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Veröffentlicht am 23.01.2023

Erschreckend realistischer, sehr guter Roman

Durch das große Feuer
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Neulich las ich bei Facebook, dass ein 13jähriger Junge Suizid beging. Er war homosexuell und wurde von seinen Mitschülern gemobbt. So sehr, dass er keinen Ausweg mehr wusste. Und das in unserer ach so ...

Neulich las ich bei Facebook, dass ein 13jähriger Junge Suizid beging. Er war homosexuell und wurde von seinen Mitschülern gemobbt. So sehr, dass er keinen Ausweg mehr wusste. Und das in unserer ach so aufgeklärten Welt im Jahr 2023. Wie mag es damals gewesen sein? Kurz vor dem Ersten Weltkrieg? In einem Eliteinternat unter lauter männlichen Jugendlichen? In England? Unvorstellbar, was die beiden Hauptpersonen in dem Buch „Durch das große Feuer“ erleiden mussten.

Henry und Sidney sind verliebt und scheuen sich vor der Realität, vor dem „Outing“. Sie befürchten, dass ihre Liebe in den Schmutz gezogen und von den Mitschülern verlacht wird. Dabei gibt es auch bei denen einige, die homosexuell sind. Als dann der Erste Weltkrieg ausbricht und Henry Gault sich freiwillig zum Dienst an der Waffe meldet, ist die unbeschwerte Zeit vorbei. Das Grauen ist wahr geworden. Wer nicht zur Front gerufen wird, ist ein Feigling, so war die einhellige Meinung der Unwissenden. Also meldet auch Sidney sich zum Kriegsdienst und hofft auf ein Wiedersehen mit seiner großen Liebe.

Nicht nur die Probleme der beiden jungen Männer sind realistisch und liebevoll beschrieben. Auch die schrecklichen Erlebnisse an der Front. Und das so bildhaft, dass ich sogar davon träumte. Alice Winn schrieb einen großartigen Antikriegsroman, der mitnimmt und mich immer noch beschäftigt. Wie gehe ich mit Vorurteilen um und wie reagiere ich auf Mitmenschen, die nicht in mein Bild der Welt passen? Fragen, die durch die Lektüre des Romans wach wurden. Meine Empfehlung ist klar, dass dieses Werk mit Sicherheit eine wertvolle Lektüre ist.

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Veröffentlicht am 11.01.2023

Faktenreicher Abschluss der Reihe

Mehr als die Gerechtigkeit
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Gut Mohlenberg und seine Bewohner erholen sich von den Wirren der vergangenen Jahre. Friederike und Charlotte wünschen sich so sehr, dass die Ungerechtigkeiten gegenüber behinderten Menschen endlich gesühnt ...

Gut Mohlenberg und seine Bewohner erholen sich von den Wirren der vergangenen Jahre. Friederike und Charlotte wünschen sich so sehr, dass die Ungerechtigkeiten gegenüber behinderten Menschen endlich gesühnt werden. Aus dem Grund reisen sie gerne nach Hamburg. Hier lebt und arbeitet Richard Hellmer. Ein alter Bekannter aus der Reihe „Leise Helden“, der denen eine Stimme gibt, die sich im „Dritten Reich“ nicht wehren konnten. Unglaublich, wie die alten Seilschaften der Nationalsozialisten immer noch funktionieren und ihm das Leben schwer machen. Und dann wird Friederike auch noch in einen Mord verstrickt. Auf die Hilfe ihrer Tochter kann sie sich nicht verlassen. Die verbringt ihre Zeit liebe mit dem charmanten Piloten Thomas.

„Mehr als die Gerechtigkeit“ ist also der letzte Band rund um Gut Mohlenberg. Ich durfte die Hauptpersonen eine lange Zeit begleiten und traf in diesem Buch sogar Bekannte wieder, die in einer anderen Reihe eine Rolle spielten. Dass dabei auch die Vergangenheit von Richard und Familie aufgeklärt wurde, gefiel mir gut. Zudem konnte Friederike erneut mithelfen, einen Mordfall aufzuklären. Aber diese beiden Erzählstränge fesselten mich nicht so sehr, wie die Erklärungen zur Zwangssterilisation.

