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Veröffentlicht am 31.05.2025

Leider ein schwaches Ende der Reihe

Die Chroniken von Lunis – Das Geheimnis (Die Chroniken von Lunis 3)
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Mia kämpft mit sich und ihren Gefühlen. Der König der Finsternis hat ihren Vater getötet und Mia fühlt sich verantwortlich. Sie sinnt auf Rache und tarnt diese mit dem Vorhaben, ihren Freund Miles aus ...

Mia kämpft mit sich und ihren Gefühlen. Der König der Finsternis hat ihren Vater getötet und Mia fühlt sich verantwortlich. Sie sinnt auf Rache und tarnt diese mit dem Vorhaben, ihren Freund Miles aus den Fängen des Königs zu befreien, dessen Körper der König besetzt. Doch alles steht und fällt mit der Befreiung von Ria, der Schwester des Königs der Finsternis, die von Königin Katiya in Stella gefangen gehalten wird. Und für dieses Vorhaben muss es Mia endlich gelingen, ihre Wächterkräfte zu beherrschen, was allerdings gar nicht so einfach ist, wenn man von Rachegedanken getrieben wird…
Die Reihe begann unglaublich stark. Das Weltensetting ist so innovativ und bezaubernd, die Idee mit den Umbra, mit denen die Menschen von Lunis eine enge Beziehung eingehen können, fand ich toll und erinnerte mich an die Daimonen aus der „Der Goldene Kompass“-Reihe. Band 2 endete spannend und dramatisch, sodass ich den letzten Teil der Trilogie herbeigesehnt habe. Leider hat mich das Finale enttäuscht. Unsere Protagonistin ist getrieben von Hass und Rachegelüsten, sie handelt irrational und unfair, impulsiv und sie macht sich selbst zu einer Einzelgängerin und Außenseiterin. Schade, ich mochte Mia eigentlich als starke Persönlichkeit sehr, aber hier passte ihre Entwicklung zu einer so verbitterten Figur nicht.
Außerdem verlief der Endkampf viel zu unspektakulär und glatt. Eine Gruppe Jugendlicher, teilweise noch Kinder, wollen eine professionell ausgebildete Königsgarde einfach so überwältigen können? Die Konsequenzen der Handlungen waren viel zu wenig überlegt und durchdacht. Und was mich mit einem großen Fragezeichen zurückgelassen hat: Wo zum Teufel ist Königin Katiya hin am Schluss? Diese Leerstelle war mir schlicht und ergreifend zu groß und passte nicht zu Mias Entwicklung, die der Ungerechtigkeit ein für alle Mal ein Ende setzen wollte. Und dann lässt sie die Königin entkommen und versucht nicht, sie zu finden? Das ist inkonsequentes Erzählen.
Im Gesamtergebnis gefiel mir die Reihe dennoch gut und ich werde die Autorin definitiv im Auge behalten!

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Ich bleibe im Zwiespalt zurück…

Blood of Hercules
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Alexis wächst in einer Welt auf, in der blutrünstige Titanen Menschen angreifen und die Götter selbst miteinander im Krieg liegen und sich nicht für die Menschen und deren Belange interessieren. Alexis ...

Alexis wächst in einer Welt auf, in der blutrünstige Titanen Menschen angreifen und die Götter selbst miteinander im Krieg liegen und sich nicht für die Menschen und deren Belange interessieren. Alexis lebt mit ihrem Pflegebruder Charlie bei Pflegeeltern, die nicht nur drogenabhängig sind, sondern ihre Pflegekinder auch mittels körperlicher Gewalt erziehen. Nachdem die Mutter bei einem Angriff ums Leben kommt und der Vater dafür verhaftet wird, leben Alexis und Charlie auf der Straße. Sie schafft es dennoch, die Schule zu beenden und wird bei ihrem Abschlusstest durch einen Blutnachweis als „Mischblut“ eines Spartaners identifiziert. Alle Abkömmlinge eines spartanischen Hauses müssen sich mit 19 Jahren zunächst einem Kampf auf Leben und Tod im Kolosseum in den Dolomiten stellen, und nur die überlebenden zehn Spartaner dürfen sich der Feuerprobe stellen. Nie musste Alexis härter um ihr Leben kämpfen als jetzt…
Ich musste die Geschichte etwas sacken lassen, bevor ich meine Rezension schreiben konnte. Denn sie ist intensiv, erschütternd, aufwühlend, brutal, leiderfüllt, aber auch auf ihre eigene Art sarkastisch und witzig. Dennoch konnte sie mich nicht vollends überzeugen. Und das hat folgende Gründe:
ACHTUNG SPOILER!

