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Veröffentlicht am 11.01.2023

Spurensuche

Saubere Zeiten
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Inhalt:

Als Jakob Auber erfährt, dass sein Vater gestorben ist, macht er
sich auf den Weg ins Zuhause seiner Kindheit, an der Mosel.
Dort beginnt er, sich mit der Vergangenheit seiner Familie zu beschäftigen. ...

Inhalt:

Als Jakob Auber erfährt, dass sein Vater gestorben ist, macht er
sich auf den Weg ins Zuhause seiner Kindheit, an der Mosel.
Dort beginnt er, sich mit der Vergangenheit seiner Familie zu beschäftigen.
Großvater Theodor Auber war im Wirtschaftswunder-Deutschland eine schillernde Figur.
Er erfand ein Waschpulver, mit dem er ein reicher Mann wurde,
bis er unter ungeklärten Umständen alles verlor.
Sein Vater sprach nie darüber, aber er hinterließ ein besprochenes Tonband.
Großvater führte Tagebuch. Anhand dieser Unterlagen setzt sich der Enkel Jakob
mit der Familienvergangenheit auseinander. Die Spur führt weit, bis nach Rio de
Janeiro.

Das Cover ist sehr passend. Vater und Sohn in einem Raum und doch so weit von
einander entfernt.

Fazit:

Dieses Debüt ist ein wunderbarer Roman über eine Familie, die mit
Waschmittel reich wurde. Den Großvater, Drogist und Tüftler gab es wirklich,
das Waschmittel auch.
Großvater hatte es entwickelt und Großmutter hatte einen Namen dafür gefunden.
Die Großeltern wurden sehr reich und verloren doch alles. Das ist wahr und es
hätte genauso so sein können.
Die Geschichte läuft über 3 Generationen und wird in mehreren Zeitebenen erzählt.
Der Autor hat eine wunderbare Schreibweise. Die kurzen Sätze sind sehr eindrucksvoll
und erhöhen das Lesetempo. Bildhaft und eindringlich wird die Zeit
der Machtergreifung Hitlers und die Folgen des 2. Weltkrieges erzählt.
Aber es geht auch um Vater - Sohn Beziehungen.
Erst als Großvater und Vater gestorben sind, kann sich der Enkel anhand von Aufzeichnungen
mit der Vergangenheit auseinandersetzen.
Wohl wissend, dass nicht immer nur Gutes ans Licht kommen kann.
Es macht Spaß, Jakobs Leben zu begleiten.
Zu erleben wie er sich langsam seinem Vater, überhaupt der Vergangenheit öffnet.
Sich selbst hinterfragt und sich mit seinem Leben auseinandersetzt.
Die Charaktere sind wunderbar, authentisch beschrieben.
Ein sehr gut recherchierter und auch sehr spannender Familienroman.
Liest sich bis zum überraschenden Ende wie ein Krimi.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.12.2022

Spannend und mit viel Humor

Prost, auf die Gaukler
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Klappentext:

Ausgelassene Stimmung herrscht am Eröffnungsabend des Brunngrieser Volksfestes im Bierzelt.
Ron Goldinger, Volksmusiksänger und Frauenschwarm, bringt das Festzelt zum Kochen
und die Frauenherzen ...

Klappentext:

Ausgelassene Stimmung herrscht am Eröffnungsabend des Brunngrieser Volksfestes im Bierzelt.
Ron Goldinger, Volksmusiksänger und Frauenschwarm, bringt das Festzelt zum Kochen
und die Frauenherzen zum Schmelzen.
Ganz besondere Aufmerksamkeit wird dem Stargast jedoch zuteil,
als er nach seinem Auftritt hinter dem Bierzelt tot aufgefunden wird.

Prost auf die Gaukler ist für mich der erste Krimi aus dieser Reihe.
Das ist kein Problem, man kommt problemlos in die Geschichte rein.

Der Autor hat eine wunderbare Art zu schreiben.
Man hat das Gefühl, vor Ort zu sein.
Die Charaktere sind alle wunderbar beschrieben.
Es gibt sehr viel Lokalkolorit und die Geschichte an sich ist sehr authentisch.
Auch sind alle Elemente, die für einen klassischen Kriminalroman wichtig sind,
ein rätselhaftes Verbrechen, die psychologischen Momente,
die den Verbrecher antreiben, die guten Milieubeschreibungen.
Die Charaktere sind bis in die Nebenrollen so liebevoll gezeichnet,
dass man schnell Sympathien oder auch Antipathien hegt.
Der Spannungsbogen steigt langsam bis zum überraschenden Ende.