Auch dieses Buch der Autorin konnte mich restlos überzeugen. Da gab es zum Beispiel die Schilderung einer Ausschusssitzung, die historisch belegt ist. Selbst die erwähnten Unterhaltungen fanden auf diese Weise statt. Auch die Ignoranz der Täter hat Frau Metzenthin perfekt dargestellt. Kaum ein Bewusstsein der schweren Schuld lässt sich erkennen. Gerade bei dem Umgang mit Behinderten und Menschen, die nicht ins Bild der Nationalsozialisten passten, gab es kaum ein Einsehen.

Auf den letzten Seiten des Buches schreibt die Autorin von Quellen, die frei verfügbar sind. Wer Interesse an den Vorgängen Anfang 1960 hat, sollte sie lesen. Aber Obacht, wer mit betroffenen Menschen zu tun hat, der wird eventuell getriggert. Für mich ist die Ignoranz der Täter ein weiterer Grund, immer wieder das Vorgehen der Nationalsozialisten öffentlich zu machen.

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Veröffentlicht am 09.01.2023

Scholz und Cum-EX

Die Akte Scholz
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Olaf Scholz zeigt sich in der Öffentlichkeit stets ruhig und besonnen. Ohne Fehl und Tadel regiert er. Ohne Fehl und Tadel? Nein, das belegen die beiden Autoren Oliver Schröm und Oliver Hollenstein in ...

Olaf Scholz zeigt sich in der Öffentlichkeit stets ruhig und besonnen. Ohne Fehl und Tadel regiert er. Ohne Fehl und Tadel? Nein, das belegen die beiden Autoren Oliver Schröm und Oliver Hollenstein in dem Buch „Die Akte Scholz“. Beide sind für ihre akribischen Recherchen bekannt und Herr Schröm gilt gar als einer der besten Investigativjournalisten Deutschlands. Viele neue Erkenntnisse wurden gesammelt und aufgeschrieben. Klar zu sehen, wie der Kanzler und seine Gefolgschaft in Krisensituationen handelt. Geschickte Manipulationen und „Halbwahrheiten“ machten die Runde. Einen Untersuchungsausschuss gab es bis heute nicht.

Es war ein Präsent, die Gabe von uns Steuerzahlern an eine Hamburger Bank. Die Privatbank Warburg soll ein 47 Millionen Euro Steuergeschenk erhalten haben. Nein, ich werde hier keine Erkenntnisse aus dem Buch aufschreiben. Wen es interessiert, wie der Kanzler auf Druck reagiert und wie es zu dem Skandal kam, der möge das Buch lesen. Das Werk klärt nicht nur auf. Es ist zudem gut verständlich und klar geschrieben. Dass aufmerksame Leser sich Zeit beim Studium lassen sollten, ist wohl klar. Sonst kann passieren, dass wertvolle Gedanken nicht erfasst werden. Und ich werde „Die Akte Scholz“ mit Sicherheit noch einmal lesen. Gute Sachbücher mag ich nämlich sehr. Durch sie erweitere ich meinen Horizont und schaue auch mal hinter die Potemkinschen Fassaden.

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Veröffentlicht am 29.12.2022

Welch ein faktenreiches, wertvolles Buch

Der Chronist des Pilgers. Historischer Roman
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Ritter sollten wie ein Edelmann handeln, und sich nicht wegen einer Frau prügeln. Fallen sie durch das Verletzen ihres Gegners auf, müssen sie mit Konsequenzen rechnen. So geschehen im Jahr 1496 in Köln. ...

