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Veröffentlicht am 29.01.2023

Selbstmitleid und Darcy-Komplexe

Skandal & Vorurteil
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In "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen taucht Georgiana Darcy kaum auf, daher habe ich mich auf eine Geschichte aus ihrer Perspektive gefreut. Am Anfang habe ich etwas Zeit gebraucht, um mich zu orientieren, ...

In "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen taucht Georgiana Darcy kaum auf, daher habe ich mich auf eine Geschichte aus ihrer Perspektive gefreut. Am Anfang habe ich etwas Zeit gebraucht, um mich zu orientieren, weil der Klappentext ja eher vage gehalten ist. Es spielt in der modernen Zeit und hier hat der allseits beliebte Wickham die nichtsahnende Georgie in seine Drogengeschäfte verwickelt. Nachdem er fort ist, versucht Georgie nun ihren Ruf an der Schule wiederherzustellen und ihrem Bruder Fitz zu beweisen, dass auch sie eine perfekte Darcy sein kann.

Aber das ist gar nicht so leicht, denn Georgie weiß nicht wirklich, wo sie anfangen soll, abgesehen davon, dass ihre schulischen Leistungen sich verbessern müssen. Jeder an der Schule hasst sie, außer Marschkapellenmitglied Avery, der trotz allem zu ihr hält. In ihrem ersten Schuljahr hat sie sich zu sehr an ihren kühlen, zielorientierten Bruder gehalten und verpasst, Freundschaften zu schließen, und nun hängt sie immer noch an der toxischen Beziehung zu Wickham, der lange Zeit der einzige war, der ihr wirklich Aufmerksamkeit geschenkt hat.

Die wichtigste Beziehung ist aber die zu ihrem Bruder. Er ist mehr als nur ihr Vorbild, da sie kaum andere Menschen in ihrem Leben hat, ist Fitz fast alles was sie hat und entsprechend niedergeschlagen ist sie jetzt, da er so enttäuscht von ihr ist und sie wie ein kleines Kind behandelt. Durch seine sachliche und distanzierte Art ist Fitz auch nicht gerade jemand, der seine Gefühle besonders gut zeigen kann, also glaubt Georgie, dass sie nur eine Last für ihn ist.

Leider fand ich Georgie ziemlich anstrengend. Sie zerfließt in Selbstmitleid, ist immer überzeugt, dass alle - vor allem ihr Bruder - sie hassen, scheint kaum zu wissen, wie man mit anderen Menschen umgeht und trifft fragwürdige Entscheidungen. Man kann zwar erkennen, warum sie so handelt und fühlt, und wie äußere Umstände sie zu der unsicheren jungen Frau geformt haben, die sie ist. So hatte ich aber eher Mitleid mit ihr, als dass sie mir dadurch sympathischer geworden wäre.

Ich habe "Stolz und Vorurteil" erst vor wenigen Monaten gelesen, daher hatte ich das Original natürlich auch noch ziemlich frisch im Gedächtnis und auch Lust darauf, mehr von den Charakteren zu sehen. Ich würde schon empfehlen, die Vorlage zu kennen, denn so machen die Nebencharaktere mehr Spaß und man ist auch bereit, dem distanzierten Bruder Fitz einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Ansonsten käme einem die Handlung sicherlich auch viel chaotischer vor.

Letztendlich war schon etwas viel los, besonders weil man auch die Geschichten der anderen Charaktere eingebaut hat, die alle ihre kleinen Auftritte haben, aber gleichzeitig tritt die Handlung auch etwas auf der Stelle, weil Georgie einfach feststeckt mit ihren Gefühlen. Avery, der Georgie unterstützt, motiviert und dadurch die Handlung etwas vorantreibt, war da immer ein Lichtblick für mich.

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Veröffentlicht am 28.01.2023

Nette Liebesgeschichte, aber zu viele Themen

Catching Feelings
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Ich fand, dass die Grundidee oder zumindest das, was mich der Klappentext erwarten ließ, viel Potenzial hätte: Lys, die sich mit ihrer Familie vertragen möchte, und Umweltaktivist Zane, der da ist, um ...

Ich fand, dass die Grundidee oder zumindest das, was mich der Klappentext erwarten ließ, viel Potenzial hätte: Lys, die sich mit ihrer Familie vertragen möchte, und Umweltaktivist Zane, der da ist, um die kriminellen Aktivitäten ebendieser Familie aufzudecken. Ich hatte mir dazu mehr erhofft, aber Zanes Umweltaktivismus sowie die letztendlich enttäuschenden Seawolves kamen viel zu kurz; im Grunde ist er nur etwas herumgeschlichen und hat versucht, Beweise für die illegalen Geschäfte der Saundermans zu sammeln.

