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Veröffentlicht am 15.01.2018

Anders ist anders

Anders
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Im ersten Kapitel des Buches werden mehrere Begebenheiten beschrieben, die alle mit dem 11-jährigen Felix zusammen hängen. Es beginnt mit einem kurzen Einblick, wie Felix‘ Eltern vor seiner Geburt einen ...

Im ersten Kapitel des Buches werden mehrere Begebenheiten beschrieben, die alle mit dem 11-jährigen Felix zusammen hängen. Es beginnt mit einem kurzen Einblick, wie Felix‘ Eltern vor seiner Geburt einen Namen für ihn aussuchten. Danach wird der Unfall beschrieben, durch den Felix für mehrere Monate ins Koma fiel. Der Unfallhergang wird durch Augenzeugen und dem Unfallbericht der Polizei beschrieben. Schon hier wird die besondere Erzählweise von Andreas Steinhöfel erkennbar. Im zweiten Kapitel begleiten wir Felix‘ Pfleger Gerry im Krankenhaus bis zu dem Zeitpunkt, als Felix aufwacht.

Daraufhin kommt der Junge wieder nach Hause, wo ihm jedoch alles fremd ist, da er seine Erinnerungen verloren hat. Der Leser spürt, dass es für Felix nicht leicht ist, obwohl er nach außen hin viel Ruhe ausstrahlt. Felix entscheidet sich, sich von nun an anders zu nennen – und zwar Anders. Bald wird deutlich, dass Anders nicht nur seinen Namen gewechselt, sondern sich auch in seinem Charakter verändert hat. Ab hier nimmt die Geschichte eine besondere Atmosphäre an und wird ungewöhnlich. Anders scheint nun viel mehr wahrzunehmen und entwickelt eine große Empathie seinen Mitmenschen gegenüber.

„Anders“ ist nicht nur ein Buch, das beschreibt, wie schwer es für einen Menschen ist, der sich an sein vorheriges Leben nicht mehr erinnern kann, sondern vor allem, wie das Leben von einem bestimmten Kreis aus Menschen um ihn herum aussieht. Für Anders‘ Mutter hat sein Unfall und Koma ihre Zukunftspläne und Vorstellungen durcheinander gebracht. Anders‘ Vater wird bewusst, dass er vor dem Unfall kein sehr enges Verhältnis zu seinem Sohn hatte, wodurch er dessen Vorlieben und Charakterzüge beschreiben könnte. Auch Felix‘ Pfleger Gerry, Ärztin Laura und Lehrerin Sabine haben einen kleinen, aber wichtigen Anteil in dem Buch, weil sie zu diesem Zeitpunkt wichtige Rollen in Anders Leben spielen. Außerdem verändern sich Anders Beziehungen zu seinen beiden Freunden und dem einsamen Stack. Und dann gibt es jemanden, der froh ist, dass Anders anders ist und keine Erinnerungen mehr hat, denn wenige Tage vor seinem Unfall ist etwas passiert.

Der Schreibstil von Andreas Steinhöfel ist anders, und zwar positiv anders. Die Geschichte wird nicht einfach aus Felix‘ Perspektive beschrieben, sondern aus vielen verschiedenen. Der Autor nutzt die auktoriale Erzählperspektive und konzentriert sich dadurch phasenweise auf bestimmte Charaktere. Dabei wirkt die Geschichte jedoch nie zu distanziert, weil immer ein Geschehen beschrieben wird, das unmittelbar mit Felix bzw. Anders zusammen hängt. Außerdem schafft der Autor es, die Figuren sehr lebendig darzustellen. Es gibt einige Charaktere, die nicht sehr viel Platz in der Geschichte einnehmen, aber trotzdem lernt der Leser diese sehr genau kennen.


Fazit:
Dieses Buch ist anders, und zwar auf seine ganz eigene Art etwas Besonderes. Felix kann sich nach einem mehrmonatigen Koma an nichts mehr erinnern. Der neue Felix ist ganz anders und hat eine neue Wahrnehmung und Empathie entwickelt – so wird aus Felix Anders.