1. Genremäßig würde ich es im Bereich Dystopie und Fantasy einordnen, mit kleinen Einschlägen von Dark Academia, aber auf gar keinen Fall in irgendeiner Weise im Romance Bereich! Nichts könnte ferner sein als der Liebesbegriff in dieser Geschichte…
2. Die Tropes, die der Verlag hier zuordnet, passen für mich auch nicht so recht. „Reverse Harem“ sehe ich zum Beispiel nicht, da es für mich eine bewusste Entscheidung für eine romantische Beziehung mit mehreren Männern beinhaltet. Alexis hat hier jedoch nie ein Mitspracherecht, wer ihr – auf völlig verquere und nahezu krankhafte Weise – den Hof macht. Es ist also alles andere als auf Freiwilligkeit und eigenem Willen basierend, was für mich das Trope des „Reverse Harem“ ausmacht. „Dark Reverse Harem“ könnte ich noch etwas nachvollziehen, wobei auch hier der Romantik-Aspekt nicht gegeben ist. Und „Morally Grey“ ist der Love Interest auch nicht mehr, eher pechschwarz mit lauter Red Flags auf den Körper tätowiert…
3. Das Ausmaß an Misogynie in dieser Geschichte und die Menge an Red Flags sind für mich kaum auszuhalten. Hier wird eine toxische Männlichkeit dargestellt, die selbst für die Dark-Genres echt zu viel ist. Bis auf zwei Beziehungen sind alle im Buch aufgezeigten Verbindungen in irgendeiner Form toxisch. Die (Gewalt-)Fantasie in Verbindung mit Frauen, die hier immer als schwach und minderwertig dargestellt werden, sind grenzwertig, wie ich finde – auch, wenn es der Protagonistin mehr oder weniger gefällt. Man mag von patriarchalen Strukturen mit veralteten Gesellschaftsauffassungen und Bevormundung von Frauen halten, was man möchte, aber mir war es hier schlicht und ergreifend zu viel. Es geht recht derb und brutal zu, stellenweise wird sogar eine Art Freude am Töten bzw. Verletzen deutlich.
4. Das hier als Vorlage verwendete antike Götterpersonal hat kaum etwas mit den historischen griechischen Göttern zu tun. Dessen sollte man sich bewusst sein und sich frei von bereits bekanntem Wissen dazu machen, denn sonst tut man sich schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Jedenfalls ging es mir so.
5. Die Protagonistin Alexis hat mir vom Grundgerüst her gefallen. Sie ist loyal ihrem Bruder gegenüber, sie ist zäh, erfinderisch, zielstrebig, zeitgleich aber auch psychisch und physisch fragil, traumatisiert (was kein Wunder ist bei der Kindheit) und ja, vielleicht auch suizidgefährdet. Aber die Kombination aus allem lässt sie sehr authentisch wirken, ich konnte mich mehrmals gut in sie hineinfühlen. Alles, was sie am Leben hält, ist ihr Wille und ihr Zynismus, mit dem sie hin und wieder für Lacher gesorgt hat. Was mich jedoch durchgängig störte – und das ist ein generelles Problem dieser Geschichte, ohne das das Konzept der Autorin jedoch wohl auch nicht aufgehen würde – ist der Mangel an Kommunikation. Alexis hätte so viele Situationen auflösen können, wenn sie nur einmal ihre Gedanken laut ausgesprochen hätte! Das hat mich zur Weißglut getrieben… So wirkte sie leider oftmals wie ein verhuschtes, verschüchtertes kleines Mädchen, dass Angst vor Männern hat – was nicht ferner von der Realität sein könnte! Sehr schade…
6. Die Menge an Leerstellen in diesem Buch hat mich teilweise gestört. Zum Beispiel Alexis‘ blindes Auge: Sie wurde mehrfach von Ärzten untersucht, aber keiner hat herausgefunden, dass sie links blind und gehörlos ist? Niemand hat sie auf die Geräusche angesprochen, die sie von sich gegeben haben muss, wenn sie mit ihrer Schlange Nyx gesprochen hat? Außerdem kam es durch das vermehrte Auftreten von Zeitsprüngen durch Ohnmachten oder Blackouts von Alexis zu einer Zeitraffung, die unnötig gewesen wären, wenn es im Feuerprobenalltag mehr Abwechslung gegeben hätte. Stellenweise gab es wirklich Längen in der Geschichte durch Wiederholungen und immer gleiche Abläufe.
7. Der letzte Kritikpunkt richtet sich mehr an den Verlag als an die Geschichte an sich, denn die Menge an Rechtschreibfehlern, die nicht aufgefallen sind, sind wohl eher einer Ungenauigkeit im Lektorat geschuldet.
Positiv hervorheben möchte ich jedoch den Schreibstil der Autorin, denn die 600 Seiten lasen sich zügig und trotz meiner Kritikpunkte fesselnd durch. Bei der Covergestaltung könnte man Verbesserungen vornehmen, die dem Inhalt etwas gerechter werden, aber das stört mich nur zweitrangig.
Ich bin dennoch gespannt auf den zweiten Band, will ich doch schließlich wissen, wie es Alexis weiter ergeht!

