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Veröffentlicht am 05.01.2023

Schräg, pointiert und hervorragend interpretiert!

Grüße aus Bad Seltsham. Vikki Victorias zweiter Zwischenfall
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Vikki Victoria, Münchens Szene Transsexuelle hat den Wirbel des ersten Zwischenfalls gerade gut verkraftet, als sie in den Strudel eines Shitstorms gerät. Nicht, dass sie etwas angestellt hätte, nein, ...

Vikki Victoria, Münchens Szene Transsexuelle hat den Wirbel des ersten Zwischenfalls gerade gut verkraftet, als sie in den Strudel eines Shitstorms gerät. Nicht, dass sie etwas angestellt hätte, nein, der Senderchef Olaf des neuen Homeshopping Kanals „Shop till you drop“ der Homeshopping trendig erscheinen lassen will und bei dem auch Vikki mit eigenen Duftkreation fester Programmbestandteil ist, lässt eine private SMS seines Oberbosses leaken. In dieser, so ganz im Vertrauen unter Männern, er Vikki ganz uncharmant und wenig schmeichelhaft tituliert. Alle Welt regt sich über diese Herabwürdigung auf, nur Vikki nicht, die eher über die Veröffentlichung einer Privatnachricht empört ist. Dies äußert sie auch in einer TV-Talkshow und erntet Unverständnis. Um die Dinge zwischen ihnen zu klären, sucht Vikki ihn im Sender in seinem Büro auf und findet nur seine entstellte Leiche. Klar ist sie nun die Verdächtige Nr. 1. Gemeinsam mit ihren Kumpel, Rockerboss Wolf und ihrer Teenager-Influencer-Nachbarin Kathi geht sie der Sache auf den Grund. Denn mit diesem Mord geht die Gefahr erst richtig los und für Vikki wird es richtig heiß!

Ein Krimi der gerne etwas dick aufträgt und daher leicht peinlich werden könnte, aber Gloria Gray, ihrem Co. Autor Robin Felder und Brigitte Hobmeier haben die Geschichte und die Szene voll im Griff! So ist es schräg, gut beobachtet, absolut bayrisch und ebenso unterhaltsam wie rasant, trotz des lockeren Plaudertons den Vikki Viktoria als Ich-Erzählerin einschlägt. Mit ihr durfte ich nicht nur ins Münchner Nachleben egal ob queer oder straight eintauchen, hinter die Kulissen eines Hochglanz-Shopping-Kanals mit angesagten Influencerinnen eintauchen, sondern auch auf Mordermittlung gehen. Was bleibt Frau auch anderes übrig, wenn man nicht länger ignorieren kann, dass es jemand ganz eindeutig auf dein Leben abgesehen hat?

Schauspielerin Brigitte Hobmeier spricht Vikki Victoria absolut weiblich und bayrisch offenherzig. Absolut natürlich und nicht überkandidelt zwitschert sie lässig nebensächlich aus dem Leben von Münchens eigenwilliger Szenen-Transsexuellen. Ihr ist es auch zu verdanken, dass der Geschichte es gelingt, nie zu übertrieben zu wirken, sondern kurzweilig, amüsant und immer mit einer gewissen Distanz zu Münchens Möchtegern-Schickeria. Was leicht überdreht nerven könnte, hat mich hier wirklich kurzweilig unterhalten und mit den Szene-Einblicken zwischen Nachtleben und Homeshopping absolut amüsiert. Brigitte Hobmeiers bayrische Betonung von Influencer-Kathis Vornamen mag ich ganz besonders. Diese 17 Jährige ist ein echter Knaller und hat den Lockdown genutzt, um selbst eine Internet-Berühmtheit zu werden. Um ihre Entführung dreht sich Vikkis erster Zwischenfall „Zurück nach Übertreibling“, dessen Kenntnis aber nicht für das Verständnis all dieser Vorgänge erforderlich ist. Ich kenne ihn leider auch nicht, kam aber prima in all diese Unwirren herein. Kathi mit ihren verbalen Wort-re-mixen, die so ziemlich jede Redewendung, jedes Sprichwort oder jeden Ausdruck unabsichtlich neufasst, ist ein echter Knaller. Sehr krass und mit ultra-kurzer Konzentrationsspanne ist sie gleichermaßen anstrengend wie liebenswert. Was würde Vikki bisweilen ohne sie machen? Am Ende klärt sich alles auf und Vikki Viktoria landet wieder in der Talkshow vom Kreil, um dieses Mal zu erzählen wie es wirklich war! Das erleben wir zwar nicht mit, aber Vikki hat kurz zuvor zusammen gefasst, wie nach dem großen Showdown sich dann doch noch alles aufgeklärt und sie ihren Namen fast reingewaschen hat. Ein bisserl schnell ging das aber leider schon.

