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Veröffentlicht am 20.02.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Wer die Hölle kennt
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Vorab: Da es sich bei „Wer die Hölle kennt“ um den zweiten Band der „Alex Stern“-Reihe handelt, finden sich in der Rezension leichte Spoiler zu „Das neunte Haus“, dem ersten Band der Reihe.

Inhalt: Alex ...

Vorab: Da es sich bei „Wer die Hölle kennt“ um den zweiten Band der „Alex Stern“-Reihe handelt, finden sich in der Rezension leichte Spoiler zu „Das neunte Haus“, dem ersten Band der Reihe.

Inhalt: Alex und Dawes versuchen das Unmögliche: Sie wollen in die Hölle reisen, um ihren Freund Darlington zu retten, der dort seit einem Jahr festgehalten wird. Dafür müssen sie allerdings zunächst den Ort finden, von dem der Einstieg in die Hölle gelingen kann – was eines der bestgehütetsten Geheimnisse Yales ist. Doch damit nicht genug: Auf dem Campus geschehen Morde, bei deren Aufklärung Alex behilflich sein muss – und plötzlich nimmt auch noch ein unliebsamer Protagonist aus Alex‘ Vergangenheit Kontakt mit ihr auf…

Persönliche Meinung: „Wer die Hölle kennt“ ist ein (Urban)-Fantasyroman von Leigh Bardugo. Er schließt direkt an die Handlung des Vorgängerbandes „Das neunte Haus“ an, sodass es sinnvoll ist, die Reihe chronologisch zu lesen (Man kann den Roman auch ohne Kenntnis des Vorgängers lesen, da alle für das Verständnis nötigen Informationen genannt werden. Allerdings spoilert man sich für die Handlung des ersten Bandes stark). Erzählt wird der Roman bis auf einige wenige Kapitel aus der personalen Perspektive von Alex, die bei Lethe nun unfreiwillig die Rolle des Vergil einnehmen muss. Im Vergleich zum ersten Band ist die Handlung von „Wer die Hölle kennt“ stringenter und linearer. Es existieren weniger Nebenhandlungen (diese nehmen zudem einen kleineren Raum ein); der Fokus liegt auf der Rettung Darlingtons aus der Hölle. Dadurch ist „Wer die Hölle kennt“ zwar nicht so komplex wie „Das neunte Haus“, gleichzeitig aber auch nicht so verwirrend (Zu Beginn von „Das neunte Haus“ hatte ich permanent das Gefühl, nicht alles komplett zu verstehen, was die Lesefreude geschmälert hat. Dieses Gefühl kam bei „Wer die Hölle kennt“ nicht auf). Die Handlung von „Wer die Hölle kennt“ knüpft die offenen Fäden des Vorgängerbandes stimmig und ausgeklügelt weiter (Besonders die spezielle Rolle Darlingtons ist hier klasse). Auch wird sich verstärkt auf einzelne Figuren konzentriert, die bereits im ersten Band aufgetreten sind: Diese Figuren spielen nun eine größere Rolle, wodurch sie insgesamt lebendiger und facettenreicher wirken. Innerhalb der Handlung finden sich einige Krimielemente, viele Rätsel und mehrere Wendungen, sodass „Wer die Hölle kennt“ eine packende Lektüre ist. Das Ende des Romans ist zwar insgesamt nicht ganz so twistig und einschneidend wie das des ersten Bandes, aber trotzdem überraschend. Der Erzählstil von Leigh Bardugo lässt sich flüssig lesen und ist bildhaft sowie detailliert. Insgesamt ist „Wer die Hölle kennt“ eine gelungene und stimmige Fortsetzung von „Das neunte Haus“, die mir im Großen und Ganzen noch eine Spur besser als der erste Band gefallen hat.

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Veröffentlicht am 20.02.2023

Ein spannender Kurzkrimi für zwischendurch

Treibgut
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„Treibgut“ ist ein Kurzkrimi von Andrea Maria Schenkel (Lesezeit ca. 30 Minuten). Ermittelnder Protagonist des Krimis ist Johann Huther, der bereits in „Täuscher“ aufgetreten ist. Um der Handlung von „Treibgut“ ...

„Treibgut“ ist ein Kurzkrimi von Andrea Maria Schenkel (Lesezeit ca. 30 Minuten). Ermittelnder Protagonist des Krimis ist Johann Huther, der bereits in „Täuscher“ aufgetreten ist. Um der Handlung von „Treibgut“ folgen zu können, muss man „Täuscher“ allerdings nicht zwangsläufig zuvor gelesen haben, da der Kurzkrimi in sich abgeschlossen ist. Der Fall von „Treibgut“ dreht sich um den Fund einer Wasserleiche, deren Identität Huther aufzuklären sucht. Wie in Schenkels anderen Krimis wird auch hier eine interessante Erzähltechnik genutzt: die literarische Montage. So finden sich neben Abschnitten, die aus der Perspektive Huthers erzählt werden, u.a. Passagen eines Briefes und Zeitungsannoncen. Diese einzelnen Textteile ergeben puzzleartig ein Gesamtbild, das sich nach und nach offenbart. Insgesamt ist „Treibgut“ ein spannender Kurzkrimi für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 29.01.2023

Ein atmosphärischer Thriller

Der Schattenriss
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Inhalt: Bath, Mitte des 19. Jahrhunderts. Seitdem die Fotographie auf dem Vormarsch ist, sinkt die Nachfrage nach Scherenschnitten drastisch. Auch der Scherenschnitt-Künstlerin Agnes gelingt es kaum noch, ...

