Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2023

Lebendiger und unterhaltsamer Roman über Freundschaft, Liebe und die Angst vor Veränderungen, der durch eine Wende am Ende mehr Tiefe erhält, als erwartet.

Was nicht war, kann ja noch werden
0

Freya Talia Thun ist 30 Jahre alt, stammt aus einer Kleinstadt im Münsterland und lebt seit ihrem Studium in Hamburg, wo sie auch ihren Verlobten Thorsten kennengelernt hat. Als die lang ersehnte Beförderung ...

Freya Talia Thun ist 30 Jahre alt, stammt aus einer Kleinstadt im Münsterland und lebt seit ihrem Studium in Hamburg, wo sie auch ihren Verlobten Thorsten kennengelernt hat. Als die lang ersehnte Beförderung an eine jüngere Frau vergeben wird, ihre beste Freundin ihr eröffnet, dass sie schwanger ist und Thorsten immer mehr Druck auf sie ausübt, sesshaft zu werden, wird Freya alles zu viel und flieht zurück in ihr Elternhaus. Dort wird sie zunächst verhalten aufgenommen, denn sie hatte sich all die Jahre nur sporadisch gemeldet und auch jeden Kontakt zu ihren Freunden aus der Schulzeit verloren. Als ihre Eltern Freya mitteilen, dass sie den Bauernhof verkaufen möchten, wo Freya aufgewachsen ist, ist es ein weiterer Schockmoment für Freya, für die sich am liebsten nichts ändern soll. Zu Hause angekommen, schwelgt sie in Erinnerungen an ihre Teenagerzeit und trifft ihre Jugendliebe Chris wieder, der nach seiner Scheidung ebenfalls nach Werne zurückgekehrt ist. Trotz ihrer Verlobung mit Thorsten fühlt sich Freya zu Chris hingezogen. Zusammen mit ihm möchte sie ein letztes Mal eine Party in der Scheune ihrer Eltern feiern und ihre ehemaligen Mitschüler und alten Freunde dazu einladen. Freya flüchtet sich in das Gefühl von Nostalgie und verklärte Erinnerungen und blendet dabei aus, dass auch in ihrer Jugend nicht alles perfekt war und warum sie damals Werne so fluchtartig verlassen hatte.

Die Geschichte wird überwiegend aus der Perspektive von Freya in der Gegenwart erzählt. Daneben gibt es Rückblenden in die Vergangenheit vor zwölf bzw. elf Jahren, als Freya und ihre Freunde vor dem Abitur standen und sich ihre Wege für Studium und Beruf trennten und einzelne Abschnitte aus der Sicht von Chris.

Der Roman ist kurzweilig und unterhaltsam. Durch die Ich-Perspektive fällt es leicht sich in Freya hineinzuversetzen, die sich einfach noch nicht wie 30 fühlt und sich dementsprechend verhält. Sie möchte sich nicht wirklich mit ihrer Zukunft beschäftigen und schon gar nicht über Hausbau und die Gründung einer Familie nachdenken. Sie fühlt sich dafür zu jung und ist überfordert damit, dass alle anderen selbstverständlich erwachsen geworden sind und an ihr vorbeiziehen. Auch wenn man ihr unreifes Verhalten und ihre Ich-Bezogenheit nicht unbedingt gutheißen kann, ist es zumindest nachvollziehbar dargestellt.
Die Schilderungen sind lebhaft und Freyas Gedanken sowie die Dialoge erfrischend witzig. Die Handlung über den Wunsch, die Zeit stehenbleiben zu lassen, ist authentisch. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, für immer jung zu sein und ein Gefühl von damals, von Jugend, Unbeschwertheit und einer offenen Zukunft zu bewahren? Dabei zeigt der Roman, dass Veränderungen die Konsequenz des Lebens und letztlich unaufhaltbar sind und dass es Mut braucht, sich der Vergangenheit zu stellen, um bereit für die Zukunft zu sein.

