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Veröffentlicht am 20.02.2023

Auf dem Weg zur Straftat

Almost True Crime 1: Wer nicht liebt, muss sterben
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Die Autorin Ruth Stiller beschäftigt sich gerne mit der Frage, was zu einem Verbrechen geführt hat, es ist eine Art der Ursachenforschung. Sie schmückt Geschichten aus, die sie hinter den Tragödien vermutet, ...

Die Autorin Ruth Stiller beschäftigt sich gerne mit der Frage, was zu einem Verbrechen geführt hat, es ist eine Art der Ursachenforschung. Sie schmückt Geschichten aus, die sie hinter den Tragödien vermutet, die durch die Schlagzeilen gehen. Wie konnte es dazu kommen wo es doch andere Wege gegeben hätte? So authentisch das Geschehen von ihr geschildert wird, es ist fiktiv, daher finde ich den Übertitel: "Almost True Crime" nicht korrekt. Aufgrund dieser Bezeichnung ging ich von einem echten Verbrechen und korrekt ermittelten Vorgängen aus.

In "Wer nicht liebt, muss sterben" schreibt sie über Maja und Jessie, die soviel gemeinsam haben und doch aus ganz unterschiedlichen Welten kommen. Maja kommt aus gut situierten Verhältnissen, ist eine gute Schülerin und wäre am liebsten unsichtbar. Ihre beste Freundin ist umgezogen und sie fühlt sich allein. Sie muss sich oft um die kranke Mutter kümmern, der Vater erwartet Leistung und Mitarbeit. Jessie lebt mit Vater und Schwester in einem verfallen Wohnwagen, es fehlt hinten und vorne an allem was man zum Leben braucht, sogar an fließendem Wasser. Sie übernimmt Verantwortung für die Schwester und möchte über das Abitur den Absprung in ein besseres Leben schaffen.

"Und dann kam Maja. Mit ihrer abgöttischen Zuneigung, die sie für Liebe hielt. Die hatte das in ihrem eisigen Elternhaus genauso wenig gelernt wie Jessie."

Die Mädchen lernen sich nach den Sommerferien in der neuen Klasse kennen und mögen sich aufgrund ihrer Gemeinsamkeiten, die sie schnell entdecken. Maja verändert sich daraufhin sehr drastisch. Die Liebesbeziehung der Beiden verläuft problematisch. In dem Verlangen, zu helfen und einen großen Gefallen zu erweisen, werden Grenzen überschritten und Gefühle verletzt.

Beide Mädchen haben emotional große Probleme, sie können Vieles nicht richtig einschätzen und reagieren schnell über. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Gefühle der Mädchen einzufangen und zu verdeutlichen. Sie schreibt abwechselnd aus Majas und Jessies Sicht, so sieht man als Leser das Unheil aufziehen, möchte die Mädchen packen und schütteln und kann doch nur zusehen, wie sie auf den Untergang zulaufen. Der Schreibstil ist flüssig und führt einen zügig durch die Geschichte. Es ist spannend und bedrückend zu lesen, wie die Menschen hier miteinander umgehen, denn es gehören ja immer mehrere zu so einer drastischen Entwicklung. Sympathisch war mir hier niemand, aber das ist nicht notwendig. Die Autorin zeigt sehr klar auf, wie es zu der Tat kam, mit der das Buch endet und zeigt desolate Verhältnisse sowohl im wohlhabenden als auch im armen Elternhaus auf. Es hätte Möglichkeiten gegeben einen anderen Weg einzuschlagen, aber es ist nicht so gekommen.

Ein Buch das nachdenklich stimmt, weil es schonungslos das Versagen auf mehreren Ebenen aufzeigt und das gleichzeitig große Bedrückung auslöst, weil es so realistisch ist. Es hätte eben genau so sein können, wie Ruth Stiller es hier beschreibt.

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Veröffentlicht am 20.02.2023

Ideensammlung rund um Garten, Ernten, Kochen

Homefarming: Das Kochbuch
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Judith Rakers hat hier den Folgeband zu ihrem Homefarming Selbstversorger-Ratgeber vorgelegt. Hier finden sich viele Tipps rund um Anbau und Ernte im eigenen Garten geordnet nach Monaten bzw. Jahreszeit ...