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Veröffentlicht am 03.12.2023

Leider viel zu langatmig

Twisted Fate. Wenn Liebe zerstört
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Faith und ihre unfreiwilliger Mitstreiter müssen sich dem Dämon stellen, dem sie seine Kräfte gestohlen haben. Doch nicht nur er verfolgt die Gruppe: Auch die ehemalige Anführerin des Ordens trachtet den ...

Faith und ihre unfreiwilliger Mitstreiter müssen sich dem Dämon stellen, dem sie seine Kräfte gestohlen haben. Doch nicht nur er verfolgt die Gruppe: Auch die ehemalige Anführerin des Ordens trachtet den Jugendliche nach ihren Fähigkeiten… Doch als wäre das noch nicht genug Chaos, ist Faith sich immer noch nicht über ihre Gefühle zu Jax und Nate im Klaren.
Ich habe der Autorin nun zwei Chancen in Form zweier Dilogien gegeben, aber wir werden einfach nicht warm miteinander. Das ist schade, aber kein Weltuntergang. Für andere mag es passen, für mich tut es das nicht. Zu viele Wiederholungen, die immer gleichen Gedankenspiralen in den inneren Monologen von Faith, zu viel Liebeshin und -her (das hat mich bereits im ersten Band massiv gestört) – kurzum: Es ist zu langatmig für meinen Geschmack.
Nach dem eigentlichen Showdown waren noch immer fast vier Stunden Hörzeit übrig und ich habe mich leider beim genervten Aufstöhnen erwischt. Den Twist im letzten Drittel hatte ich nicht kommen sehen, hätte man sich aber eigentlich zusammenreimen können. Ich habe mich darauf eingelassen, aber überzeugen konnte mich das Ende nicht. Was eigentlich schade ist, denn grundsätzlich fand ich die Storyidee interessant und an vielen Punkten war es spannend umgesetzt. Aber für mich überwogen die oben aufgezählten Aspekte, die mich stilistisch nicht überzeugen konnten.
Gelesen war der Band wieder hervorragend, was wahrscheinlich auch der Grund dafür war, dass ich Teil 2 dann doch rezipiert habe.
Das Cover passt für mich jedoch ebenfalls nicht, weder vom ersten noch vom zweiten Band. Ich sehe wenig Verbindung zum Inhalt.

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Veröffentlicht am 11.06.2023

Schwacher Anfang, Ende etwas besser

Die Geschichtenwandler − Magische Tinte
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Athena liebt Bücher und die kleine Buchhandlung ihrer Mutter. Als eines Tages ein Mann mit einem auffälligen Zylinder in eine wertvolle Erstausgabe hineinkritzelt, verändert sich nicht nur Ennas Leben ...

