Profilbild von LizzyCurse

LizzyCurse

Lesejury Star
offline

LizzyCurse ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LizzyCurse über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ausflug in ein neues Genre

Urs Meier
0

Schiedsrichter stehen auf der anderen Seite des Balles. Und, was uns so manchmal gar nicht richtig bewusst ist, haben einen harten, manchmal undankbaren Job. Im Fußball kann eine Entscheidung von ihnen ...

Schiedsrichter stehen auf der anderen Seite des Balles. Und, was uns so manchmal gar nicht richtig bewusst ist, haben einen harten, manchmal undankbaren Job. Im Fußball kann eine Entscheidung von ihnen den Hass von tausenden auslösen oder den frenetischen Jubel der gegnerischen Fans. Urs Meier schildert nicht nur anschaulich seine Biographie, sondern erklärt auch, warum der Fußball eine Blaupause für so viele Bereiche des Lebens sein kann.

Ehrlich? Ich war recht skeptisch vor der Lektüre dieses Buch. Ein Sachbuch ist weder mein bevorzugtes Genre, noch kenne ich mich in Schiedsrichterfragen sonderlich gut aus. Doch das Buch wirft spannende Fragen auf, und so entschloss ich mich dazu, diesem Buch eine Chance zu geben. Ganz abseits meines üblichen Jagdgebietes.
Der Einstieg überraschte mich. Meiers Abhandlung ist zunächst ein Gastkommentar von Jürgen Klopp vorangestellt. Im Nachhinein finde ich, dass die Gastekommentare gut gewählt und platziert sind. Sie ermöglichen sie Außensicht auf den Menschen, der sich hier zum größten Teil selbst schildert. Find ich ziemlich gut.
Mit lockeren Worten führt Urs Meier in seine Biographie ein und behält eigentlich das ganze Buch über den lockeren Stil bei, was dem Buch sehr gut tut. So führt er durch die Seiten, ohne das der Leser das Gefühl bekommt, ihm wird ein staubiger Vortrag gehalten. Schließlich soll das kein Schulbuch sein. Urs Meier schildert seinen Werdegang als Schiedsrichter vom kleinen Schiri, der Lokale Spiele pfeift bis hin zur internationalen Bühne. Hierbei wirft er immer wieder auch allgemeine kritische Fragen auf, die er geschickt in biographische Details und Erlebnisse verpackt. Zum Beispiel, der Grund dafür, dass es im Profifußball keine Profischiedsrichter gibt, wo doch in allen anderen Bereichen des Fußballs ständig modernisiert und verbessert wird. Für mich hat es sich eigentlich gelesen, wie ein Plädoyer für die Ausbildung und Anerkennung des Schiedsrichterberufs. Immer wieder klang dieses kritisch betrachtete Thema im Buch an und zog sich wie ein roter Faden durch das Buch.
Ich erhielt durch „Mein Leben auf Ballhöhe“ einen subjektiven Einblick in ein Themenfeld, über dass ich zuvor so viel wusste wie eine Banane über die Antarktis, und ich muss zugeben, ich habe den Ausflug in neue Gefilde definitiv nicht bereut. Urs Meier legt mit diesem Buch ein gleichsam unterhaltsames wie auch informatives Werk vor, dass mich zwar nicht auf ganzer Linie begeistern kann, aber in vielen Punkten zu überzeugen weiß. Insbesondere die kritische Sicht auf die Rolle des Schiedsrichters im europäischen Profifußball hat dafür gesorgt, dass ich in Zukunft, den Mann der pfeift und Karten verteilt aus einer anderen Perspektive sehen werde.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schöner Einstieg

Das Geheimnis des Nebels
0

Ein geheimnisvoller Nebel zieht auf in dem kleinen Wald. Diana befindet sich gerade auf dem Nachhauseweg, als plötzlich auf der kleinen Waldlichtung, die sie schon seit Kindertagen kennt, eine geheimnisvolle ...