Judith Rakers hat hier den Folgeband zu ihrem Homefarming Selbstversorger-Ratgeber vorgelegt. Hier finden sich viele Tipps rund um Anbau und Ernte im eigenen Garten geordnet nach Monaten bzw. Jahreszeit und rund 100 dazu passende Rezepte. Der Bildband ist sehr schön gestaltet, das Anschauen macht Spaß. Die Fotos sind sehr gelungen und machen Lust aufs nachmachen bzw. nachkochen. Die Autorin hat ihre Farm, ihre Tiere, sich selbst und ihre Gäste: Ralf Haug, Marion Putensen, Alexander Herrmann und Marianus von Hörsten perfekt und ausführlich in Szene gesetzt. So kann man auch allerlei Geplauder und Privates neben den Tipps und Rezepten erfahren. Es handelt sich hier um einen netten Genremix der zu unterhalten weiß.
Mich hatten vor allem die Rezepte zur Anschaffung des Buches gereizt. Vieles ist altbekannt und wurde hier nochmals neu aufgepimpt, es finden sich Smoothies und Aperitifvorschläge ebenso wie Vorspeisen, Salate, Kleinigkeiten, Hauptgerichte und Desserts. Alles bunt gemischt und dem Jahreszyklus untergeordnet.

Einige Anregungen nehme ich gerne in mein Repertoire auf: z.B. den Bratapfel a la Judith, der so ganz anders ist als der leckere von Oma. Der Auberginenauflauf und die Schwarzwurzelsticks sind bei uns gut angekommen. Den Rest erkochen wir uns nach und nach im Jahreslauf.

Fazit: kein klassisches Kochbuch, sondern eine schöne Ideensammlung rund um Garten, Ernten und Kochen, die durch das Jahr führt. Vermutlich eher für Anfänger in Sachen Garten als für alte Hasen.

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Veröffentlicht am 31.01.2023

neue Krimireihe aus der Rhön

Totes Moor (Janosch Janssen ermittelt 1)
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Der Junge Kommissar Janosch Janssen ist in seinen Heimatort in der Rhön zurückgekehrt, er möchte seine Mutter, die an Angststörungen leidet, unterstützen. Vor neun Jahren hat er den Ort verlassen, nachdem ...

Der Junge Kommissar Janosch Janssen ist in seinen Heimatort in der Rhön zurückgekehrt, er möchte seine Mutter, die an Angststörungen leidet, unterstützen. Vor neun Jahren hat er den Ort verlassen, nachdem die extravertierte Matilda, für die er schwärmte, verschwunden ist. Sein Vater wurde als ihr Mörder verdächtigt und nahm sich in Folge der Verhöre das Leben. Er hat sich noch nicht wieder dort eingelebt, als Matildas Leiche im Moor gefunden wird. Jemand hat mit Poolstrahlern auf sie aufmerksam gemacht. Janosch möchte seinen Vater rehabilitieren, dabei will er sich nicht aufhalten lassen. Die Kriminaloberrätin Diana Quester, die damals für die Ermittlungen und Verhöre verantwortlich war, übernimmt erneut das Zepter. Um Janosch und seine Aktionen besser kontrollieren zu können, holt sie ihn ins Ermittlungsteam.
Der Autor hat eine eingängige leichte Erzählweise, die einen zügig durch das Buch gleiten lässt. Die zeitliche Perspektive wechselt zwischen den Vorgängen vor neun Jahren und heute. Der Spannungsbogen ist nicht immer oben, aber die Neugier auf die Auflösung bleibt stets vorhanden.
Das sich eine Führungsbeamtin völlig in der Basisarbeit aufreibt, weil sie mit dem Ausgang eines alten Falls noch immer hadert, ist eher unrealistisch. Auch die starke Einbindung von Janosch in den Fall unter ihrer direkten Leitung ist eher unüblich. Im Laufe der Ermittlungsarbeiten kommen immer mehr Geheimnisse ans Licht und man fragt sich, wie das vor neun Jahren insgesamt unter der Decke bleiben konnte. Viele der Dorfbewohner scheinen auf die eine oder andere Art involviert zu sein. Der wahre Morast lauert hier nicht im Moor. Das Ende war mit dem geschilderten Alleingang und der Verwicklung eines anderen Falles etwas dick aufgetragen, aber unterhaltsam und logisch dargestellt. Den Protagonisten konnte man noch nicht so nahe kommen, das wird vermutlich die Fortsetzung mit sich bringen. Bei Teil 2 würde ich wieder zugreifen. Insgesamt ein gut angelegter Krimi.

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Veröffentlicht am 24.01.2023

gut umsetzbare vegane Rezepte

Deliciously Ella – How To Go Plant-Based
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Ella Mills hat ein neues Kochbuch herausgebracht. Ähnlich zu den Vorgängern, gibt es eine ausführliche Einleitung mit umfangreichen Informationen und Antworten zu den gängigen Fragen, die sich häufig bei ...

Ella Mills hat ein neues Kochbuch herausgebracht. Ähnlich zu den Vorgängern, gibt es eine ausführliche Einleitung mit umfangreichen Informationen und Antworten zu den gängigen Fragen, die sich häufig bei dieser Ernährungsform oder einer geplanten Umstellung ergeben. Danach gibt es 100 Rezepte: für jede Tageszeit etwas, außerdem Lieblingsgerichte, Süßes und Gemixtes.

