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Veröffentlicht am 27.12.2022

Ein gelungenes Wiedersehen in der Kinderklinik Weißensee

Kinderklinik Weißensee – Tage des Lichts (Die Kinderärztin 3)
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Wir sind mittlerweile in einem Berlin der Zeit angekommen, in der die NSDAP immer weiter in den Vordergrund tritt. Neben dem politischen Wandel gerät auch das berufliche und private Leben der beiden Schwestern ...

Wir sind mittlerweile in einem Berlin der Zeit angekommen, in der die NSDAP immer weiter in den Vordergrund tritt. Neben dem politischen Wandel gerät auch das berufliche und private Leben der beiden Schwestern ins Wanken. Die emotionalen Höhen und Tiefen beider Figuren werden sehr authentisch und nachvollziehbar geschildert, sodass der Leser einen Eindruck von der damaligen Zeit mit all ihren Herausforderungen bekommt. Es ist Antonia Blum wieder einmal sehr gut gelungen, geschichtliche Hintergründe mit einer fiktiven Geschichte zu verbinden. Besonders spannend finde ich den medizinischen Background, so bekommen wir zum Beispiel auch die Erfindung des Penicillins mit.

Da ich Weißensee gut kenne, hat mir die Lektüre besondere Freude bereitet und ich hatte die Gegend beim Lesen immer vor Augen. Dazu hat auch der flüssige, bildhafte und sehr angenehme Schreibstil der Autorin beigetragen.

Die Bücher stehen zwar für sich und können unabhängig voneinander gelesen werden, ich würde aber trotzdem empfehlen, bei Band eins zu beginnen und die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Die Kenntnis der Entwicklung und des Werdegangs der Figuren empfinde ich als sehr hilfreich, um die Geschichte voll und ganz nachvollziehen zu können.

Nachdem ich die ersten beiden Bände der Reihe verschlungen habe, habe ich mich schon sehr darauf gefreut, auch in diesem dritten Band der Reihe wieder Marlene (Lene) und Emma Lindow begleiten zu dürfen. Mein Kritikpunkt: Besonders Marlene ist mir oft zu naiv und gutgläubig. Ich habe mich immer versucht zu sagen, dass das damals eben eine andere Zeit war, aber stellenweise war es mir einfach zu viel und kaum nachvollziehbar. Außerdem kommt das Happy End in allen Bereichen gegen Ende sehr plötzlich, viele Probleme lösen sich wie durch Zauberhand einfach in Luft auf und zurück bleibt eine etwas zu schöne „Friede, Freude, Eierkuchen“-Stimmung. Ich habe mich trotzdem sehr gut unterhalten gefühlt und kann das Buch jedem empfehlen, der ein paar Stunden Unterhaltung sucht.

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Veröffentlicht am 19.09.2022

Spannender Einblick in einen ungewöhnlichen Werdegang

Kochen am offenen Herzen
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Max Strohe war mir zugegeben nur ein Begriff, da ich ihn aus diversen Fernsehauftritten kannte. Schon da dachte ich: Interessanter Typ, gerne mehr davon. Umso erfreuter war ich, als ich sein Buch in den ...

Max Strohe war mir zugegeben nur ein Begriff, da ich ihn aus diversen Fernsehauftritten kannte. Schon da dachte ich: Interessanter Typ, gerne mehr davon. Umso erfreuter war ich, als ich sein Buch in den Händen hielt.
Mir gefällt die offene und witzige Weise zu schreiben und die Art, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Kochen kann der Herr Strohe und in seinem Buch zeigt er, dass er auch schreiben kann.

Ungeschönt, authentisch und offen erzählt der Koch und Autor von seinem Werdegang und lässt dabei auch seine Ausschweifungen als Jugendlicher nicht außen vor – Sex, Alkohol und Drogen inklusive. Wer hätte das gedacht – der heutige Spitzenkoch fliegt aus seiner ersten Kochlehre, kämpft mit Armut und Obdachlosigkeit. Ich mag diese Art und Herangehensweise, allerdings war die Sprache und Detailliertheit selbst mir manchmal etwas too much. Trotzdem war es beeindruckend, seinen Weg mit all den Hürden und Stolpersteinen zu verfolgen.

