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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.07.2025

Schlaflos verbunden

Der Schlaf der Anderen
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Der Schlaf der anderen" von Tamar Noort habe ich sehr gern gelesen. Es startet mit einer ungewöhnlichen Begegnung in einem Schlaflabor. Sina kann seit Ewigkeiten nicht mehr schlafen. Jede Nacht liegt sie ...

Der Schlaf der anderen" von Tamar Noort habe ich sehr gern gelesen. Es startet mit einer ungewöhnlichen Begegnung in einem Schlaflabor. Sina kann seit Ewigkeiten nicht mehr schlafen. Jede Nacht liegt sie im Bett und stört sich an der Haltung ihrer Arme. Sie fühlt sich in ihrem Leben sehr eingeengt und unbeachtet und hat kaum Freunde an die sie sich wenden kann. Sie funktioniert nur noch. Sie versucht es mit Tabletten, aber ihr Leben zwischen Familie und ihrem Job als Lehrerin gerät aus den Fugen bis sie total übermüdet an einer Kreuzung einen älteren Herren anfährt. Auf der Suche nach der Ursache überwies ihr Arzt sie ins Schlaflabor, wo sie auf Janis trifft. Auch sie lebt an der Gesellschaft vorbei. Sie lebt allein und arbeitet nachts als Nachtwache, während alle anderen schlafen. Sie weist die Patienten ein und beobachtet sie auf dem Bildschirm. Eigentlich hält sie eine gewisse Distanz, aber zwischen ihr und Sina ist es anders. Sie überschreitet Grenzen und greift in Sinas Leben ein und bringt damit so einiges ins Rollen.
Es ist eine leichte Geschichte über die schönen Zufälle des Lebens und die Freundschaft der zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich perfekt ergänzen. Zwar gibt es einige Logikfehler und die Geschichte hätte etwas mehr Tiefe vertragen können, aber ich bin den beiden sehr gerne gefolgt und freute mich für beide, als sie einen Weg finden um aus ihrem Alltag auszubrechen.

Veröffentlicht am 27.05.2024

es geht weiter

Windstärke 17
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Ich habe lange überlegt, ob ich Caroline Wahl mit "Windstärke 17" eine zweite Chance geben soll, denn ihren vorherigen Roman "22 Bahnen" fand ich als nicht auserzählt und vorhersehbar, wenn nicht sogar ...

Ich habe lange überlegt, ob ich Caroline Wahl mit "Windstärke 17" eine zweite Chance geben soll, denn ihren vorherigen Roman "22 Bahnen" fand ich als nicht auserzählt und vorhersehbar, wenn nicht sogar langweilig. "Windstärke 17" ist nun die Fortsetzung und Idas Versuch das zu finden, was sie in ihrer Familie so sehr vermisste: Halt.
Dieser Teil startet mit Idas Aufbruch. Sie muss raus, will weg von allem und nur noch ans Meer. Den Tod ihrer Mutter hat sie nie verarbeitet und sie wirkt komplett planlos. Auf Rügen trifft sie dann zufällig auf den Kneipenbesitzer Knut und seine Frau Marianne, die Ida bei sich aufnehmen und ihr ein neues zuhause mit viel Geborgenheit und Wärme schenken. Sie verliebt sich und lernt Leif kennen. Alles scheint so als würde in Idas Leben endlich etwas Ruhe und Hoffnung einkehren, doch dann erfährt sie, dass Marianne krank ist und damit bahnt sich erneut Trauer und Angst einen Weg.

"Windstärke 17" habe ich sehr viel lieber gelesen. Ida macht als Figur eine Entwicklung durch, der ich gerne gefolgt bin. Auch die Leerstellen aus dem vorherigen Roman über den Aufbruch ihrer Schwester Tilda wurden nun beseitigt. Für mich hätte dieser Roman gerne wieder etwas länger sein können, aber als Unterhaltungsroman für einen Nachmittag war es schon ein gutes Buch.

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Veröffentlicht am 27.05.2024

Konrads Teil der Geschichte

Und Großvater atmete mit den Wellen
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"Und Großvater atmete mit den Wellen" ist eine sehr tolle und spannende Ergänzung zu Trude Teiges Roman "Als Großmutter im Regen tanzte". Hier geht es nun um Großvater Konrad und seine Erlebnisse auf dem ...