Beide haben ihre dramatischen Geschichten, bei Lys ist es ein sehr großer Streit wegen ihrer neuen Stiefmutter gewesen und das hat sie letztendlich aus ihrer Heimat vertrieben. Nun versucht sie sich mit ihrem Vater zu vertragen, aber nicht jeder in der Stadt ist bereit, ihr zu verzeihen - meiner Meinung nach alles ziemlich dramatisch, da es nur um die Taten einer emotionalen Jugendlichen ging, die inzwischen reifer geworden ist. Ich fand auch besonders ihren Stiefbruder Nathan sehr schräg und irgendwie immer fehl am Platz.

Bei Zane ist noch mehr los, von dem ich einiges etwas überflüssig fand. Die Seawolves entwickeln sich in eine Richtung, die Zane nicht gefällt, darum widmet er sich auch lieber allein der Aufgabe in Blackfish Bay. Dazu hat er noch Probleme mit seinen Eltern, denn sie haben Erwartungen an ihn, die er nicht mit seinen eigenen Zielen vereinbaren kann, aber die Situation in seiner Familie ist gerade auch besonders kompliziert und er fühlt sich hin- und hergerissen. Und er ist, aus welchem Grund auch immer und es spielt auch gar keine Rolle in der Geschichte, in einem Fight Club.

Die Liebesgeschichte fand ich gut gelungen, auch wenn sie am Anfang etwas Zeit braucht, um in die Gänge zu kommen. Danach kann man schon verstehen, wie die beiden sich langsam näher kommen, sich vertrauen und Gefühle entwickeln - auch wenn die körperliche Anziehung von Anfang an da ist. Außerdem habe ich auch gern die Umgebung und die regionalen Spezialitäten erkundet, aber sie hätten auch gern etwas weniger Raum einnehmen können.

Eigentlich hat das Buch ein ziemlich langsames Erzähltempo und mit den vielen verschiedenen Elementen ging es am Ende einfach zu schnell. Manche Handlungsstränge wurden da sehr vernachlässigt und andere kamen zu einem überstürzten Ende, das nach dem langen Mittelteil einfach nicht überzeugen konnte. Weniger verschiedene Themen wären vermutlich einfach besser gewesen.

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Veröffentlicht am 15.01.2023

Eine moderne Mexikanerin in einem unheimlichen alten Herrenhaus

Der mexikanische Fluch
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Noemí erhält einen verstörenden Brief von ihrer Cousine Catalina und bricht auf, um nach ihr zu sehen. In dem englischen Herrenhaus in den mexikanischen Bergen herrschen aber ganz andere Regeln und Catalina ...

Noemí erhält einen verstörenden Brief von ihrer Cousine Catalina und bricht auf, um nach ihr zu sehen. In dem englischen Herrenhaus in den mexikanischen Bergen herrschen aber ganz andere Regeln und Catalina ist nicht mehr die fröhliche junge Frau, die sie vor ihrer Ehe war.

Noemí ist abenteuerlustig, modern und wissbegierig; sie hat so vielseitige Interessen, dass sie öfter ihr Studienfach gewechselt hat und sich immer noch nicht endgültig festlegen konnte. Ihr Vater ist nicht immer erfreut über ihre Entscheidungen, gewährt ihr jedoch sehr viele Freiheiten. Natürlich ist Noemí dann alles andere als begeistert von den strengen Regeln und der steifen, unfreundlichen Art im Anwesen der Doyles. Ihre Cousine Catalina war ihr immer eine gute Freundin, aber schon nach kurzer Zeit mit ihrem Ehemann Virgil Doyle und dessen Familie ist sie völlig verändert und Noemí möchte Catalina unbedingt helfen, aber die Doyles und ihre Angestellten legen ihr nur Steine in den Weg.

Die Geschichte hat eine sehr unheimliche Atmosphäre. Die Doyles sind unfreundlich und vieles was sie sagen, scheint keinen Sinn zu ergeben, besonders bezüglich Catalinas Gesundheit. Familienoberhaupt Howard Doyle kann auch selten seinen Rassismus zurückhalten und Noemí reagiert unter den Umständen noch ziemlich höflich. Ihr Haus ist kalt, liegt abgeschieden und wird vom Unglück verfolgt. Noch Jahre später halten die Doyles verzweifelt am ehemaligen Reichtum und Ansehen fest, das ihnen die Silbermine einst gebracht hat, aber seitdem gab es nur viele tragische Todesfälle unter den Arbeitern aber auch innerhalb der Familie.

Etwa drei Viertel des Buches haben mir gut gefallen, man kann richtig spüren, wie erdrückend das Haus ist und die düstere Stimmung zieht sich durch die gesamte Geschichte. Noemís Albträume konnten mich nicht ganz überzeugen, dafür fand ich aber gelungen, wie sie in dem Anwesen beginnt, alles in Frage zu stellen. Zum Ende hin, als die vielen spannenden Mysterien sich langsam auflösten, konnte ich aber nicht mehr mitfiebern wie zuvor.

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Veröffentlicht am 12.01.2023

Süß, aber zu dramatisch

Twisted Dreams
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Avas Bruder macht ein Freiwilliges Medizinisches Jahr in Mittelamerika und bittet seinen besten Freund, ein Auge auf seine Schwester zu haben. So wird der unnahbare Alex zu Avas neuem Nachbarn und weil ...

Avas Bruder macht ein Freiwilliges Medizinisches Jahr in Mittelamerika und bittet seinen besten Freund, ein Auge auf seine Schwester zu haben. So wird der unnahbare Alex zu Avas neuem Nachbarn und weil er keine Gefühle zeigt, möchte Ava sie unbedingt aus ihm herauskitzeln.

Natürlich geht das nicht, ohne Zeit mit ihm zu verbringen und Alex reagiert oft ganz anders als Ava es sich erhofft hätte, aber die gemeinsame Zeit bringt sie einander näher und sie werden schon ziemlich schnell Freunde. Besonders am Anfang der Geschichte hat mir die Chemie zwischen den beiden gefallen, durch ihre Gegensätze machen ihre Gespräche immer Spaß und sie ergänzen sich sehr gut. Man kann sehr schön miterleben, wie Alex' Herz immer weicher wird und Ava sich darin einnistet.

Die Liebesgeschichte fand ich soweit süß, aber das Drama drumherum konnte mich nicht so richtig überzeugen. Alex hat sein Leben danach ausgerichtet, Rache für den Tod seiner Familie zu nehmen, und ist zu einem ziemlich erfolgreichen und nicht ungefährlichen Geschäftsmann geworden. Ava hingegen ist tagsüber ein Sonnenschein, wird in ihren Albträumen jedoch von Erinnerungen an die Vergangenheit verfolgt. Ich bin auch ernste Themen in Liebesromanen gewöhnt, aber ich hatte nach dem lockeren Start eine andere Entwicklung erwartet und für meinen Geschmack hat man der Beziehung zwischen Alex und Ava dadurch schon fast zu wenig Raum gelassen, stattdessen gab es dramatische Wendungen, die nicht nötig gewesen wären.

Avas chinesische Herkunft macht sich zwischendurch mal kurz bemerkbar, ist aber eher unauffällig.

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Veröffentlicht am 12.01.2023

Ein netter Abschluss

Every Little Lie
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Im finalen Band der Secret Legacy Dilogie geht es eigentlich schon genauso weiter wie im Vorgänger. Julie wird immer noch von dem Erpresser gestalkt und bedroht und ist noch dabei, sich an ihr neues Leben ...

Im finalen Band der Secret Legacy Dilogie geht es eigentlich schon genauso weiter wie im Vorgänger. Julie wird immer noch von dem Erpresser gestalkt und bedroht und ist noch dabei, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen - das ist gar nicht so leicht, wenn man das Gefühl hat, seine Freunde und Familie in Gefahr zu bringen.

Das Buch kam mir sehr kurz vor; es gibt ein paar spannende Entwicklungen, aber dazwischen dreht man sich im Kreis und wiederholt alte Themen. Besonders Julie und Calebs Liebesgeschichte hat sich etwas in die Länge gezogen. Nach dem Ende des ersten Bands zweifelt Julie an Caleb und seinen Motiven, deswegen wird ihre Beziehung zurückgeworfen und sie müssen sich erneut näherkommen und einander vertrauen. Angst, Misstrauen und der Wunsch, seine Liebsten zu beschützen, macht alles nur noch komplizierter.

Durch die Bedrohung durch den Erpresser wird das Buch natürlich spannender, und durch das Unternehmen in der Medikamentenbranche wird auch das umstrittene amerikanische Gesundheitssystem thematisiert. Von Letzterem hätte ich gern noch mehr gesehen, weil das ein wenig Tiefe in die Geschichte gebracht hat, es wurde leider eher oberflächlich angeschnitten.

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