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Veröffentlicht am 04.01.2023

Unterhaltsamer Dark Academia Spannungsroman

Das College
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Das Setting ist schon mal wunderbar. Mit Protagonistin Hannah dürfen wir Oxford erkunden, wo sie jung und lebenslustig ihr Studium im elitären Pelham College beginnt. Doch ihre Unbeschwertheit endet abrupt, ...

Das Setting ist schon mal wunderbar. Mit Protagonistin Hannah dürfen wir Oxford erkunden, wo sie jung und lebenslustig ihr Studium im elitären Pelham College beginnt. Doch ihre Unbeschwertheit endet abrupt, als ihre Mitbewohnerin und inzwischen beste Freundin, April in der gemeinsamen Wohnung ermordet aufgefunden wird. Leider ist auch sie selbst, die Erste am Tatort und dass traumatisiert sie für ihr weiteres Leben, das fortan immer in ein „Davor“ und „Danach“ unterteilt ist.

Folgerichtig springt die Autorin aus Hannah‘s Perspektive zwischen der Studienzeit und der Jetztzeit hin und her bis zu dem Zeitpunkt, wo April ermordet worden ist. Ab diesem Zeitpunkt gibt es nur noch „Danach - Kapitel“ und Hannah hat inzwischen Zweifel, dass der offensichtliche Täter, der damals verhaftet wurde und inzwischen im Gefängnis gestorben ist, die Tat auch tatsächlich begangen hat.

Ich mag den Schreibstil von Ruth Ware sehr gerne. Bei ihr baut sich die Spannung zwar nur recht langsam auf, aber an irgendeinem Punkt ist fast jeder ihrer Figuren verdächtig. Typisch „Dark Academia“ gibt es eine Freundesclique mit sehr unterschiedlichen Charakteren. Sie scheinen sich zu mögen und gehen recht freundschaftlich miteinander um, aber man entdeckt ihre Eigenheiten auch die Unschönen erst mit der Zeit. Und natürlich gibt es auch einen Dozenten, der sich nicht ganz an die Normen hält. Die Autorin bedient durchaus das ein oder andere Klischee, das muß man auch sagen, aber mich hat es nicht gestört. Ich habe mich wirklich hervorragend unterhalten gefühlt und habe mich gerne mit der hochschwangeren Hannah auf Tätersuche begeben. Auch das Ende habe ich wirklich nicht kommen sehen.
Was will man mehr?!

Erwähnenswert wäre, dass es sich nach meinem Eindruck um einen Spannungsroman handelt. Wer einen actionreichen Thriller erwartet, der könnte hier enttäuscht werden. Leider wird das Etikett Thriller nur zu häufig auf ein Cover gedruckt und damit eine falsche Erwartungshaltung erzeugt.

Ich habe aber bekommen, was ich mir erhofft hatte, und deshalb gibt es von mir auch eine ganz klare Leseempfehlung. Gerne werde ich wieder zu Büchern der Autorin greifen.

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Veröffentlicht am 08.12.2022

Beeindruckend

Loyalitäten
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Delphine de Vigan haut mich mit ihrem Roman „Loyalitäten“ einfach um.

Nicht nur sprachlich ist das Buch außergewöhnlich, auch erstaunt mich, wie man in noch nicht einmal 200 Seiten soviel Inhalt packen ...

Delphine de Vigan haut mich mit ihrem Roman „Loyalitäten“ einfach um.

Nicht nur sprachlich ist das Buch außergewöhnlich, auch erstaunt mich, wie man in noch nicht einmal 200 Seiten soviel Inhalt packen kann. Jeder Satz sitzt und trifft den Punkt. Der Titel könnte ebenfalls nicht besser gewählt sein.

Im Zentrum der Geschichte steht der 12 jährige Theo. Die Eltern sind geschieden. Die Trennung war sehr unschön, die Wunden wurden nie aufgearbeitet und der Junge steht zwischen den Fronten. Er entdeckt in seinen jungen Jahren den Alkohol als Seelentröster. Es ist herzzerreißend.

Das Buch ist aus mehreren Perspektiven geschrieben. Neben Theo‘s Sicht gibt es noch die Perspektive des besten Freundes, Mathis. Außerdem kommt dessen Mutter Cécile zu Wort, die sich Sorgen macht und befürchtet, dass Theo der falsche Umgang für ihren Sohn ist. Und zu guter Letzt wird die Innenansicht von Hélène gespiegelt. Sie ist die Lehrerin von Mathis, hat selbst eine schwierige Kindheit hinter sich und pocht immer wieder darauf, dass mit Theo irgendetwas nicht stimmt.