"Und Großvater atmete mit den Wellen" ist eine sehr tolle und spannende Ergänzung zu Trude Teiges Roman "Als Großmutter im Regen tanzte". Hier geht es nun um Großvater Konrad und seine Erlebnisse auf dem Meer, die Gefangenschaft auf der anderen Seite der Welt und seine Rückkehr nach Deutschland. Auch Trude Teiges zweiten Roman fand ich aufgrund der historischen Thematik wahnsinnig stark. Über die Kriegsgefangenschaft, die Straflager der Japaner und den Blick von Java auf die Welt während des Zweiten Weltkriegs habe ich bislang noch nie etwas gelesen und fand die Geschichte daher sehr interessant.
Leider nimmt das bereits bekannte Ende der Erzählung etwas die Spannung und ich fragte mich sehr oft, wie die erzählte Liebesbeziehung wohl enden und wann Konrad endlich Tekla kennenlernen wird. Vielleicht hätte ich es ohne die Verbindung beider Romane etwas mehr gemocht, denn so wirklich viel mehr fügt das Gelesene dem anderen Teil schlussendlich nicht hinzu, aber es war eine spannende Perspektive und eine leicht mitreißende Lektüre. Ich habe es gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 10.03.2024

Spannender Gedanke

Das andere Tal
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"Das andere Tal" von Scott Alexander Howard fand ich vor allem wegen der Ausgangsfrage "Wohin würdest du reisen? In die Zukunft oder die Vergangenheit?" spannend. Odile lebt in einem ganz besonderen Tal, ...

"Das andere Tal" von Scott Alexander Howard fand ich vor allem wegen der Ausgangsfrage "Wohin würdest du reisen? In die Zukunft oder die Vergangenheit?" spannend. Odile lebt in einem ganz besonderen Tal, das man nur in Richtung Vergangenheit oder Zukunft verlassen kann. Die Grenzen sind gut bewacht und nur das Conseil entscheidet, ob man in eines der anderen Täler reisen darf um zum Beispiel verstorbene Angehörige noch einmal zu sehen. Die sechzehnjährige Außenseiterin Odile bewirbt sich dort für eine Ausbildung und entscheidet bald selbst über die Fälle der anderen. Sie führt ein sehr geordnetes Leben, bis sie dann plötzlich selbst die Chance ergreift und durch die Zeit reist um einige entscheidende Ereignisse in ihrem früheren Leben zu beeinflussen. Ein interessantes Gedankenexperiment, sehr leicht und locker erzählt. Ich folgte Odile wirklich sehr gern, auch wenn mich diese fiktive Geschichte gegen Ende etwas verloren hat und ich mir einen etwas anderen Verlauf gewünscht habe. Ein interessantes, moralisches Experiment.

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Veröffentlicht am 20.12.2022

ein sehr interessanter Roman

Connemara
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Bei den Romanen von Nicolas Mathieu liebe ich es, dass man neben der eigentlichen Geschichte noch sehr viel mehr über die Gesellschaft in Frankreich erfährt. In "Connemara" geht es nun um die fast vierzig ...

Bei den Romanen von Nicolas Mathieu liebe ich es, dass man neben der eigentlichen Geschichte noch sehr viel mehr über die Gesellschaft in Frankreich erfährt. In "Connemara" geht es nun um die fast vierzig Jahre alte Hélène. Sie hat den Aufstieg in ihrem Leben geschafft, eine Familie, zwei Töchter, einen gut bezahlten Job, doch wirklich glücklich ist sie nicht. Sie ringt schon lange um einen Aufstieg in der Firma, doch befördert wird sie nicht. Ihre Beziehung ist auch nicht mehr ganz das Wahre. Hat sie sich im Leben für den richtigen Weg entschieden? Mit ihrer neuen Praktikantin kommt Aufschwung in ihr Leben. Sie probieren Tinder aus und Hélène lässt sich auf Neues ein und beginnt eine Affäre mit Christophe. Ihn kennt sie bereits aus ihrer Schulzeit, allerdings hat er einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Seine Eishockeykariere ist schon lange vorbei, seine Beziehungen waren nie das und er hat es nie aus der kleinen Stadt hinausgeschafft. Und so treffen zwei Gesellschaftsschichten aufeinander, die wahrscheinlich nicht unterschiedlicher sein könnten.
Mit verschiedenen Rückblenden, Situationen des Alltags der beiden und ihren Dates gelingt es Mathieu sehr abwechslungsreich über die gesellschaftliche Situation, Politisches, wie Privates zu erzählen. Man kommt beiden Protagonisten sehr nahe und ich konnte mich wirklich sehr gut in die Situation und das Leben der beiden hineinversetzen. Sehr klar und detailliert, manchmal etwas zu intensiv. Zumindest fragte ich mich ab dem zweiten intimen Moment, ob viele Sexszenen für so einen Roman wirklich wichtig sind und wie wohl eine Frau über diese Affäre geschrieben hätte. Alles andere fand ich sehr faszinierend und ich mochte die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Themen, den Rollenzuschreibungen und der Frage, die sich jeder früher oder später stellt: Bin ich zufrieden mit meinem Leben oder wäre es an der Zeit für einen Neustart?

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