Guter Start der neuen Reihe aber noch mit Luft nach oben
Kalt und still"Kalt und still" ist mein erstes Buch von Viveca Sten. Als ich den Krimi begonnen habe, gab es hier noch Minusgrade und es lag Schnee. Somit passte die Lektüre perfekt. Leider wurden daraus aber sehr bald ...
"Kalt und still" ist mein erstes Buch von Viveca Sten. Als ich den Krimi begonnen habe, gab es hier noch Minusgrade und es lag Schnee. Somit passte die Lektüre perfekt. Leider wurden daraus aber sehr bald frühlingshafte Temperaturen und Regen...brr.
Hanna Ahlander ist Polizistin in Stockholm. Als ein Kollege den Tod seiner Frau zu verantworten hat und die Abteilung ihn deckt, ist Hanna mehr als empört. Sie versucht den Skandal aufzudecken und bekommt daraufhin nahegelegt den Dienst bei der Stockholmer Polizei zu quittieren. Dem nicht genug! Als sie völlig fertig nach Hause kommt, erklärt ihr ihr Freund, dass er die Beziehung beendet und sie die gemeinsame Wohnung baldmöglichst zu verlassen hat. Ihre Schwester Lydia bietet ihr an die kommenden Tage in ihrem luxuriösen Ferienhaus in Åre zu verbringen. Hanna verkricht sich und suhlt sich in Selbstmitleid. Doch dann lässt sie der Vermisstenfall der 18-jährigen Amanda aufhorchen. Das Mädchen kam nach einer durchzechten Lucia-Feier nicht zu Hause an. Hanna beteiligt sich an der Suchaktion und bietet der örtlichen unterbesetzten Polizei ihre Hilfe an. Beinahe problemlos wird sie im fremden Polizeirevier eingestellt, was etwas an Glaubwürdigkeit vermissen lässt, aber der Handlung zuträglich ist.
Da es sich um den ersten Band einer neuer Reihe handelt, dauert es etwas bis dieser Krimi in Fahrt kommt. Der tatsächliche Kriminalfall rückt leider zunächst etwas in den Hintergrund, denn Hanna ist lange Zeit der Fixpunkt der Geschichte, bis sie durch den Vermisstenfall in Åre wieder ins Leben zurückkehrt. Bis dahin suhlt sie sich ziemlich lange in Selbstmitleid, trinkt zu viel und obwohl sie eine anerkannte Anwältin als Schwester hat, kommt ihr nicht der Gedanke, diese wegen Mobbing im Job um Hilfe zu bitten.
Daniel Lindskog von der örtlichen Polizei ermittelt im Fall Amanda. Er hat ein hitziges Temperament, dass er als Polizist unter Kontrolle halten muss. Außerdem hat er im Moment viele schlaflose Nächte, denn er ist gerade Familienvater geworden. Der Vermisstenfall und die neue Familienkonstellation überfordern ihn zusehends, denn er versucht beiden gerecht zu werden und reibt sich förmlich auf.
Die Autorin hat viele Figuren in ihrem Krimi eingebaut. Neben den Ermittlern lernen wir noch Lehrer und Schüler aus Amandas Umfeld kennen, ihre Familie, einige Persönlichkeiten von Åre und auch Hannas Familie. Der Fall wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, was mir gut gefallen hat. Wir dürfen dabei nicht nur aus Hannas und Daniels Sicht lesen, sondern auch aus der von Amanda, Edda (Amands Freundin) und aus der von Amandas Eltern. Die Perspektive auf Amandas Familie und die Auswirkungen auf die einzelnen Familienmitglieder war berührend, aber auch teilweise sehr bedrückend. Entsetzt hat mich, wie Ich-bezogen die Eltern von Amanada agierten und die gemeinsamen Zwillinge total vernachlässigt haben.
Durch die wechselnden Sichtweisen ergibt sich ein guter Einblick in die Hintergründe, Gefühle und Gedanken der einzelnen Personen. Mit der Zeit setzten sich einzelne Puzzleteilchen nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen.
Und auch Hannas kleiner "Nebenfall" um eine verängstigte Reinigungsfrau, die in allen Ferienhäusern der Straße ihrer Arbeit nachgeht, fließt mit der Zeit in den Hauptfall um Amandas Entführung mit ein. Das hat mir gut gefallen und ergibt ein rundes Bild.
Die Kapitel sind kurz und regen an so schnell wie möglich weiterzulesen. Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft. Der Fokus liegt stark bei den Ermittlern, was ich nicht immer als positiv empfunden habe.
Begeistert hat mich Viveca Sten jedoch mit ihrer Beschreibung der Landschaft, der Kälte und des Schnees. Diese ist sehr atmosphärisch. Man spürt direkt die minus 20 Grad durch die Seiten und kuschelt sich unwillkürlich umso mehr in die warme Decke.
Fazit:
Ein gelungener Start dieser neuen Reihe, aber noch nicht wirklich on top. Etwas zu detailliert und manche Ereignisse waren mir zu unglaubwürdig. Trotzdem wollte ich immer weiterlesen und die tolle Atmosphäre aus Kälte und Schnee ist Viveca Sten unglaublich gut gelungen. Den zweiten Band möchte ich gerne lesen, aber den leihe ich mir wieder lieber aus der Bücherei aus, wenn er erscheint.