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Veröffentlicht am 19.02.2023

Das Martyrium der Frauen ist kaum auszuhalten

Als Großmutter im Regen tanzte
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Juni erbt das Haus ihrer Großmutter. Es liegt auf einer norwegischen Insel, die nur wenig besiedelt ist. Als ihr Mann mal wieder die Hand gegen sie erhebt, flieht sie vor ihm in dieses Haus. Ihre Mutter ...

Juni erbt das Haus ihrer Großmutter. Es liegt auf einer norwegischen Insel, die nur wenig besiedelt ist. Als ihr Mann mal wieder die Hand gegen sie erhebt, flieht sie vor ihm in dieses Haus. Ihre Mutter Lilla starb vor wenigen Wochen und sowohl sie als auch Großmutter Tekla trugen schwer an Geschehnissen aus der Vergangenheit. Als Juni sich damit beschäftigt merkt sie rasch, dass auch ihr Verhalten eng mit jenem von Tekla und Lilla verknüpft ist. Sie begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit.

Der zweite Weltkrieg war grausam und hat die Wertschätzung gegenüber Deutschen beeinflusst. Die war nämlich nicht mehr vorhanden. Junge Frauen, die sich in einen deutschen Soldaten verliebten, wurden als „Deutschenhure“ bezeichnet und selbst von der Familie gemieden. Das war auch in Norwegen der Fall und dieses Kapitel deutscher Geschichte greift die Autorin Trude Teige in
„Als Großmutter im Regen tanzte“ auf. Es dauerte eine Weile, bis ich in das Buch eintauchen konnte. Aber es nahm dann doch noch Fahrt auf und je länger ich las, desto erschütterter war ich. Denn, auch wenn es kein Tatsachenbericht ist, die Ereignisse sind mit Sicherheit nicht an den Haaren herbeigezogen.

Der Massenselbstmord von Demmin zum Beispiel ist Fakt und das Ereignis wurde dokumentiert. Wie schrecklich muss ein Erlebnis sein, wenn als Ausweg danach nur noch der Tod gesehen wird? Anschaulich berichtet die Autorin von den Qualen der Frauen. Aber auch den Bogen zum Leben Junis spannt sie sehr gekonnt. Zeigt er doch eindeutig, wie sich Traumata der Eltern und Großeltern auf das Leben ihrer Nachkommen auswirken. Es gibt so viele Gräueltaten während und nach dem Krieg, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen. Und ich danke jedem Autor, der sich auf Recherchereise begibt und alle Erkenntnisse in Buchform veröffentlicht. Klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 14.02.2023

Désirée, die wenig bekannte Schönheit

Désirée – Im Herzen der Revolution, im Herzen Napoleons
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Désirée Clary und ihre Schwester sind Töchter reicher Kaufleute aus Marseille. Sie werden in einem Kloster erzogen und führen ein langweiliges Leben. Bis sie in fliegender Hast ihr Heim verlassen müssen. ...

Désirée Clary und ihre Schwester sind Töchter reicher Kaufleute aus Marseille. Sie werden in einem Kloster erzogen und führen ein langweiliges Leben. Bis sie in fliegender Hast ihr Heim verlassen müssen. Sie sind in Gefahr. In Frankreich ist die Revolution ausgebrochen. Als dann auch noch ihr Bruder verhaftet und zum Tode verurteilt wird, ist Napoleon ihre letzte Rettung. Er hilft der Familie Clary und die junge Désirée verliebt sich in den selbstsicheren Korsen.

„Desirée Im Herzen der Revolution Im Herzen Napoleons“ beginnt beim Auszug aus dem Kloster und endet mit dem Tod der Hauptperson. Nicht nur eine mir bis dahin unbekannte Persönlichkeit lernte ich kennen. Auch Napoleon und sein unstetes Leben. Die Autorin entwickelte aus dokumentierten Fakten und dazu passenden fiktiven Erlebnissen, einen Roman, der mich nicht nur fesselte. Napoleon als Menschen zu erleben, der nicht nur kriegerisch unterwegs, sondern auch ein liebender Mann war, das hatte schon was.

Diese französische Revolution ist wohl an Grausamkeit nicht zu überbieten. Dabei hat das einfache Volk dadurch kaum etwas Positives bewirkt. Auch die Kaiserin Josephine war mehr als verschwenderisch und gab Geld mit vollen Händen aus. Aber in diesem Buch geht es um Désirée und deren Nachkommen, die in Europa eine tragende Rolle spiel(t)en.

Die Sprache ist anschaulich und der Glanz der Gemächer des Kaisers und seiner Frau gut dargestellt. Wie sich ein einfacher Junge zum Kaiser der Franzosen emporhob, das ist spannender zu lesen, als so mancher Krimi.

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Veröffentlicht am 12.02.2023

Faktenreich und spannend erzählt, sehr gut

Blüte der Zeit
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In den Niederlanden herrscht Gewalt, Tod und Not. Auch Max muss sehen, wie sein Vater ermordet und der Besitz seiner Eltern gestohlen wird. Nur knapp entkommen er, seine Mutter und sein kleiner Bruder ...

In den Niederlanden herrscht Gewalt, Tod und Not. Auch Max muss sehen, wie sein Vater ermordet und der Besitz seiner Eltern gestohlen wird. Nur knapp entkommen er, seine Mutter und sein kleiner Bruder den Häschern. Trotz aller Bemühungen sehen sie keinen anderen Ausweg, als nach Preußen zu fliehen. Dort möchten sie zunächst bei Verwandten wohnen und in Cölln-Berlin einen Neuanfang wagen. Das gestaltet sich aber viel schwieriger, als sie dachten. Der Hauptgrund für die Probleme, ist die Schwester der Mutter. Sie tritt den drei Geflüchteten mehr als skeptisch gegenüber. Sie ist so sehr von Hass erfüllt, dass sie die Not ihrer Verwandten nicht sieht.