Die Geschichte ist in ihren Grundzügen vorhersehbar, was ich bei humorvollen Liebesgeschichten jedoch verzeihlich finde. Zudem hat der Roman einen Plottwist, der der Geschichte neben allen bereits geschilderten Problemen, Spannung verleiht und Tiefe gibt. Auch erhält man durch die Offenbarung eines Geheimnisses aus der Vergangenheit, das Freya offenbar erfolgreich verdrängt hatte, eine Erklärung, die mehr Verständnis für die rastlose Protagonistin erzeugt.
"Was nicht war, kann ja noch werden" ist ein Roman über Freundschaft und Liebe, über Angst vor Veränderungen, Neuanfänge und das Erwachsenwerden, aber auch über Trauer, Schuld und Versöhnung. Es ist eine Geschichte, die aus dem Leben gegriffen ist und dabei unterhaltsam und lebendig geschildert ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.01.2023

Zwei spannende Kriminalfälle in Bayern und Tirol - leider ohne grenzüberschreitende Ermittlungen und ein enges Zusammenspiel von Jahn und Krammer

Grenzfall - In der Stille des Waldes
0

In Gnadenwald in Tirol werden bei Bauarbeiten zwei präparierte Dachse mit Babykleidung gefunden. Bernhard Krammer vom LKA Tirol steht vor einem Rätsel, da kein Baby vermisst gemeldet wurde. Stattdessen ...

In Gnadenwald in Tirol werden bei Bauarbeiten zwei präparierte Dachse mit Babykleidung gefunden. Bernhard Krammer vom LKA Tirol steht vor einem Rätsel, da kein Baby vermisst gemeldet wurde. Stattdessen wird ein Mann vermisst, der für das Museum Tiere präparierte. Er soll mit seinem Sohn bei einem Wanderunfall ums Leben gekommen sein. Beim Versuch der Befragung der trauernden Ehefrau wird festgestellt, dass auch sie seit Längerem nicht mehr gesehen wurde. Bei einer Hausdurchsuchung werden Blut und eine Reihe merkwürdiger Spuren gefunden.
Zeitgleich erholt sich Oberkommissarin Alexa Jahn von ihrer Schussverletzung in ihrer neuen Wohnung in Lenggries. Sie würde am liebsten schon wieder arbeiten, aber ihr Vorgesetzter legt ihr nahe, auch aus psychischen Gründen auszusetzen. Ein Kollege aus ihrer ehemaligen Dienststelle in Aschaffenburg besucht sie und teilt ihr mit, dass in einem Fall, den sie gemeinsam bearbeitet haben, vermutlich die falsche Person verhaftet wurde. Durch einen Zeuge wurde ein anderer mutmaßlicher Täter im den Vordergrund gerückt, der sich in den Bergen aufhalten soll. Zusammen machen sie sich auf den Weg, um seinen Spuren zu folgen.

"In der Stille des Waldes" ist der dritte Band der "Grenzfall"-Reihe. Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden handelt es sich dieses Mal nicht um einen typischen Grenzfall, denn es geht um zwei verschiedene Fälle in Bayern und Tirol.
Krammer und Jahn ermitteln deshalb unabhängig von einander, was ich etwas schade fand. Die Kapitel über die zwei unterschiedlichen Fälle wechseln sich ab, so dass es auch möglich ist, jedes zweite Kapitel für sich zu lesen.

Beide Kriminalfälle - egal ob der neu aufgerollte Fall in Deutschland oder der mysteriöse Fall in Österreich um die vermisste Familie - sind spannend und temporeich erzählt. Die Perspektiven wechseln schnell, die Kapitel enden oft mit Mini-Cliffhangern, die zum Weiterlesen animieren. In dem Fall in Bayern ist der Täter bekannt, weshalb nicht die Ermittlungen als solche interessant sind, sondern die Suche in den bayerischen Bergen. Der Fall in Tirol ist dagegen wesentlich komplexer und offenbart eine tragische Familiengeschichte.

Der Erzählstil ist gerade während der Wanderung durch die Berge bildhaft und auch die Hauptfiguren bleiben durch ihr nicht ganz einfaches Privatleben, das jedoch stets im Hintergrund bleibt und Stoff für folgende Reihen bietet, interessant und facettenreich.
Beide Kriminalfälle handeln von Schuld und Sühne, die im Fall in Bayern durch die Suche nach dem wahren Täter wieder ausgeglichen werden können, während in Österreich bereits jede mögliche Hilfe zu spät kommt.

Teil 1 und 2 haben mir durch das Zusammenspiel der bayerischen Polizei mit den Kollegen in Tirol besser gefallen. Die Fälle waren raffinierter und weniger vorhersehbar. Dennoch freue ich mich mit "In den Tiefen der Schuld" auf Band 4 der Reihe und hoffe, dass das Duo Krammer / Jahn wieder gemeinsam in Erscheinung treten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2023

Hommage an Zusammenhalt, Freundschaft und natürlich (!) Bücher. Am Ende war die Wohlfühlgeschichte jedoch arg seicht.