Veröffentlicht am 15.01.2018

Vier Geschichten, ein Setting

Der Geruch von Häusern anderer Leute
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>>Da ist es, mein Herz. Es mag aus tausend Stücken zusammengeflickt und etwas mitgenommen sein, aber es schlägt. Eindeutig…

>>Da ist es, mein Herz. Es mag aus tausend Stücken zusammengeflickt und etwas mitgenommen sein, aber es schlägt. Eindeutig… <<, S. 315


Meine Meinung:
Die Geschichte beginnt mit einer kurzen Erinnerung von Ruth, als sie noch gemeinsam mit ihren Eltern im unabhängigen Alaska wohnte. Nicht nur die Anerkennung Alaskas zum 49. Bundestaat der USA, sondern auch der Tod ihres Vaters hat ihr Leben verändert. Nun wohnt sie mit ihrer kleinen Schwester bei ihrer Oma, die sehr auf Prinzipien beharrt. Als Ruth ein Geheimnis hat, das sie bald schon nicht mehr verheimlichen kann, erfährt sie viele Dinge, wodurch sie die Vergangenheit ihrer Familie aufarbeiten kann.
Da Doras Vater Alkoholiker ist und sich dann ihr gegenüber gewalttätig verhält, ist sie zu ihren Nachbarn geflüchtet. Dort wohnt sie nun bei ihrer Freundin Dumpling, die in einem behüteten und liebevollen Zuhause aufgewachsen ist.
Alyce träumt von einer Karriere als Tänzerin und muss dafür eine wichtige Aufnahmeprüfung absolvieren, die aber im Sommer stattfindet, wo sie seit Jahren zu ihrem Vater fährt, um ihm bei der Fischerei auf seinem Boot behilflich zu sein. Die Jugendliche ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Traum Tänzerin zu werden und ihrer Verpflichtung der Familie gegenüber.
Hank flieht mit seinen Brüdern vor seinem gewalttätigen Stiefvater und seiner Mutter, die sich mehr nach Nähe sehnt als sich um ihre Kinder zu sorgen. Auf ihrer Reise müssen sich die Brüder durch viele Situationen kämpfen, finden aber auch Menschen, die bereit sind ihnen zuzuhören.

Anfangs mögen die vier verschiedenen Personen und ihre individuellen Leben den Leser verwirren, doch die immer auftretende Ich-Erzählung und der ruhige Schreibstil haben sie alle gemein. Trotzdem schildert Bonnie-Sue Hitchcok die Geschichten auf ihre eigene besondere Art und Weise, wodurch die vier Erzählungen sprachlich voneinander getrennt werden. Der Schreibstil strahlt eine große Ruhe und Sensibilität aus, wodurch man die unterschiedlichen Charaktere und deren Lebensumstände zu verstehen lernt.

Eine weitere Besonderheit des Buches ist der gewählte Ort der Geschichten. Die vier Jugendlichen wachsen in den 60er Jahren in Alaska auf, wo das Leben vom Fischfang, der Jagd und sehr kalten Wintern geprägt ist. Dies verleiht der Geschichte eine ganz besondere Atmosphäre, wodurch der Leser sich in einer völlig anderen und interessanten Welt wiederfindet.


Fazit:
„Der Geruch von Häusern anderer Leute“ erzählt vier Geschichten über sehr unterschiedliche Jugendliche, die ihre ganz eigenen Probleme haben. Mit einem sensiblen Schreibstil schildert Bonnie-Sue Hitchcock wie Ruth, Dora, Alyce und Hank ihre Situation bewältigen müssen. Außerdem wird das Alaska der 60er Jahre beschrieben, was ich sehr interessant und informativ fand. Man findet selten ein Buch, das so eine unscheinbare, aber emotionale Geschichte in einem so einzigartigen Settting, wie Alaska, erzählt.

Veröffentlicht am 25.07.2017

Zehntausend Sterne für dieses berührende Buch voller Angst und Liebe

Der Koffer
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Der 14-jährige Julian hat seine Eltern verloren und lebt deshalb bei seinem Onkel. So viel Liebe und Unterstützung wie er bei seinen Eltern von Geburt an erfahren hat, so wenig erhält er dies von seinem ...

Der 14-jährige Julian hat seine Eltern verloren und lebt deshalb bei seinem Onkel. So viel Liebe und Unterstützung wie er bei seinen Eltern von Geburt an erfahren hat, so wenig erhält er dies von seinem neuen Erziehungsberechtigten. Julian ist ein sehr sensibler Junge, der viel jünger erscheint, als er ist. In der Schule trifft er wieder auf seinen ehemaligen Pflegebruder Adam, der sehr herzlich und fürsorglich ist. Zwischen den beiden bestand vor Jahren eine enge Beziehung, die mit der Zeit verloren ging. Jetzt versucht Adam erneut einen Zugang zu Julian zu finden und deren verlorene Freundschaft wieder aufzubauen. Darüber hinaus gibt es noch viele andere facettenreiche Charaktere, wie Charlie, der ständig über seine vielen Geschwister schimpft und Emerald, die nicht weiß, wie sie ihr gewünschtes Ziel erreichen kann.

