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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2023

Friseurhandwerk und Inselleben – Gelungene Zeitreise, voller historischer Details

Goldene Zeiten im Inselsalon
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„Goldene Zeiten im Inselsalon“ von Sylvia Lott ist bereits der dritte Band ihrer Norderney-Saga. Die Bänden bauen zwar aufeinander auf, das Buch kann aber auch ohne Vorwissen gelesen werden. Ich selbst ...

„Goldene Zeiten im Inselsalon“ von Sylvia Lott ist bereits der dritte Band ihrer Norderney-Saga. Die Bänden bauen zwar aufeinander auf, das Buch kann aber auch ohne Vorwissen gelesen werden. Ich selbst habe mich als Neueinsteigerin gut zurechtgefunden, was auch daran liegt das die Autorin eindrückliche Personenporträts voranstellt und zu Beginn zunächst wiederholt was bisher passiert ist. So konnte ich ohne Probleme in die eindrückliche Familien-Erzählung eintauchen. Die Handlung nimmt vordergründig Großmutter Jakomina, Mutter Frieda und Tochter Lissy in den Fokus, alle drei Friseurinnen. Über mehrere Jahre hinweg lässt die Autorin uns abwechselnd an den doch auch unterschiedlichen Lebensgeschichten teilhaben und wechselt dabei immer wieder die Perspektive. Ausführlich wird das Alltagsleben aber auch manche Besonderheit der damaligen Zeit beschrieben. Dabei hat der Schreibstil finde ich stets eine etwas distanzierte Note, stellenweise mutet das Ganze fast wie ein Spielfilm an. Durch die Ausschmückungen las sich das Buch für mich hier und da etwas umständlich, mein Lesetempo war dadurch eher gemächlich. Trotzdem hat die Geschichte durchaus ihren Reiz. Gerade die historischen Details sind ausgezeichnet recherchiert und vermitteln ein gelungenes Bild vom damaligen Alltagsleben. Aber auch regionale Besonderheiten der Insel Norderney sind gelungen heraus gearbeitet und geben dem Ganzen eine individuelle Note. Alles in allem war der Roman eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Lektüre, für welche ich gute 4 Sternen vergeben mag.

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Veröffentlicht am 06.03.2023

Ein wahrhafter Freundschafts-Epos – Detailreich und voller Zeitgeist der 90er Jahre

Morgen, morgen und wieder morgen
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„Morgen, morgen und wieder morgen“ von Gabrielle Zevin ist wirklich ein besonderes Buch und teilweise kann ich den derzeitigen Hype auch nachvollziehen. Ein Jahreshighlight war es für mich persönlich zwar ...

„Morgen, morgen und wieder morgen“ von Gabrielle Zevin ist wirklich ein besonderes Buch und teilweise kann ich den derzeitigen Hype auch nachvollziehen. Ein Jahreshighlight war es für mich persönlich zwar nicht, dennoch zog mich die Autorin mit ihrer umfassenden Geschichte in den Bann. Die Mischung an Themen ist definitiv etwas Besonderes, denn die Handlung widmet sich nicht nur dem Leben von Sam und Sadie, sondern nimmt auch zahlreiche gesellschaftliche Probleme, wie z.B. Sexismus, Rassismus oder etwa den Umgang mit Behinderung, in den Blick. Auch deshalb haftet der Erzählung nicht wie vermutet Leichtigkeit an, sondern vielmehr eine gewisse Schwere. Wie versprochen gibt es aber auch jede Menge popkultureller Referenzen, welche nicht nur Fans von Videospielen glücklich machen und für eine Zeitreise in die 90er Jahre sorgen.

