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Veröffentlicht am 15.02.2023

Liebesroman anders als erwartet

Mit dir allein
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Wusstest du, dass Flamingos ihr Leben lang mit einem Partner zusammen bleiben?

Cleo schreibt eine Kolumne und wird von ihrer Chefin in eine Hütte auf einer einsamen Insel in Irland geschickt. In der Hütte ...

Wusstest du, dass Flamingos ihr Leben lang mit einem Partner zusammen bleiben?

Cleo schreibt eine Kolumne und wird von ihrer Chefin in eine Hütte auf einer einsamen Insel in Irland geschickt. In der Hütte ist es allerdings gar nicht so einsam wie gedacht: Sie trifft dort auf einen Amerikaner namens Mack, der die Hütte auch gebucht hat. Die Umstände erfordern leider, dass die beiden sich die Hütte erstmal teilen müssen, bis das nächste Boot kommt.

Tagsüber gehen sich die beiden aus dem Weg, aber nachts offenbaren sie sich gegenseitig und berichten über ihre Gefühle. Teils treffen die Worte mitten ins Herz. Und natürlich kommen sie sich auch irgendwann näher.

Das Buch ist das erste, das ich von der Autorin lese. Es sind bereits zwei weitere Liebesromane von Josie Silver erschienen.

Den Schreibstil habe ich als angenehm und lustig empfunden. Außerdem war das Buch zu jeder Zeit spannend und hatte keine Längen. Die Geschichte wird mal aus der Sicht von Cleo und mal aus der von Mack erzählt und das macht sie so abwechslungsreich.

Die Story hat mir gut gefallen und ich fühlte mich gut unterhalten. Besonders, da das Buch anders war als erwartet. Es ist ein Liebesroman, der aber nicht immer das Klischee erfüllt. Mit dem Ausgang der Geschichte hätte ich so zum Beispiel nicht gerechnet.

Die beiden Protagonisten waren im Vergleich zu den Inselbewohnern zwar manchmal etwas blass, aber ich mochte sie trotzdem, jedenfalls irgendwann. Am Anfang, da waren sie fast schon ein bisschen anstrengend in ihrer Art. Dann jedoch haben sie sich nach und nach in mein Herz geschlichen, ich habe es fast gar nicht gemerkt.

Es geht um Gefühle wie Schmerz und Liebe, Sehnsucht und unterdrückte Gefühle. In der Einsamkeit, bzw. Zweisamkeit in der entlegenen Hütte wird Cleo und Mack vieles klar und bewusst und das Erlebnis wird richtungweisend für ihr weiteres Leben.

Aber ob sie eine gemeinsame Zukunft haben, das wissen nur die Sterne (oder die, die die Geschichte gelesen haben).

Fazit: Wer mal wieder eine schöne Liebesgeschichte mit dem gewissen Extra lesen möchte, dem kann ich „Mit dir allein“ sehr ans Herz legen.

Vielen Dank an den Heyne Verlag und das Bloggerportal für die Zusendung des Überraschungspakets. Ich habe mich sehr gefreut.

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Veröffentlicht am 02.02.2023

Die with zero

Lebe ein reiches Leben, statt reich zu sterben
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„Die with zero“ lautet der Originaltitel des US-Bestsellers von Bill Perkins. Wall Street Banker, Energiehändler, heute CEO eines Beratungsunternehmens. Mit Sitz auf den Virgin Islands. Klar. Noch Fragen? ...

„Die with zero“ lautet der Originaltitel des US-Bestsellers von Bill Perkins. Wall Street Banker, Energiehändler, heute CEO eines Beratungsunternehmens. Mit Sitz auf den Virgin Islands. Klar. Noch Fragen? Und der gibt nun Tipps, wie man sein Leben genießen und möglichst mit einem Kontostand von 0 sterben soll? Der hat ja gut reden, finanzielle Sorgen wird er jedenfalls nicht haben… Gut, genug der klischeehaften, spontanen Assoziationen - auf die er natürlich selbst zu Beginn des Buches eingeht.

Wer mit seinem aktuellen Einkommen gerade so über die Runden kommt, für den stellen sich die Fragen nach dem „reich Sterben“ natürlich ohnehin nicht. Für alle anderen, egal ob Normalverdiener oder Milliardär, stellt sich die Frage aber durchaus - sein (Berufs-)Leben lang zu ackern und zu sparen, könnte die falsche Strategie sein. Wer weiß, ob wir überhaupt dazu kommen, den Ruhestand zu genießen. Und tatsächlich, abgesehen von dem Wunsch, die eigenen Kinder versorgt zu wissen, ist das Anhäufen und Vererben eines Vermögens ziemlich dämlich.

