Profilbild von tigerbea

tigerbea

Lesejury Star
online

tigerbea ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tigerbea über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2023

Medusa einmal anders

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
0

Medusa wird als sterbliche Tochter von Keto und Phorkys von ihren Schwestern, den Gorgonen Stheno und Euryale, großgezogen. Im Gegensatz zu ihren Schwestern ist sie eine Schönheit - was auch Poseidon nicht ...

Medusa wird als sterbliche Tochter von Keto und Phorkys von ihren Schwestern, den Gorgonen Stheno und Euryale, großgezogen. Im Gegensatz zu ihren Schwestern ist sie eine Schönheit - was auch Poseidon nicht entgeht. Er vergeht sich an ihr - was den Zorn Athenes auf Medusa zieht. Sie verflucht sie, von nun an trägt Medusa, so wie ihre Schwestern, Schlangen als Haare und alles, was sie ansieht, verwandelt sich zu Stein. Doch Perseus macht sich auf den Weg, um ihr den Kopf abzuschlagen. Dies ist die Bedingung, um seine Mutter vor einer ungewollten Heirat zu retten.

Mit "Stone Blind - Der Blick der Medusa" reiht sich Natalie Haynes in die Liga der großartigen Autorinnen von Adaptionen griechischer Mythologie ein. Dieses Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Kapitel, die über angenehme Längen verfügen, beschreiben jeweils wechselnd die einzelnen Götter. Man erlebt so die Handlungs- und Denkweisen aller mit, die mit der Sage um Medusa zu tun haben. Diese Weitläufigkeit der Handlung hat mir sehr gut gefallen, denn alles hängt letztendlich mit Medusas Schicksal zusammen. Nebenbei lernt man so manche Figur von einer ganz anderen als der bisher bekannten Seite kennen. So ist Medusa hier nicht das Monster, sondern ein Mädchen, welches eher zart besaitet ist und Perseus nicht der große Held, sondern eher der Naivling, der ohne die Hilfe von Athene und Hermes überhaupt nicht wüsste, was er tun soll. Gerade er hat hier für einigen Humor gesorgt. Einzig störend empfand ich die Kapitel, in denen der Leser persönlich angesprochen wird. Dies hat etwas den Lesefluss unterbrochen. Auch das Kapitel, in dem die Schlangen von der Enthauptung Medusas berichten, fand ich etwas albern und passte nicht zum Buch. Ansonsten hat die Autorin diese Geschichte einfach wunderbar erzählt. Ihr Stil ist locker und leicht lesbar und dieser Ausflug in die griechische Mythologie wurde dadurch zum Genuss!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2023

Alpenatmosphäre mit Spannung

Klingeltod und Kaiserschmarrn
0

Emma ist nach einem traumatischen Erlebnis von Berlin in ein kleines Dorf in Bayern gezogen, wo ihr Bruder Valentin bereits als Polizist arbeitet. Doch von den Vorfällen erholen kann sie sich nicht, denn ...

Emma ist nach einem traumatischen Erlebnis von Berlin in ein kleines Dorf in Bayern gezogen, wo ihr Bruder Valentin bereits als Polizist arbeitet. Doch von den Vorfällen erholen kann sie sich nicht, denn ihre Nachbarin verschwindet spurlos und sie selbst bekommt anonyme Anrufe. Als noch weitere Frauen verschwinden und Emma ihre Nase zu tief in die Ermittlungen steckt, gerät sie selbst in große Gefahr!

Mit "Klingeltod und Kaiserschmarrn" bekommt man einen Alpenkrimi, der wirklich alles hat, was er braucht! Kate Delore vereint hier wirklich alles. Sie schafft eine richtig kribbelnde Spannung durch die anonymen Anrufe, von denen man sich ständig fragt, wer und was dahintersteckt. Das hat schon etwas gruseliges. Auch das Verschwinden der Frauen und die Einschübe mit ihnen halten die Spannung hoch, da man erst ganz zum Schluß erfährt, was hinter den Entführungen steckt. Ihre Charaktere sind durchweg sympathisch. Ich mochte Emma und Valentin sehr und habe mich sehr gefreut, hier auf Toni und seine Großmutter Lieselotte Birnbaum zu treffen, die mich schon in den Krimis aus Dackelrain sehr gut und humorvoll unterhalten haben - so wie hier auch wieder. Emma hatte mein ganzes Mitleid. Sie durchlebt hier Ängste und man möchte sie so gern beschützen. Schlimm, daß selbst ihr Bruder ihr zunächst nicht glaubt. Kate Delore hat eine wunderbare Art, nicht nur ihre Charaktere mit Leben zu füllen, sondern auch die Alpenregion bildlich vor Augen erscheinen zu lassen. Hier fühlt man die Atmosphäre der Berge und des Dorfes hautnah. Ich hatte direkt das Gefühl dort zu sein. Besonders gelungen ist es ihr hier, ein ganz wichtiges Thema mit in ihre Handlung einfließen zu lassen: Die Massentierhaltung in den Mastbetrieben und wie radikal die Tierschützer oft vorgehen - und hier Tiere befreien, denen es gut geht.

