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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2023

日本 (Nihon)

Von Kirschblüten, Kimonos und Kintsugi
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Yutaka Yazawa erläutert in seinem Vorwort, dass es seine japanischen Wurzeln gekoppelt mit seinem jahrelangem Auslandsaufenthalt sind, die ihm die nötige Distanz zur Reflexion der Traditionen und Eigenheiten ...

Yutaka Yazawa erläutert in seinem Vorwort, dass es seine japanischen Wurzeln gekoppelt mit seinem jahrelangem Auslandsaufenthalt sind, die ihm die nötige Distanz zur Reflexion der Traditionen und Eigenheiten Japans geben.

In kurzen Abschnitten, die selten über eine Buchseite hinausgehen, bekommt man einen Einblick über die Regionen der japanischen Inseln, Kultur, Familienleben, Kunst, Freizeitgestaltunge und die Feste des japanischen Jahres. Altertum und Moderne werden gleichwohl thematisiert.
Es bleibt jedoch bei Einblicken, nie geht der jeweilige Text in die Tiefe. Dadurch erfährt man zwar über durchaus viele unterschiedliche Themen, von denen selbst eingeschworene Japan-Begeisterte noch überrascht werden können, man muss sich aber im Klaren darüber sein mit diesem Buch immer nur an der Oberfläche zu kratzen.
Bebildert ist die Lektüre mit Fotografien und Illustrationen.

Ich denke, dass ich selbst über Japan schon eine Menge weiß, dennoch konnte mich das Buch in einiger Hinsicht noch überraschen. Ein wenig enttäuschend war nur die fehlende Tiefe mancher Themen, die dem Untertitel „Die ganze Wahrheit...“ nicht gerecht werden konnte. Für die selbsternannte ganze Wahrheit haben mir da definitiv einige Seiten gefehlt.
Das Buch kann für mich trotzdem bestehen, ich finde es eine herrliche Ergänzung zum eigenen Wissen. Als zu verschenkende Alternative z.B. zu einem Reiseführer Japan für Japan-Fans kann ich mir dieses Buch gut vorstellen, da es auch eine sehr ansprechende, dabei jedoch dezente Aufmachung besitzt.

Veröffentlicht am 12.03.2023

Aus einem anderen Blickwinkel

Orange 6
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Die Geschichte um den Freundeskreis und die zarte Dreiecksbeziehung zwischen Naho, Suwa und Kakeru war eigentlich auserzählt. Doch im 6. Band kommt Suwa zu Wort. Zwischen Rückblenden mit ihm und Kakeru, ...

Die Geschichte um den Freundeskreis und die zarte Dreiecksbeziehung zwischen Naho, Suwa und Kakeru war eigentlich auserzählt. Doch im 6. Band kommt Suwa zu Wort. Zwischen Rückblenden mit ihm und Kakeru, in denen er Kakeru trotz seiner eigenen Gefühle für Naho immer wieder ermutigt, dass dieser Naho seiner Liebe gestehen soll und seinem eigenen Kampf um sie erklärt der Suwa der Zukunft, warum es ihm all die Zeit so wichtig war, Naho glücklich zu sehen. Einerseits war Suwa bereit, Kakeru das Feld zu überlassen, andererseits hat er nie aufgegeben, sich selbst um Nahos Zuneigung zu bemühen.
Der Band kommt an die Intensität seiner Vorgänger allein durch die Masse der bisher erschienenen Bände nicht heran, stellt aber eine schöne Ergänzung zur Hauptgeschichte dar und ist ebenfalls lesenswert.

Veröffentlicht am 04.03.2023

Von der Ungeduld groß zu werden

Bist Du der Frühling?
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Schon wieder gibt es in der Hasenfamilie Bucheckern zu essen. Buäh, immer dasselbe eintönige Abendessen! Die Mutter versucht zu beschwichtigen: Bald kommt doch der Frühling, dann gibt es andere, sehr leckere ...

Schon wieder gibt es in der Hasenfamilie Bucheckern zu essen. Buäh, immer dasselbe eintönige Abendessen! Die Mutter versucht zu beschwichtigen: Bald kommt doch der Frühling, dann gibt es andere, sehr leckere Dinge zu essen. Das kleinste Hasenkind hat den Frühling noch nie erlebt und ist neugierig, als seine Brüder, die auf einen Baum gesprungen sind und äußern, sie sähen von dort das Meer, was ein Zeichen dafür sei, dass der Frühling bald käme. Das kleinste Hasenkind schafft es nicht auf den Baum zu springen, von da an ist es aber sehr gespannt auf den Frühling. Als am nächsten Morgen das kleinste Hasenkind von einem Geräusch draußen geweckt wird, stürmt es raus, denn das muss ja wohl der Frühling sein! Draußen folgt es dem stapfenden Geräusch und steht bald einem Eisbären gegenüber. „Bist du der Frühling?“, fragt es den Eisbären. Der Eisbär zeigt dem Hasenkind das Meer und erzählt ihm, dass er woanders hingeht, denn es werde ihm bald zu warm hier im Wald werden. Der kleine Hase läuft nach Hause und berichtet seiner Mama, dass es den Frühling getroffen habe.

Es handelt sich hier um ein wirklich schönes Bilderbuch, das auf den wenigen Seiten subtile Botschaften von der Sehnsucht Erwachsen zu werden, Begegnung und Freundschaft, und eventuell auch Klimawandel in Bildern kommuniziert. Der Ärger der Hasenkinder über das immergleiche Essen, die Gemächlichkeit des Eisbären und die Quirligkeit und Neugier des kleinsten Hasenkinds sind ausdrucksstark illustriert.

Veröffentlicht am 04.03.2023

Terra, Mars & Luna

Terra
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In Tom und Stefan Orgels erstem SciFi-Roman sind dies die drei bewohnten Himmelskörper in der Zukunft, da die Erde in der Zukunft etwa elf Millionen Menschen beherbergt. Der Mars ist noch nicht zur Gänze ...

In Tom und Stefan Orgels erstem SciFi-Roman sind dies die drei bewohnten Himmelskörper in der Zukunft, da die Erde in der Zukunft etwa elf Millionen Menschen beherbergt. Der Mars ist noch nicht zur Gänze erschlossen, und es werden nach wie vor viele Rohstoffe auf dem roten Planeten benötigt.
Als Leser wird man in die Geschichte eingeführt, als eine Frau im Weltall unter merkwürdigen Vorkommnissen ums Leben kommt. Man merkt schon hier, dass irgendwas nicht richtig ist.
Jak, einer der beiden Hauptcharaktere in „Terra“, fliegt beruflich Fracht wie seltene Erden, raffinierte Erze und ähnliche benötigte Materialien von der Erde zum Mars. Auf seiner aktuellen Tour stellt er fest, dass sich in einem seiner Container eine Ladung befindet, die dort nicht sein soll. Die Schiffe, mit modernster Hard- und Software ausgestattet, registrieren den Irrtum nicht. Und auch Jaks AVA Nina – ein assistierendes Computerprogramm, das jedem Piloten als persönlich modifiziertes Programm zur Verfügung steht – sieht erst durch Jaks Linse, dass die hinterlegten Daten für diesen Container falsch sind. In einem Gespräch mit den anderen Kapitänen des Convois, in welchem Jak fliegt, kommt heraus, dass in jedem Schiff eine ominöse Ladung steckt. Jak wird stutzig, vermutet Hehlerware oder gar Drogen und bittet seine Schwester Sal auf dem Mond um Hilfe bei der Lösung des Problems. Sal, die zweite Akteurin in dieser Story, ist genervt davon ihrem vorbestraften Bruder schon wieder helfen zu müssen, aber nach Durchsicht der Daten, die Jak ihr zu seiner Bitte sendet, erkennt auch sie, dass etwas ganz schön faul ist.
Sal und Jak finden heraus, was es mit der Ladung auf sich hat, und was sich offenbart, ist in höchstem Maße besorgniserregend.

Mehr werde ich nicht verraten, aber es hat mir Spaß gemacht zwischen Jak und Sal hin- und herzulesen. T.S. Orgels Roman ist wirklich gut recherchiert (ha, als ob ich das beurteilen könnte...) wie sie auch im Nachwort erklären. Dabei ist es nicht zu abgehoben und für jeden verständlich. Ich konnte mir die beschriebene Technik richtig gut vorstellen. Besonders toll fand ich die AVAs.

Veröffentlicht am 28.02.2023

Der Weg ist das Ziel

Der Sonne nach
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Dario ist ein wütendes Ärgernis; für seine Lehrerin, für den Direktor, und manchmal auch für seine Mutter. Eigentlich will er nur seine Ruhe haben und raucht gerne mal einen Joint, um sich aus der Welt ...