Inhalt: Bath, Mitte des 19. Jahrhunderts. Seitdem die Fotographie auf dem Vormarsch ist, sinkt die Nachfrage nach Scherenschnitten drastisch. Auch der Scherenschnitt-Künstlerin Agnes gelingt es kaum noch, sich selbst, ihre Mutter und ihren Neffen über Wasser zu halten. Die ohnehin schon maue Auftragslage wird noch weiter verschärft, als die Polizei plötzlich vor Agnes‘ Haustür steht: Ein Mann, von dem Agnes vor Kurzem noch einen Scherenschnitt gefertigt hatte, wurde ermordet. Als sich dies wiederholt, scheint klar zu sein, dass der Mörder es auch auf Agnes‘ Geschäft abgesehen hat. Da die Polizei mit ihren Ermittlungen ins Stocken gerät, wendet sich Agnes an Pearl, die als Geistermedium arbeitet. Gemeinsam versuchen die beiden, Kontakt mit den Geistern der ermordeten Kunden aufzunehmen – und so dem Mörder auf die Schliche zu kommen.

Persönliche Meinung: „Der Schattenriss“ ist ein Thriller von Laura Purcell, der im viktorianischen England spielt. Erzählt wird der Roman im Wechsel aus zwei (personalen) Perspektiven. Die erste Perspektive ist Agnes‘, die sich auf die Suche nach dem Mörder ihrer Kunden begibt. Daher finden sich in diesem Handlungsstrang auch verstärkt Krimielemente. Pearl, das junge Geistermedium, ist die zweite Perspektive des Thrillers. Im Mittelpunkt dieses Handlungsstrangs steht (zunächst) besonders das Leben Pearls als Medium, das stark von ihrer älteren Schwester bestimmt wird. Da in diesem Strang mehrfach Séancen abgehalten werden, finden sich hier vermehrt Mystery-Elemente. Die Handlung des Thrillers entfaltet sich eher langsam: Man lernt die Figuren kennen, erfährt mehr und mehr über ihre Beziehungen (hierbei gibt es übrigens einige wirklich überraschende Aufdeckungen) und in gewissen Abständen geschieht ein neuer Mord. Nach dem eher tempoarmen Beginn gewinnt die Handlung aber immer mehr an Spannung und Rätselhaftigkeit und endet letztlich mit einem kaum zu erahnenden Twist, der für den eher langsamen Einstieg entschädigt (zu dem Twist würde ich gerne mehr schreiben, aber das geht ohne zu spoilern natürlich nicht. Daher nur: Er ist wirklich toll gemacht – sowohl in Bezug auf Agnes als auch auf Pearl). Eine große Stärke des Thrillers ist seine Atmosphäre: Die Handlungsorte (das schäbig-düstere Bath, das ehemals stolze, jetzt aber abgelebte Haus von Agnes und das zerfallene Haus, in dem Pearl lebt) werden dicht beschrieben, besonders in der zweiten Hälfte des Romans kommt immer mal wieder eine leicht schaurige Stimmung auf und in Bezug auf die Mystery-Elemente weiß man bis zur Auflösung nie genau, ob sie „real“ sind oder doch nur in den Vorstellungen der Figuren existieren. Der Schreibstil von Laura Purcell ist detailliert (mit einem Hang zum Verschnörkelten), anschaulich und lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Der Schattenriss“ ein atmosphärischer Thriller, dessen Spannung bis zum fulminanten Ende stetig steigt.

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Veröffentlicht am 24.01.2023

Ein packender Thriller mit Sorgwirkung

Fake – Wer soll dir jetzt noch glauben?
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Inhalt: Eigentlich wollte Patrick Dostert mit seiner Frau Julia den freien Tag genießen. Doch gerade als er das Frühstück vorbereitet, klopft die Kriminalpolizei bei ihm an die Tür. Er wird beschuldigt, ...

Inhalt: Eigentlich wollte Patrick Dostert mit seiner Frau Julia den freien Tag genießen. Doch gerade als er das Frühstück vorbereitet, klopft die Kriminalpolizei bei ihm an die Tür. Er wird beschuldigt, für das Verschwinden einer Frau – deren Namen er noch nie gehört hat – verantwortlich zu sein. Ein schlechter Scherz, wie Patrick denkt. Doch nach und nach kommen immer neue belastende Beweise ans Licht, die eindeutig für die Schuld Patricks sprechen…