Vikki Victoria dürfte Gloria Grays alter Ego sein, denn nicht nur der Größe nach, auch vom Lebenslauf her, gibt es bei ihnen so einige Übereinstimmungen. Was Gloria Gray an Erfahrung mit München und seiner Szene mitbringt, steuert Robin Felder texterisch bei. Sie ergänzen sich wirklich optimal.

Ein herrlicher Jahrmarkt der Eitelkeiten in dessen Umfeld Vikki Victoria und ihre Freunde ermitteln, um nicht vorzeitig abzutreten!

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Veröffentlicht am 29.12.2022

Sensibles Jugendbuch, das Herzen höher schlagen lässt

Im Schatten des Fuchsmondes
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Eigentlich wollte Lia den Sommer mit ihrer amerikanischen Modellmutter und ihrer jüngeren Schwester Kelsi bei ihren Großeltern in Kalifornien verbringen, doch ein Waldbrand hat ihre Großeltern obdachlos ...

Eigentlich wollte Lia den Sommer mit ihrer amerikanischen Modellmutter und ihrer jüngeren Schwester Kelsi bei ihren Großeltern in Kalifornien verbringen, doch ein Waldbrand hat ihre Großeltern obdachlos gemacht. Ihre Mutter fliegt alleine dorthin, um alles zu regeln. Während Kelsi verzweifelt, ist Lia glücklich nun den Sommer an ihrem Lieblingsort verbringen zu dürfen: Badfearna, dem Stammsitz ihres Clans in den Highlands mit rauen Wäldern, tiefen Seen und jeder Menge Wildnis! Sie hatte von Kleinauf davon geträumt dort eines Tages gemeinsam mit Struan, dem Sohn des Wildhüters die Geschicke zu lenken. Seit sie sich Halloween geküsst hat, ist sie entschlossen, ihm ihr erstes Mal zu schenken. Doch es kommt anders. Struan macht woanders ein Praktikum und statt ihm findet sie am Ufer des Sees Finn vor. Der verschlossene Junge mit den Tatoos und dem Glasgower Akzent macht sie gleichzeitig wütend, weil er keine Ahnung von der Verantwortung eines solch großen Landsitzes hat, dafür aber jede Menge Vorurteile und lässt gleichzeitig ihr Herz höher schlagen. Doch was macht er hier? Ist er wirklich der Neffe des Wildhüters oder versteckt er sich vor einem dunklen
Geheimnis? Lia ist hin- und hergerissen.