Die beiden Frauen werden jeweils in der Ichperspektive geschrieben, was sie einem noch etwas näher bringt. Durch den schnellen Personen und Perspektivwechsel wird eine unheimliche Sogwirkung erzeugt, so dass man das Buch kaum zur Seite legen kann. Jede der Charaktere kämpft mit ihren Loyalitäten und will doch nur das Richtige tun. Der Roman ist wirklich sehr eindringlich, das Thema unendlich traurig und doch ist diese schwere Thematik mit einer gewissen Leichtigkeit geschrieben, die ich kaum beschreiben kann. Der Roman ist natürlich auch ein Appell nicht wegzusehen, auf sein Bauchgefühl zu hören und achtsam zu sein. Das offene Ende fand ich sehr gelungen. Es hat sich wunderbar in die Geschichte eingefügt.


Ich kann den Roman nur wärmstens empfehlen. Für mich ist er eines meiner Jahreshighlights.

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Veröffentlicht am 16.11.2022

Ein ganz besonderer Briefroman

Die Farbe Lila (ungekürzt)
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Die Farbe Lila“ ist 1983 erstmals erschienen, erhielt den Pulitzer Preis und ist vielen wahrscheinlich bekannt durch die Verfilmung von Steven Spielberg mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle.

Der Roman ...

Die Farbe Lila“ ist 1983 erstmals erschienen, erhielt den Pulitzer Preis und ist vielen wahrscheinlich bekannt durch die Verfilmung von Steven Spielberg mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle.

Der Roman wurde 2021 neu übersetzt und errang so erneut Aufmerksamkeit.

Zum Inhalt:

Die Geschichte spielt im Süden der USA, Anfang des 20. Jahrhundert.

Die junge afroamerikanische Celie, wächst im ländlichen Georgia in einer dysfunktionalen Familie auf. Vom Vater schon im Alter von 13 Jahren missbraucht, werden ihr ihre 2 Babies weggenommen und verkauft, und sie selbst wird zwangsverheiratet an einen Witwer, der einen Babysitter für seine Kinder benötigt. Die einzige Liebe, die Celie erfährt ist die Liebe zu ihrer jüngeren Schwester Nettie, die sie nach Kräften vor ihrem Vater zu schützen versucht. Die Schwester flieht zu der verheirateten Celie, doch ihr Ehemann Albert vertreibt sie alsbald. Nach der Hochzeit geht es Celie nicht viel besser als zu Hause, denn ihr Ehemann, den sie nur Mr. nennt, schlägt sie und behandelt sie furchtbar. Das ändert sich erst, als er seine ehemalige Geliebte, die Sängerin Shug ins Haus holt. Durch Shug lernt Celie erstmals Selbstliebe und gewinnt an Selbstbewusstsein.



Besonders an diesem Roman ist auch, dass es sich um einen Briefroman handelt. Zunächst schreibt Celie verzweifelte Briefe an Gott, dem sie ihren trostlosen und furchtbaren Alltag schildert. Später nachdem sie erfahren hat, was aus ihrer Schwester geworden ist, und Briefe an sie von ihrer geliebten Nettie zu ihr gelangen, schreibt Celie auch an ihre Schwester.

Der Roman ist berührend und eindrücklich zeigt deutlich auf, wie im Süden der USA auf dem Papier die Abschaffung der Sklaverei zwar beschlossen war, eine wirkliche Gleichberechtigung aber eigentlich bis heute nicht erreicht werden konnte. Neben Rassismus geht es in dem Buch um Inzest, Geschlechterrollen, gleichgeschlechtliche Liebe, den Sinn von Missionierung und unser Gottesbild.

Ich kenne die ursprüngliche Übersetzung nicht, fand die Neuübersetzung von Cornelia Holfelder-von der Tann aber auf jeden Fall überzeugend. Das Hörbuch ist toll vertont von Menck, Sithembile.


Große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 13.11.2022

Nur ein toter Lappe ist ein guter Lappe

Das Leuchten der Rentiere
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Das Leuchten der Rentiere“ von Ann Helén Laestadius nimmt uns Leser mit nach Nordschweden, wo die Volksgruppe der Sámi mit ihren Rentierherden leben. Unsere Protagonistin Elsa ist im 1. Teil des Buches ...

Das Leuchten der Rentiere“ von Ann Helén Laestadius nimmt uns Leser mit nach Nordschweden, wo die Volksgruppe der Sámi mit ihren Rentierherden leben. Unsere Protagonistin Elsa ist im 1. Teil des Buches erst 9 Jahre alt, als sie miterleben muss, wie ihr Rentierkalb grausam ermordet wird. Der Täter gibt ihr eindeutig zu verstehen, was mit ihr passieren wird, wenn sie ihn verrät. Also schweigt Elsa, ist ängstlich und traumatisiert. Ihr Leben ist von jetzt auf gleich nicht mehr dass, was es vor der Tat war.


Gemeinsam mit Elsa möchte man verzweifeln, denn der feige Rentiermord ist kein Einzelfall. Als Elsa zu einer jungen Frau herangewachsen ist, die trotz allem in den Familienbetrieb einsteigen will, haben sich an die 100 Anzeigen angehäuft. Da das Töten eines Rentieres aber als Sachbeschädigung geahndet wird und es nie Zeugen gibt, haben alle diese Anzeigen bisher nicht zu einer einzigen Anklage geführt, und das Morden geht immer weiter.