Ich habe das Buch gerne gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. All jenen, die mit der Ausdrucksweise und Offenheit umgehen können, kann ich es uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 19.09.2022

Die Abenteuer ganz normaler Superhelden

SamSam Band 1
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Der kleine Superheld SamSam lebt mit seinen Eltern und SamTeddy auf dem SamPlaneten. Dort kümmern sie sich um all die Gefahren, die das Weltall zu bieten hat, aber auch um die „kleinen“ alltäglichen Dinge.

Das ...

Der kleine Superheld SamSam lebt mit seinen Eltern und SamTeddy auf dem SamPlaneten. Dort kümmern sie sich um all die Gefahren, die das Weltall zu bieten hat, aber auch um die „kleinen“ alltäglichen Dinge.

Das Buch ist als Comic so aufgebaut, dass auf jeder Doppelseite eine in sich geschlossene Geschichte erzählt wird. Dabei ist das Buch noch in drei Kapitel unterteilt, in denen jeweils eine der Figuren im Vordergrund steht. Jede Geschichte vermittelt eine kleine Botschaft und zeigt, dass auch Superhelden mal Probleme haben (die oft ganz alltagsnah sind und uns auf der Erde auch begegnen) und ihre Familie brauchen.

Die Sätze sind kurz, die Schrift gut lesbar und der Comic dominiert. Somit sind die Geschichten auch schon für kleine Helden gut zu lesen und verständlich. Dadurch, dass die Geschichten so kurz sind, können die Kleinen gut am Ball bleiben und werden nicht überfordert. Ich fand den Illustrationsstil und die Farbgebung persönlich nicht so ansprechend, aber die Zeichnungen sind bei den kids gut angekommen und es gab viel zu entdecken.

Insgesamt machen die Geschichten Spaß und bieten viel Raum für eigene Fantasie rund um den Weltraum. Leider sind mir aber ein paar zu viele Klischees bedient worden – SamPapa ist der starke Held, SamMama kümmert sich eher um den Haushalt und die alltäglichen Probleme und SamSam ist der kleine Rabauke, der viel Unsinn im Kopf hat. Zudem ist die Supermama – wie passend – „übermenschlich“ dünn gezeichnet. Gerade in einem Buch für Kinder würde ich mir andere Rollenbilder und realistischere Körperbilder wünschen.

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Veröffentlicht am 10.06.2022

Verantwortung für sich selbst – eine informative und hilfreiche Übersicht zum „People Pleasing“

Selbst.Zufrieden
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Worum geht es? Emma Reed Turrell beschäftigt sich in ihrem Buch damit, was passiert, wenn die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund treten und „faule Kompromisse“ geschlossen werden. Sogenannte „People ...

Worum geht es? Emma Reed Turrell beschäftigt sich in ihrem Buch damit, was passiert, wenn die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund treten und „faule Kompromisse“ geschlossen werden. Sogenannte „People Pleaser“ neigen dazu gefallen zu wollen, bloß nicht anzuecken und immer „Ja“ zu sagen. Dass das auf Dauer nicht gut sein kann, liegt auf der Hand.

Die Autorin stellt zunächst vier verschiedene Pleasing-Profile vor (der klassische People Pleaser, der Schatten, der Beschwichtiger, der Verweigerer) und widmet sich danach dem Pleasing in unterschiedlichen Lebensphasen (in Beziehungen, in Freundschaften, am Arbeitsplatz, in der Elternrolle, bei besonderen Anlässen, im Internet, als Frau bzw. als Mann und von der Empfängerseite aus). Thematisch deckt sie somit einen großen Bereich ab und berücksichtigt dabei die individuellen Unterschiede – nicht jeder zeigt in jedem Bereich gleich große Ausprägungen des Pleasings. Das Buch ist sehr ausführlich und beinhaltet viele Informationen, die aber gut verständlich dargestellt und mit Praxisbeispielen (aus der Tätigkeit der Autorin als Psychologin) aufgelockert und verdeutlicht werden.

Oftmals sind wir in unserem Alltag, unseren Handlungen und Interaktionen sehr festgefahren. In diesem Buch werden einige Denkanstöße gegeben, die einem dabei helfen, die eigenen Sichtweisen und Verhaltensweisen zu hinterfragen. Die Autorin gibt dabei nicht nur Hintergrundwissen, sie gibt dem Leser auch Anregungen für die praktische Umsetzung und stellt Fragen, die zur Reflexion des eigenen Verhaltens anregen.

Für mich persönlich waren viele Kapitel dabei, die mich nicht betroffen haben. Ich habe sie (dies rät die Autorin) trotzdem gelesen, habe aber nicht viel daraus ziehen können. Das ging mir streckenweise auch in anderen Kapiteln so. Wie oben geschrieben, sind die individuellen Lebensbereiche und Ausprägungen des Problems sehr individuell. Nicht alles trifft auf jeden zu und nicht alles ist für jeden Menschen gleich relevant – das ist klar. Trotzdem habe ich mich in großen Teilen des Buches einfach nicht angesprochen gefühlt und dementsprechend war das Interesse phasenweise gering. Aus anderen Kapiteln wiederum konnte ich eine ganze Menge ziehen.

Eine weitere Anmerkung habe ich noch: thematisch geht die Autorin manchmal sehr tief in tendenziell problematische Bereiche hinein, wie etwa die Kindheit und das Verhältnis zu den Eltern. Bei manchen Menschen werden dadurch Punkte getriggert und Themen aufgewühlt, die einiges auslösen können. Das Buch kann also unter Umständen ganz schön was bewegen und es nicht leisten, das vollumfänglich aufzufangen. Wie auch – es ist ja „nur“ ein Buch. Deshalb sollte der Leser bei der Lektüre immer aufmerksam bleiben und auf sich achten.

Grundsätzlich spricht das Buch eine wichtige Thematik an und stellt diese umfassend dar. Es sind einige gute Anregungen und Aussagen enthalten, die noch nachwirken und Anstöße für das eigene Leben geben. Ich fand es informativ, habe es gerne gelesen und kann es – mit den oben genannten Einschränkungen – empfehlen.

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Veröffentlicht am 28.05.2022

Hilfe zur Selbsthilfe

Du bist mehr als genug
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Ich habe schon „Leb das Leben, das du leben willst“ von Sarah Desai gelesen und ihr Podcast „The Mindful Sessions“ läuft bei mir auch regelmäßig. Kein Wunder also, dass ich nun auch „Du bist mehr als genug“ ...

Ich habe schon „Leb das Leben, das du leben willst“ von Sarah Desai gelesen und ihr Podcast „The Mindful Sessions“ läuft bei mir auch regelmäßig. Kein Wunder also, dass ich nun auch „Du bist mehr als genug“ in den Händen halte und was soll ich sagen – ich bin alles andere als enttäuscht.

Wenn ich das Wort „Coach“ höre, bin ich erstmal skeptisch. Da werden zu viele große Worte gemacht und es findet mir zu viel Beweihräucherung und Personenkult statt. In diesem Fall liegt aber ein positives Beispiel für gelungenes Coaching vor, fernab von Eso- und Ego-Trips. Die Autorin versteht es Mut zu machen und spart dabei auch nicht an praktischen Tipps und Übungen. So entsteht ein ganzheitliches Werk, das verspricht, was es hält. Die Lektüre allein schafft es natürlich nicht, eine „gesunde und wertschätzende Beziehung zu dir selbst“ aufzubauen, aber sie gibt wertvolle Tipps, Wissen und Anstöße – echte Hilfe zur Selbsthilfe eben. Trotzdem ist das natürlich keine Garantie, das sollte klar sein. Bei tiefgreifenden Schwierigkeiten ist nach wie vor professionelle Hilfe angeraten.

Sehr positiv fallen die liebevolle Gestaltung und die Illustrationen auf. Es macht Spaß, das Buch aufzuschlagen, darin zu lesen und damit zu arbeiten. Es ist ein Buch, das man nicht einmal liest und es dann zur Seite legt. Seit ich es habe, nehme ich es immer mal wieder zur Hand.

Einen Kritikpunkt habe ich aber auch – ich hätte mir manchmal ein bisschen mehr Erklärungen und Hintergründe zu bestimmten Themen gewünscht. Beispielsweise bei den Aufgaben. Wenn man weiß, wozu genau das gut ist und welche Veränderungen vielleicht auch auf neurologischer Ebene angestoßen werden, hat manches doch noch einen ganz anderen Impact. Das hätte auch die Seitenzahl noch hergegeben, ohne den Rahmen zu sprengen.

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