Triggerwarnung: in dieser Geschichte wird sexueller Missbrauch thematisiert. Das erfolgt für mein Empfinden einfühlsam, kann dennoch insbesondere bei Betroffenen unerwartete Gefühle auslösen. Ich bitte dies zu bedenken. Was ich ausgesprochen gut finde ist, dass mehrfach darauf eingegangen wird, dass die Opfer sich schuldig fühlen und überlegen, was sie falsch gemacht haben, oder hätten ändern können. Das ist ganz typisch, es wird aber ebenso klar gemacht, dass die Opfer keine Schuld trifft, sondern einzig und allein die Täter. Weitere Problemfelder die angesprochen werden, allerdings keiner Triggerwarnung bedürfen sind Homosexualität und Coming-Out, die auch heute noch zu Ablehnung und Unverständnis durch die Umgebung führen können, auch wenn es heute nicht mehr strafbar ist. Dennoch sind enttäuschte Erwartungen und Träume gerade von Elternteilen, eine häufige und verletzende Reaktion. Nicht weniger problematisch die die Gefährdung des Ökosystems der Highlands, dieser kargen, dünnbesiedelten Gegend. Dort ein einträgliches Auskommen zu finden ist nicht so einfach und so steht die Lodge von Lias Familie sowie deren Ländereien ständig am finanziellen Abgrund. Doch kann die Organisation von Wildtierjagden eine Lösung sein? Wo verlaufen die Grenzen zwischen verantwortungsvoller Wildtierpflege, die zum Erhalt der Art und zur Vermeidung von Überpopulationen schwache und überzählige Tiere abschießen und brutaler Tierquälerei aus Spaß am Töten? Vegetarier Finn und Wildhüterin in spe Lia liefern sich hier so einige aufschlussreiche Wortgefechte. Glücklicherweise schmachten sich die beiden nicht nur an, um anschließend zwischen den Laken zu versinken, sie versuchen ehrlich einander kennen zu lernen und zu verstehen, auch wenn es offensichtlich ist, dass Lias Vater gegen diese Verbindung ist. Es beginnt als Bad Boy Romance und ich bekenne, dass ich keine Bad Boys mag, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie durch die Liebe gerettet werden, ist minimal. In jungen Jahren sind die Chancen allerdings besser. Daher war ich anfangs nicht so begeistert, dass Lia sich ausgerechnet in Finn verlieben musste, der offensichtlich vor den Konsequenzen einer brutalen Tat auf der Flucht ist. Nach und nach erfahren nicht nur die Hörerinnen, sondern auch Finn selbst, was damals wirklich geschehen ist. Auch wenn ich definitiv nicht auf Tätowierungen stehe, kann ich Finns innere Kämpfe und Nöte verstehen und all das Leid, dass er schon in jungen Jahren erlebte, als er in armen Verhältnissen, ohne Vater aufwuchs. Denn seinen Vater nicht zu kennen, ist eine Sache, wenn dann aber noch die eigene Mutter ernsthaft erkrankt, wird ein für einen jungen Menschen existenzbedrohend. Ja, ich gestehe, der junge „Bad Boy wider Willen“ ist mir ans Herz gewachsen, ebenso wie Lia und ihre Familie und viele derer, die auf dem Landsitz arbeiten. Sehr sensibel gelingt es Antje Babendererde die Gefühle und Problematiken miteinander zu verbinden, ohne die Geschichte damit zu erdrücken.

Gesprochen wird diese von inneren Dämonen geplagte Highland-Romanze von Diana Müller und Jonas Minthe die insbesondere die 2 Titelhelden Lia und Finn personifizieren. Diana Müller klingt so jung und frisch, wie die fast 17-jährige Lia, mit viel Gefühl, Herz, aber auch Lebensfreude. Jonas Minthe gibt einen überzeugenden jungen, zerrissenen Helden, der vor sich hin brütend, zwischen seinem düsteren Geheimnis und der Anziehung der naturverbunden, sensiblen Lia hin- und her schwankend. Beide ergänzen sich optimal und verkörpern absolut glaubhaft diese erste Liebe, die nicht sein soll.

Ein sensibles Jugendhörbuch, dass Herzen höherschlagen lässt, aber auch zum Nachdenken anregt. Eine gelungene Mischung!

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Veröffentlicht am 29.12.2022

Mein Hörhighlight!

Ajay und die Tintenhelden
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Der ca. 12 jährige, schmächtige Waisenjunge Ajay lebt in einem verlassenen Raum des Bahnhofs vom Mumbai, Indien. Er träumt davon eines Tages ein großer Reporter der örtlichen Zeitung zu werden, verdient ...

