingütern oder Jachthäfen liebt, wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Die Ermittler werden unerwartet zu einem Installationsschiff, auch Errichterschiff genannt, gerufen. Solche Schiffe kommen beim Aufbau von Offshore-Windparks zum Einsatz, gigantische Stahlkolosse, die sich aus dem Meer erheben können. Es gelingt dem Autor hervorragend, diese ungewohnte und abgeschlossene Welt und ihre Atmosphäre darzustellen. Es herrscht eine bedrückende Enge und funktionale Kälte, der man nur mit seltenen Blicken auf den Sonnenuntergang auf dem Meer entkommen kann. Ein ungeklärter Todesfall macht die Anwesenheit der Polizei erforderlich und schnell wird klar, dass es sich um einen Mord handelt.

Während der Roman durch diesen ungewöhnlichen Schauplatz und das Locked-Room-Setting unglaublich spannend beginnt, könnte man fast meinen, es handele sich um einen Thriller. Doch Vinet kann diesen Spannungsbogen nicht durchgehend halten. Die Ermittlungen kommen nicht recht vom Fleck, Theorien werden aufgestellt und wieder verworfen. Dafür nehmen die Sidestories, das Familienleben Chevaliers und seiner Kolleginnen und Kollegen einen gewissen Raum ein, der im absoluten Gegensatz zum Tatort des Verbrechens steht. Dieses Hin und Her zwischen den Schauplätzen hat mich gestört. Es ist dem Autor sehr gut gelungen, die Atmosphäre des Installationsschiffs aufzuzeigen. Man konnte das stetige Brummen der Motoren beinahe spüren. Doch dann sind wir plötzlich wieder am malerischen Strand . Der Bruch war mir zu groß. Ich hätte mir gewünscht, dass Vinet mutiger wäre und sich noch mehr auf das Schiff fokussiert. Aber vermutlich wollte er die Fans der Serie nicht vergraulen. Auch das Cover zeigt nicht etwa einen Windpark, sondern den Hafen von La Rochelle.

Gut gefallen hat mir, dass auch das Thema Energiepolitik und der Diskurs darüber in Frankreich dargestellt werden.

Ich vergebe 3,5 Sterne

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Veröffentlicht am 10.04.2024

Drei Frauenleben

Das Geheimnis von Dikholmen
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Michaela Abresch entführt uns in ihrem Frauenroman “Das Geheimnis von Dikholmen” auf eine kleine schwedische Schäreninsel. Die Erzählung beginnt im Jahre 1960 mit einer geheimnisvollen Frau, die ihren ...

Michaela Abresch entführt uns in ihrem Frauenroman “Das Geheimnis von Dikholmen” auf eine kleine schwedische Schäreninsel. Die Erzählung beginnt im Jahre 1960 mit einer geheimnisvollen Frau, die ihren Mann und ihre Kinder verlässt, um diese zu schützen. Offenbar leidet sie an einer psychischen Krankheit: sie hört schon seit ihrer Kindheit Stimmen.

"Niemals wirst du uns entkommen. Wir bleiben bei dir, in dir, wohin auch immer du fliehst” (S. 35)

Dann ist da Inga, die 1968 ziemlich blauäugig die Flucht nach Dikholmen angetreten ist. Aus einer wohlhabenden Familie im städtischen Umfeld stammend hat sie keine Vorstellung vom Leben auf einer Schären-Insel, ist aber mutig genug, dieses Leben anzutreten, um dort ihr Kind zur Welt zu bringen.

Und zuletzt Lillemor, die an der Lahn wohnt, aber aus Schweden stammt. Sie hat einen schweren Verlust erlitten, über den sie trotz langjähriger Therapie noch nicht hinweg gekommen ist. Ihre Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, was ich sehr stimmig finde. So erfahren wir nach und nach ihre Lebensgeschichte und erleben gleichzeitig, wie sie sich im Jahre 2019 zu einer mehrtägigen Wanderung aufmacht.

Michaela Abresch gelingt es, diese drei Frauenschicksale mit jeweils eigenen komplexen Handlungssträngen nach und nach zu verbinden. Sie hat einen angenehmen Erzählstil, schafft auch durch ihre Landschaftsbeschreibungen eine schöne Atmosphäre und führt uns durch die Lebensgeschichten ihrer drei Protagonistinnen.