Robin Roe erzählt sehr einfühlsam und doch schockierend die Geschichte von Julian. Ihr Schreibstil hat mich schon von der ersten Seite an eingenommen und viele Empfindungen hervorgerufen. Ich hab mich gefreut, hab amüsiert gelächelt, hatte Tränen in den Augen, habe gehofft, war wütend und auch völlig schockiert. Das Geschehen wird aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt. Somit hat man nicht nur Einblicke in Julians Leben, sondern auch in das von Adam. Gekonnt spinnt Robin Roe so die Geschichte aus Sicht des Involvierten und des ruhigen Helfers. Die Autorin schafft es mit ihrer Art zu Schreiben noch mehr Gefühle zu wecken, als mit den Worten selbst. Selbst ohne Hinweis hätte ich Julians Abschnitte an der düsteren und kindlichen Atmosphäre erkannt.


Fazit:
Einfühlsamer Roman über die Geschichte eines Jungen, der mit Einsamkeit und Schmerzen zu kämpfen hat. Robin Roe schafft mit ihrem angenehmen und wandlungsfähigen Schreibstil eine trostlose, aber oft auch heiternde Atmosphäre. Hierdurch erlebt der Leser eine Gefühlsachterbahn der Gefühle. Zehntausend Sterne für dieses berührende Buch voller Angst und Liebe.

Veröffentlicht am 07.09.2025

Zwischen Haha und Oh nein!

Never Trust Your Fake Husband
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Mitten in Paris liegt eine junge Frau verletzt auf dem Gehweg und sieht für den Agenten Sawyer wie seine Kollegin Alex aus. Doch wie es sich heraus stellt, hat die junge Frau durch ihre Kopfverletzung ...

Mitten in Paris liegt eine junge Frau verletzt auf dem Gehweg und sieht für den Agenten Sawyer wie seine Kollegin Alex aus. Doch wie es sich heraus stellt, hat die junge Frau durch ihre Kopfverletzung keine Erinnerungen mehr und scheint Alex‘ Zwillingsschwester zu sein. Da mehrere Behörden und auch Verbrecher nach Alex suchen, muss Sawyer mit der Unbekannten flüchten.

Das pastellene Cover und das Hochzeitspaar versprechen eine lockere Fake-Beziehung, weshalb es mich anfangs total überrascht hat, dass Sawyer und die junge Frau durch halb Paris gejagt werden. Jedoch hat mir die Verfolgungsjagd richtig gut gefallen! Zwischen Schüssen, Weglaufen und Verstecken versuchen die beiden herauszufinden, was hier los ist und Alex vor hat. Es ist richtig spannend und actiongeladen, aber auch oft lustig und teilweise absurd, typisch RomCom. Passenderweise ist die gedächtnislose Frau, Zoe, oft naiv, sorglos und tollpatschig. Deswegen musste ich in manchen Situationen meine Augen verdrehen. Aber nachdem ich mich schnell daran gewöhnt habe, dass Zoe plappert, wenn sie nervös ist und in brenzligen Situationen zeigt, dass sie auch gute Fluchtideen und Mut haben kann, hat mich die Geschichte richtig mitgerissen. Mit ihrem Verhalten bringt die Protagonistin eben auch erst Witz in die Geschichte und lockert die rasante Erzählung auf. Es ist spannend, amüsant und mit jedem weiteren ruhigen Versteck auch mal romantisch. Die zunehmenden Gefühle von Zoe und Sawyer haben mich berühren können und ich habe so sehr auf ein glückliches Ende für die beiden gehofft.

Die Geschichte wird aus beiden Perspektiven von Zoe und Sawyer erzählt. Durch den Titel wird direkt Argwohn aufgebaut und auch in seinen Kapiteln nicht alles erzählt, was schon Spannung erzeugen kann. Andererseits ist es schon seltsam, dass man etwas aus einer Erzählperspektive liest, diese aber nicht alles verrät. Wozu dann die zweite Perspektive? Ehrlicherweise finde ich sie unnötig (oder zu wenig genutzt, wie mans nimmt).