Der ca. 12 jährige, schmächtige Waisenjunge Ajay lebt in einem verlassenen Raum des Bahnhofs vom Mumbai, Indien. Er träumt davon eines Tages ein großer Reporter der örtlichen Zeitung zu werden, verdient sein karges Mahl bis dahin aber mit dem Verkauf der Zeitungen anderer. Doch der örtlichen Zeitung geht es schlecht, denn kaum einer liest sie mehr, alle vertreiben sich Wartezeiten nur noch mit ihren Handys. Als Ajay zufällig mitbekommt, das sein Lieblingsort, der Slum „Die hängenden Gärten“ in einem Monat abgerissen werden sollen, ohne die Bewohner zu informieren und ihnen somit jede Handhabe gegen dieses Vorgehen zu nehmen, ist er wild entschlossen dagegen vorzugehen. Gemeinsam mit seinen Bahnhofsfreunden dem „Unberührbaren“ Koch Vinod, Ingenieurslehrling Saif, der künstlerisch begabten Yasmin aus dem Slum, die in der Textilfabrik schuftet und Jai, der ebenfalls aus dem Slum kommt, aber keine Arbeit findet, obwohl er ein fantastischer Kricket-Spieler ist und daher bettelt, gründet er eine Zeitung, um über diesen Skandal zu berichtet. Das ist schwieriger als gedacht, obwohl Saif die ausrangierte alte Druckmaschine der City Sun wieder zum Laufen bringt, aber Papier und Druckerfarbe kosten Geld und das haben sie nicht. Selbst als das geschafft ist, will anfangs niemand ihre Zeitung kaufen. Als sie endlich von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, fühlen sich die Mächtigen der Stadt bedroht und versuchen nicht nur ihr schändliches Projekt zu retten, sondern setzten alles daran, dass die Kinder nie wieder offenbaren können, was sie herausgefunden haben.

Dies ist Varsha Shahs Erstlingswerk. Wie auch Lata, die später den Weg der Kinder kreuzt, war sie ursprünglich Anwältin, was man dieser Geschichte aufs Positivste anmerkt. Die rechtlichen Zusammenhänge werden klar und schlüssig präsentiert, ohne sie zu erdrücken, lassen sie aber dadurch umso glaubwürdiger erscheinen. Man merkt genau, dass sie es liebt, gute Geschichten mit Spannung und Humor aufzuwerten. Ich fand dieses Abenteuer zeitweise so spannend, dass ich kurz pausieren musste und dabei bin ich definitiv älter als die Zielgruppe ab 10 Jahren. Sie entführt uns in eine gänzlich fremde Welt, in der das Kastensystem zwar offiziell seit über 70 Jahren abgeschafft ist, in den Köpfen der Menschen oftmals jedoch weiter existiert. Um die Zusammenhänge als Kind in Deutschland besser verstehen zu können, ist dem Hörbuch ein Booklet in der Aufmachung der Mumbai Sun beigefügt. Dieses enthält nicht nur kurze Beschreibungen der wichtigsten Personen, sondern erklärt auch viele unbekannte Begriffe, die für Indien typisch sind, von der Landeswährung Rupie, über das Kastensystem und die Speisen (immerhin ist Vinod ein begnadeter Koch), die indische Leidenschaft für Kricket und die Monsunregen. Gerade für Kinder finde ich das sehr hilfreich und richtig liebevoll gestaltet. Diese Elemente sind so elegant in die Erzählung eingewebt, dass ich mich beim Zuhören gleich nach Mumbai (wo ich noch nie war) entführt fühlte und gleich weniger fror.

