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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.01.2023

Ein gelungener hist. Roman

Der letzte Tanz der Debütantin
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Als bekannt wird, dass im Jahr 1958 das letzte Mal die Debütantinnen am Hof der britischen Königin vorgestellt werden sollen, bricht hektische Betriebsamkeit bei den Familien der Upper Class aus. Das letzte ...

Als bekannt wird, dass im Jahr 1958 das letzte Mal die Debütantinnen am Hof der britischen Königin vorgestellt werden sollen, bricht hektische Betriebsamkeit bei den Familien der Upper Class aus. Das letzte Mal „müssen“ die Töchter in prachtvolle Roben gesteckt werden, um in der „Saison“ einen möglichst vermögenden Ehemann zu ergattern.

So muss sich auch Lilian „Lily“ Nicholls, dem Wunsch ihrer Mutter und Grandma fügen, obwohl sie viel lieber an der Schule ihren Abschluss gemacht hätte, um dann studieren zu können. Blöderweise sind sie und ihre verwitwete Mutter auf die Zuwendung ihrer Grandma angewiesen, so nach dem Motto: Wer zahlt, schafft an.

Als Lily einem Familiengeheimnis auf die Spur kommt und bei einer der zahlreichen Partys ein Ballbegleiter stirbt, wird aus dem zurückhaltenden jungen Mädchen eine willensstarke junge Frau.

Meine Meinung:

Der Einblick in die Upper Class Englands hat einen Einblick in längst vergangen geglaubte Zeiten gewährt. Die Ehre der Queen vorgestellt zu werden, um einen vermögenden Ehemann zu angeln, hat mich einerseits ziemlich belustigt, andererseits mit auch wütend gemacht. Belustigt, weil ich mir die schnatternden Mädchen gut vorstellen kann und die Mütter vermutlich noch aufgeregter sind. Wütend, weil die Mädchen wie am Viehmarkt verschachert werden.

Gut gelungen sind die mehr als peinlichen Standesdünkel des Adels, die auf Geschäftsleute, die ihr Vermögen erarbeitet haben, herabsehen, während vom adeligen Glanz wenig bis nichts übrig geblieben ist. Mehr Schein als Sein.

Der Autorin ist es sehr gut gelungen, Lilys Entwicklung von einem ruhigen, zurückhaltenden Mädchen zu einer willensstarken Frau darzustellen und die Figur dem Leser näher zu bringen.

In der Mitte des Romans ist der Reiz der Ballsaison sowohl für Lily als auch die Leser ein wenig verflogen. Routiniert absolviert die Debütantin ihre Bälle und Partys. Für die Leser wiederholt sich das Geschnattere um Nebensächlichkeiten wie Kleider, wer mit wem, oder auch nicht. Damit flaut die Spannung ab, die dann im letzten Drittel doch wieder ansteigt.

Fazit:

Wer gerne einen Blick durch das Schlüsselloch in die doch nicht so perfekte Welt der Upper Class machen möchte, ist hier richtig. Gerne gebe ich diesem Roman 4 Sterne.

Veröffentlicht am 08.01.2023

Ein gelungenes Debüt von 1957

Der rote Seidenschal
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Dieses Buch ist das Debüt der bekannten Autorin Federica de Cesco, das sie im Alter von 15 Jahren geschrieben hat und erstmals 1957 veröffentlicht wurde.

Das Buch kann zu den Klassikern der Jugendliteratur ...

Dieses Buch ist das Debüt der bekannten Autorin Federica de Cesco, das sie im Alter von 15 Jahren geschrieben hat und erstmals 1957 veröffentlicht wurde.

Das Buch kann zu den Klassikern der Jugendliteratur gezählt werden.

Kurz zum Inhalt:

Die 17-jährige Ann, die nach dem Tod ihrer Eltern bei ihren Tante aufwächst, fährt mit ihr von Phoenix nach Tucson. Als eine Mitreisende beim Aussteigen in Mesilla ihren roten Seidenschal verliert, springt Ann aus dem Zug und will ihr den wiedergeben. Die Frau verschwindet jedoch in der Menge, Ann verirrt sich in der Stadt und der Zug fährt ohne das Mädchen weiter. Blöderweise fährt der nächste Zug erst in drei Wochen. Auf der Suche nach einer Bleibe, trifft sie auf Chee, einen jungen Mann, dessen Vater Amerikaner und seine Mutter eine Apachin ist. Auf dem Weg zu seiner Mutter lernt Ann das raue Leben in Arizona des 19. Jahrhunderts außerhalb von Städten kennen.

„...Wir sind hier in einer sehr unsicheren Gegend. In diesem Land ist jeder jedem verdächtig. Vorsichtig ist geboten bei jedem Wort, bei jeder Bewegung...“


Meine Meinung:

Die Dialoge der beiden Jugendlichen beeindrucken durch Tiefgründigkeit. Beiden ist klar, dass sie keine gemeinsame Zukunft haben.