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für gute Regionalkrimis begeistern kann!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.03.2023

Die goldenen Zwanziger auf Norderney

Goldene Zeiten im Inselsalon
0

Um den Friseursalon Fisser auf Norderney weiter betreiben zu dürfen, heiratet Frieda im Jahr 1920 den Friseurmeister Paul Merkur. Was zuerst nur als Zweckehe vorgesehen war, entwickelt sich mit der Zeit ...

Um den Friseursalon Fisser auf Norderney weiter betreiben zu dürfen, heiratet Frieda im Jahr 1920 den Friseurmeister Paul Merkur. Was zuerst nur als Zweckehe vorgesehen war, entwickelt sich mit der Zeit zu einer glücklichen Ehe. Nur Friedas Tochter Lissy kann sich mit der neuen Situation schwer abfinden. Sie möchte so schnell wie möglich Norderney verlassen. Im Jahr 1927 ist Lissy endlich alt genug, um sich diesen Traum zu erfüllen. Sie geht nach Berlin, um in einem Friseursalon der gehobenen Klasse zu arbeiten und gleichzeitig eine Ausbildung zur Kosmetikerin zu machen. Bald hat sie viele Freundinnen und mit ihnen genießt sie das Berliner Nachtleben. Eines Tages lernt sie Ivo Sartorius kennen. Mit ihm ist Lissy glücklich und beide haben große Pläne.

Mit dem dritten Teil "Goldene Zeiten im Inselsalon" geht die spannende Norderney-Saga von Sylvia Lott weiter. Man begleitet Frieda Fisser, jetzt Merkur, durch die 1920er Jahre und erlebt, wie ihre Tochter Lissy erwachsen wird. Die großen und kleinen Sorgen der Insulaner werden auch diesmal wieder von Sylvia Lott sehr warmherzig geschildert. Man kann direkt mit den Menschen fühlen und sie sehr gut verstehen. Es ist interessant, die politischen Ereignisse aus der Sicht der einfachen Leute zu erleben. Wie gut, daß sie ihren trockenen Humor dabei nicht verlieren. Das liegt wohl auch an diesem besonders starken Zusammenhalt, der wahrscheinlich nötig ist, um die einsamen Winter auf einer Insel zu überstehen. Diese Stimmung kommt in dieser Geschichte gut rüber.
Wer die ersten Teile dieser Norderney-Saga gelesen hat, sollte diesen dritten Teil auf keinen Fall verpassen, aber auch für Neu-Leser dürfte der Einstieg hier nicht schwer sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.03.2023

Hochzeit mit Hindernissen

Inselhochzeit im kleinen Friesencafé
0

Oma Anita und Kapitän Hark wollen heiraten! Nun hat Julia Stress- denn die Gäste sollen alle im Weber-Haus am Friesencafe untergebracht werden. Doch dafür muß das Haus erst eingerichtet werden. Das Chaos ...

Oma Anita und Kapitän Hark wollen heiraten! Nun hat Julia Stress- denn die Gäste sollen alle im Weber-Haus am Friesencafe untergebracht werden. Doch dafür muß das Haus erst eingerichtet werden. Das Chaos ist komplett, als Anitas Freunde aus Gelsenkirchen einfach kurzerhand viel eher anreisen und lautstark das Friesencafe in Beschlag nehmen. Sowohl die Einheimischen, als auch Harks Gäste sind von der Art einfach genervt. Einziger Lichtblick und Friedensstifter ist Harks Cousin Henry aus New York. Doch irgendetwas stimmt mit ihm nicht..