Mich hat hauptsächlich der Rezeptteil interessiert. In der Einleitung wiederholt sich einiges aus den älteren Deliciously-Ella Büchern und ich habe hier nur selektiv die Informationen nochmal nachgelesen, die mich interessierten.

Die Rezepte sind i.d.R. für 4 Personen, auf Zeit und Nährwertangaben wurde verzichtet, dafür gibt es ab und an Tipps, wie man das Rezept kindgerecht abändern kann. Meist ist es ein Rezept pro Doppelseite, auf einer Seite findet sich ein ansprechendes Foto, auf der anderen der Titel, die Zutatenliste und die Arbeitsschritte mit Beschreibung. Die Anweisungen sind verständlich und nachvollziehbar beschrieben, die meisten Zutaten sind gut erhältlich und es wird ab und an auch auf Konserven oder TK zurückgegriffen, um die Zubereitung zu vereinfachen. Aufgrund dieser Punkte eignet sich das Buch meiner Meinung nach gut für Einsteiger in diese Welt.

Die Rezepte, die wir ausprobiert haben, sind gut gelungen und haben uns geschmeckt. Mir hat die Vielseitigkeit der Rezepte gefallen. Ein Kochbuch dass uns sicher noch lange begleiten wird.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Wert der Bildung

Befreit
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Tara Westover beschreibt in "Befreit - Wie Bildung mir die Welt erschloss" ihre eigene Lebensgeschichte. Sie wurde 1986 in Idaho, USA als siebtes und jüngstes Kind einer Mormonenfamilie geboren. Die Kinder ...

Tara Westover beschreibt in "Befreit - Wie Bildung mir die Welt erschloss" ihre eigene Lebensgeschichte. Sie wurde 1986 in Idaho, USA als siebtes und jüngstes Kind einer Mormonenfamilie geboren. Die Kinder mussten auf dem Schrottplatz des Vaters mitarbeiten und zum Familienunterhalt beitragen. Die Kinder waren nicht registriert, hatten keine Geburtsurkunden und gingen nicht zur Schule. Der Vater misstraute allen Institutionen, allen voran dem Staat, zudem war er vom baldigen Ende der Welt überzeugt. Die Mutter arbeitete illegal als Hebamme. Sehr anschaulich erzählt die Autorin über ihre harte Kindheit, mit für uns unglaublichen Erlebnissen. Erst als sie fast erwachsen ist gelingt es ihr sich von der Familie und deren Anschauungen zu lösen. Sie geht zur Schule und kann einige Jahre später auf eine akademische Laufbahn zurückblicken. Laut Klappentext hat sie einen schmerzhaften Abnabelungsprozess hinter sich. Die letzten Kapitel des Buches haben einen sachlicheren Erzählton als die Ersten, dennoch lassen sie sich ebenso gut lesen, wie der Anfang. Ich denke nicht, dass es Tara Westover bereits gelungen ist, sich von der Familie abzunabeln, da liegt wohl noch einiges vor ihr. Verständlich, so schwierig Familie sein mag, eine Entwurzelung ist es auch.
Das Wissen Macht bedeutet, zeigt diese Geschichte sehr anschaulich, auch was es für die Beeinflussten und unwissenden Gehaltenen bedeutet. Die Anschauungen des Vaters waren wie Gesetze für die Familie. "Dad war immer ein harter Mann gewesen - einer, der bei jedem Thema die Wahrheit kannte und sich für das, was andere zu sagen hatten nicht interessierte. Wir hörten ihm zu, nie umgekehrt: Wenn er einmal nicht redete, brauchte er Stille." (Seite 308)
Bildung hat auch sehr viel mit "Persönlichkeitsbildung" zu tun, mit dem reflektierten Verhältnis zu sich selbst. Die Bildungsdebatte in Deutschland geht mit Begriffen wie "soziale Abgrenzung", "politische Ziele", "Mündigkeit" und "Bildungsmisere" einher. Jedem, der sich an dem Thema aufreibt, kann man dieses Buch ans Herz legen. Es ist möglich gegen Ressentiments Bildung zu erlangen, es ist möglich Grenzen zu überwinden. Es sollte Einzelnen nicht so schwer gemacht werden wie Tara, andererseits sollte man auch nicht leichtfertig auf Bildung verzichten, die sich einem bietet. Bildung zu erlangen ist auch ein Privileg, hierzulande wird dies gelegentlich zu wenig wertgeschätzt.
Das Buch kann ich sehr empfehlen. Die 440 Seiten lesen sich gut, die Unterteilung in 40 Kapitel unterstützt den Lesefluss. Der Stoff gibt reichlich Anreiz zum Nachdenken, das Thema begleitet einen auch nach Abschluss der Lektüre weiter. Das Cover passt sehr gut zum Inhalt und zum Thema.

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