Ich habe ich mich mit diesem Buch sehr gut unterhalten gefühlt und ein tolles Kopfkino gehabt.
Ein Krimi, der sich sehr gut liest, spannend ist und Spaß macht, mit sehr viel Lokalkolorit und sehr unterhaltsamen Charakteren.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.12.2022

Maschas goldene Jahre

Die Suche nach Heimat
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Mascha Kaléko hat in Berlin endlich eine Heimat gefunden.
Am 31. Juli 1928 heiratete sie den zehn Jahre älteren Saul Kaléko,
den sie seit 1926 kannte. Ende der 1920er Jahre kam sie mit der künstlerischen ...

Mascha Kaléko hat in Berlin endlich eine Heimat gefunden.
Am 31. Juli 1928 heiratete sie den zehn Jahre älteren Saul Kaléko,
den sie seit 1926 kannte. Ende der 1920er Jahre kam sie mit der künstlerischen Avantgarde Berlins in Kontakt, die sich im Romanischen Café traf.
Dort versuchte sie mit bekannten Größen zusammen zukommen, um ihre Gedichte
bekannt zu machen. Was ihr ja dann auch gelang. Als sie den Musiker Chemjo kennen und lieben lernt, muss sie sich zwischen den Männern entscheiden.
Im Hintergrund warten schon die braunen Schatten.

Dieses warmherzige Buch beschreibt die kurzen, leuchtenden Berliner Jahre der Mascha Kaléko.
Die Schreibweise ist fließend und mitreißend, macht neugierig auf diese außergewöhnliche Frau. Ihr unbedingter Wille, mit ihren Gedichten anerkannt und beruflichen Erfolg zu erlangen.
Vergangene Orte werden wieder lebendig. Das -Romanische Café- z.b., war ein namhaftes Berliner Künstlerlokal.
Dort trafen sich renommierte Schriftsteller, Maler, Schauspieler, Regisseure, Journalisten, Kritiker. Zugleich war es eine Anlaufstelle für werdende Künstler, die erste Kontakte suchten.
Sehnsüchte und Sorgen einer längst vergangenen Epoche leben noch einmal auf.
Die Charaktere dieser Zeit werden wunderbar zum Leben erweckt.
Wir begegnen u.a. Kästner, Tucholsky, Else Lasker-Schüler oder Ringelnatz.
Alle sprühen so vor Leben, dass man das Gefühl hat, sie wahrhaft zu kennen.
Die Ortsbeschreibungen lassen eine längst vergangene Zeit noch einmal auferstehen und laden
in eine Reise in die Vergangenheit ein. Wunderbar recherchiert und umgesetzt.
Das Lebensgefühl dieser Zeit kommt wunderbar auf die Seiten.
Es vermischt sich mit der schrecklichen Zeitgeschichte.
Maschas Kalékos brillante Gedichte, die im heiter-melancholischen Ton die Lebenswelt der
kleinen Leute und die Atmosphäre im Berlin ihrer Zeit widerspiegeln.
Ein warmherziges Buch über eine eigenwillige und starke Frau, die ihren Weg gegangen ist.
Sehr gut recherchiert und umgesetzt.
Ein besonderes Highlight sind die abgedruckten, eindrucksvollen Gedichte nach jedem Kapitel.

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Veröffentlicht am 22.11.2022

Großartig erzählt, brillant und schonungslos

Melodie des Bösen
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Paris 1925: Der Klang von Jazzmusik weht durch die schmalen Gassen von Montmartre.
Doch der schöne, klangvolle Schein trügt. Auf dem Friedhof Père Lachaise wird eine
grausame Entdeckung gemacht. Ein menschliches ...


Paris 1925: Der Klang von Jazzmusik weht durch die schmalen Gassen von Montmartre.
Doch der schöne, klangvolle Schein trügt. Auf dem Friedhof Père Lachaise wird eine
grausame Entdeckung gemacht. Ein menschliches Herz wurde vor Frédéric Chopins Grab
niedergelegt.
Julien erinnert sich sofort an seinen einzigen ungelösten Fall.
Als eine weitere Leiche auftaucht, weiß Vioric, dass weitere Tote folgen werden.

Die Autorin schickt den Ermittler Julien Vioric in seinen zweiten Fall.

Auch in diesem Band überzeugt die sehr ausdrucksstarke Schreibweise,
mal erbarmungslos, dann wieder poetisch und wunderschön.