Janne Mommsen und seine Föhr-Romane gehören für mich einfach zu den absoluten Wohlfühlromanen. So auch "Inselhochzeit im kleinen Friesencafe". Man trifft hier auf alte Freunde, in deren Mitte man sich einfach geborgen fühlt. Es ist immer wieder eine Freude, erneut auf die Inselbewohner zu treffen und an ihrem Privatleben teilzuhaben. Denn eines sind sie alle: absolut sympathisch. Ganz besonders Hark habe ich hier wieder in mein Herz geschlossen. Wenn es nötig ist, hat er es faustdick hinter den Ohren. So zeigt er den Gelsenkirchenern auf See, was so ein Kapitänsmagen aushält - im Gegensatz zu dem der Landratten. Hier mußte ich herzhaft lachen und dachte mir so, daß dies die gerechte Strafe für ihr Verhalten ist. Denn die drei Gelsenkirchener mochte ich leider überhaupt nicht mit ihrer vorlauten Art. Ansonsten gab es aber nur angenehme Leute und es ist immer besonders schön, wenn Charaktere aus vorherigen Bänden immer wieder eine kleine Rolle spielen. Man verliert sie nicht aus den Augen und man hat das Gefühl, am kompletten Inselleben teilzuhaben. Hier geht es warmherzig und familiär zu. Janne Mommsen schreibt auf sehr leichte und authentische Art. Dies erreicht er durch seine schönen Inselbeschreibungen, bei denen man hautnah bei einer Wattwanderung dabei ist und die Schönheit der Insel vermittelt bekommt. Dazu schreibt er manche Dialoge der Insulaner in Fering, des Föhrer Dialektes. Diese Sätze kann man aber sehr gut verstehen oder einfach aus dem Sinn ableiten. Sie stellen kein Verständnisproblem dar.
Mich hat dieses Buch wieder begeistert und ich wurde auf perfekte Weise unterhalten! Wer Entspannung sucht ist hier genau richtig!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.03.2023

Zwei Schwestern zwischen Hass und Familienbande

Die Töchter der Kornmühle
0

Die Schwestern Rena und Viktoria wachsen in den Nachkriegsjahren in Ostfriesland auf. Ihrer Familie gehört seit Generationen die Kornmühle im Dorf. Rena bleibt ihr Leben lang in ihrem Heimatdorf und kümmert ...

Die Schwestern Rena und Viktoria wachsen in den Nachkriegsjahren in Ostfriesland auf. Ihrer Familie gehört seit Generationen die Kornmühle im Dorf. Rena bleibt ihr Leben lang in ihrem Heimatdorf und kümmert sich um die in die Jahre gekommene Mühle. Viktoria dagegen hat schon früh gespürt, daß sie hier nicht leben will. Sie zieht es in die Stadt. Die Schwestern sind sich fremd geworden. Als ihre alte Mutter nun in die Klinik eingeliefert wird, muß Rena ihre Schwester benachrichtigen, denn die alte Frau will dringend mit ihren Töchtern sprechen. Sie möchte ihnen ein altes Familiengeheimnis anvertrauen. Dazu muß sie ihnen ihre Geschichte aus den 1940er Jahren erzählen. Was die beiden Schwestern dabei erfahren, zieht ihnen den Boden unter den Füßen weg und stellt die Familienbande auf eine harte Probe.

Das Buch "Die Töchter der Kornmühle" hat mich eigenartig berührt. Ich habe mich bei dieser Geschichte einfach nicht so ganz wohlgefühlt. Regine Kölpin gibt vielen Personen darin einen wenig liebenswerten Charakter. Die alte Hilka gefiel mir gar nicht. Sie war rechthaberisch und stur und ihre Tochter Rena ist auf dem besten Weg es ihr nachzumachen. Die Männer der Familie waren durchweg roh und gefühllos. Ich glaube nicht, daß man das alles mit der Kriegszeit entschuldigen kann. Soviel Streit und Hass in einer Geschichte ist schon bemerkenswert. Zum Ende des Buches wurde der Ton aber versöhnlicher. Da kam dann auch die herrliche Stimmung der Küstenlandschaft zum Vorschein, die Regine Kölpin immer so wunderbar beschreiben kann. Das Ende hat mich dann wieder versöhnt, so daß ich das Buch jedem empfehlen kann, der Lust auf eine nicht so heile Welt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere