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Veröffentlicht am 23.01.2023

Ein wunderbares Buch voller Herz, Humor und Feingefühl!

Komische Vögel – 2.500 Meilen Familie, Chaos und jede Menge Chicken Nuggets
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Als ich zum ersten Mal von „Komische Vögel – 2.500 Meilen Familie, Chaos und jede Menge Chicken Nuggets“ hörte, konnte der originelle Titel meine Neugierde sofort wecken. Da mich auch das Cover direkt ...

Als ich zum ersten Mal von „Komische Vögel – 2.500 Meilen Familie, Chaos und jede Menge Chicken Nuggets“ hörte, konnte der originelle Titel meine Neugierde sofort wecken. Da mich auch das Cover direkt ansprach und der Klappentext einfach nur richtig gut klang, stand für mich sehr schnell fest, dass ich das Buch lesen möchte.

Der 12-jährige Charlie hat es nicht leicht. Seine Zwänge und vielen Eigenarten machen das Leben oft zu einer echten Herausforderung und seine große Schwester und zwei jüngeren Brüder können manchmal ziemlich anstrengend sein. Als sein alleinerziehender Dad, der ein Kriegsjournalist ist, mit einer schweren Kopfverletzung ins Krankenhaus kommt, wird sein eh schon kompliziertes Leben noch komplizierter. Und als der Vater dann auch noch von der heimischen Klinik in Kalifornien nach Virginia verlegt wird und die Großmutter der vier Kinder ihn begleitet, gerät seine Welt komplett aus den Fugen. Die Geschwister beschließen den beiden Erwachsenen heimlich nachzureisen. Zusammen mit der seltsamen jungen Frau Ludmilla, die von der Oma als Kindermädchen angeheuert wurde, und einem kleinen adoptierten Hund, reisen sie in einem alten Wohnmobil einmal quer durchs Land. Charlie hält dabei unermüdlich nach den Vögeln Ausschau, die er und sein Dad irgendwann gemeinsam zu sehen hofften. Wenn er sie findet, wird sein Papa ganz bestimmt wieder gesund werden, da ist sich Charlie sicher. Eine turbulente Reise voller Abenteuer, neuer Bekanntschaften, ekliger Toiletten und aufregender Vogelbeobachtungen beginnt.

Die US-amerikanische Autorin Sally J. Pla war mir bisher völlig unbekannt. Ihr Debütroman war also mein erstes Werk aus ihrer Feder. Es wird auch hoffentlich nicht mein letztes gewesen sein – wie ich es mir schon gedacht habe, hat das Buch genau meinen Geschmack getroffen. Die Voraussetzungen dafür standen aber auch wirklich ziemlich gut: Ich liebe Roadtrip-Stories, zu Geschichten über das Anderssein greife ich ebenfalls immer unheimlich gerne und ich bin ein großer Vogelfreund. Nicht zu vergessen dieser Mix aus humorvoll, ernst und tiefgründig, für den ich gleichermaßen eine große Schwäche hege. Solltet ihr diese ganzen Vorlieben auch besitzen, kann ich euch „Komische Vögel“ nur empfehlen, denn all dies (und noch mehr) erwartet euch hier.

In meinen Augen ist Sally J. Pla ein eindrucksvolles Debüt geglückt. Mit viel Witz und Empathie lässt sie uns in das Seelenleben eines 12-jährigen autistischen Jungen eintauchen und vermittelt ein authentisches Bild darüber, wie es ist anders zu sein. Dass unser Hauptprotagonist und Ich-Erzähler an einer Form des Autismus leidet, wird im Text zwar nicht erwähnt, allerdings ist es sehr offensichtlich, dass dem so ist. Und ob das Ganze wirklich realistisch dargestellt wird, kann ich, die keine eigenen Erfahrungen mit dieser Entwicklungsstörung hat, nun natürlich nicht sicher sagen. Auf mich jedenfalls hat alles äußerst glaubhaft gewirkt.

Als Leserin wird einem bereits auf der ersten Seite klar, dass es sich bei Charlie um einen ganz besonderen Jungen handelt. Wir lernen ihn kennen, als er sich gerade die Hände wäscht und im Kopf dabei mitzählt: Seife-spüle-eins-seife-spüle-zwei...Insgesamt zwölfmal, ein Mal für jedes seiner Lebensjahre. Neben diesem Waschzwang hat Charlie noch so einige weitere Marotten und kontrollierende Gewohnheiten, wie wir im Verlauf des Buches erfahren. Er bewertet Toiletten stets auf einer Skala von 1 bis 10 (dreckige Klos sind für ihn wahrer Graus), er ist ausgesprochen wählerisch beim Essen (am sichersten sind Chicken Nuggets, die gehen eigentlich immer), er fürchtet sich vor Zecken, er mag keine Veränderungen und Berührungen und er hat große Schwierigkeiten damit, die Emotionen anderer zu deuten.
Obwohl Charlie so ein eigenwilliger Charakter ist, muss man ihn einfach gernhaben. Vermutlich sind es auch gerade seine zahlreichen Macken, die ihn so bezaubernd und liebenswert machen. Also mein Herz hat Charlie im Sturm erobert. Ich habe ihn wahnsinnig liebgewonnen und mich jederzeit mühelos in ihn hineinversetzen können.

Neben unserem Romanhelden ist das Buch noch mit lauter weiteren wundervollen Persönlichkeiten bestückt, die ebenfalls facettenreich und lebensecht ausgearbeitet wurden und auf ihre Art und Weise einzigartig sind. Da hätten wir zum Beispiel Charlies große jungenverrückte Teenagerschwester Davis und seine zwei 10-jährigen quirligen Brüder, die Zwillinge Joel und Jake, die auf seine Tics und Eigenheiten so reagieren, wie man es von Geschwistern wohl erwartet: Bisweilen ziemlich genervt und missmutig, in gewisser Hinsicht aber auch mit Güte und Verständnis.

Dann wäre da unter anderem noch die mysteriöse Ludmilla, die eines Tages plötzlich im Krankenhauszimmer von Charlies Dad auftaucht und ihn fortan ständig besucht. Wer ist diese Frau mit den rosafarbenen Haaren bloß und wieso interessiert sie sich so sehr für den Vater?
Eine weitere Figur, die eine wichtige Rolle spielt, ist der Legendäre Ornithologe, Künstler und Philosoph Dr. Tiberius Shaw, Charlies großer Vogelguru. Ihn treffen wir allerdings nie persönlich, wir lernen nur durch die Erzählungen unseres Protagonisten kennen und bekommen zu Beginn eines jeden Kapitels eine Vogelweisheit von ihm zu lesen.

Wer sich für Vögel interessiert, wird in diesem Buch auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Charlie ist ein riesiger Vogelfan, er rettet sich quasi in seiner Faszination für diese Tiere. Und da er sich so intensiv mit Vögeln beschäftigt, wird uns Leser
innen insgesamt eine Menge interessantes Wissen über die verschiedensten Vogelarten nähergebracht, ohne dabei lehrbuchmäßig zu wirken oder so. Die Fakten fließen gekonnt in die Handlung mit ein und ergeben gemeinsam mit dem Rest ein stimmiges Gesamtpaket.

Zusammen mit Charlie, seinen Geschwistern und ihrer neuen Babysitterin Ludmilla begibt man sich als Leser*in auf eine abenteuerliche Reise einmal quer durchs Land und erlebt dabei die aufregendsten Dinge. Das diese Tour für Charlie nur alles andere als leicht ist, könnt ihr euch sicherlich denken. Er stellt sich aber den vielen Herausforderungen und wird an ihnen wachsen, und einem kleinen dreibeinigen, verwahrlosten Hund zuliebe, der von den Zwillingen angeschleppt wird, überwindet er sogar ein paar seiner Eigenarten. Mitzuerleben wie sich Charlie weiterentwickelt und er und der Hund sich immer mehr anfreunden, hat mich tief berührt und glücklich macht.
Auch Ludmillas Geschichte fand ich sehr ergreifend. Sie umgibt zunächst noch ein großes Geheimnis, was für eine mitreißende Spannung sorgt, allerdings erfahren wir schließlich noch so nach und nach, was sie für eine schwere Vergangenheit besitzt.

Was dann nicht unerwähnt bleiben darf, ist die Innengestaltung des Buches. Julie McLaughlin, der wir auch das Cover zu verdanken haben, hat die Erzählung mit tollen schwarz-weiß Zeichnungen von Vögeln versehen, bei denen es sich um die Arten von Charlies Liste handelt. Auf den Vorsatzpapieren befindet sich zudem noch eine doppelseitige Landkarte, auf der man die Reiseroute von Charlie und Co. prima mitverfolgen kann.

Fazit: Spannend, lustig, ehrlich und klug. Ein herrliches vogelreiches Lesevergnügen voller Herz, Humor und Tiefgang!
„Komische Vögel – 2.500 Meilen Familie, Chaos und jede Menge Chicken Nuggets“ von Sally J. Pla ist ein wunderbarer und vielschichtiger Jugendroman ab 11 Jahren, der eine gelungene Mischung aus charmant-verrückter Roadtrip-Story, berührender Einblicke in die Welt eines autistischen Jungen und herzerwärmender Familiengeschichte enthält und auch für Erwachsene ein echter Genuss ist. Ich kann Sally J. Plas Debüt nur empfehlen, mich hat es absolut begeistern können. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 20.01.2023

Ein wunderschönes Kinderbuch über Hoffnung, Mut, Freundlichkeit und ganz viel mehr!

Der Hoffnungsvogel
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Als ich hörte, dass Anfang diesen Jahres ein neues Kinderbuch von Kirsten Boie erscheinen wird, welches von Katrin Engelking illustriert ist, habe ich mich gefreut wie ein Schneekönig. Ich liebe die Bücher ...

Als ich hörte, dass Anfang diesen Jahres ein neues Kinderbuch von Kirsten Boie erscheinen wird, welches von Katrin Engelking illustriert ist, habe ich mich gefreut wie ein Schneekönig. Ich liebe die Bücher von Kirsten Boie und ich mag die Bilder von der Katrin Engelking wahnsinnig gerne mag. Das neue gemeinsame Werk der beiden war daher ein absolutes Muss für mich.