Neben dem Leben von Max und seinen Lieben, beschreibt die Autorin ebenfalls den Werdegang Wilhelms III Prinz von Oranien. Als Waisenjunge hatte er es viele Jahr lang schwer. Nur sein starker Wille und sein Rückgrat erlaubten es ihm, später als König von England zu regieren. Aber auch die Unterstützung seiner Freunde halfen ihm, über die schwere Zeit hinwegzukommen.

Wie in allen Büchern von Sabine Weiß zeugt auch dieser Roman von einer umfangreichen Recherche. Sie besuchte nicht nur die Städte, welche in ihrem Werk vorkommen. Sie berichtet darüber und hat mit Sicherheit viel Literatur dazu gelesen. Für mich als Gärtner waren die ausführlichen Abhandlungen über die Gartenkunst damaliger Zeit äußerst spannend. Wie die ersten Orangerien entstanden und welche Überlegungen zum Züchten von Ananas nötig waren, das sind nur zwei Beispiele.

Faktenreich und sehr bildhaft geschrieben, so empfand ich „Blüte der Zeit“. Das hübsche Cover ist gekonnt gewählt und ein Eyecatcher. Die Leseempfehlung gebe ich ohne Abstriche.

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Veröffentlicht am 04.02.2023

Auf den Spuren Schindlers

Am Ende dunkler Tage
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Margarete alias Annegret hat es geschafft. Sie lebt auf dem Gut nahe Berlin und bisher entdeckte niemand ihre wahre Identität. Trotzdem lebt sie dauerhaft in Angst. Wie gut, dass es auch hier Menschen ...

Margarete alias Annegret hat es geschafft. Sie lebt auf dem Gut nahe Berlin und bisher entdeckte niemand ihre wahre Identität. Trotzdem lebt sie dauerhaft in Angst. Wie gut, dass es auch hier Menschen gibt, denen sie trauen kann. Ihr größter Wunsch ist, dass sie mit dem geerbten Vermögen vielen Ausgestoßenen helfen und vor dem sicheren Tod retten kann. Auch „Am Ende dunkler Tage“ hat mich sehr berührt.

Die Autorin schreibt im Anhang, dass das Buch „Schindlers Liste“ sie zum Schreiben dieses Romans veranlasste. Nicht nur ihre guten Einfälle für die Gefangenen und Arbeiter in der Waffenfabrik hat die Autorin nachvollziehbar und erschreckend realistisch beschrieben. Viele Male musste ich mit dem Lesen pausieren, zu hart waren die Ungerechtigkeiten und Gräueltaten an den Gefangenen.

Auch der zweite Band rund um Margarete unterhielt mich gut. Und nicht nur das. Zudem lernte ich noch eine Menge über Waffenfabriken und deren Arbeiter, die alle für den „Führer“ und seinen Krieg tätig waren. Das Wohl und Wehe von ihnen war den Vorgesetzten egal. Es kamen ja immer wieder neue Waggons mit „frischen Leuten“ heran. Wie sehr die Frauen litten, das ging mir besonders nahe. Klare Empfehlung, jedoch nichts für empfindliche Charaktere.

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Veröffentlicht am 24.01.2023

Faktenreicher Kriminalroman

Rondo Veneziano
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Adele liebt ihren Beruf. Die Zahnarztpraxis übernahm sie vor etlichen Jahren von ihrer Mutter. Die lebt bei ihr und hält sich mit ihren Nörgeleien nicht zurück. Jetzt nötigt sie Adele, dass sie dringend ...

Adele liebt ihren Beruf. Die Zahnarztpraxis übernahm sie vor etlichen Jahren von ihrer Mutter. Die lebt bei ihr und hält sich mit ihren Nörgeleien nicht zurück. Jetzt nötigt sie Adele, dass sie dringend nach Venedig reisen soll. Dort lebt nämlich Mutters beste Freundin Pauline. Nach anfänglichem Zögern reist Adele in die Lagunenstadt und trifft dort zwei ihrer Schulfreundinnen. Zuvor musste sie erfahren, dass Pauline einen tödlichen Unfall hatte. Stimmt das tatsächlich und was hat der ominöse Fremde damit zu tun?

Für mich ist es immer wieder ein besonderes Vergnügen, wenn ich nach wenigen Sätzen von der Story gefangen bin. „Rondo Veneziano“ ist so ein Buch. Langsamer Spannungsaufbau und der Bogen bleibt bis zum Schluss gut gespannt. Es gibt zwei Erzählstränge. Adele berichtet von den aktuellen Ereignissen und Pauline von ihrem Leben nach Vertreibung und Verlusten damals.

Besonders gut gefiel mir, dass der Völkermord an den Armeniern zur Sprache kommt. Der Hinweis auf das Buch „Die 40 Tage des Musa Dargh“ ist ebenfalls wichtig, da ohne dieses Werk von Franz Werfel kein Mensch darüber Bescheid wüsste. Die Erwähnung des Mechitaristenklosters führte mich ebenfalls tiefer hinein in die Geschichte der Armenier.

Neben der spannungsgeladenen Story rund um Pauline und den drei Freundinnen, ist das Buch ebenfalls ein Lehrstück. So viele historische Fakten sind hier verarbeitet und das wiederum ist Unterhaltung so recht nach meinem Geschmack.

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