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Veröffentlicht am 21.03.2023

Leben ist eine Ansammlung von Reisen

Ich komme mit
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Lazy ist ein junger Student mit Bock aufs Leben und vor allem Bock auf seine Freundin Elsie.
Vita ist eine alte Frau, die sich ihre Routinen mühsam zusammenklaubt, um ihre Tage zu füllen.
Beide sind das ...

Lazy ist ein junger Student mit Bock aufs Leben und vor allem Bock auf seine Freundin Elsie.
Vita ist eine alte Frau, die sich ihre Routinen mühsam zusammenklaubt, um ihre Tage zu füllen.
Beide sind das Gegenteil voneinander, jung und alt, Leben und Sterben, gemeinsam ist ihnen nur, dass sie im selben Haus in der Torstraße wohnen und kein Interesse aneinander haben.

Sie hören auf Gegenteile zu sein und desinteressiert aneinander zu sein, als das Leben dem Sterben weicht; Lazy erhält die Diagnose Leukämie. Vita sieht ihn hin und wieder im Treppenhaus, abgemagert, haarlos und leichenblass.
Lazy wurde von Elsie verlassen und macht sich auf eine Reise nach Mexiko, wo er eine junge Frau kennenlernt. Bei Blanka wäre er gerne geblieben, doch dann wird er erneut krank und beginnt eine weitere Chemo. Erneut begegnen sich Vita und Lazy im Treppenhaus. Vitas ständige Suche nach Beschäftigung hat sie eine Neugier an Lazy entwickeln lassen und so lädt ihn zum Essen in ihre Wohnung ein, von da an bekocht sie ihn täglich, obwohl er kaum etwas herunterbekommt. Auf ihr Angebot hin zieht er bei ihr ein. Vita, die von Lazy eigentlich nur Maier genannt wird, und der Kranke werden Kumpels.
Als die Chemo erneut nicht anschlägt, entschließt Lazy sich von der Welt zu scheiden, solange er noch die Kraft hat seinen Abgang selbst zu planen. Meier entscheidet sich mitzukommen. Vorher bereisen sie jedoch noch die Türkei, wo sie eine alte Ausgrabungsstätte besichtigen. Lazys letzter Wunsch. Hier lernt Lazy die junge Frau Aydan kennen. Bei Aydan wäre er gerne geblieben, aber es hat keinen Sinn und Lazy entsagt ihr und dem Leben.

Zurück in Deutschland planen Maier und Lazy gemeinsam ihr Verlassen von der Welt.
Es kommt jedoch anders, und mit von Meier geführter Hand greift Lazy erneut nach dem Leben.

Ich muss sagen, dass mir das Ende nicht so gut gefallen hat. Plötzliches, unpssendes Happy End, und dann so vage erzählt wie im letzten Moment unentschieden. Eigentlich ein gutes Buch mit allerdings einem höchst schwachem Ende. Man muss auch mal Mut zur Tragik haben, die man über so viele Seiten aufgebaut hat. Konnte mich dann durch den Schluss dann leider überhaupt nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 04.03.2023

Hätte früher spannend werden können

Im Dunkeln bist du nie allein
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Sie wacht in völliger Dunkelheit auf, stellt fest, dass ihre Hand an das Gemäuer gekettet ist. Am Kopf eine Wunde. Was zum Teufel ist hier los? Sie kann sich an nichts erinnern. Oder doch? - Langsam kehrt ...

Sie wacht in völliger Dunkelheit auf, stellt fest, dass ihre Hand an das Gemäuer gekettet ist. Am Kopf eine Wunde. Was zum Teufel ist hier los? Sie kann sich an nichts erinnern. Oder doch? - Langsam kehrt die Erinnerung der letzten Tage zurück. Zu langsam. Sie braucht Antworten. Und sie muss sich befreien...

Janice, genannt Jan, reist zurück nach Kreta, um fünf Freunde wiederzutreffen, die sie vor fünf Jahren bei einem Urlaub kennengelernt hat. Auf eine Einladung hin wollen gemeinsam Jan, ihr Ex-Freund Marcus, Brad und seine Frau Kristen sowie Gastgeberin Melissa und ihr Mann Simon die Urlaubserinnerung wiederaufleben lassen. Jan tritt die Reise mit einem guten Gefühl an, schließlich hat sie gerade eine Beförderung erhalten und wird künftig öfter reisen. Aber dann kommt sie an und vieles ist mehr Schein als sein. Sie stellt fest, dass sich die anderen verändert haben – oder waren sie bereits vor fünf Jahren so und sie hat es nur nicht gesehen? Und dann ist da noch Gretchen, die ebenfalls der Einladung des Wiedersehens gefolgt ist, obwohl sie zur früheren Urlaubsgemeinschaft gar keinen Bezug hat. Was also tut sie hier?