Fazit:
Von dem Cover von „Never trust your Fake Husband“ sollte man sich nicht zu sehr beeinflussen lassen, denn hinter der pastellfarbenen Seite verbirgt sich auch ganz schön viel Spannung und Action. Die Liebesgeschichte zwischen der gedächtnislosen Protagonistin und dem knallharten Agenten ist in eine brenzlige Verfolgungsjagd gebettet. Die romantic suspense Geschichte hat mich positiv überrascht und konnte mich fesseln und amüsieren.

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Grausam und schonungslos

The Book Eaters
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Wie oft sagen wir, dass wir ein Buch verschlungen haben, weil es so gut und spannend war? Nun ja, die Protagonisten in diesem Buch verschlingen sie wirklich: Sie essen Bücher, wodurch sie die Geschichte ...

Wie oft sagen wir, dass wir ein Buch verschlungen haben, weil es so gut und spannend war? Nun ja, die Protagonisten in diesem Buch verschlingen sie wirklich: Sie essen Bücher, wodurch sie die Geschichte währenddessen auch aufnehmen. Doch das Leben der Buchesser-Famillien ist düster: Es gibt strenge Regeln und die wenigen Frauen werden überbehütet aufgezogen und zu Schwangerschaften mit ausgewählten Familien gezwungen, um den Fortbestand der Buchesser aufrechtzuerhalten. Noch dazu gibt es einige wenige ihrer Spezies mit einer anderen Ausprägung des Hungers: die Gedankenesser. Diese ernähren sich von Menschen, weshalb sie meist kurz nach der Geburt umgebracht werden, doch eine andere Buchesser-Familie könnte wahrscheinlich Cai helfen, weshalb seine Mutter Devon auf der Suche nach ihnen ist.

In der Geschichte folgen wir nicht nur Devon und Cai auf ihrer Flucht und Suche im Heute, sondern erhalten auch immer wieder einige Kapitel aus Devons Vergangenheit. Wir erfahren, wie sie als „Prinzessin“ in ihrer Familie aufgewachsen ist, bis hin zu ihrer Hochzeit um Kinder zu gebären. Dadurch wird anschaulich geschildert, wie die unterschiedlichen Familien leben und deren Beziehungen untereinander strukturiert haben, sprich das Patriarchat ausleben.

Die Geschichte ist währenddessen sehr düster und brutal. Nicht nur herrscht Zwang und Unterdrückung bei den Buchessern, sondern auch damit einhergehend viel Grausamkeit und Gewalt. Viele Szenen haben mich schockiert und abgestoßen, wobei die Autorin diese zwar schonungslos erzählt, aber nicht zu anschaulich. Ich finde auch, dass die psychische Gewalt in dem Buch eine größere Rolle spielt, als die physische. Mich haben die Auswirkungen und die Gefühle der Protagonisten vielmehr geschockt, als der Akt der körperlichen Gewalt an sich. Viele Szenen sind einfach krass, weshalb es für diese Dark Fantasy eine Triggerwarnung gebraucht hätte. Ich finde der Untertitel „Wie viele Menschen würdest du opfern, um dein Kind zu retten?“ fasst die Geschichte um Devon und ihren Sohn sehr gut zusammen. Devon ist eine Löwin, wenn es um Cai geht und ich hab mich (trotz keiner eigenen Kinder) sehr gut in sie hineinversetzen können. Ich habe mitgefiebert und die Geschichte verschlungen (haha!). Die Autorin erzählt so fesselnd, schockierend und überraschend, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage durchgesuchtet hätte, wenn ich es nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen hätte.

Wegen der vielen Grausamkeiten und überraschenden, verstörenden Szenen war mir das Ende der Geschichte zu seicht. Seit dem Beenden des Buches bin ich irgendwie unzufrieden damit. Das Ende schließt eigentlich ziemlich gut Devons Geschichte ab und ist auch im Grunde hoffnungsvoll, aber mir bleiben so viele Fragen offen! Bei einigen Handlungssträngen frage ich mich, wie es da in Zukunft sein wird. Die Autorin hat vor Jahren angedeutet, dass sie gerne weitere Bücher in dem Buchesser-Universum schreiben würde und ich hoffe sehr, dass da nun wirklich noch etwas nachkommt.


Fazit:
„The Book Eaters“ ist wirklich krass! Es wird schonungslos von Gewalt, Patriarchat, Mutterliebe und psychischen Grausamkeiten erzählt. Das Buch hat mich schockiert und gefesselt gleichermaßen. Diese Geschichte ist eine passende Lektüre für Halloween oder auch einfach Dark Fantasy-Fans.

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