Die Gute Königin und ihr Sohn Jabu, der Freundliche Prinz, leben im Glücklichen Land. Hier sind alle Menschen glücklich und zufrieden. Niemand denkt nur an sich, jeder von ihnen tut immer alles dafür, dass es nicht nur einem selbst, sondern auch allen anderen gut geht. Es gibt alles, was sie brauchen und nur ganz wenig, worüber man streiten muss. Und Entscheidungen trifft die Gute Königin niemals alleine, sondern stets mit dem gesamten Volk, schön gemütlich beim Kuchenessen im königlichen Garten. In der letzten Zeit hat sich aber irgendwie etwas verändert. Die Menschen helfen einander kaum noch und werden immer egoistischer, übellauniger und reizbarer. Schnell wird klar, was der Grund für diese Veränderung ist: Der Hoffnungsvogel ist weg, dieser kleine wundervolle Vogel, der alle Traurigkeit im Glücklichen Land mit seiner tröstenden Melodie immer kleiner und kleiner werden lässt, bis sie schließlich ganz verschwunden ist. Es ist nun an Jabu, sich auf die Suche nach dem verlorenen Hoffnungsvogel zu machen. Obwohl er ziemlich große Angst vor dieser Aufgabe hat, zieht er los. Zum Glück ist er aber nicht lange auf sich allein gestellt: Er trifft auf die aufgeweckte Alva, die Tochter der Leuchtturmwächterin, die sich ihm, ohne lange zu zögern, anschließt. Gemeinsam erleben die beiden Kinder ein spannendes Abenteuer und wachsen auf ihrer Reise über sich selbst hinaus. Ob es ihnen gelingen wird, den Hoffnungsvogel in das Glückliche Land zurückzubringen?

Schon damals, als ich das Buch zum ersten Mal in der Verlagsvorschau sah, war mir sofort klar, dass es ein neuer Liebling in meinem Bücherregal werden wird. Der Klappentext klang einfach so gut, das Cover sieht bezaubernd aus und bisher hat mich noch kein Werk aus der Feder von Kirsten Boie enttäuschen können. Inzwischen habe ich es gelesen und wisst ihr was? Ich habe goldrichtig vermutet: Für mich hat sich „Der Hoffnungsvogel“ als ein echtes Vorlesebuch-Highlight entpuppt. In meinen Augen hat Kirsten Boie mal wieder eine ganz wunderbare Geschichte aufs Papier gebracht, die zusammen mit den bunten Illustrationen von Katrin Engelking ein rundum stimmiges Gesamtpaket ergibt.

In der „Der Hoffnungsvogel“ schlummert eine märchenhafte Erzählung über die Wichtigkeit von Zuversicht und ein friedliches, freundliches und tolerantes Miteinander. Aber nicht nur das – zwischen diesen Seiten steckt noch vieles mehr! Es geht auch um Freundschaft, Mut, Vertrauen und Zusammenhalt, um Trost, Güte, Vergebung und Hilfsbereitschaft. Die Geschichte ermutigt uns dazu, stets an das Gute im Menschen zu glauben und verdeutlicht, dass jeder von uns eine zweite Chance verdient hat. Manche Dinge werden uns auch so ganz nebenbei nähergebracht wie dass man immer höflich zueinander sein und sich ausreden lassen sollte. Was mir aber besonders positiv aufgefallen ist, ist die Selbstverständlichkeit der gelebten Gleichberechtigung und Diversität. Es wurden bewusst Rollenklischees aufgebrochen, was sich vor allem in den Berufsbezeichnungen zeigt. Jeder kann die Arbeit ausüben, die er oder sie gerne ausüben möchte, ganz egal welches Geschlecht oder welche Hautfarbe man hat. So gibt es Tischlerinnen und Schornsteinfegerinnen und das Glückliche Land wird von einer Königin regiert, allerdings lebt diese in keinem prachtvollen riesigen Palast, sondern in einem gemütlichen kleinen Haus. Zudem ist sie eine PoC, wie man den Zeichnungen von Katrin Engelking entnehmen kann (sofern ich nichts überlesen habe, wird es im Text gar nicht erwähnt).
Also ich bin richtig begeistert davon, wie viel einem dieses Buch mitgibt und auf welche Art und Weise alles vermittelt wird: Ohne den mahnenden Zeigefinger zu erheben und gekonnt verpackt in einem spannenden und unterhaltsamen Abenteuer. Denn letzteres kommt bei dem Ganzen natürlich ebenfalls nicht zu kurz.

Kirsten Boie entführt uns in ihrem neuen Kinderschmöker in eine sagenhafte Welt, die einen ähnlich außergewöhnlichen Zauber verströmt wie Astrid Lindgrens Nangijala in „Die Brüder Löwenherz“ und lässt uns die Bekanntschaft mit vielen unterschiedlichen herrlichen Charakteren machen. Gemeinsam mit den zwei sympathischen und mutigen Kindern Jabu und Alva begibt man sich als Leserin auf die aufregende Suche nach dem verschwundenen Hoffnungsvogel, die angefüllt ist mit lauter Herausforderungen und Gefahren, aber auch neuen Freundschaften. Langeweile kommt beim Lesen an keiner Stelle auf, das kann ich euch versprechen. Die Ereignisse lassen einen ordentlich mitfiebern und manchmal auch breit schmunzeln und da uns Leserinnen die erzählende Person immer wieder direkt anspricht und miteinbezieht, hat man richtig das Gefühl selbst dabei zu sein.
Handlungstechnisch hat mich „Der Hoffnungsvogel“ auf jeden Fall vollkommen überzeugen können. Es enthält einfach alles, was ein gutes Märchen ausmacht: Tapfere Held*innen, einen freundlichen Prinzen und eine liebenswerte Prinzessin, gefährliche böse Räuber, jede Menge Abenteuer, wichtige Werte und ein herzerwärmendes glückliches Ende.

Neben der Story begeistert das Buch auch mit einer tollen Innengestaltung. Katrin Engelking hat die Handlung mit zahlreichen farbigen Illustrationen versehen, die die Atmosphäre der Geschichte und deren Besonderheiten perfekt unterstreichen. Es ist einfach die reinste Freude, in Katrin Engelkings Bildern zu versinken, die die Erzählung auf eine so schöne und gelungene Weise lebendig werden lassen.

Fazit: Ein zauberhaftes modernes Märchen über Hoffnung, Frieden, Freundlichkeit und ganz viel mehr – großartig erzählt und illustriert.
Kirsten Boie hat mit „Der Hoffnungsvogel“ ein wundervolles Kinderbuch ab 6 Jahren geschrieben, welches ich jedem, egal ob Jung oder Alt, ob zum Vor- oder Selberlesen, nur ans Herz legen kann. Die Geschichte nimmt uns auf eine abenteuerliche und lehrreiche Reise voller Fantasie mit, sie schenkt Hoffnung und macht Mut und verzaubert uns mit vielen farbenfrohen Bildern. Ich hatte unheimlich viel Spaß beim Lesen und vergebe sehr gerne 5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 17.01.2023

Eine tolle spannende Fortsetzung, die große Lust auf mehr macht!

Whisperworld 2: Flucht in die Wüste
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Da mir der erste Teil von Whisperworld tierisch gut gefallen hat, musste ich natürlich auch den zweiten unbedingt lesen. Ich war so gespannt wie es wohl mit unseren angehenden Tierflüsterern weitergehen ...

Da mir der erste Teil von Whisperworld tierisch gut gefallen hat, musste ich natürlich auch den zweiten unbedingt lesen. Ich war so gespannt wie es wohl mit unseren angehenden Tierflüsterern weitergehen wird!

Amy, Chuck, Mohit, Paul und Coco befinden sich seit einiger Zeit in Whisperworld – eine verborgene fantastische Welt, in der viele außergewöhnliche und vom Aussterben bedrohte Tierarten leben. Als jemand die Karte von Whisperworld stiehlt, die den Standort des Hauptquartiers im Deepwood verrät, droht ihnen große Gefahr. Um die zukünftigen Tierflüsterer zu schützen, schickt Doktor Noa die Kinder in die Wüste Sablo Diablo. Dort treffen sie nicht nur auf ein neues Teammitglied – sie stoßen auch auf einen Salzsee, der fast ausgetrocknet ist. Den Freunden wird sehr schnell klar, dass sie etwas unternehmen müssen, um die hier lebenden Tiere zu retten. Ein neues gefährliches Abenteuer beginnt...

Bei mir ist es mittlerweile ein Weilchen her, dass ich den Reihenauftakt gelesen habe. An die Handlung habe ich mich daher nicht mehr im Detail erinnern können. Dank der kleinen Rückblenden auf die vorausgegangenen Ereignisse sowie den kurzen Vorstellungen der wichtigsten Charaktere vorne im Buch waren meine Gedächtnislücken aber glücklicherweise im Nu wieder aufgefüllt, sodass ich auch die Fortsetzung in vollen Zügen genießen konnte. Trotz der Einstiegshilfen rate ich jedoch davon ab, mit dem zweiten Teil zu starten. Es steht in jedem Buch zwar ein anderes Kind im Mittelpunkt, aber da die Bände aufeinander aufbauen, empfiehlt es sich auf jeden Fall, ihre korrekte Reihenfolge einzuhalten. Die Lesefreude ist dann einfach deutlich höher.

Nachdem im ersten Teil Coco im Fokus stand, liegt das Augenmerk nun vorrangig auf Mohit. Da die Geschichte aber auch diesmal aus den Perspektiven von allen Kindern erzählt wird, erfahren wir im Verlauf der Handlung auch über die anderen zukünftigen Tierflüsterer etwas mehr, allen voran über Enisa, die in diesem Band neu dazustößt. Ihre Entwicklung habe ich besonders gerne mitverfolgt. Ich fand es total schön zu sehen, wie Enisa, die zunächst noch recht zurückhaltend und unsicher ist, mit der Zeit zunehmend auftaut und immer mehr Vertrauen zu den anderen Teammitgliedern fasst.
Die Gruppendynamik und die immer tiefer werdende Freundschaft unserer sympathischen Protagonisten wird abermals einfach klasse dargestellt und auch die Ausarbeitung ihrer Persönlichkeiten ist erneut prima gelungen. Die Sechs sind lebensnah und greifbar gezeichnet und könnten unterschiedlicher wohl nicht sein. Jedes der Kinder hat seine Vorgeschichte, Eigenschaften, Schwächen und Stärken und ist auf seine Art und Weise einzigartig. Sie sind inzwischen zu einem starken Team zusammengewachsen, allerdings gibt es auch immer mal wieder Momente, in denen ihr Wirgefühl nicht so gut läuft und es zu leichten Auseinandersetzungen zwischen ihnen kommt. So eckt vor allem Chuck mit seinem Verhalten und offensichtlicher Unzufriedenheit öfters an.

Neben dem Zusammenwirken der sechs Freunde und ihren Besonderheiten und Fortschritten geht es in diesem Band auch wieder um die Themen Natur und Artenschutz. Wir erhalten viele interessante Einblicke in das Wüstenleben und da in Whisperworld eine Menge verschiedene Tiere leben, die als stark bedroht oder ausgestorben gelten, dürfen wir erneut auf lauter außergewöhnliche Arten treffen. Sehr cool dabei fand ich, dass nicht nur geläufige Tierspezies dabei sind, sondern auch einige weniger bekannte und es sogar ein paar Fabelwesen gibt. Es macht einfach total viel Spaß, gemeinsam mit unseren Held*innen durch die Wüste Sablo Diablo zu reisen und dabei Whisperworlds große Artenvielfalt kennenzulernen.

Also ich bin nach wie vor ganz begeistert von dem Konzept dieser Reihe. Ohne den mahnenden Zeigefinger zu erheben und kindgerecht verpackt in einem rasanten, fantasievollen und magischen Abenteuer wird uns vor Augen geführt, wie wichtig es ist unseren Planeten zu schützen und den Lebensraum für Flora und Fauna zu erhalten. Die Bücher packen und fesseln somit nicht nur und unterhalten, sie besitzen auch tolle Lerneffekte und regen zum Nachdenken an.

Handlungstechnisch hat mich dieser Band definitiv auf ganzer Linie überzeugen können. Die Story nimmt sehr schnell an Fahrt an und hält einen bis zum Schluss zum Atem. Neue Prüfungen, Herausforderungen und schwierige Situationen müssen bestanden und gemeistert werden, Geheimnisse warten darauf, aufgedeckt zu werden, und durch den Kulissenwechsel dürfen wir zusammen mit Amy, Chuck, Coco, Mohit, Paul und Enisa ein neues Gebiet in Whisperworld erkunden. Im Deepwood halten wir uns insgesamt nur recht kurz auf. Es verschlägt uns schon sehr zu Beginn in die Wüste Sablo Diablo und erst am Ende kehren wir in das Hauptquartier zurück.
Auch ich, als Erwachsene, bin ordentlich ins Mitfiebern geraten und habe das Buch kaum mehr aus der Hand legen können. Es passiert einfach ständig etwas neues Aufregendes, sodass es wirklich nie langweilig wird. Und da alles bildhaft und atmosphärisch beschrieben wird, hat man beim Lesen das reinste Kopfkino und regelrecht das Gefühl, selbst vor Ort zu sein. Es gibt zudem auch in diesem Band eine doppelseitige farbige Landkarte von Whisperworld auf den Vorsatzblättern, mit deren Hilfe man sich noch besser orientieren kann.

Was die Gestaltung anbelangt, kann ich mich ebenfalls wieder nur positiv äußern. Das Cover hat mich direkt angesprochen, mir gefällt es genauso gut wie das vom Vorgänger. 
Im Innenteil erwarten einen, neben dem bereits erwähnten Personenverzeichnis und der Karte, noch viele stimmungsvolle schwarz-weiß Illustrationen von Alina Brost, die meist eine, manchmal aber auch zwei Seiten einnehmen und die Atmosphäre der Geschichte perfekt einfangen. Zudem kommen wir noch in den Genuss von einigen toll aufgemachten Briefen aus den Chroniken von Whisperworld, die in die Handlung eingeflochten wurden, und hinten im Buch gibt es ein mehrseitiges Glossar, das uns mit zusätzlichen Infos über die im Text genannten Tiere, Wesen und Pflanzen versorgt.

Vom Verlag wird die Reihe für Mädchen und Jungen ab 9 Jahren empfohlen, was ich für angemessen halte. Für Kinder ab diesem Alter sind die Bücher in meinen Augen ideal zum Selberlesen geeignet und da unsere Hauptprotagonisten so unterschiedlich sind, wird garantiert jeder jemanden finden, mit dem er oder sie sich identifizieren kann.

Da auch dieses Mal einiges am Ende offen bleibt, möchte man am liebsten sofort zum nächsten Band greifen und weiterlesen. Zum Glück müssen wir uns auf den dritten Teil gar nicht mehr lange gedulden: „Geheimnis des Meeres“ erscheint bereits dieses Jahr im Februar und ich freue mich schon sehr drauf!

Fazit: Barbara Rose ist mit „Flucht in die Wüste“ ein rundum gelungener Folgeband ihrer Whisperworld-Serie geglückt, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht und große Lust auf mehr macht. Mich hat auch dieser Teil der Reihe vollkommen verzaubern können, mir persönlich hat er sogar noch ein kleines bisschen besser gefallen als der erste. Die Geschichte ist spannend und lehrreich zugleich und wunderschön illustriert, sie steckt voller Fantasie und Abenteuer und lässt die Herzen aller Natur- und Tierfreunde höherschlagen. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen! 

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Veröffentlicht am 15.01.2023

Ein traumhaftes Lesevergnügen!

Die magischen Träume des Malcolm Bell
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Endlich gibt es neues Lesefutter von dem englischen Autor Ross Welford! Da ich seine Kinderbücher immer wahnsinnig gerne lese, habe ich mich auf „Die magischen Träume des Malcolm Bell“ tierisch gefreut. ...

Endlich gibt es neues Lesefutter von dem englischen Autor Ross Welford! Da ich seine Kinderbücher immer wahnsinnig gerne lese, habe ich mich auf „Die magischen Träume des Malcolm Bell“ tierisch gefreut. Das Buch war natürlich ein absolutes Muss für mich.

Das Leben des 11-jährige Malcolm wird völlig auf den Kopf gestellt, als er durch eine etwas missglückte Mutprobe in den Besitz einer Tüte mit merkwürdigen Inhalt gelangt. Schnell finden er und sein jüngerer Bruder Seb heraus, dass es sich dabei um Maschinen handelt, sogenannte Trauminatoren, mit deren Hilfe sie ihre Träume kontrollieren und sich sogar gegenseitig darin besuchen können. Ein aufregender gemeinsamer Traum folgt dem nächsten, es ist einfach alles möglich. Es zeigt sich allerdings sehr bald, dass unvorstellbare Träume mit unglaublichen Risiken verbunden sind. Seb wacht eines Morgens nicht mehr auf und muss ins Krankenhaus eingeliefert werden. Malcolm ist verzweifelt und möchte Seb unbedingt helfen, nur leider glaubt ihm niemand, dass für Sebs Koma die Trauminatoren verantwortlich sind. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit immer mehr zu verschwimmen beginnen. Ob es Malcolm wohl gelingen wird, seinen Bruder zu retten?

Ich habe bisher jedes Werk von Ross Welford mit großer Begeisterung verschlungen. Ich liebe seine Kinderromane einfach, in denen er Realität und Fantasy stets so gekonnt miteinander vermischt, dass man so etwas wie Zeitreisen oder sich unsichtbar machen für gar nicht mal so abwegig hält. Bei mir jedenfalls tritt in seinen Büchern irgendwie immer dieser Effekt auf, dass mir eigentlich vollkommen unmögliche Dinge auf einmal durchaus denkbar erscheinen. Na ja, zumindest so ein bisschen.
Wofür der englische Autor ebenfalls ein wahres Händchen hat: Schwierige Themen auf eine sensible Weise in rasanten, lustigen und fantasievollen Abenteuergeschichten zu verpacken.
All das erwartet einen auch in „Die magischen Träume des Malcolm Bell“.

Dieses Mal geht es, wie der Titel ja bereits verrät, um Träume, genauer gesagt um das Beeinflussen und Steuern seiner Schlaferlebnisse mithilfe einer Maschine und die Auswirkungen und Gefahren, die damit verbunden sind. Doch nicht nur das – in dieser Geschichte steckt noch eine Menge mehr. Sie handelt von Freundschaft, Mut und Zusammenhalt, von Geschwisterliebe, Familie und Vertrauen. Das Buch verdeutlicht, wie wichtig es ist sich seinen Ängsten zu stellen und dass es okay ist, Hilfe anzunehmen. Gemeinsam ist man stark und kann viel mehr schaffen und erreichen als alleine. Zudem lehrt es uns, Verantwortung für unsere Entscheidungen zu übernehmen und deren Konsequenzen zu akzeptieren. Auch ernstere Dinge werden angesprochen und uns kindgerecht nähergebracht wie die Trennung der Eltern und Trauer.
Die Story packt und fesselt somit nicht nur und macht Spaß – sie regt auch zum Nachdenken an und berührt. Eine wundervolle Kombi, die ein gutes Kinderbuch für mich persönlich ausmacht.

Mich hat Ross Welford mal wieder von Anfang bis Ende begeistern können. Ich habe problemlos in die Erzählung hineingefunden und sie innerhalb kurzer Zeit wegschmökert. Langeweile kam für mich dabei an keiner Stelle auf. Die Handlung nimmt sehr schnell an Fahrt auf und kann mit vielen überraschenden Wendungen aufwarten, sodass man von Beginn an völlig gebannt von den Geschehnissen ist. Eine Menge aufregende und rätselhafte Fragen sorgen dafür, dass man aus den Seiten am liebsten gar nicht mehr auftauchen mag: Warum kann Malcolms jüngerer Bruder Seb nicht mehr aufwachen, was ist nur mit ihm geschehen? Wird es Malcolm schaffen, Seb zu retten? Wie kann es überhaupt sein, dass die beiden Brüder ihre Träume kontrollieren und sich sogar in ihnen treffen können? Was hat es mit diesen Trauminatoren genau auf sich, sind sie gefährlich? Und wieso scheinen die Grenzen zwischen den Welten immer mehr zu verschwimmen? Was ist Traum und was ist Wirklichkeit?
Selbst ich, als Erwachsene, bin ordentlich ins Mitfiebern geraten und da der Humor ebenfalls nicht zu kurz kommt, habe ich mich stellenweise auch bestens amüsiert. So haben mich beispielsweise die Eigenheiten mancher Charaktere breit schmunzeln lassen und auch einige von Malcolms Träumen fand ich ziemlich unterhaltsam.

Mit dem Stichwort Träume leite ich dann auch mal zum nächsten Punkt über. Mir hat es sehr gut gefallen, dass die Erzählung sowohl in der realen als auch in der Traumwelt spielt, wobei ersteres eindeutig dominiert und die Grenzen zwischen dem Wachsein und dem Träumen immer mehr zu verschwimmen beginnen. Das Ganze wird dadurch nur noch mitreißender und spaßiger.

Vom Verlag wird „Die magischen Träume des Malcolm Bell“ für Kinder ab 10 Jahren empfohlen und dem schließe ich mich an. Der Schreibstil ist locker-leicht und flüssig und da auch dieser Titel von Ross Welford viele kurze Kapitel enthält, fliegen die Seiten beim Lesen nur so dahin. Für Mädchen und Jungen ab 10 Jahren ist die Geschichte daher in meinen Augen ideal zum Selberlesen geeignet und mit unserem 11-jährigen Romanhelden werden sie sich garantiert sehr gut identifizieren können.