Christoph Jöde war mir bislang kein Begriff, daher war ich gespannt und wurde belohnt. Mit warmer und agiler Stimme liest er mit Elan und Gefühl diese spannende Geschichte, wobei er gleichermaßen Kinder, als auch Erwachsene glaubwürdig interpretiert. Lebendig verkörpert er jeden einzelnen der jungen Helden und macht auch die Standesunterschiede gut hörbar. Er und Varsha Shah haben mich gemeinsam richtig gepackt und ich bin sehr froh diese Geschichte gehört zu haben. Ich wusste zwar immer, dass es „Unberührbare“ in Indien gab, aber für mich, waren die Slums schon die absolute Armut. Ajay und seine Bahnhofsfreunde haben mich eines Besseren belehrt. Es geht um soziale Ungerechtigkeit, Macht, Gier, Umweltsauereien, Korruption, aufrechten Journalismus, darüber wie wichtig es ist, die Wahrheit ans Licht zu bringen, auch wenn dies ungeahnte Konsequenzen mit sich ziehen kann, der Wert von Freundschaft und dass man seine Träume niemals aufgeben darf, Ausbeutung von Kindern und dass auch unsere Welt Schuld ist an dieser Ausbeutung von Kindern und ihren Müttern in Textilfabriken und dass man einige wohlklingende Label auch ruhig mal hinterfragen sollte. Die Themen mit denen sich Ajay und seine Freunde befassen sind also sowohl komplex als auch ungemein wichtig. Wenn sich an dieser Ungerechtigkeit etwas ändern soll, ist es daher erforderlich, dass sich auch schon unsere Kinder damit befassen. Damit dies die Kinder auch wirklich möchten, hat Varsha Shah diese ungewöhnlichen und begabten Helden geschaffen, die mit Humor und Engagement die Welt verändern wollen.

Sehr gut gefällt mir, dass die Tintenhelden nicht einfach den Skandal aufdecken und den Slum retten und die Geschichte ist zu Ende. Nein, sie wird ganz liebevoll zu Ende erzählt, so daß auch die Nebenstränge aufgelöst werden und man ganz sicher sein kann, dass diese Tintenhelden nicht nur mit ihrer Zeitung ihren Weg gehen werden, sondern auch wirklich die indische Gesellschaft dauerhaft beeinflussen werden.

Ich liebe dieses Hörbuch und finde es großartig, würde es aber eher ab 10 Jahren empfehlen, weil es wirklich spannend ist, das Leben der Kinder wirklich in Gefahr ist und die politischen und gesellschaftlich/rechtlichen Themen doch recht komplex sind, auch wenn sie super kindgerecht aufgearbeitet sind.

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Veröffentlicht am 17.12.2022

Magisch!

Ruby Fairygale. Der verbotene Zauber
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Noah ist nun schon eine Weile im Internat in Kalifornien und Ruby lernt nun gemeinsam mit ihrem wiedergefundenen Bruder Flynn. Eigentlich sollte die Freude über die Wiedervereinigung mit Flynn und ihrer ...

Noah ist nun schon eine Weile im Internat in Kalifornien und Ruby lernt nun gemeinsam mit ihrem wiedergefundenen Bruder Flynn. Eigentlich sollte die Freude über die Wiedervereinigung mit Flynn und ihrer Mutter sie doch rundum glücklich machen, aber die Sehnsucht nach ihrem verlorenen besten Freund nagt an ihr. Wenn sie doch wenigstens wüsste, dass es ihm gut geht! Aber er meldet sich ja nicht mehr und ist nicht erreichbar. Von Zweifeln und Sorge geplagt sucht sie nach einer Möglichkeit Kontakt zu ihm aufzunehmen. Wenn es auf dem üblichen Weg wie Telefon und Post nicht klappt, dann eben mit Magie! Immerhin ist Patch Island, diese kleine Insel inmitten der Irischen See einer der magischsten Orte der Menschenwelt. Tatsächlich, die unternehmungslustige kleine Fee Felicity hat auch schon eine Idee: in der Feenwelt gibt es eine geheime Bibliothek, zu der nur den Ratsmitgliedern der Zutritt gestattet ist. Dort werden die Schriftrollen mit allen verbotenen Zaubersprüchen aufbewahrt. Darunter dürfte auch einer sein, mit dem man ein magisches Portal von Patch Island bis zu Noahs Internat erschaffen könnte, um dort nach dem Rechten zu schauen. Das klingt nicht nur riskant, in Verwirklichkeit ist es sogar noch viel komplizierter und gefährlicher als erwartet!