Hier setzt aber mein leichtes Unbehagen mit dem Buch ein. Die Frauen in diesem Buch nehmen die Männer in ihrem Leben so hin, wie sie sind und arrangieren sich mit ihrer jeweiligen Situation. Den Schmerz des Lebens und die Last des Alltags alleine tragen sie alleine. So müssen sich die Männer nicht aus ihrer Komfortzone herausbewegen. Sätze wie dieser formuliert die Autorin nur als Gedanken:

“Hinausfahren zu können, weg von Stegesund, von Dikholmen, raus aufs Meer. Frei zu sein, selbst Entscheidungen zu treffen, von niemandem abhängig zu sein, nie wieder.” (S. 404)

Ein Diskurs erwächst daraus nicht. So bleibt die Geschichte beständig auf einer individualisierenden Ebene.

Gut hat mir gefallen, dass das Altern und Kranksein hier nicht keinem Tabu unterliegen, sondern realistisch dargestellt werden.

Am Ende werden alle Stränge aufgelöst, ohne dass offene Enden bleiben. Allerdings wirkt manches dabei etwas konstruiert und vorhersehbar, es gibt für meinen Geschmack zu viele Zufälle und etwas zu viel Melodramatik.

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Veröffentlicht am 30.11.2023

(k)ein Schweden-Krimi

Im Herzen so kalt (Ein Fall für Maya Topelius 1)
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Sandra Åslund hat bereits Provence-Krimis geschrieben, sowie unter dem Pseudonym Sandrine Albert kulinarische Krimis aus Bordeaux. Nun hat sie ihre Wahlheimat Schweden zum Schauplatz des Verbrechens gewählt. ...

Sandra Åslund hat bereits Provence-Krimis geschrieben, sowie unter dem Pseudonym Sandrine Albert kulinarische Krimis aus Bordeaux. Nun hat sie ihre Wahlheimat Schweden zum Schauplatz des Verbrechens gewählt. Schweden-Krimis erwecken bestimmte Assoziationen und Erwartungen. Leider hat es sich eingebürgert, dass auf dem Cover ein Holzhaus in Schwedenrot in einsamer Landschaft steht. Hiervon weicht das im Ullstein-Verlag erschienene Buch leicht ab; das Haus ist in diesem Fall grün. Das hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht. Auch der vordere Klappeinband ist dazu farblich passend gestaltet mit Orientierungskarten - im hinteren findet sich bereits Werbung für die nächsten zwei Bücher, so dass die Leserin von vornherein weiß, dass es sich um eine Reihe handelt.

Zu einer Reihe gehört, dass man das “Personal” an Bord kennenlernt und wiedertreffen möchte. Schnell begegnen uns die junge Kriminalinspektorin Maya und ihre drei Freundinnen Sanna, Emely und Clara. Vier ganz unterschiedliche Frauen, die seit ihrer Kindheit befreundet sind, und sich trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswege nicht aus den Augen verloren haben. In diesem ersten Band erfahren wir vor allem etwas über Sanna.

Leider verrät die Rückseite des Buches schon sehr viel über den Inhalt. Das bewahrt aber vielleicht die eine oder andere Leserin vor einem Trigger. Ich bin da zwiegespalten. Während Sanna bis zum Ende des Buches als Charakter klar herausgearbeitet wird, bleiben andere Personen in ihren Motiven und Handlungen für mich noch unklar. Das gilt leider auch für die Hauptperson Maya, noch mehr aber für ihren älteren Kollegen Pär.

Doch nun zum Inhalt. Das Buch beginnt mit einer großartigen Sequenz. Hier möchte ich nicht zu viel verraten, nur soviel, dass es sehr spannend beginnt und zu diesem ersten Ereignis noch weitere spannende Ereignisse hinzukommen. Hier erkennt man das Potential von Sandra Åslund, wirkliche Pageturner zu schreiben. Dieses Niveau blitzt immer wieder auf, wird jedoch nicht durchgehend gehalten. Vielleicht liegt es daran, dass die Autorin zu viele Genretypen zugleich bedienen möchte. Mal ist es der düstere Schwedenkrimi, doch dann plötzlich geht es fast ein bisschen in die Kuschelkrimi-Ecke; und dann plötzlich wird es rasant wie in einem Thriller. Kurz fühlte ich mich auch an einen kulinarischen Krimi erinnert. Tatsächlich würde ich das Buch in erster Linie als Regio-Krimi bezeichnen. Insofern ist es ein sehr deutsches Buch und das enttäuscht vielleicht den einen oder anderen Liebhaber skandinavischer Krimis.