Die Geschichte wird parallel in der Gegenwart erzählt und in der Vergangenheit. Jan erinnert sich in der vollkommenen Dunkelheit an die letzten Tage des Urlaubs in der abgelegenen Villa in der kretischen Abgeschiedenheit. Sie erinnert sich auch an weiter zurückliegende Dinge aus ihrer Vergangenheit. Was davon Relevanz hat, wird der Leser herausfinden, während Jan versucht sich von der eisernen Fessel im Kerker zu befreien.

Zu viel darf man bei diesem Buch gar nicht verraten, um nicht zu spoilern. Mein Leseerlebnis mit diesem Buch ist durchwachsen. Anfangs fand ich es schwierig mich in die Geschichte einzufinden, weil in den Vergangenheitspassagen lange Zeit nichts passiert, was für die Gegenwart wichtig erscheint. Man liest sich hauptsächlich durch Urlaubserlebnisse. Zum Ende hin nimmt die Geschichte dann allerdings richtig Fahrt auf und es fügen sich die Puzzleteile der Geschichte ineinander und laufen auf ein spannendes Ende hin.
Insgesamt hatte zu Beginn und in der Mitte das Buch für mich aber zu wenige Spannungsmomente, um mehr als drei Sterne zu vergeben. Ganz unterhaltsam, aber nicht sehr anspruchsvoll.

Veröffentlicht am 27.02.2023

Voll in der Pubertät...

Wild und Wunderbar (2). Gegensätze halten zusammen (oder?)
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Fand ich den ersten Band noch richtig klasse, bin ich mir nach Lesen des zweiten Bandes nicht sicher, was ich von ihm halten soll...

In „Wild und wunderbar – Gemeinsam gegen den Rest der Welt“ (der erste ...

Fand ich den ersten Band noch richtig klasse, bin ich mir nach Lesen des zweiten Bandes nicht sicher, was ich von ihm halten soll...

In „Wild und wunderbar – Gemeinsam gegen den Rest der Welt“ (der erste Band) verfolgte die Geschichte schon irgendwie eine Handlung: Linn wurde von ihren Mitschülerinnen gemobbt, Shark kam neu in die Klasse, Linn wollte sich mit der Neuen unbedingt anfreunden. Im zweiten Band geht es um alles und nichts; und das meine ich so – Ilona Einwohlt kratzt ganz vieles an, von Verliebtsein über Ausländerfeindlichkeit, Rechtsradikalismus, Homosexualität, Streit zwischen besten Freundinnen, Jungs, Knutschen sowie grenzübertretendes Verhalten von Jungs, und selbst Ritzen (also selbstverletzendes Verhalten) wird in einem Nebensatz mal kurz erwähnt. Mir scheint, als wollte Einwohlt ganz viele Themen der Pubertät in ihr Buch einbauen und hat keins bis auf das Verliebtsein wirklich so ganz vertieft. Das fand ich ein wenig nervig, da ich als Leser relativ schnell das puber-themen-Bombardement wahrgenommen habe und mit jedem neuen Aspekt innerlich die Augen gerollt habe. Möglicherweise empfinden es Leser/Leserinnen der entsprechenden Altersgruppe anders.

Die ersten Schmetterlinge im Bauch sind ein ganz großes (und das einzig wirklich ausgearbeitete) Thema in diesem Buch. Allerdings hat auch das mich teilweise sehr genervt, denn als ein neuer in die Klasse kommt, Phil, drehen sich sämtliche Mädels nach ihm um – inklusive Shark, die zwar im ersten Buch noch absolut unkonventionell und wider allen Regeln gehandelt hat, nun aber mitmacht bei Glitzernagellack, Lippenstift, Wimperngeklimper und Miniröcken. Sie stöckelt in einer Episode sogar in High Heels am neuen Schüler vorbei. Da hilft auch eine semi-plausible Auflösung von Sharks Verhalten am Ende des Buches nicht wirklich. Das Verhalten, das Shark damit an den Tag gelegt hat, diskreditiert ihre Unabhängigkeit und ihr Selbstbewusstsein, das im ersten Buch ihr Markenzeichen für mich war, und macht sie in „Gegensätze halten zusammen (oder?)“ unauthentisch. Dass Linn, die ebenfalls ein Auge auf Phil geworfen hat, eifersüchtig auf Shark ist, wenn der Neue sich mit ihrer besten Freundin unterhält und diese insgeheim dafür abwertet, dass sie sich so an Phil ranmacht wie Linn selbst es gerne tun würde, ist zwar nachvollziehbar – denn wer von uns als Mädchen empfand nicht auch ein wenig Neid, wenn die beste Freundin die Gunst des Schwarms errungen hat? - aber mir wurde sie dadurch enorm unsympathisch. Linns Zuneigung zu Shark war in diesem Band eine nicht verständliche Achterbahnfahrt, nachdem sie sich im ersten Band so sehr eine beste Freundin gewünscht hat. Dafür erfährt man ein paar Hintergründe zu Shark, die im ersten Band angesprochen, jedoch offen gelassen wurden.

Ich hätte mir von Ilona Einwohlt ein wenig mehr Geradlinigkeit für diesen Band gewünscht, dann wäre der Verlauf der Geschichte nicht so schwammig und das Ende sicher nicht so lose gewesen. Es hätte mich schon sehr interessiert, wie Linns neues Interesse sich am Ende der Geschichte entwickelt hat. Insgesamt wirkt die Geschichte wie eine Ansammlung von allen Themen, die Mädchen während der Pubertät beschäftigen und interessieren könnten.

Leider kein würdiger Nachfolger zu dem tollen ersten Buch.

Veröffentlicht am 27.02.2023

Momentaufnahmen

Sommerhaus, später
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„Sommerhaus, später“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Momentaufnahmen, die so fein sind, dass man den Staub vor den Fenstern im Sonnenlicht in ihnen tanzen sieht.
Es ist weniger der Inhalt, der mich ...

„Sommerhaus, später“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Momentaufnahmen, die so fein sind, dass man den Staub vor den Fenstern im Sonnenlicht in ihnen tanzen sieht.
Es ist weniger der Inhalt, der mich erreicht hat, als die durchdachte, manchmal jedoch wie hingeworfen wirkende und doch ausgewählte Sprache.

Ich kann nicht sagen, dass mich die einzelnen Geschichten sehr berührt hätten, die ersten beiden haben mich bisweilen in ihrem Trott sogar genervt, denn sie schlugen augenscheinlich keine Richtung ein außer mitten ins Blaue. Aber der Sprachstil hat definitiv seinen Reiz und bereitet ein ungewöhnliches und innerhalb der einzelnen Geschichten kurzweiliges Leseerlebnis.

Veröffentlicht am 19.02.2023

Intermezzo

Weihnachten auf der Lindwurmfeste
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Hamoulimepp ist ein alljährlicher Brauch, der auf der Lindwurmfeste zeitgleich etwa zu unserem Weihnachtsfest gefeiert wird. In einem Briefwechsel zwischen Hildegunst von Mythenmetz, einem der berühmtesten ...

Hamoulimepp ist ein alljährlicher Brauch, der auf der Lindwurmfeste zeitgleich etwa zu unserem Weihnachtsfest gefeiert wird. In einem Briefwechsel zwischen Hildegunst von Mythenmetz, einem der berühmtesten Dichter Zamoniens, und seinem geschätzten Freund Hachmed Ben Kibitzer klagt Mythenmetz seinen Überdruss über dieses ganz und gar sinnfreie Fest. Wie ein alter Tattergreis zerpflückt der Lindwurm das Fest in seinen Bestandteilen wie die sehr schlechten Theateraufführungen, die ständige Völlerei und die Geschichte über den Ursprung des Brauches, der gar nicht mehr so ganz nachvollziehbar ist.

Man bekommt bei diesem Buch im Grunde, was man erwartet: Einen zamonischen Abriss über das Fest, das man zum Anlass nimmt ein solches Buch wie dieses zu verschenken.
Eine opulente Geschichte gibt es selbstredend nicht, stattdessen erhält man ein spezielles Intermezzo des lindwürmischen Lebens. Als Geschenk für Fans von Walter Moers' Zamonien-Büchern durchaus geeignet, aber es fehlt einem (meiner Meinung nach) auch nichts, wenn man es nicht liest.

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