Mir ist Malcolm sehr schnell ans Herz gewachsen. Er ist einfach so jemand, den man als Leser*in direkt gernhaben muss, er ist mutig, liebenswert und sympathisch und da alles authentisch aus seiner Sicht in der Ich-Perspektive geschildert wird und Malcolm uns immer wieder direkt anspricht, fühlt man sich ihm beim Lesen richtig nahe und hat den Eindruck, selbst dabei zu sein. Ich habe mich jederzeit in Malcolm hineinversetzen können und nur zu gerne miterlebt wie sich das Verhältnis zwischen ihm und Seb immer mehr bessert und er sich mit seiner neuen Mitschülerin Susan anfreundet, wie er sich im Verlauf des Buches weiterentwickelt und über sich selbst hinauswächst.

Was genau wir alles mit Malcolm und den weiteren Charakteren erleben werden, werde ich euch hier nicht erzählen, das müsst ihr schon selbst herausfinden. Euch erwartet jedenfalls ein magisches Abenteuer, bei dem viele unterschiedliche Figuren wichtige Rollen spielen werden wie eine gemeine Schulkameradin, eine schräge Oma, ein einsamer alter Mann und ein albtraumhaftes Krokodil.

Wie die Geschichte ausgeht, werde ich euch natürlich ebenfalls nicht verraten. Mich jedenfalls hat das Ende zufriedenstellen können, es schließt die Erzählung einfach rundum gelungen ab, sodass man das Buch glücklich wieder zuklappen kann.

Fazit: Ross Welford ist mit „Die magischen Träume des Malcolm Bell“ ein weiterer wunderbarer Kinderroman ab 10 Jahren geglückt, der wie seine Vorgänger einen originellen Mix aus Fiktion und Realität enthält und auch Erwachsenen ein echtes Vergnügen bereitet. Ich kann das Buch nur empfehlen, mir hat es traumhafte Lesestunden bescheren können. Die Geschichte wird spannend, humorvoll und einfühlsam erzählt und vermittelt tolle Botschaften, sie ist tiefgründig, außergewöhnlich, ein bisschen unheimlich und skurril und steckt voller Herz und Fantasie. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 13.01.2023

Ein wundervolles Debüt und großes Muss für Heartstopper-Fans!

Solitaire (deutsche Ausgabe)
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Da ich die Romane von Alice Oseman total gerne mag und vor allem ihre Heartstopper-Reihe über alles liebe, war ihr Debüt „Solitaire“ ein absolutes Must-Have für mich. Auf die Erlebnisse von Victoria Spring ...

Da ich die Romane von Alice Oseman total gerne mag und vor allem ihre Heartstopper-Reihe über alles liebe, war ihr Debüt „Solitaire“ ein absolutes Must-Have für mich. Auf die Erlebnisse von Victoria Spring war ich wahnsinnig gespannt!

Die sechzehnjährige Tori Spring ist am liebsten alleine und hat kein großes Interesse an Freundschaften und sozialen Kontakten. Sie möchte einfach ihre Ruhe haben, sich vor dieser eintönigen Welt abschotten und ihre Zeit lieber mit Filme schauen und ihrem Blog verbringen. Ihr einsames Leben wird völlig auf den Kopf gestellt, als sie zu Beginn des neues Schuljahres auf Michael Holden trifft, der immer so überaus fröhlich ist und sich partout nicht abwimmeln lässt. Er scheint fest entschlossen zu sein, ihr Freund zu werden, was sie aber überhaupt nicht möchte...oder vielleicht doch? Und was hat es eigentlich mit dieser anonymen Gruppe Solitaire auf sich, die den Schulalltag an der Higgs seit kurzem vollkommen durcheinander bringt?

Die Bücher von Alice Oseman habe ich tatsächlich erst recht spät für mich entdeckt. Während viele andere schon längst dem Heartstopper-Hype verfallen waren, bin ich erst durch die deutschen Ausgaben aus dem Loewe Verlag dazugestoßen. Und da dieser zudem auch noch die anderen Titel von Alice Oseman in sein Programm aufgenommen hat, bin ich auf ihre Werke endlich so richtig aufmerksam geworden. Zuletzt ist ihr Debüt „Solitaire“ bei Loewe erschienen, das erstmalig 2015 im dtv Verlag veröffentlicht wurde. Irgendwie ist das Buch damals aber völlig an mir vorbeigegangen. Dank der Neuauflage habe ich es nun also kennenlernen dürfen, worüber ich so froh bin! Jedermanns Sache wird es nur nicht sein, da es schon etwas spezieller ist. So kann man den Kritiken zu der alten Ausgabe entnehmen, dass viele nicht mit dem Buch warm geworden sind. Ich aber gehöre definitiv nicht dazu, mich hat Alice Oseman mit ihrem Erstlingswerk zutiefst beeindrucken können.