Im Jahr 2022 ist diese rund 200 Seiten lange Geschichte neu aufgelegt worden. Einzelne Grammatik- und Syntaxfehler wurden behoben. Eine Anpassung an die häufig geforderte „political correctness“ erfolgte nicht. Dazu gibt die Autorin ein Statement ab.

Fazit:

Ein gelungenes Debüt, das zu Recht nach 65 Jahren wieder aufgelegt worden ist. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 06.01.2023

Eine sehr detailliert und opulent erzählte Biografie

König der Welt
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Über Ludwig XIV. (1638-1715) sind schon einige (ich darf sagen: Meter) Bücher geschrieben worden. Seien es Biografien oder historische Romane.

Braucht es da noch eines? Noch dazu eines mit 944 Seiten? ...

Über Ludwig XIV. (1638-1715) sind schon einige (ich darf sagen: Meter) Bücher geschrieben worden. Seien es Biografien oder historische Romane.

Braucht es da noch eines? Noch dazu eines mit 944 Seiten? Für welche Zielgruppe? Historikerkollegen oder interessierte Laien? Nun, darüber gibt der britische Autor Philip Mansel keine Auskunft. Man muss selbst herausfinden, ob man sich mit dem Sonnenkönig, dessen Motto „L’Etat est Moi“ („Der Staat bin ich“) gewesen ist, so intensiv beschäftigen will.

Selbst für mich, die ich dicke Schwarten und detaillierte Biografien liebe, ist dieses Buch zu einer Herausforderung geworden. Es gibt kaum eine Seite, auf der nicht mindestens zwei Jahreszahlen und bis zu drei Fußnoten dem Leser an den Kopf geworfen wird. Wer die alle im Detail lesen will, wird dauernd aus dem Lesefluss gerissen. Philip Mansels Hang zum Perfektionismus sowie sein Drang, alles was er selbst weiß, dem Leser unbedingt mitteilen zu müssen, führt dazu, dass er sich in zahlreichen Nebenschauplätze, die ihm historisch interessant erscheinen, aber letztendlich von Ludwig XIV. wegführen, verzettelt.

Inhaltlich geht Philip Mansel auf die kostspieligen Hobbys des Königs ein (u.a. Versailles) sowie auf seine Außenpolitik innerhalb Europas (Stichwort Wahlkönigreich Polen), Nordamerikas sowie seine Versuche, diplomatische Beziehungen zu China und Siam zu knüpfen.

Kenntnisse über die Innenpolitik des Königs inklusive Mätressenwirtschaft und höfische Intrigen setzt Mansel sichtlich voraus. Anders lässt sich das Namedropping nicht erklären. Das ist ein wenig die Schwäche dieser ausführlichen Biografie, dass der Autor den Lesern Detailwissen abverlangt, die sie in der Intensität nicht haben können.

An einigen Stellen nimmt er zukünftige Ereignisse wie z. B. die Revolution von 1789 voraus.

Womit ich wieder bei der Frage bin: Wer ist die Zielgruppe dieser Biografie?

Das Hardcover ist in einer opulenten, dem Porträtierten wohl angemessenen, Ausstattung erschienen: Rotes Cover, mit der stilisierten Sonne in Gold, einem Porträt des Monarchen auf dem Vorsatzblatt, einem Lesebändchen sowie einigen Abbildungen. Nun, der Preis von ca. 60 Euro ist dem Herrscher angemessen.

Fazit:

Wer viel Zeit und Interesse für die Person Ludwig XIV. mitbringt, ist hier richtig. Gerne gebe ich dieser opulenten Biografie 4 Sterne.

Veröffentlicht am 04.01.2023

Eine gelungene Fortsetzung

James Bond: Mit der Absicht zu töten
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Dieses Buch ist der 41. offizielle James-Bond-Roman und der dritte von Anthony Horowitz. Zeitlich ist der Roman nach „Der Mann mit den goldenen Colt“ einzuordnen.

Der Leser wird in die Zeit des Kalten ...

Dieses Buch ist der 41. offizielle James-Bond-Roman und der dritte von Anthony Horowitz. Zeitlich ist der Roman nach „Der Mann mit den goldenen Colt“ einzuordnen.

Der Leser wird in die Zeit des Kalten Krieges, der Chruschtschow-Ära, zurückgeworfen. Eine Periode, die den meisten Lesern nur noch aus der Geschichte bekannt sein dürfte, aber für einen Spionage-Thriller einen vertrauten Hintergrund bildet.

Über den fesselnden Inhalt will ich gar nichts verraten.

Der Agenten-Thriller ist fesselnd wie alle JB-Bücher. Allerdings kommt ein Buch an die sehr aufwändig inszenierten Filmspektakel nicht heran. Es lässt aber dafür Spielraum für eigenes Kopfkino, bei dem man sich den Hauptdarsteller selbst aussuchen darf - Sean Connery oder Roger Moore? Die anderen Darstellen kommen hier nicht zum Zug, da viel zu modern.

Der Titel wandelt das klassische Bond-Thema „mit der Lizenz zu Töten“ ab.
Wieder mit dabei eine schöne Frau, deren Geheimnis sich erst im Laufe der Geschichte enthüllt.