Ich muss zugeben, dass mir die Beschreibung dieser grausamen Tierquälereien schon zugesetzt hat, so dass ich das Buch auch schon mal eine Weile weglegen musste.


Darüberhinaus lernt man aber auch unglaublich viel über die Kultur der Sámi und die tiefe Kluft die sich durch die schwedische Gesellschaft zieht. Die Autorin kritisiert aber nicht nur das Unverständnis und die Feindseligkeit gegenüber der indigenen Bevölkerungsgruppe, sondern auch die patriarchalischen Strukturen innerhalb der Dorfgemeinschaften der Samen , die es einer Frau wie Elsa fast unmöglich machen die Arbeit mit den Rentieren durchzuführen und auch respektvoll behandelt zu werden.


Die Landschaften werden sehr atmosphärisch beschrieben, und auch die veränderten Lebensbedingungen für Mensch und Tier aufgrund des Klimawandels werden thematisiert. Die Charaktere wirken authentisch und man kann ihre Prägung durch ein hartes, naturverbundenes Leben gut nachvollziehen. Besonders Elsa mochte ich sehr. Wo viele junge Männer aufgeben, sich sogar aus Verzweiflung das Leben nehmen, glaubt sie fest an die Gerechtigkeit und kämpft weiter gegen alle Widerstände.


Ich mochte den Roman sehr und fand nicht nur das Setting sondern auch die Protagonisten einfach großartig.


Große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 30.10.2022

Für Finnlandfans und die, die es werden wollen

Finne dein Glück
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Der Kabarettist und Autor Bernd Gieseking hat sich in seinem Buch „ Finne Dein Glück“ erneut nach Finnland begeben, um herauszufinden, warum die Finnen im Weltglücksreport immer wieder auf dem 1. Platz ...

Der Kabarettist und Autor Bernd Gieseking hat sich in seinem Buch „ Finne Dein Glück“ erneut nach Finnland begeben, um herauszufinden, warum die Finnen im Weltglücksreport immer wieder auf dem 1. Platz landen. Gibt es eine Formel zum Glücklichsein? Was macht die Finnen so glücklich? Diesen besonderen Reisebericht zu lesen, macht auf jeden Fall schon mal glücklich.

33 Tage hat sich Bernd Gieseking auf Recherchereise begeben und dabei unzählige interessante Menschen getroffen, Freunde besucht und auch auf seiner 13. Finnlandreise wieder viel über Land und Leute gelernt. Locker und humorvoll steigen wir mit dem Autor in Travemünde aufs Schiff, um nach einer Woche in Helsinki stetig mit ihm nach Norden zu fahren bis Inari in Lappland. Danach geht es wieder zurück über Ivalo, Oulo, die Insel Hailuoto bis Tampere. Zum Abschluss steht noch einmal Helsinki auf dem Programm, bevor es auf die Fähre von Turku nach Schweden und schließlich über Dänemark wieder ins heimatliche Ostwestfalen geht.

Abgesehen davon, dass man stetig der Frage nachgeht, warum die Finnen so glücklich sind, ist auch die Reiseroute an sich ein Lesegenuss, und für Menschen, die gerne mal nach Finnland reisen möchten ein toller Leitfaden und eine Inspirationsquelle. Natürlich lebt das Buch aber auch von den Interviews mit den tollen Menschen, die Gieseking auf seiner Reise getroffen hat und von den Kuriositäten, die er entdeckt hat.

Dass die Finnen gerne in die Sauna gehen, ist ja bekannt. Witzig fand ich die Unterschiede, wie Saunabaden in Finnland im Vergleich zu Deutschland vonstatten geht. Mir war nicht bekannt, dass es da Unterschiede gibt, außer dass der Finne in der Regel das Privileg hat nach dem Schwitzen zur Abkühlung in den See zu springen. Aber natürlich gibt es in Deutschland strenge Saunaregeln, über die ein Finne nur staunen kann.

Schon mal was von Hobby Horsing gehört? Über diese beliebte Freizeitbeschäftigung, die man mit Steckenpferdreiten übersetzen kann, gibt es jede Menge You Tube Videos. Davon hatte ich noch nie gehört, genauso wenig wie von dem beliebten Lakritzeis, dass es vielerorts zu kaufen gibt.

Dieser kleine Reiseführer, ich bezeichne „Finne Dein Glück“ durchaus als solchen, macht wirklich Spaß. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es immer einen kleinen Glückstipp.

„ Paddeln - auf einem Fluss oder See. Und draußen wild zelten, wie es das Jedermannsrecht erlaubt.

Nach der Lektüre, dieser liebevollen und humorvollen Sicht auf die Finnen, bin ich sehr geneigt mal über eine Finnlandreise nachzudenken. Die beschriebene Mentalität der Menschen ist mir sehr sympathisch, und die Natur ist ohne Zweifel großartig.

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