Ein geheimnisvoller Nebel zieht auf in dem kleinen Wald. Diana befindet sich gerade auf dem Nachhauseweg, als plötzlich auf der kleinen Waldlichtung, die sie schon seit Kindertagen kennt, eine geheimnisvolle Gestalt aus dem Nebel auftaucht. Diana traut ihren Augen nicht, sieht sie doch einen leibhaftigen Drachen vor sich, der gleich darauf wieder im Nebel verschwindet.
Hat diese Erscheinung irgendetwas mit dem neuen Schüler zu tun, der am nächsten Tag in der Schule erscheint? Oder war es nur eine Ausgeburt ihrer Fantasie? Vielleicht bringt die Klassenfahrt ja neue Erkenntnisse?

Mit „Das Geheimnis des Nebels“ hat Pia Hepke es wahrlich geschafft mich in ihren Bann zu ziehen. Die Geschichte um Diana und Adrian sprüht vor Einfallsreichtum und Fantasie und wird prächtig illuminiert durch Pias wunderschöne, detailreiche Worte, die sie mit der gerade herrschenden Situation verwebt, ganz gleich ob die Sätze nun düster und traurig, nachdenklich, oder sarkastisch und witzig stimmen sollen. Sie schafft es die verschiedenen Stimmungen wunderbar in Worte zu verpacken und jedenfalls ich hatte die magische Lichtung, den glitzernden See oder das Maleratelier immer vor Augen, was mir an einem Buch sehr wichtig ist.

Auch die Charaktere sind mir rasch ans Herz gewachsen. Diana mit ihrer verträumten Art, Adrian mit seiner abwehrenden Haltung und der immer fröhlich erscheinende Jason, der so viel mehr verbirgt als ein bloßes Lächeln. Die verschiedenen Facetten der Charaktere kommen sehr gut zur Geltung, sie erscheinen nicht flach oder klischeehaft, und ich bin sehr neugierig wie sich die Beziehungen zwischen ihnen in den nächsten Bänden weiter entwickeln werden.

Natürlich kommt auch die junge Liebe in dem Buch nicht zu kurz, aber sie wirkt nicht so dominant, dass es mich gestört hätte.

Das einzige, was mir bisweilen negativ aufgefallen ist, war, dass Pia sich so manches Mal in ihren Beschreibungen zu verlieren droht. In ihrer Liebe zum Detailreichtum wirken ihre Beschreibungen so manches Mal ein wenig überladen. Einiges könnte sie auch der Fantasie der Leser überlassen.

Insgesamt konnte mich dieses Buch verzaubern. Ich habe jede Stunde, in der ich an Dianas Seite ihre Welt erkunden konnte, genossen. Trotz allem vergebe ich nur vier Sterne, da ich denke, dass Pia aus der Basis dieser fantastischen Liebesgeschichte in den nächsten Bänden noch viel mehr herausholen kann. Und darauf bin ich wirklich sehr gespannt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Solider Einstieg

Die dunklen Gassen des Himmels
0

Bobby Dollar ist Anwalt, Anwalt im Auftrag des Himmels. San Judas, USA, ist sein Arbeitsplatz. Er verteidigt Kürzlich Verstorbene und schützt sie vor den Anwälten der Hölle und kämpft - auf juristischer ...

Bobby Dollar ist Anwalt, Anwalt im Auftrag des Himmels. San Judas, USA, ist sein Arbeitsplatz. Er verteidigt Kürzlich Verstorbene und schützt sie vor den Anwälten der Hölle und kämpft - auf juristischer Art - um ihre Seelen.
Doch eines Tages verschwindet eine Seele spurlos. Sowohl Himmel als auch Hölle befinden sich in höchster Alarmbereitschaft. Zu allem Überfluss wird Bobby auch noch von düsteren Ungeheuern gejagt. Wohl oder übel muss er um seines eigenen Lebens Willen herausfinden wer hinter dem Verschwinden der Seele steckt.

Den tiefen Sarkasmus, der sich durch das gesamte Buch zieht, bemerkt man schon auf den ersten Seiten. Bobby Dollars Leben ist nicht einfach, erklärt er uns. Und dann bricht ein furioses Feuerwerk über uns hinein, wir werden direkt in die Geschichte gestoßen und finden uns in einem actiongeladenen Kampf gegen die Bewohner der Hölle wieder. Dann im spannendsten Moment - bricht der Autor ab - und rollt die Geschichte von hinten auf. Eine kluge Art den Leser, der praktisch über der Klippe baumelt, Feuer und Flamme für den weiteren Roman zu machen.