Ich glaube, womit einige ihre Probleme hatten oder haben werden, ist die Hauptprotagonistin Victoria Spring, kurz Tori. Viele werden sie vermutlich als eher unsympathisch empfinden und Schwierigkeiten damit haben, sich mit ihr zu identifizieren, da sie eine recht komplexe und eigenwillige Persönlichkeit ist.
Tori ist ziemlich zurückhaltend und fühlt sich eigentlich nie verstanden, sie besitzt äußerst pessimistische und zynische Züge und bezeichnet sich selbst gerne als chronische Pessimistin. Ihre Schwermut und negative Alles-egal-Einstellung machen sie wohl nicht zu der größten Sympathieträgerin, ich aber finde Tori einfach toll. Ich mochte sie bereits in den Heartstopper-Bänden unheimlich gerne und jetzt, nachdem ich ihre Geschichte gelesen habe, ist sie mir nur noch mehr ans Herz gewachsen. Ich liebe ihre nüchterne Art und ihren trockenen Humor und Sarkasmus und habe mich trotz des Altersunterschiedes sehr gut in sie hineinversetzen können.
Da alles aus der Sicht von Tori in der Ich-Perspektive geschildert wird und ihre Gefühlswelt und Entwicklung eindeutig im Vordergrund der Handlung stehen, ist man als Leser*in ganz dicht dran an ihren Empfindungen und Gedanken und erhält einen realistischen und schonungslosen Einblick in ihr Inneres.

Meiner Ansicht nach ist es Alice Oseman hervorragend gelungen, das Seelenleben und Kopfchaos einer 16-jährigen Heranwachsenden lebensnah dazustellen. Auch wenn ich nicht so eine dermaßen große Schwarzseherin bin wie Tori, habe ich ihr Denken und Fühlen dennoch jederzeit nachvollziehen und so manches von mir in ihr wiederfinden können. Tori mag anders sein, aber gerade das macht sie so menschlich und echt. Also ich finde, diesbezüglich merkt man sehr, dass Alice Oseman selbst noch ein Teenager war, als sie dieses Buch geschrieben hat – es fühlt sich einfach alles so real an. Ansonsten aber muss ich sagen, dass ich es kaum glauben kann, dass „Solitaire“ Alice Osemans erster Roman ist und sie gerade mal 16 Jahre alt war, als sie ihn geschrieben hat. In dem Alter schon eine so vielschichtige und gut geschriebene Story aufs Papier zu bringen, finde ich wirklich bemerkenswert.

Wie der Untertitel „Keine Liebesgeschichte“ schon deutlich macht, steht hier nicht die Romantik im Vordergrund. Romantische Gefühle sind zwar ein bisschen vorhanden, allerdings liegt der Fokus der Story auf anderen Themen.
„Solitaire“ erzählt eine authentische und mitreißende Geschichte über die Suche nach sich selbst, die Hürden des Erwachsenwerdens und die Überforderung mit anderen Menschen und dem kompletten Leben, über Weltschmerz, Einsamkeit und wahre Freundschaft. Sie zeigt uns, dass wir alle uns meist hinter einer Fassade verstecken, hinter die kaum jemand blickt und wie wenig wir über andere Menschen doch eigentlich wissen und wie sehr wie uns in ihnen täuschen können.
Nebenbei werden auch noch andere wichtige Themen angesprochen wie Homosexualität, Familienprobleme und psychische Erkrankungen. In diesem Buch steckt wirklich eine Menge, es wirkt aber in keinster Weise zu überladen, und obwohl viele ernste und schwierige Dinge zur Sprache kommen und die Grundstimmung eine recht melancholische ist, wird die Story niemals zu bedrückend. Ich zumindest habe sie an keiner Stelle als zu schwer empfunden, ich finde, dass die Autorin alles mit einer passenden Leichtigkeit behandelt.

Mich hat die Geschichte sehr bewegt und zum Nachdenken gebracht. Und da mit der anonymen Gruppe namens Solitaire auch noch eine Portion Spannung dazukommt, bin ich beim Lesen auch ordentlich ins Miträtseln geraten. Wer steckt nur hinter dieser mysteriösen Geheimorganisation? Was bezweckt sie mit ihren Aktionen, die immer radikaler werden? Also ich habe das Ganze als ungemein spannend empfunden und habe der Auflösung ganz gebannt entgegen gefiebert.
Sehr cool fand ich auch, dass es viele Anspielungen auf Bücher, Filme und Videospiele gibt, so etwas liebe ich einfach in Büchern. Und dann bin ich natürlich auch von den zahlreichen Nebenfiguren begeistert, die wie unsere Romanheldin facettenreich und glaubhaft ausgearbeitet wurden. Da hätten wir zum Beispiel Michael Holden, der eine besonders große Rolle spielt und der mit seiner fröhlichen und offenen Art quasi das Gegenstück zu Tori ist. Ich mochte Michael vom ersten Moment an und die Dynamik zwischen ihm und Tori habe ich richtig geliebt.
Überaus gefreut hat mich, dass auch Nick und Charlie aus „Heartstopper“ mit dabei sind. Für Heartstopper-Fans ist dieses Buch in meinen Augen auf jeden Fall ein großes Muss!

Fazit: Alice Oseman ist mit „Solitaire“ ein eindrucksvolles Debüt gelungen, das ich aus vollem Herzen nur empfehlen kann, mich hat es von Anfang bis Ende mitreißen und absolut begeistern können. Es nimmt uns in das Leben der unvergleichlichen, wunderbaren Tori Spring mit und ist großartig geschrieben, es ist ehrlich, tiefgründig, bewegend und außergewöhnlich und steckt voller Wahrheiten und Weisheiten. Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

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