Im letzten Band war ich schon etwas enttäuscht, dass Noah keine Rolle mehr zu spielen schien, so treulos hatte ich Ruby gar nicht eingeschätzt! Da habe ich mich auch nicht geirrt, denn hier dreht sich fast alles darum, zu ihm zu gelangen, aber nicht nur. Auch andere alte, verlorenen geglaubte Freundschaften werden angesprochen und der alte, grummelige Fergus muss natürlich auch wieder für Trubel sorgen. Dem passt es nämlich gar nicht, dass dieses Jahr das traditionelle Halloweenfest ausfallen soll, aus Rücksicht auf die Freundschaft mit den magischen Wesen, die die Inselbewohner mittlerweile hegen. Er setzt nun alles daran, dieses Fest, dass magische Unholde fern halten soll, doch durchzusetzen. Sein Aberglaube und sein Gegrummel machen mir immer ebenso viel Spaß wie Tratschtanten Tilda... Es ist einfach schön wieder zurück nach Patch Island zu kehren, mit seinen liebgewonnen Bewohnern, auch wenn man nichts von dem köstlichen Kuchen dort abbekommt.

Es ist wieder magisch, geheimnisvoll und spannend, aber auch ein klitzekleines bisschen romantisch. Nicht nur Ruby vermisst Noah, auch andere Paare oder Freunde wurden unfreiwillig getrennt und vielleicht gibt es ja magische Hilfe, um sich wiederzusehen. Aber ist es nicht gefährlich in den Lauf der Dinge einzugreifen? Wir erhalten tiefere Einblicke in die Feenwelt und den hohen Rat und lernen dessen Vorsitzenden den Nachtelf Nocturno nicht nur besser kennen, sondern auch fürchten. Ja, Ruby, Flynn und Felicity riskieren eine ganz Menge, um zu erfahren, wie es Noah im Internat geht.

Julia Nachtmann bleibt zum Glück dieser Reihe treu! Lebendig und kurzweilig nimmt sie uns mit ihrer warmen wandelbaren Stimme mit in die geheimen Feenwelt und ins sonnige Kalifornien. Mal baut sie Spannung auf, mal wispert sie geheimnisvoll, grummelt als Fergus vor sich hin oder zwitschert wie eine junge aufgeregte Elfe. Da wird Patch Island vor dem inneren Auge lebendig. Für noch mehr Irlandflair sorgen die musikalischen Einlagen von Celtic Tradition mit ihren traditionellen Instrumenten und folkloristischen Weisen.

Das Pappklappcover ist wieder sehr liebevoll gestaltet mit Illustrationen von Verena Körting aus der gleichnamigen Buchreihe, Textauszügen und einem Ranken verziertem Booklet mit der Tracklist und den Covern der vier bisherigen Bände. Man kann diese übrigens unabhängig voneinander hören, aber es wäre schade, da die Geschichten schon zusammenhängen und aufeinander aufbauen. Gerade die persönlichen Entwicklungen würde man verpassen.

Ein weiteres magisches Abenteuer rund um Ruby Fairygale und Patch Island ab 8 Jahren, das ich Irlandfans und Freunden magischer Wesen nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 17.12.2022

Den Umweltsündern auf der Spur!

Penny Pepper – Wildschweine und Umweltferkel
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Weil die Klasse von Penny und ihren Freundinnen Ida, Flora und Marie letzten Monat mehr Freundlichkeitsflummis gesammelt hat als Stänkersticker und auch mehr als die Parallelklasse, geht es zur Belohnung ...