Persönliche Meinung: „Fake“ ist ein Psychothriller von Arno Strobel. Der Thriller teilt sich – grob gesagt – in zwei Teile ein. Im Folgenden gehe ich nur auf ersten Teil ein, da ein näheres Besprechen des zweiten Teils zu sehr das Ende des Thrillers spoilern würde. Interessant an dem Thriller sind seine Erzählperspektiven: Der Erzähler des Romans ist Patrick Dostert selbst, der seine Geschichte mit einem Laptop in der Untersuchungshaft niederschreibt (keine Sorge, das ist kein Spoiler. Dass Patrick wegen der Verdächtigungen in Untersuchungshaft sitzt, erklärt er unmittelbar zu Beginn der Handlung). Da ihm seine Geschichte wie ein Thriller vorkommt, spricht er während der Handlung hauptsächlich in dritter Person von sich, nutzt also die personale Perspektive. Hier wird in eindrücklicher Weise und fesselnd beschrieben, wie Patrick immer weiter in einen Mahlstrom gerät, aus dem es (fast) kein Entkommen gibt: Zwar kann er seine Unschuld glaubhaft erklären, doch findet die Polizei beständig weitere belastende Indizien, sodass man als Lesender nicht sicher sein kann, wem man glauben darf. Diese Handlung, in der Patrick von seinem Weg in die U-Haft erzählt, wird zwischendurch unterbrochen. In diesen Unterbrechungen tritt Patrick als Ich-Erzähler in Erscheinung, reflektiert die Zeit der Verdächtigung und berichtet von den gegenwärtigen Erlebnissen in der U-Haft. Dies alles wird in einer packenden wie anschaulichen Art und Weise erzählt, was „Fake“ insgesamt zu einem echten Pageturner macht (Als ich mit „Fake“ begann, wollte ich eigentlich nur mal eben reinlesen, bin dann aber hängengeblieben und habe es innerhalb eines Tages beendet). Mein einziger Kritikpunkt an „Fake“ ist sein Ende: Es ist zwar überraschend, aber für meinen Geschmack etwas zu konventionell (aber das ist wirklich nur ein kleiner Kritikpunkt. Ansonsten hat mich „Fake“ restlos in seinen Bann gezogen). Insgesamt ist „Fake“ ein fesselnder und spannender Psychothriller, der während des Lesens eine Sogwirkung erzeugt.

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Veröffentlicht am 23.01.2023

Ein informativer Klimathriller

Total Reset
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Inhalt: 2036. Der Welt droht der vollkommene Klimakollaps. Einzig Geo-Engineering, also das geplante technische Eingreifen in die klimatischen Prozesse der Erde, scheint noch erfolgversprechend zu sein. ...

Inhalt: 2036. Der Welt droht der vollkommene Klimakollaps. Einzig Geo-Engineering, also das geplante technische Eingreifen in die klimatischen Prozesse der Erde, scheint noch erfolgversprechend zu sein. Doch das Geo-Engineering ist umstritten – nicht nur in Bezug auf dessen Reichweite, Vorteile und Nachteile: Es entwickelt sich zu einem Politikum, das über die Vormacht im Staatensystem der Welt entscheidet. Eher zufällig erfahren die amerikanische Wissenschaftlerin Grace Anderson und der BND-Agent Luca Barbieri, dass sowohl die USA als auch Russland klimatische Eingriffe durchführen wollen – und zwar nahezu zeitgleich, was verheerende Folgen für das Weltklima hätte. Wird es den beiden gelingen, die Eingriffe zu stoppen, ehe es zu spät ist?

Persönliche Meinung: „Total Reset“ ist ein Klima-/Wissenschaftsthriller von Kerstin Doerenbruch. Im Mittelpunkt des Romans steht das Geo-Engineering, das aus verschiedenen Blickwinkeln auf informative Weise beleuchtet wird. So werden einerseits aus einer wissenschaftlichen Perspektive Chancen und Risiken der technischen Eingriffe in das Klimasystem diskutiert (auf einer globalen wie lokalen Ebene). Andererseits spielt auch das Ausnutzen des Geo-Engineerings von politischer Seite eine Rolle: So wird es in „Total Reset“ als Vehikel für politische Machtkämpfe genutzt – was nachteilige Konsequenzen mit sich führen kann. Erzählt wird „Total Reset“ aus verschiedenen (personalen) Perspektiven, sodass man unterschiedliche Sichtweisen zu dem Thema „Geo-Engineering“ kennenlernt. Die Hauptperspektiven bilden dabei Grace und Luca, die versuchen, die nahezu zeitgleichen klimatischen Eingriffe der USA und Russlands zu verhindern. Vor diesem Hintergrund erhält die Handlung von „Total Reset“ Elemente eines Polit-/Agententhrillers, die sich besonders in dem Erzählstrang von Luca finden. In einem Subplot spielt zudem eine Liebesgeschichte eine Rolle. Die Handlung von „Total Reset“ entwickelt sich behutsam; man erhält genug Zeit, das Thema „Geo-Engineering“ kennenzulernen. Spannung kommt im Laufe der Handlung besonders durch die Agententhriller-Elemente auf. Das Ende des Romans ist überraschend, wurde für mich allerdings etwas zu rasch erzählt. Der Schreibstil von Kerstin Doerenbruch lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Total Reset“ ein informativer Klimathriller mit einer spannenden Agententhriller-Handlung.

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