Perkins bringt es auf den Punkt und vermittelt das Grobkonzept, wie man sein Leben im hier und jetzt genießen kann. Das Ziel lautet, weder im Alter zu verarmen noch reich zu sterben. Erinnerungen sind wertvoller als Geld und er rechnet mit simplen Methoden vor, wie man zwischen der Erfahrung heute und dem finanziellen Aspekt abwägt. Eine Weltreise mit dem Rucksack von Hostel zu Hostel, per Interrail durch Europa - das macht man in seinen 20ern, aber doch nicht wenn die Kinder aus dem Haus sind mit Mitte 50. Das und viele andere Beispiele nutzt er zur Verdeutlichung, dass es sinnvoller sein kann in Erfahrung zu investieren als Geld zu sparen.

Ein paar finanzwirtschaftliche Grundlagen kommen noch dazu, um das Konzept zu konkretisieren - aber keine Angst, auch ohne wirtschaftswissenschaftliches Studium ist es nachvollziehbar und verständlich. Er geht ferner auf verschiedene Typen ein (risikoscheu, risikofreudig) und natürlich die Lebensphasen, in denen die zu wählenden Strategien unterschiedlich sein können.

Die Statistiken sind wie immer mit einer gewissen Portion Skepsis zu genießen (traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast), aber ich fand es schon überraschend, dass statistisch gesehen Menschen sogar im Ruhestand weiter Geld ansparen - wofür? Man sollte sich bewusst machen, zu welchen Aktivitäten man überhaupt noch in der Lage ist. Was nützt da das gesparte Geld und der Reichtum, wenn man das Segel beim Surfen nicht mehr halten kann? Das sollte man dann vielleicht in einer anderen Lebensphase genossen haben, bevor es zu spät ist.

En passant promotet Perkins dann auch noch seine (kostenlose) App, mit der man das ganze Konzept für sich persönlich operationalisieren kann. So tief bin ich dann aber nicht in das Thema eingestiegen - das Grundkonzept steckt eigentlich schon im Titel, auf Deutsch etwas sperriger formuliert als auf Englisch, aber in jedem Fall einleuchtend.

Für die gute Grundidee und die ausführliche Auseinandersetzung, die allerdings nicht frei von Redundanzen ist, gebe ich 4/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 23.01.2023

Toller Auftakt einer Fantasy-Saga

Telamon
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Dieses Buch ist ein kleines Kunstwerk! Auf den Seiten findet man zahlreiche Illustrationen, die die Autorin selbst gemalt hat, und eine eindrucksvolle Weltenkarte von Hesterna direkt am Anfang. Das düstere ...

Dieses Buch ist ein kleines Kunstwerk! Auf den Seiten findet man zahlreiche Illustrationen, die die Autorin selbst gemalt hat, und eine eindrucksvolle Weltenkarte von Hesterna direkt am Anfang. Das düstere Cover mit dem Wolf, der Krähe und der Burg hat mich von Beginn an in die richtige Atmosphäre versetzt und passt wunderbar zum Inhalt.

Die Autorin hat hier gekonnt einen Mix aus Urbanfantasy und Highfantasy vereint, was sehr interessant zu lesen war. So habe ich das vorher noch nirgendwo gesehen.

Die zahlreichen Charaktere haben durchaus auch Ecken und Kanten und waren dadurch authentisch. Neben den Gestaltwandlern gibt es noch Vampire, Werwölfe, Elfen, Nordmänner und Drachen zu entdecken, die teils detailreich beschrieben werden.

Besonders hervorheben möchte ich, dass Edda Bork sich eine eigene Sprache ausgedacht hat – sehr beeindruckend.

Sprachlich hat mir die Autorin das eine oder andere Mal beim Lesen ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Gut gefallen hat mir außerdem, dass das Buch aus verschiedenen Perspektiven erzählt wurde.

Manchmal war es für mich ein bisschen viel Input und ich kam mit dem Lesen nicht so schnell voran, wie ich gerne wollte. Für ein Fantasybuch ist diese Fülle an Informationen allerdings nicht unüblich!

Hauptaugenmerk liegt auf der Reise der Gefährten. Der Showdown am Ende wurde dadurch für meinen Begriff eine Spur zu schnell abgehandelt. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

Ich bin wirklich gespannt, wie es weitergeht, und freue mich schon auf die Fortsetzung.

Fazit: Mit „Telamon – Aufbruch nach Unoria“ ist Edda Bork ein beeindruckender und umfangreicher Start in eine Fantasy-Saga gelungen, die jedes Fantasy-Leser-Herz mit Freude erfüllen wird!

Ich vergebe 4/5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.01.2023

Überraschend

Der mexikanische Fluch
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Der englische Titel des Romans lautet „Mexican Gothic“ und umschreibt den Inhalt sehr treffend: Es ist düster, schaurig und mysteriös. Die deutsche Bezeichnung „Roman“ finde ich etwas untertrieben, denn ...

Der englische Titel des Romans lautet „Mexican Gothic“ und umschreibt den Inhalt sehr treffend: Es ist düster, schaurig und mysteriös. Die deutsche Bezeichnung „Roman“ finde ich etwas untertrieben, denn Noemís Geschichte ist viel mehr als das! Ich hatte viele Gänsehautmomente beim Lesen und die Anspannung ist bis zum Schluss merklich gestiegen.

Ich habe die Geschichte als unheimlich intensiv und fesselnd empfunden. Es war schier unmöglich, es länger wegzulegen.

Das ganze Setting war sehr beklemmend und düster und manchmal war es hart an der Grenze des Erträglichen, kurzum: Es war auch mal eklig! Die Grenzen zwischen Realität und Traum sind irgendwann verschwommen. Oft musste ich mich fragen: Passiert das gerade wirklich?

Noemí ist eine temperamentvolle und intelligente Protagonistin, die es versteht, ihren Willen durchzusetzen. Mit ihrer teils forschen Art und ihrem schauspielerischen Talent ist sie ein interessanter Charakter.

Die anderen Bewohner des Hauses sind durchweg speziell und es war spannend, die Mitglieder der Familie Doyle nach und nach kennen zu lernen.

Die Autorin hat einen ganz eigenen Stil und hat etwas Einzigartiges erschaffen, das ich so noch nie gelesen haben. Das hat sie durch den Mix verschiedener Genres, das Spiel mit den Gefühlen der Lesenden und den gekonnten Einsatz bildhafter und detaillierter Sprache geschafft. Ich werde Silvia Moreno-Garcia auf jeden Fall im Auge behalten, was für ein Ausnahmetalent!

Wer nicht zimperlich ist und auf Bücher mit einer düsteren Atmosphäre steht, der wird dieses Buch lieben!

Ich vergebe 4/5 Sternen, weil ich mir eine kleine Vorwarnung gewünscht hätte.

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Veröffentlicht am 04.01.2023

Nicht nur für Tarantino-Fans

Frau mit Messer
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Schon das Cover dieses Bestsellers aus Südkorea hebt sich von der Masse ab - und das beschreibt den Inhalt auch ganz gut.

Ich habe mich lange gefragt, wie ich das Buch bewerten soll. Moralisch ist es ...

Schon das Cover dieses Bestsellers aus Südkorea hebt sich von der Masse ab - und das beschreibt den Inhalt auch ganz gut.

Ich habe mich lange gefragt, wie ich das Buch bewerten soll. Moralisch ist es sicherlich grenzwertig, einer alternden Auftragsmörderin Sympathie entgegenzubringen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass wir alle nur Menschen sind und das mit allem was dazugehört: Gefühlen, Zweifel, Fehlern. Es war eine interessante Reise und hat mich gut unterhalten:

Das ganze Buch dreht sich um die Gefühle der Auftragsmörderin „Hornclaw“, so ihr Deckname. Ihr Beruf hat einen großen Einfluss auf ihr Privatleben, denn das Wichtigste ist, unter dem Radar zu bleiben (da passt das Cover ganz gut, denn darauf ist kein Gesicht zu sehen). Was das genau heißt, welche Rückschlüsse sie im Alter daraus zieht und was es mit einem macht, die Gefühle auszublenden, erfährt die Leserschaft in dem Buch.

„Hornclaws“ Mittelsmann ist divers und es war für mich das erste Buch, das die Pronomen „sie/er“ für eine Person verwendete: Da sind wir wieder bei dem Thema „sehr erfrischend, sehr anders“.

Es gibt einige Rückblenden und auch gegenwärtige Situationen, wo sie zeigt, was sie kann. Wenn „Hornclaw“ ihr Messer rausholt, hatte ich sofort eine bestimmt Musik im Kopf und die Assoziation von einer alten Uma Thurman mit ihrem Hattori Hanzo-Schwert. Habt ihr mal die Filmreihe „Kill Bill“ gesehen? Genauso liefen die Szenen des Buches in meinem Kopfkino ab und ich fand es großartig und überraschend.

Der Schreibstil war angenehm, flüssig und gut verständlich. Der Aufbau der Geschichte war gut gemacht, so dass ich immer neugieriger wurde und weiterlesen musste.

Ein uneingeschränktes Highlight war das Buch nicht, dazu fand ich es moralisch einfach zu fragwürdig. Allerdings hat es mich zum Nachdenken angeregt und war eine echte (Lese-)Erfahrung.

Fazit: Wer Tarantino-Filme mag, der wird dieses Buch lieben. Auch sonst ist es sehr empfehlenswert für Lesende, die mal wieder eine Geschichte fernab des Mainstream-Einheitsbreis lesen wollen. Mich hat die Geschichte beeindruckt und ich bewerte sie mit 4/5 Sternen.

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