Man merkt allein am Schreibstil, dass man es mit einem Altmeister zu tun hat. Jedes Wort scheint mit - urbaner - Bedacht gewählt zu sein, obgleich er sich manchmal in weit ausschweifenden Beschreibungen zu verlieren droht.

San Judas, die Stadt, in der die Geschichte spielt, die Bar in der er des Öfteren logiert sowie einige andere Orte gewinnen dadurch jedoch auch für den Leser an Struktur und Plastizität.

Der Charakter des Bobby Dollar, obgleich die Geschichte aus der Ich - Perspektive erzählt wird und der Leser das gefühlt hat wirklich an Bs Gedanken Teil zu haben, entwickelt sich langsam im Verlauf des Romanes. Auch die Nebencharaktere kommen nicht zu kurz.
Die Geschichte und vor allen Dingen die Ideen des Autors, von denen ich jetzt nicht zu viel verraten möchte, vermochten es, mich zu beeindrucken und zu fesseln.

Alles in allem stellt mit "Die dunklen Gassen des Himmels" Tad Williams ein tolles erstes Urban - Fantasy Werk vor, welches durch plastische Beschreibungen den Leser direkt nach San Judas versetzt. Der einzige Wermutstropfen war jedoch, dass sich der Autor so manches mal in ihnen verloren hat. 100 Seiten weniger hätten dem Roman sicher nicht geschadet. Ich bin trotzdem auf den nächsten Band gespannt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Guter Krimi

Locked in
0

Alex hangelt sich von einem Freelancer-Job zum nächsten und versucht, ihre Alkoholsucht zu bändigen, als sie bei Recherchen auf den Fall von Amy stößt. Amy wurde schwer misshandelt und liegt seit dem im ...

Alex hangelt sich von einem Freelancer-Job zum nächsten und versucht, ihre Alkoholsucht zu bändigen, als sie bei Recherchen auf den Fall von Amy stößt. Amy wurde schwer misshandelt und liegt seit dem im Wachkoma. Der Täter wurde nie gefasst. Alex beginnt zu ermitteln und die Hinweise verdichten sich.

Zuerst einmal wusste ich nicht, dass ich so einen Pageturner in meinen Händen halte. Wahrlich, es ist ein Pageturner. Ich sah nach einer Weile auf, und wunderte mich, dass ich schon die Hälfte des Buch verschlungen hatte, ohne das ich gemerkt hätte, dass sonderlich viel Zeit vergangen war. Das Buch konnte fesseln!
Woran lag es aber nun?
Zunächst einmal an der lockeren Schreibweise, in die trotz allem Recherchearbeit gesteckt wurde. Das spürt man! Holly Seddon schreibt spannend, jedoch ohne große Schnörkel. Sie trifft die Charaktere einfach auf den Punkt, und schlägt sich in der Lesegeschwindigkeit nieder. Ich hatte bisweilen das Gefühl, selbst an Alex’ Recherchen teilzuhaben oder Jakes Geheimnis zu teilen. Zudem spornten mich die kurzen Kapitel dazu an, einfach noch ein oder zwei Kapitel mehr zu lesen.
Der Roman wurde aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben. Alex’ Point of View merkte man die Verbissenheit an, während man bei Jake die Schuldgefühle spürte. Auch Amys Sichtweise war für mich sehr interessant zu lesen. Im Endeffekt empfand ich den Roman vom Stil her als sehr abwechslungsreich geschrieben, was nicht wenig zu meiner Lesefreude beitrug.
Der Kriminalfall, der in die Geschichte eingebettet ist, strotzt jetzt nicht vor falschen Spuren oder gefährlichen Situationen. Ich hatte schon ab etwa der Hälfte des Buches meinen Verdacht auf jemanden gelenkt, der sich letztendlich auch als Täter entpuppte. Warum las ich das Buch dennoch mit Spannung? Nun, für meinen Geschmack überwog weder die persönliche Geschichte der Protagonisten noch der Kriminalfall. Zudem wurde kein Infodumping betrieben. Es hielt sich in der Wage, und das finde ich nicht oft in der Kriminalliteratur. Deshalb hat mir das Buch letztendlich auch gut gefallen.

Deshalb vergebe ich für einen soliden Krimi mit glaubwürdigen Protagonisten 4 Sterne. Ich bin gespannt auf das nächste Werk aus Holly Seddons Feder!

Veröffentlicht am 24.04.2025

Jeder Schurke braucht einen Helden

Thousand Autumns. Buch 1
0

Jeder Schurke braucht einen Helden.

Tja, was soll ich sagen - ich war neugierig auf das chinesische Light Novel von einer sehr populären Autorin im asiatischen Raum. Es ist übrigens einer der ersten ...

Jeder Schurke braucht einen Helden.

Tja, was soll ich sagen - ich war neugierig auf das chinesische Light Novel von einer sehr populären Autorin im asiatischen Raum. Es ist übrigens einer der ersten Light Novels, die im Programm eines Publikumsverlags erscheinen, der keine Mangasparte hat.

Es hat mich stark an „Tiger & Dragon“ erinnert, dem Drama, das Anfang der 2000er aus dem asiatischen Raum zu uns hinüber schwappte. Sowohl die Kampfkunst als auch die Dialoge. Ich mochte den Film damals.

Die Hauptfiguren sind beide sehr starke Charaktere, aber auf denkbar gegensätzliche Weise. Shen Qiao ist der Anführer einer Kampfkunstschule, er hat ein reines Herz. Doch sein Leben ändert sich, als er nach einem Kampf nur schwer verletzt überlebt und all seine erworbene Stärke verliert. Yan Wushi findet ihn - und nimmt ihn mit an die Huanyue-Schule, doch nicht etwa mit der ehrenvollen Absichten. Er will ihn gesund pflegen - und sein reines Herz verderben. Shen hat zu allem Überfluss sein Gedächtnis verloren und Yan gibt sich als sein Meister aus …

Aber halt, ganz so einfach ist es nicht. Es entwickelt sich trotz der angekündigten BoysLove Prämisse zunächst in eine andere Richtung. Schon nach wenigen Dutzend Seiten sucht sich Shen allein seinen Weg durch das altertümliche China auf der Suche nach alter Stärke. So manches mal werden ihm auch Wegbegleiter oder Gegner zur Seite gestellt.

Meng Xi Shi webt sehr viel historischen Input mit ein - interessant, keine Frage! Aber wenn ihr mich jetzt nach Details fragen würdet, ich würde nichts mehr wissen. Es war faszinierend, so viel über die Geschichte Chinas zu erfahren. Doch ohne tiefere Vorkenntnis bleibt nicht allzu viel haften. Ich kann mir aber vorstellen, dass der geschichtliche Inhalt - so aufgearbeitet - im asiatischen Raum Erfolge feiert. Für mich war er einfach zu dicht.

Der Schreibstil hat dafür gesorgt, dass ich schnell im Buch voran kam. Einfach, flüssig und manchmal sarkastisch. Insbesondere die Dialoge zwischen Shen und Yan fand ich sehr amüsant. Die beiden waren wie Feuer und Wasser, die aufeinander prallen. Auch die Beschreibungen von Landschaft und Städten sorgten bei mir für Kopfkino. Andererseits war ich immer nur der Beobachter von der Seitenlinie aus. Die tiefgehende Auseinandersetzung mit der Handlung hat mir gefehlt. Warum ist Wushi beispielsweise so wie er ist? Solche Sachen haben mich einfach nicht erreicht.

Der erste Band ist prachtvoll aufgemacht. Ich war hin und weg. Artwork im Mangastyle, eine farbige Karte. Ein Namenverzeichnis, ein Glossar, ein Grußwort der Autorin, Anmerkung der Übersetzerin, Fußnoten im Fließtext, wo der westliche Leser darüber stolpern könnte - kurzum: Der Verlag hat wirklich alles getan, um uns den Einstieg ins Buch so einfach wie möglich zu machen!

Fazit? Es gibt viele Aspekte, die ich wirklich gut fand. Insbesondere das Magiesystem hat mich begeistert, weil ich es aus vielen Animeserien wiedererkannt habe. Doch richtig begeistern konnte mich „Thousand Autums“ nicht. Der letzte Funke hat für mich gefehlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere