Lohnenswert
DoppellebenJules und Edmond de Goncourt leben als Junggesellen gemeinsam in einem Haus und haben sich geschworen, dies nie zu ändern. Jules, der jüngere der beiden, ist unheilbar krank und verfällt zusehends. Rose, ...
Jules und Edmond de Goncourt leben als Junggesellen gemeinsam in einem Haus und haben sich geschworen, dies nie zu ändern. Jules, der jüngere der beiden, ist unheilbar krank und verfällt zusehends. Rose, ihrer Haushälterin stehen sie sehr wohlwollend gegenüber. Allerdings machen sie sich keinerlei Gedanken über ihre Lebensumstände und nehmen ihre Gegenwart und ihre Dienste als gegeben und selbstverständlich hin. Umso mehr sind sie überrascht, als sie nach ihrem Tod erfahren, dass sie einen Geliebten und ein Kind hatte.
In zwei Erzählsträngen und Rückblenden widmet sich Alain Claude Sulzer in Doppelleben den Brüdern de Goncourt und Rose. Die Leben der Brüder laufen in vielerlei Hinsicht parallel und gemeinsam ab, dass man fast denken könnte, es handele sich dabei um das eines einzigen Menschen. Rose hingegen führt ein Leben als Haushälterin und ist gleichzeitig auch Mutter, Geliebte, Alkoholikerin, Diebin. Zwei "Doppelleben", die sich nur wenig überschneiden, obwohl sie im gleichen Haushalt stattfinden. Die Brüder sind einzig und alleine mit sich selbst und ihren Künstlerkreisen beschäftigt. Rose' Lebensinhalt ist ihre Obsession für einen Mann, obwohl dieser sie sehr schlecht behandelt.
Der Autor nimmt die Leser mit ins 19. Jahrhundert, das er in bildhafter Sprache authentisch und atmosphärisch beschreibt. Obwohl er die Charaktere detailreich zeichnet, bleiben sie für mich oberflächlich und unnahbar. Dennoch ist Doppelleben ein lohnenswertes, tiefschürfendes Leseerlebnis.