Die vielen technischen Spielereien, die einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Bond-Filme haben, fehlen hier gänzlich. James Bond ist auf sich allein gestellt.

Fazit:

Klassische Spannungsliteratur aus der Zeit des Kalten Krieges, der ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 27.12.2022

Mord bleibt Mord

Die Verbrechen der anderen
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Es ist ein kalter Tag im Februar des Jahres 1990 als ein ehemaliger Grenzsoldat, der einem Schießbefehl gehorcht hat, von seiner Mutter vermisst gemeldet wird. Doch niemand nimmt die Sorge der Mutter ernst. ...

Es ist ein kalter Tag im Februar des Jahres 1990 als ein ehemaliger Grenzsoldat, der einem Schießbefehl gehorcht hat, von seiner Mutter vermisst gemeldet wird. Doch niemand nimmt die Sorge der Mutter ernst. Er wird sich in den Westen aufgemacht haben, wie so viele Tausende andere, ist die Meinung der Polizei. Kommissar Tobias Falck, des KDD Ost-West, verspricht sich umzuhören. Doch bevor er zu einem Ergebnis kommt, werden Falck, Edgar Schmidt und Stefanie Bach in die Galerie der Alten Meister gerufen. Ein wertvolles Gemälde ist durch eine Fälschung ersetzt worden. Ein Delikt, in dem sich die Kollegen des KDD nicht wirklich auskennen. Mord und Totschlag ist ihr Revier, aber Kunst?

Wenig später wird dann ein als Kunstfälscher bekannter Maler ermordet. Gehört der Kunstraub zu den (nicht ganz so) geheimen staatlich sanktionierten Kunstrauben der ehemalige DDR, um Devisen ins Land zu bringen?

Und was hat Sybille Suderberg, suspendierte Kommissarin aus Westdeutschland, die nun in Dresden als selbstständige Privatermittlerin arbeitet, mit der Sache zu tun? Oder steckt Edgar Schmidt mit der Stasi unter einer Decke?

Als dann die Ermittlungen entgleiten, müssen Tobias Falck und seine Kollegen des KDD in die ihnen unbekannte und suspekte BRD reisen. Und das ausgerechnet am Rosenmontag nach Köln.

Meine Meinung:

Dieser zweite Krimi, rund um den Kriminaldauerdienst Ost-West hat mich diesmal nicht so ganz begeistert. Warum?

Jeder der beiden Handlungsstränge wäre für mein Empfinden ein eigenes Buch wert. Vor allem die Geschichte rund um den ehemaligen Grenzsoldaten, der einen sogenannten Republikflüchtig erschossen hat, hätte durchaus großes Potenzial gehabt. Das ist leider in der ebenso fesselnden Kunstraub- bzw. Kunstfälscher-Geschichte ein wenig untergegangen.

Kurzfristig habe ich ja Edgar Schmidt in Verdacht gehabt, ein falsches Spiel zu spielen.

Was mir so gar nicht gefallen hat: Frank Goldammer lässt seine Ermittler ein wenig dämlich aussehen. Er hetzt sie durch die Stadt, die Waffen werden ihnen abgenommen etc.. Mag schon sein, dass sich Tobias Falck das eine oder andere Mal nicht gar so professionell verhält, weil er seine privaten Zores nicht ganz im Griff hat.

Die alte Ordnung ist passé, aber die neue hat sich noch nicht etabliert, dabei bleibt Mord immer Mord. Egal unter welcher Regierung. wie Tobias Falck feststellt.

Sehr beklemmend finde ich die Beschreibung der Stimmung der ehemaligen DDR-Bürger. Jeder, auch die Ermittler, haben eine mehr oder weniger diffuse Angst vor den Enthüllungen der Stasi-Akten. Da wenig Substantielles bekannt ist, sind Gerüchten Tür und Tor geöffnet. Ein großer Teil der Bevölkerung glaubt, dass ehemalige Zuträger nun von der Stasi ermordet werden sollen, um lästige Mitwisser zu beseitigen. Dieses Klima des Misstrauens und der Angst hat Autor Frank Goldammer, selbst Dresdner, sehr gut beschrieben. Für mich als Wienerin ist diese Stimmung kaum vorstellbar.

Was mich auch irritiert, ist die Beschreibung der Wohnverhältnisse: Ja, die Plattenbauten gewinnen keinen Schönheitspreis, musste doch nach 1945 schnell Wohnraum für die Menschen sowohl im Osten und im Westen geschaffen werden. Auch in Wien gibt es solche hässlichen Wohnbauten. Aber, dass die Gebäude in Dresden so desolat sind, erschreckt mich schon ein wenig. Ich war im Oktober in Dresden und habe mich über die rege Bautätigkeit gewundert. Sehr viele der Plattenbauten aus der DDR-Zeit sind modernen Wohnhäusern gewichen.

Fazit:

Diesen Krimi, der mir nicht ganz so gut gefällt wie die anderen Bücher von Frank Goldammer, bewerte ich mit 4 Sternen.