Athena liebt Bücher und die kleine Buchhandlung ihrer Mutter. Als eines Tages ein Mann mit einem auffälligen Zylinder in eine wertvolle Erstausgabe hineinkritzelt, verändert sich nicht nur Ennas Leben auf drastische Weise, sondern auch die reale Welt ist nicht mehr, wie sie einmal war: Taxis ändern ihre Farbe, Peter Pans Geschichte endet damit, dass Peter ein vernünftiger Erwachsener wird und einige Orte ihrer Heimatstadt London gibt es nicht mehr. Aber was noch viel schlimmer ist: Außer ihr und ihrer Großmutter scheint es niemandem aufzufallen! Die einzige Hoffnung auf eine Erklärung ist die Karte, die der mysteriöse Mann in der Buchhandlung verloren hat: Eine Einladung zur Aufnahmeprüfung in die „Emerald Ink Society“. Kurzerhand beschließt Enna, an der Prüfung teilzunehmen, denn dieser geschichtenverändernden Frevlerbande muss das Handwerk gelegt werden!
Ich liebe Geschichten ebenso wie die Protagonistin, daher klang dieser (Hör-)Buchtitel für mich interessant. Aber leider muss ich sagen, dass mich diese spezielle Erzählung nicht überzeugen konnte. Da ich Geschichten nicht abbreche und auch wissen wollte, wie es letztendlich ausgeht, habe ich – zum Glück! – bis zum Schluss durchgehalten und war letztendlich etwas versöhnt, aber leider nicht überzeugt.
Das Figurenpersonal war mir – bis auf die Protagonistin – durchweg unsympathisch. Delia ist hochnäsig, Mel auf den ersten Blick als Bösewichtin zu entlarven und Ennas Großmutter hat mich ab dem ersten Satz einfach nur verwirrt. Ihre Buchzitate empfand ich als langatmig, überflüssig und irritierend. Was zumindest bis ca. zur Hälfte der Geschichte dazu führte, dass ich noch verwirrter war als die Protagonistin selbst. Die Intention der Emerald Ink Society, ihr Vorgehen und das Wirken der Magie erschloss sich mir zunächst überhaupt nicht – womit ich grundsätzlich kein Problem habe, aber die Korrelation der Inhaltsveränderung der Bücher und die Auswirkungen auf die reale Welt blieben mir unerklärlich. Und das empfand ich als hochgradig frustrierend nach einer gewissen Zeit, was meine Motivation, mich voll auf die Erzählung einzulassen, stark schmälert. Zudem haben mich das Maß an Missgunst, Neid und auch Größenwahnsinn abgeschreckt.
Die Auflösung des Rätsels über die Quelle der Magie hat mich mit der Geschichte etwas versöhnt, da ich dieser kreativen Idee bisher noch in keiner anderen Erzählung begegnet bin. Das Ende jedoch erscheint mir zu radikal. Aber da werden wir wohl abwarten müssen, was die nächsten zwei Bände bringen werden.
Nina Reithmeier hat interpretatorisch das Beste aus der Geschichte herausgeholt. Nur durch sie ist mir die Protagonistin als Sympathieträgerin im Ohr/Kopf geblieben.

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Veröffentlicht am 19.02.2023

Ausbaufähige, aber wunderschön illustrierte Gruselgeschichte

Die Polidoris und der Pakt mit der Finsternis (Bd. 1)
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Es trifft sie wie ein Schock: Die Eltern der Geschwister Roberta, Petronella und Pellegrino Polidori sind bei einer Expedition im Atlantik verschollen. Sie werden von nun an bei den Großeltern in Ostfriesland ...

Es trifft sie wie ein Schock: Die Eltern der Geschwister Roberta, Petronella und Pellegrino Polidori sind bei einer Expedition im Atlantik verschollen. Sie werden von nun an bei den Großeltern in Ostfriesland leben, in einem windschiefen Haus mit Zaun aus Walknochen. Doch das ist nicht das einzig Kuriose am „Polidorium“: Sie teilen ihr Heim mit Geistern, wandernden Wänden, einem Bestattungsinstitut im Keller und zwei gewöhnungsbedürftigen Großeltern. Und auch die neue Schule stellt die Geschwister vor Herausforderungen, denn sie sind sogleich als schräge Außenseiter verschrien. Sogar ihre Mitschüler wissen, dass im Polidorium nicht alles mit rechten Dingen vor sich geht. Doch die Polidoris sehen nur ihren Ehrgeiz geweckt und wollen den Geheimnissen auf den Grund gehen – denn davon gibt es in diesem kleinen ostfriesischen Dorf genug…
Das Positive zuerst: Dem Coppenrath Verlag ist illustratorisch wieder einmal ein Meisterwerk gelungen. Verena Wugeditsch versteht es hervorragend, die Atmosphäre und die Figuren grafisch einzufangen. Die reinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen sind ebenso geheimnisvoll und teilweise gruselig, wie das Polidorium selbst, und doch weisen sie eine Ausdrucksstärke auf, die mir persönlich die Figuren näher gebracht hat, als es der Text vermochte.
Womit ich leider auch schon zur Auflistung der Aspekte komme, die mich nachdenklich zurückgelassen haben:
Das Buch ist in drei Abschnitte eingeteilt: 1. Das Geheimnis um das Polidorium und seine Bewohner, 2. die Erlebnisse der Geschwister Polidori und 3. Marie-Hedwigs Geheimnis. Zwischen den Abschnitte vollzieht sich ein Zeitsprung, der für mich nicht nachvollziehbar ist und die Erzählung auf gewisse Weise unterbricht und die Kontinuität zerreißt. Denn es handelt sich nicht um abgeschlossene Sequenzen, sondern die Handlung vollzieht sich in mehreren parallelen Erzählsträngen über die Abschnittsgrenzen hinaus. Diese Fülle an einzelnen Geschichten fügt sich nur langsam zu einem großen roten Faden zusammen, erschwert wurde das Verständnis und das Verfolgen eben dieser einzelnen Stränge zudem durch die teilweise recht große Länge der Kapitel. Desweiteren taten sich Leerstellen auf, die mich sehr irritierten und wirklich auch störten: Warum wird nicht weiter nach den Eltern gesucht bzw. warum erfahren wir nicht mehr darüber? Ist es nicht normal, dass Kinder die Hoffnung nicht aufgeben und nachfragen? Fragt sich niemand, wohin Hein so manches Mal verschwindet? Warum er nie die Kleidung wechselt? Und wieso zum Klabautermann macht sich niemand, besonders nicht die Großeltern, Gedanken über den Aufenthaltsort von Hodder Morkel? Warum wird ein Gespräch Pellegrinos mit dem Neunauge kurz angedeutet, aber nicht weiter verfolgt? Stattdessen verblasst Pellegrino in der Erzählung bis kurz vor Ende zu einer Schattenfigur. Für mich erschien die Geschichte dadurch sehr unrund und ich verlor hin und wieder die Motivation, überhaupt weiterzulesen.
Die Figuren sind sehr individuell gestaltet, aber besonders Pellegrino, die Großeltern, aber auch Petronella blieben mir verschlossen, zu ihnen konnte ich keine Verbindung aufbauen, da mir ihre Emotionen zu fremd waren. Einzig Roberta konnte meine Sympathien gewinnen. Sie erscheint mir das Herz der Familie zu sein, ihr Verantwortungsbewusstsein und Tatendrang waren authentisch dargestellt.
Die häufigen Perspektivwechsel empfand ich als etwas anstrengend, was aber durchaus auch mit den Antipathien gegenüber den meisten Figuren zu erklären ist.
Ist es nur meine Perspektive als erwachsener Leser? Vielleicht. Dennoch finde ich, dass die Lektüre eher für ältere, unerschrockene Kinder ab ca. zehn Jahren geeignet ist. Einige Sequenzen sind recht gruselig, die Kapitel sind lang, sodass man einen langen Atem haben sollte, und die Thematik des Buches ist nichts für Zartbesaitete: Abschied, Verlust, Außenseitertum, Tod – für einige Kinder gibt es bei der Lektüre sicher Redebedarf. Bei recht sensiblen Kindern empfehle ich nur die gemeinsame Lektüre mit Eltern.

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