Weil die Klasse von Penny und ihren Freundinnen Ida, Flora und Marie letzten Monat mehr Freundlichkeitsflummis gesammelt hat als Stänkersticker und auch mehr als die Parallelklasse, geht es zur Belohnung in den Kletterwald mit anschließendem Picknick. Das ist total super, vor allem, weil sie nach all der Kletterei riesigen Hunger haben. Was für ein Schreck jedoch, als sie beim Ausbreiten der Picknick-Decke feststellen, dass irgendwelche Umweltschweine ihren Müll einfach in das Dickicht des Waldes abgeladen haben! Als so etwas dann auch noch direkt neben Omas Schrebergarten passiert, ist den vier Detektivinnen klar, dass sie einen neuen Fall zu ermitteln haben: sie wollen die Müll-Ganoven von Schnuckendorf stellen! Schnell sind erste Verdächtige ermittelt und die Beschattungen starten, doch die Freundinnen müssen feststellen, dass es kniffliger ist als gedacht. Nun müssen sie zu äußersten (peinlichsten) Mitteln greifen!

Dies ist bereits der 10. Band der erfolgreichen Comic-Roman-Kinderkrimi-Reihe. Wenn man die Vorgängerbände kennt, ist das natürlich super, weil man dann ja auch die besondere Feindschaft mit der Parallelklasse kennt und natürlich auch Blutbachtochter Chantal, aus Pennys Nachbarschaft, sowie ihr eigenes schweres Schicksal als Tochter einer Zahnärztin... aber es ist garantiert auch ohne Vorkenntnisse witzig. Wir haben die Bücher auch nicht der Reihe nach gelesen.

Hier werden die jungen Leser für das Thema Umweltschutz und Müllverschmutzung sensibilisiert, daher finden wir es super, dass Penny und Co. wie immer mit den Rädern durch die Gegend düsen oder laufen und sich nicht von Mami chauffieren lassen! Klar, echte Detektivinnen sind ja keine Kleinkinder mehr, die übernehmen auch Verantwortung für die Umwelt und nehmen Dinge selbst in die Hand! Ja, auch Kinder können etwas verändern, besonders, wenn sie zusammenhalten und darin sind Penny und ihre Detektivinnen mindestens so gut, wie im Ermitteln! Wie sie das so hinbekommen kann man an Pennys Listen immer ganz genau nachvollziehen. Dabei sind ihre Unsicherheiten mit Fremdwörtern, oder durchgeixten negativen Beschreibungen sehr witzig, denn so weiß jeder natürlich, was Penny eigentlich denkt, auch wenn es nicht so nett ist ;). Bis zum Schluss gibt es verschiedene Verdächtige, aber so leicht ist es dann doch nicht. Dafür kann man aber tolle neue Wörter lernen, die dann immer schön und vor allem witzig von Penny (aka Ulrike Rylance) erklärt werden. So werden sie unvergesslich! Als Running-Gag ist natürlich auch wieder Pennys defektes Diktiergerät mit dabei, auch wenn es in den unmöglichsten Situation mit verdrehten Kommentaren losplärrt, bringt sie es nicht fertig, es zu entsorgen, noch nicht einmal in ihr schickes Müllmonster. Ja, eine Anregung für nachhaltige Kunst aus Müll liefern Penny & Co. natürlich auch. Auch wenn die Detektivinnen jetzt inzwischen alle Smartphones haben, sind sie nicht nur am Daddeln, sondern haben auch einfach so Spaß, sogar im Kunstunterricht!

Die Illustrationen von Lisa Hänsch im Stil von Notizbüchern und kleinen Comic-Anekdoten mit Erklär- und Merkkästchen sind absolut locker und kurzweilig. Sie machen einfach Spaß, ebenso wie das vorlaute Diktiergerät, das immer alles durcheinander bringt und in den unpassendsten Momenten losplärrt. Mann wie peinlich! Man hat den Eindruck mitten in Pennys Notizen zu stöbern.

Wieder ein unschlagbar witziger Fall zum Miträseln von Penny und ihren Detektivfreundinnen, der auch Lesemuffeln mit seiner Aufmachung im Comic-Style zum Buch greifen lässt.

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