Ritter sollten wie ein Edelmann handeln, und sich nicht wegen einer Frau prügeln. Fallen sie durch das Verletzen ihres Gegners auf, müssen sie mit Konsequenzen rechnen. So geschehen im Jahr 1496 in Köln. Ritter Arnold von Harff kann seinen Häschern nur durch eine List entkommen und nur so einer harten Strafe entgehen. Er begibt sich auf eine Pilgerreise. Welch glücklicher Zufall, dass ihn ein entlaufener Novize begleiten möchte. Nicht nur als Weggefährte. Da er in einem Kloster aufwuchs, kann Christian (der Novize) lesen und schreiben. Er wird alle Stationen der Reise in ein Tagebuch schreiben und so der Nachwelt erhalten.

„Der Chronist des Pilgers“ ist so viel mehr als „nur“ ein historischer Roman. Der Autor Dirk Schillings beschreibt den Weg der Pilger so genau, dass ich mich fühlte, als sei ich dabei gewesen. Alle Städte und Stätten werden mit historischen Fakten beleuchtet. Die Art und Weise von Kultur und Religion ist sehr präzise dargestellt, dass ich wirklich staunte. Ja, es gab Längen, aber die störten mich nicht. Ich genoss diese Bilder im Kopf, die dank der lebendigen Sprache entstanden.

Da die Zeitrechnung zwischen Christentum und Islam nicht einheitlich war, nimmt der Autor auch darauf Rücksicht. Alles, was in Köln geschieht, ist also etwa 600 Jahre später angesiedelt als die Abenteuer bei den Gläubigen des Islam. Auch die Liebe spielt in dem Roman eine Rolle. Aber nur am Rande und auch das tat dem Lesegenuss keinen Abbruch. Spannend wurde es zwischendurch zwar auch, der Spannungsbogen hielt sich aber in Grenzen. Darauf kam es nicht an. Ein wahrhaft wertvolles Buch über die wichtigen Stätten der Weltreligionen. Klare Empfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 20.12.2022

Ein Muss für jeden Bücherfreund

Die Bücher, der Junge und die Nacht
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Bomben fallen auf das Haus. Der Junge hat Angst. Was geschieht hier? Es ist laut und er kann nichts sehen. Da, plötzlich hört er die Stimme eines Mannes. Der ruft ihm zu, dass er aufstehen und folgen soll. ...

Bomben fallen auf das Haus. Der Junge hat Angst. Was geschieht hier? Es ist laut und er kann nichts sehen. Da, plötzlich hört er die Stimme eines Mannes. Der ruft ihm zu, dass er aufstehen und folgen soll. Der Junge überlegt nicht lange und gehorcht. Später erinnert er sich nur noch an die Gasmaske und nennt den Fremden nur noch „Maskenmann“.

So beginnt der neue Roman von Kai Meyer. Der Autor berichtet abwechselnd in zwei Zeitebenen. Einmal kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs und dann wieder geht es um Ereignisse, die Jahrzehnte später stattfinden. Neben dem Jungen, er heißt Julius, spielt auch sein Vater eine wichtige Rolle in dem Buch. Als Buchbinder arbeitet er nach alter Schule. Er legte Wert darauf, dass die fertigen Bände hübsch anzusehen und jedes Mal etwas ganz Besonderes sind. Massenproduktion kannte er nicht.

Die historische Story spielt im „Graphischen Viertel“ und Leipziger wissen wohl sehr genau, wo die genannten Straßen und Gebäude lagen. Ja lagen, Diese Viertel wurde nämlich im Bombenhagel dem Erdboden gleich gemacht. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Roman bei vielen Besuchern der Buchmesse und Kennern von Leipzig auf dem Gabentisch liegt.

„Die Bücher, der Junge und die Nacht“ war mein erstes Werk von Kai Meyer. Und ich bin beeindruckt. Nicht einmal die esoterischen Elemente störten mich. Die Sprache ist so einzigartig, dass ich es gewiss ein zweites Mal lese. Es klingt wie ein Klischee, aber ich habe tatsächlich eine Nacht durchgelesen. So gefangen war ich von der Erzählkunst des Autors. Nicht nur seine Ortskenntnis ist beeindruckend. Nein, es sind die vielen Bücher, die er hier erwähnt. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung. Es ist ein Muss für jeden, der gute Literatur zu schätzen weiß.

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