Britta Habekost beherrscht die Kunst, das Lebensgefühl und den Zeitgeist der 1920 Jahre
so wunderbar wiederzugeben. Den avantgardistischen Zeitgeist.
Sie zeigt ein lebendiges Bild dieser Zeit.
Verbindet geschickt Fiktion und Wirklichkeit.
Es geht nicht nur um die Musik, sondern auch um Frauenrechtlerinnen,
Art-déco-Künstler, Surrealisten und um die Action française, die immer wieder
gewaltsame Überfälle organisiert.
Die Atmosphäre und das Leid der Menschen sind greifbar. Man taucht ein in ihr
Schicksal und nimmt Anteil an ihrem nicht sehr einfachen Leben.
Die Charaktere sind sehr stark gezeichnet, wie überhaupt das gesamte Miljö.
Man fliegt förmlich durch die Seiten. Hofft das alles Brutale und unbeschreibliche
einfach nur aufhört. Das Buch zur Seite legen ist so gut wie unmöglich. Es entwickelt
einen Sog, dem man sich wahrlich schwer entziehen kann.
Eine sehr lebendige und auch sehr spannende Reise, die den Leser in eine längst
vergangene Zeit entführt.
Von Beginn an gibt es einen Spannungsbogen, der bis zum Schluss erhalten bleibt.
Ein sehr gelungener Kriminalroman mit zahlreichen Wendungen und immer wieder
überraschend. Bis am Ende die losen Fäden gekonnt verknüpft werden.
Großartig erzählt, brillant und schonungslos. Ein Lesehighlight.

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Veröffentlicht am 17.11.2022

Eine Mischung aus Genuss, Spannung und wunderschöner Landschaft

Gardasee-Gold
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Georg Breitwieser, Kommissar aus Traunstein, möchte in diesem Jahr
endlich mal die internationale Fachmesse Vinitaly besuchen.
Dann könnte er bei dieser Gelegenheit auch die schöne Winzerin
Stefania wiedersehen. ...

Georg Breitwieser, Kommissar aus Traunstein, möchte in diesem Jahr
endlich mal die internationale Fachmesse Vinitaly besuchen.
Dann könnte er bei dieser Gelegenheit auch die schöne Winzerin
Stefania wiedersehen. Mit seinem neuen Alfa macht er sich auf
den Weg. Es kommt aber alles anders. Nicht nur, dass er Stefania tot auffindet,
er wird auch noch selbst verdächtigt.

Das wunderschöne Cover lässt schon ahnen, in welche Richtung dieser Krimi geht.
Die Kapitel Vignetten sind hübsch gestaltet und machen es dem Leser
leichter sich zurechtzufinden.
Es gibt sehr viel Lokalkolorit und die Geschichte an sich ist sehr authentisch.
Die Autorin nimmt uns mit in die Welt des Weinanbaus.
Ihre Beschreibungen sind atmosphärisch dicht.
Die Landschaft wird wunderschön und sehr ausführlich beschrieben.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und es fällt schwer das Buch aus der Hand zulegen.
Atmosphärisch dicht und sehr authentisch wird die Ermittlung geführt.

Auch sind alle Elemente, die für einen klassischen Kriminalroman wichtig sind, vorhanden.
Rätselhafte Verbrechen, die psychologischen Momente, die den Verbrecher antreiben,
die guten Milieubeschreibungen.
Die Charaktere sind bis in die Nebenrollen so liebevoll gezeichnet, dass man schnell
Sympathien oder auch Antipathien hegt.
Die Art der Ermittlung ist erfrischend anders.
Das bayerische/italienische Duo Breitwieser und Fontanaro sind sehr sympathische
und eigenwillige Charaktere und ergänzen sich wunderbar.
Stück für Stück wird das Rätsel gelöst.
Ein hervorragendes Hintergrundwissen machen diesen Krimi zu einem Leseerlebnis.
Es geht nicht nur um Wein und Oliven, es geht auch um Skandale betreffs des
Wein- und Oliven-Anbaus. Um Biozertifikate, Pestizide und um chinesische Großproduzenten.
Alles in allem handelt es sich hier um einen klassischen Kriminalroman.
Eine Mischung aus Genuss, Spannung und wunderschöner Landschaft.
Der Spannungsbogen steigt langsam bis zum überraschenden Ende.
Wer einen klassischen Kriminalroman ohne große Action erwartet, wird nicht enttäuscht.
Mir hat dieser Ausflug nach Verona sehr gut gefallen.

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