Inhaltlich werden gesellschaftliche und politische Themen aufgegriffen, wie es auch gerade in den Anfängen der Regio-Krimis (wie z.B. bei Jacques Berndorf) üblich war. Hier wäre auch eine Brücke zur schwedischen Krimitradition à la Sjöwall & Wahlöö oder Mankell. Doch leider verfolgt Sandra Åslund diese Ansätze in ihrem “Schweden-Krimi” nicht konsequent weiter. Themen werden angerissen, aber dann nicht vertieft. So wie auch Personen und ihre persönlichen Schicksale vorgestellt werden, ohne dass wir Lesenden am Ende wirklich greifen können, was diesen Menschen zu seinem Handeln bewegt.

Ein weiterer Punkt, den ich ansprechen möchte: die Ermittlungen hätte ich mir etwas professioneller gewünscht. Zumal Maya und ihr Kollege Pär gerade aus Stockholm nach Östersund abgeordnet wurden, um dies sicherzustellen.

Dennoch hat mir vieles an diesem Krimi auch sehr gut gefallen. Gerade deshalb habe ich herausgearbeitet, was aus meiner Sicht nicht stimmig war. Ich bin sehr neugierig darauf, wie es mit Maya Topelius und ihren Freundinnen weitergeht. Welches vergangene Ereignis Maya dazu bewegt hat, in den Polizeidienst einzutreten. Ich hoffe auch, dass Sandra Åslund weiterhin politische Themen aufgreift, denn diese waren super recherchiert und im Anhang sogar mit Hinweisen ergänzt, wie man sich dazu informieren kann. Zumal mich die Autorin auf einer Krimilesung mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Auftreten sehr beeindruckt hat.

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Veröffentlicht am 26.02.2023

Eine Liebesgeschichte - anders als erwartet

KOHI
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KOHI ist japanisch und bedeutet Kaffee. "KOHI - Eine Liebesgeschichte mit Kaffee" ist der erste Roman der österreichischen Journalistin Franziska Isoyama. Das Buch ist bereits 2019 erschienen im Bucher-Verlag ...

KOHI ist japanisch und bedeutet Kaffee. "KOHI - Eine Liebesgeschichte mit Kaffee" ist der erste Roman der österreichischen Journalistin Franziska Isoyama. Das Buch ist bereits 2019 erschienen im Bucher-Verlag und wartet mit einem sehr schönen Cover auf. Der schwarzbraune Kreis ist anmutig wie ein Gemälde im Stil der minimalistisch-abstrakten Zen-Kunst, und hat mich sofort begeistert.

So war meine Erwartung an das Buch sehr hoch und symbolisch aufgeladen. Deshalb habe ich mich anfangs mit der Lektüre etwas schwer getan, denn anders als von mir erwartet, spielt die japanische Kultur zwar eine wichtige, aber nicht die Hauptrolle in diesem Roman. Vielleicht spricht das Cover auch einfach eine andere Zielgruppe an, als der Roman es tut.

Es ist ein Liebesroman, und Japan ist ein Teil der Kulisse. Ja, ein dominanter Teil, aber es ist dennoch kein Buch über Japan. Damit musste ich als Leserin erst einmal klarkommen. Zudem konnte ich mich mit der Hauptperson nicht identifizieren. Deshalb hat es etwas gedauert, bis ich mich in die Geschichte einfühlen und das Buch als das annehmen konnte, was es ist: ein Liebesroman. Franziska Isoyama hat einen schönen Schreibstil und versteht es, Szenen und Landschaften zu beschreiben. Dennoch hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle mehr Tiefgang gewünscht.

Als Liebesgeschichte an sich ist es aber ein schönes Buch.

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