Stilistisch gefiel mir das Werk richtig gut. Die Autorin spielt mit unterschiedlichen Erzählstilen und wechselt Perspektive, Erzählweise und sprachliche Stilmittel immer wieder ab. Der Schreibstil machte mir im Gesamten wirklich großen Spaß und ist auf jeden Fall ein großer Pluspunkt. Poetisch, detailreich und doch auch fesselnd zieht der Text in seinen ganz eigenen Bann. So taucht man als Leser:in immer tiefer in das Leben der Protagonist:innen ein. Ungeschönt, aber dafür umso authentischer begleiten wir die Charaktere über viele Jahre hinweg und können so eine lebensnahe Weiterentwicklung mitverfolgen. Die Freundschaft zwischen Sam und Sadie ist dabei nicht nur von Höhen geprägt, auch mehrere überraschende Wendungen sorgen für Herausforderungen. Das Ende kommt dann stiller als erwartet daher, überzeugte mich aber letztendlich auch durch seine Stimmigkeit. „Morgen, morgen und wieder morgen“ ist wie kein anderes Buch, was ich bisher gelesen habe, was an sich schon ein Kompliment ist. Trotzdem gibt es von mir einen Stern Abzug, da dem Roman meiner Meinung nach einige Seiten weniger gut getan hätten. Trotzt der emotional mitreißenden Handlung, gab es immer wieder auch Längen, außerdem rollt die Autorin immer wieder Themen und Szenen sehr intensiv aus, um sie dann wieder im Nichts versanden zu lassen. Trotzdem gibt es von mir insgesamt gute 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 04.03.2023

Bunte und herrlich skurrile Kurzgeschichtensammlung

Menschen und andere seltsame Wesen
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Eins möchte ich gleich vorweg stellen. Kurzgeschichten sind für mich wirklich eine hohe Kunst. Auf nur wenigen Seiten soll eine stimmige Handlung mit fesselndem Spannungsbogen und im besten Fall überraschendem ...

Eins möchte ich gleich vorweg stellen. Kurzgeschichten sind für mich wirklich eine hohe Kunst. Auf nur wenigen Seiten soll eine stimmige Handlung mit fesselndem Spannungsbogen und im besten Fall überraschendem Ende entstehen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben die Geschichten im Buch „Menschen und andere seltsame Wesen“ von Monika Loerchner und Leveret Pale diese Ansprüche in meinen Augen erfüllt und teilweise sogar übertroffen. Die wilde Mischung gefiel mir dabei besonders gut, da man so, nie genau wusste in welche Richtung die gelesene Geschichte nun wieder tendiert. Von total abgedreht, äußerst humorvoll, spannend, aber auch nachdenklich stimmend, war wirklich alles dabei. Die meisten Texte waren noch dazu absolut kurzweilig und so war das Buch im Gesamten eine abwechslungsreiche und angenehme Lektüre für mich. Beide Schreibstile empfand ich als gut lesbar, wobei diese sich stilistisch durchaus auch an die jeweilige Geschichte anpassen und auch dadurch überzeugten. Durch die Verschiedenheit der Geschichten findet hier denke ich Jede:r einen Favoriten. Für Fans von Kurzgeschichten kann ich „Menschen und andere seltsame Wesen“ nur weiterempfehlen. Die gelungene Zusammenstellung macht aber sicherlich auch Neulingen Spaß!

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Veröffentlicht am 25.02.2023

Klug erzählte und detailreiche Near-Future-Dystopie, welche zum Ende hin etwas nachlässt

Equilon
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„Equilon“ von Sarah Raich reiht sich ein ins Genre der Umwelt-Dystopien und gefiel mir im Vergleich mit anderen Werken richtig gut. Als besonders gelungen empfand ich die zahlreichen Details, etwa wie ...

„Equilon“ von Sarah Raich reiht sich ein ins Genre der Umwelt-Dystopien und gefiel mir im Vergleich mit anderen Werken richtig gut. Als besonders gelungen empfand ich die zahlreichen Details, etwa wie eine zukünftige Emissionsüberwachung aussehen könnte und auch der Score ist gut durchdacht und in sich stimmig. Erzählt wird abwechselnd aus zwei Perspektiven. Zum einen gibt es Jenna, welche es gerade geschafft hat den Score zu knacken und nun das privilegierte Leben im New Valley erkunden darf. Im Gegensatz zu ihr hat Dorian gar keine Chance dies zu erreichen und verdeutlicht dadurch die zahlreichen Schattenseiten des Alltagslebens. Am Worldbuilding gibt es also absolut nichts zu meckern, hier nimmt sich die Autorin genügend Zeit für ausführliche Erklärungen, aber auch die Charakterzeichnungen gefielen mir ausgesprochen gut. Gerade da manche Entwicklung gar nicht so weit von unserer heutigen Welt entfernt scheint, erreichte mich die Handlung auch emotional. Der Schreibstil ist bildhaft, liest sich flüssig und durch die abwechselnden Perspektiven erscheint das Geschehen kurzweilig. Einziger Kritikpunkt ist in meinen Augen das überhastete Ende. Hier überzeichnet die Autorin die Handlung wie ich finde zu sehr, zugunsten einer gewissen Dramatik. Zum detailliert aufgebauten Rest des Buches stand dieses Vorgehen meiner Meinung nach im Konflikt. Außerdem bleiben doch so einige Fragen offen bzw. kommt das Ende dann recht plötzlich und vor allem ziemlich einfach gehalten (fast schon als Happy-End anmutend) daher. So schafften es die letzten Seiten aus einem klaren 5 Sterne Buch, doch nur 4 werden zu lassen. Trotzdem ist der Roman lesenswert und hat eben auch große Stärken. Für Fans es Genres ist „Equilon“ auf jeden Fall eine gute Wahl!

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Veröffentlicht am 18.02.2023

Jugendbuch mit zahlreichen Problem-Schwerpunkten und einer wirklich krassen Handlung

The truth behind your lies
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„The truth behind your lies: #nofilter“ von Silke Heimes ist ein durchaus lesenswertes Buch für Jugendliche, wie auch für Erwachsene. Auch wenn ich nicht mit allen Feinheiten der Handlung zufrieden war, ...

„The truth behind your lies: #nofilter“ von Silke Heimes ist ein durchaus lesenswertes Buch für Jugendliche, wie auch für Erwachsene. Auch wenn ich nicht mit allen Feinheiten der Handlung zufrieden war, behandelt der Roman doch zahlreiche wichtigen Themen und öffnet den Blick für reale Problemfelder. Letztendlich stand der Umgang mit sozialen Medien gar nicht so sehr im Mittelpunkt, als ich ursprünglich dachte. Stärker gewichtet wird hingegen die Gruppendynamik der Clique, psychische Erkrankungen und auch die Aus- und Nachwirkungen von Mobbing. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Jan und Emmy, aber auch in die Köpfe der Restlichen aus dem Freundeskreis gibt es genügend Einblicke. Der Schreibstil las sich flüssig und die kurzen Kapitel sorgten für ein rasches Lesetempo. Auch wenn das Buch inhaltlich wichtige Botschaften transportiert bin ich Insgesamt aber nicht ganz zufrieden. Denn gefühlt gab es etwas zu viele Themen (und auch Figuren), so dass nicht alles in der Tiefe behandelt werden konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. So kam bei mir immer mal wieder das Gefühl von Unstimmigkeit auf, da manches nur kurz angeschnitten wurde. Sympathetisch war mir darüber hinaus keine:r der Protagonist:innen so richtig. Wirklich jeder bringt eine krasse eigene Leidensgeschichte mit, eine Dichte wie man sie hoffentlich im wirklichen Leben nicht finden wird. Dennoch hat das Buch seine Berechtigung und kann denke ich durchaus als eine weiterbringende (Schul)Lektüre dienen. Mich selbst hat die Geschichte schockiert, mitgerissen und stellenweise auch traurig gemacht. Alles in allem vergebe ich insgesamt 4 Sterne und eine eingeschränkte Leseempfehlung.
Mein Fazit: Keine angenehme Lektüre, aber eine die sensibilisiert. Vielfältiges Themenspektrum und eine actionreiche Handlung.

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