Happy Ever After – Wo das Glück zu Hause ist
0

Nina ist Bibliothekarin in Birmingham, verliert jedoch aufgrund von Einsparmaßnahmen und Schließungen ihrer Anstellung. Die Aussicht auf eine neue Arbeit in dem Bereich sind schlecht, weshalb Nina ins ...

Nina ist Bibliothekarin in Birmingham, verliert jedoch aufgrund von Einsparmaßnahmen und Schließungen ihrer Anstellung. Die Aussicht auf eine neue Arbeit in dem Bereich sind schlecht, weshalb Nina ins Grübeln gerät und ihren Traum einer eigenen Buchhandlung verwirklichen möchte. Ohne Startkapital ist auch dieses Unterfangen schwierig, weshalb sich Nina kurzerhand einen Lieferwagen in den schottischen Highlands als mobile Buchhandlung zulegt und in dem kleinen Dorf Kirrinfief bleibt.
Der Kontrast zur Großstadt ist groß, aber schnell beginnt sich Nina dort wohlzufühlen und genießt es, für ihre Kunden das passende Buch zu finden. Die Menschen sind aufgeschlossen und nehmen das Angebot des Bücherbusses gerne an. Dennoch fühlt sich Nina an den langen Abenden einsam und träumt von einem Mann an ihrer Seite. Mit dem hilfsbereiten Zugführer Marek tauscht sie romantische Botschaften aus, während sie sich mit ihrem Vermieter, dem kernigen Schafbauern Lennox, regelmäßig in die Wolle bekommt.

Wird es für Nina ein "Happy Ever After" geben, wie sie ihre mobile Buchhandlung genannt hat? Darum dreht es sich in dem Auftakt der neuesten Romanreihe von Jenny Colgan.

"Wo das Glück zu Hause ist" ist ein Wohlfühlroman, der einen durch die bildhaften Beschreibungen von Landschaft, Klima und Traditionen anschaulich in die schottischen Highlands und die beschauliche fiktive Kleinstadt Kirrinfief versetzt. Nina ist eine sympathische Protagonistin, eine Träumerin, für die es keine größere Leidenschaft als das Lesen und ihre Bücher gibt. In Birmingham hat sie sich hinter ihren Büchern versteckt, während sie in Schottland aktiver am Leben teilnimmt und ihr durch die Arbeit als Selbstständige auch kaum noch Zeit zum Lesen bleibt. Sie schließt Kontakt mit den eigenwilligen Einwohnern, hat bald einige Stammkunden und ist Teil einer Gemeinschaft, die aufeinander Acht gibt.

Die Leidenschaft für das Lesen und das Bedauern über das Aussterben von Büchereien ist auf jeder Seite spürbar. Dem Roman umweht ein Hauch von Nostalgie und vermittelt das Gefühl, das Bücher Halt geben und glücklich machen. Doch selbst Nina muss feststellen, dass Bücher allein nicht reichen und sich auch auf Anraten ihrer besten Freundin, der kecken Surinder, für Menschen öffnen und aufhören, sich in ihren Tagträumen zu verlieren.

Auch wenn Nina mit sehr offenen Armen in Empfang genommen wird, viel Glück mit ihrem Bücherbus hat und das Leben auf dem Land im Vergleich zur Stadt allzu positiv hervorgehoben wird, hat mir die Geschichte dennoch über weite Teile gut gefallen. Die Liebesgeschichte ist vorhersehbar, hat aber zunächst ihren Reiz und auch dass neben dem Büchereisterben ernste Themen wie die Trennung, Neuanfänge und die Vernachlässigung von Kindern angesprochen werden, versucht dem Roman, der eine Hommage an Zusammenhalt, Freundschaft und natürlich (!) Bücher ist, eine gewisse Tiefe zu geben. Leider wird der Roman am Ende jedoch recht zäh und seicht. Nahezu alle Probleme lösen sich allzu leicht in Wohlgefallen auf. Der Liebesgeschichte fehlt am Ende Knistern und Romantik und wird stattdessen dramatisch in Szene gesetzt, um ein Happy End hinauszuzögern.
Bis auf das etwas lieblose Ende ist "Happy Ever After" eine herzliche, unprätentiöse Geschichte, die neugierig auf die weiteren Bände in der Ortschaft Kirrinfief macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.01.2023

Erschreckend real anmutende Dystopie mit einer Warnung vor umfassender Vernetzung, die Manipulation und Machtmissbrauch Tür und Tor öffnet.

Mind Gap
0

Silvie Mankowitz ist Journalistin in Berlin, die für ihre Arbeit bereits ausgezeichnet wurde. Als sie von ihrem Bruder kontaktiert wird, von dem sie ausgegangen ist, dass er als Soldat im Kampf gefallen ...

Silvie Mankowitz ist Journalistin in Berlin, die für ihre Arbeit bereits ausgezeichnet wurde. Als sie von ihrem Bruder kontaktiert wird, von dem sie ausgegangen ist, dass er als Soldat im Kampf gefallen ist, ist sie irritiert, freut sich jedoch auf das anvisierte Treffen mit ihm. Wenig später ist er tot. Er soll Suizid begangen haben und zuvor zwei weitere Personen getötet haben, darunter den Kanzlerkandidaten Nowak.
Silvie kann es nicht glauben und forscht nach. Sie stößt auf Widerstand auf höchster Ebene und entdeckt eine unglaubliche Verschwörung. Offenbar kann der NINK, ein Chip, der Menschen implantiert wird, um ihr Leben durch einen unmittelbaren Zugriff auf das Internet zu optimieren, manipuliert werden und den freien Willen des Menschen ausschalten. Silvie möchte nicht nur ihren Bruder rehabilitieren, sondern auch die ungeahnten und gefährlichen Folgen der Einführung des als revolutionär gefeierten NINK öffentlich machen.

Mit "Mind Gap" wird ein spannendes Szenario beschrieben, dass in naher Zukunft im Jahr 2033 handelt. Es ist ein Thriller, der die Schattenseiten des technischen Fortschritts erschreckend realistisch darstellt. Eine Einführung eines Chips, der in den Kopf implantiert wird und mit dem Gehirn verbunden wird, klingt nach Science Fiction, erscheint jedoch in Anbetracht der vermeintlichen Vorteile für jeden einzelnen Nutzer nicht unwahrscheinlich.

Der Thriller wird aus verschiedenen Perspektiven der handelnden Personen in Berlin geschildert. Ein zweiter Erzählstrang, der bald eng mit dem Geschehen in Deutschland verknüpft wird, handelt in Manila. Weiterhin gibt es Einblicke zu Machthabern in Ländern wie Aserbaidschan, Ruanda und Simbabwe, die nicht wirklich einzuordnen sind.
Die Kapitel sind kurz, die Perspektiven wechseln häufig, was der Geschichte, die nur innerhalb weniger Stunden handelt, Dynamik verleiht.
Aufgrund der Schnelligkeit und der Vielzahl der Protagonisten fehlt die emotionale Nähe, was jedoch nicht weiter störend ist, denn die Geschichte, die immer mehr Details über NINK und wie der Chip als Machtinstrument genutzt werden kann, was nicht nur den freien Willen ausschaltet, sondern auch tödliche Folgen in einem skrupellosen Ausmaß hat, ist beängstigend.

"Mind Gap" warnt mit einer erschreckend real anmutenden Dystopie vor den Folgen einer alle umfassenden Vernetzung ohne sicheren Schutz personenbezogener Daten, die Tür und Tor für Manipulation und Machtmissbrauch öffnet. Denn das ein Instrument, das eigentlich als Hilfsmittel und Erleichterung des Alltags erdacht wurde, in falsche Hände gerät, ist aufgrund des unaufhörlichen Strebens des Menschen nach mehr, eine logische Konsequenz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2023

Emotionale und anrührende Geschichte über die Verarbeitung einer gescheiterten Beziehung. Besonders für eine jüngere Zielgruppe eindrücklich geschildert

Orte, an denen ich geweint habe (wegen dir)
0

Wegen eines neuen Arbeitsplatzes ihres Vaters muss Amelie mit ihren Eltern von Sheffield in den Süden Englands ziehen. Sie vermisst ihre Freunde, aber die Musik gibt der jungen Singer-/ Songwriterin Kraft ...

Wegen eines neuen Arbeitsplatzes ihres Vaters muss Amelie mit ihren Eltern von Sheffield in den Süden Englands ziehen. Sie vermisst ihre Freunde, aber die Musik gibt der jungen Singer-/ Songwriterin Kraft und Anerkennung. An ihrer neuen Schule lernt sie Reese kennen, der wie sie die Leidenschaft zur Musik teilt und Sänger einer Band ist. Er umgarnt sie, macht ihr Komplimente und bezirzt sie mit romantischen Dates. Die Beziehung geht in die Vollen und Amelie schwebt auf Wolke 7, auch wenn ihre neu gewonnenen Freunde sie vor Reese warnen. Amelie ignoriert alle roten Flaggen und liebt es, von ihm geliebt zu werden. Doch nach vier Wochen platzt die Blase und Amelie ist wieder allein, Reese hat sich von ihr getrennt und ihre Freunde hatte sie schon zuvor verloren, da es nur noch sie beide gab.
Amelie ist verwirrt, verletzt und fühlt sich innerlich gebrochen. Die Trennung schmerzt, auch wenn die kurze Beziehung nicht nur schöne Momente hatte. Amelie blickt zurück und reflektiert ihre Beziehung zu Reese. Sie geht ihre Landkarte der Liebe ab und sucht alle Orte auf, an denen sie wegen Reese geweint hat.