Dario ist ein wütendes Ärgernis; für seine Lehrerin, für den Direktor, und manchmal auch für seine Mutter. Eigentlich will er nur seine Ruhe haben und raucht gerne mal einen Joint, um sich aus der Welt auszuklinken. Vor allem aber will er nicht ständig Niete genannt oder als abfälliger Grund benannt werden, warum Darios Vater die Familie vor neun Jahren verlassen hat. Dieser Umstand ist für den Jungen ein wunder Punkt. Es ist eine Sache ohne einen Vater aufzuwachsen, aber eine andere sich für den Grund zu halten, warum dieser gegangen ist. Unterschwellig nagte diese Vermutung immer an Dario.
Als die furchtbare Lehrerin Dario mal wieder zur Weißglut bringt, als sie sagt, wegen ihm sei der Vater doch überhaupt erst abgehauen, hilft auch kein Gras mehr. In seiner Wut wirft er die Klassenzimmertür hinter sich so feste zu, dass der Griff abbricht und durch die Gegend fliegt. Ins Büro des Direktors zitiert, wird ihm zur Strafe aufgebrummt, sich zusammen mit einem Mädchen namens Elisa um den behinderten Andy zu kümmern, der an seinen Rollstuhl gefesselt ist. Schnell stellt Dario fest, dass Elisa eine blöde Kuh ist, die Andy nicht wie einen Menschen behandelt, sondern eben wie einen Behindi. Dario und Andy sind sofort freundschaftlich miteinander verbunden, allerdings interveniert Elisa ständig, weil sie Andy unterschätzt und ihn immer bemuttert und bevormundet, während Dario ihm auch mal was zutrauen möchte.
In einer Kurzschlussreaktion haut Dario ab und nimmt Andy einfach mit. Er will seinen Vater finden und lässt sich nicht von den wiederholten Anrufen des Direktors ablenken, der ihm mit Jugendknast droht. Während die Tage auf der Reise durch Italien mit Andy vergehen, ist Dario vor einige Herausforderungen mit dem eingeschränkten Jungen gestellt, aber irgendwie meistert er sie immer. Dabei behandelt und spricht er mit Andy eigentlich immer so als wäre dieser ein ganz normaler Kerl ohne Einschränkungen, weil er die nonverbalen Zeichen des Jungen so zu deuten weiß wie offenbar keiner vor ihm. Unter ihm blüht Andy nicht nur auf, sondern entwickelt sich weiter.
Am Ende ihres abenteuerlichen Roadtrips finden sie tatsächlich Darios Vater. Aber anders als er diesen in Erinnerung hatte, erwartet den Sohn eine traurige Version seines früheren Idols. Die Frage, warum er die Familie verlassen hat, kann der Vater nicht beantworten. Dario muss erkennen, dass nicht beim Vater Antworten liegen und dieser nicht der Schlüssel zu Darios Glück ist. Desillusioniert nimmt Dario Abschied von seinem Vater und stellt sich der Konsequenz seines Handelns. Zu Hause angekommen rechnet er mit der angedrohten Jugendstrafanstalt, aber trotz Strafe erhält er auch Wertschätzung, denn unter Darios Fürsorge ist Andy auch etwas selbstständiger in seiner Behinderung geworden.

Das Buch beschreibt sich selbst mit „Ziemlich beste Freunde“ als Jugendbuch, und am ehesten lässt es sich mit dem französischen Film wohl auch vergleichen. Der Inhalt ist offensichtlich bewusst teilweise etwas stereotyp geschrieben. Schon auf den ersten paar Seiten erkennt man ganz klar, wer für und wer gegen den Jugendlichen ist. Die „Bösen“, die den nach Freiheit drängenden Dario einfach nicht so sein lassen wollen wie er möchte, werden klar gekennzeichnet. Was mir aber wirklich gut gefiel, war die Zwiesprache zwischen Andy und Dario, die eine schöne Ergänzung zu Andys unfertiger geäußerter Sprache ist.
Manche Szenarien wirken allerdings etwas konstruiert, wie z.B. dass einem den Obrigkeiten derart verantwortungslos und gewalttätig erscheinender Jugendlicher ein behinderter Rollstuhlfahrer einfach so anvertraut wird. Diese konstruierten Szenen haben mich als erwachsene Leserin etwas gestört, auf die Zielgruppe wirkt es vielleicht anders. Die Kapitel sind allesamt überschaubar kurz gehalten, und der Einstieg in die Lektüre fällt leicht. Gerade für eher leseschwächere Jungs, die vielleicht ähnliche Probleme wie Dario haben, könnte ich mir das Buch passend vorstellen. Vielleser könnten sich unabhängig vom Inhalt aufgrund der Kürze des Buches aber womöglich langweilen.