"Orte, an denen ich geweint habe (wegen dir)" ist, wie der Titel und das dazu passende tränenverschmierte Cover impliziert, eine emotionale, anrührende Geschichte. Sie ist aus Sicht der 16-jährigen Amelie geschildert, die gegenwärtig seit vier Wochen von ihrem letzten Freund getrennt ist und versucht diese Beziehung, die sich im Nachhinein so seltsam anfühlt, zu verarbeiten.
Auch wenn die Zielgruppe des Buches junge Erwachsene sind, ist es auch für reifere Leser*innen geeignet, denn emotionale Geschichten über gescheiterte Liebesgeschichten und den Schmerz, der am Ende übrig bleibt, sind keine Frage des Alters.

Die Geschichte vermischt die Gegenwart mit der Vergangenheit, indem Amelie wie ferngesteuert die Orte aufsucht, an denen sie mit Reese zusammen war und von ihm verletzt wurde. Durch die beiden unterschiedlichen Schriftarten fällt es leicht, die Gedanken- und Zeitsprünge einzuordnen.
Wie in einem Tagebuch spricht Amelie Reese direkt an und konfrontiert sich mit schönen und hässlichen Momenten, um die Beziehung zu verarbeiten. Frühzeitig hatte Amelie durch das Auf und Ab ihrer Gefühlswelt erkannt, dass in ihrer Beziehung etwas nicht stimmt, aber alle Signale ignoriert, schließlich liebte er sie - und sie ihn. Immer noch. Herz und Verstand sind für Amelie nicht in Einklang zu bringen. Im Gegensatz zu ihr ist für Außenstehende offensichtlich, dass Reese manipulativ und erdrückend ist. Er neidet ihren Erfolg und steht lieber selbst im Mittelpunkt. Sein Verhalten ist dabei zu Beginn subtil und wird von seiner Leidenschaft überdeckt, bis er Grenzen überschreitet, die mehr als ein ungutes Gefühl hinterlassen. Amelie macht sich klein und lässt sich zu viel gefallen, um Reese nicht zu verärgern.
Die Schilderungen sind erschreckend realistisch, denn es sind so viele kleine Dinge, die aus der jungen, leidenschaftlichen Liebe eine toxische Beziehung machen. Es ist kein physischer Missbrauch, auch wenn Amelie (zu) viel zulässt, sondern ein psychischer, der mindestens genauso schwerwiegt. Die Geschichte geht nahe, denn sie macht wütend zu sehen, wie Amelie immer weiter in Reese verschwindet und verständnislos, wie Amelie während der Beziehung bei allen Gemeinheiten Reeses die Schuld bei sich sucht, welchen Selbsthass sie dabei entwickelt und ihn danach immer noch lieben kann - oder glaubt, es zu tun.
Die Geschichte rüttelt wach und zeigt, dass auch gescheiterte Teenagerbeziehungen nicht kleinzureden sind und dass es kein Fehler ist, Schuld- oder Schamgefühle zu empfinden, so behandelt zu werden. Sie ermuntert, sich Hilfe zu suchen und Probleme nicht mit sich selbst auszumachen.
Das Buch ist anstrengend zu lesen. Die Atmosphäre ist bedrückend und melancholisch, der weinerliche Tonfall, der aber wiederum so gut zu der feinfühligen Künstlerseele Amelie passt, ist Kräfte zehrend. Zudem verunsichert die Frage, ob Reese nicht einfach nur egoistisch und dominant und Amelie zu naiv und schwach war, für sich einzustehen. Die Geschichte ist sehr emotional und dramatisch dargestellt und ist am Ende vor allem lehrreich, wie Amelies verwirrende Gefühle einzuordnen sind und dass Liebe alles, nur nicht selbstzerstörerisch sein und unglücklich machen darf.
Passend zur Zielgruppe und zur Botschaft des Romans werden im Anhang Notrufnummern und Hilfsangebote aufgezeigt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere