Profilbild von Clara

Clara

Lesejury Star
offline

Clara ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Clara über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2017

Berührende Schicksale

Heimkehren
0

In ihrem Roman „Heimkehren“ beschäftigt sich Yaa Gyasi mit dem Schicksal einer Familie über mehrere Generationen hinweg.
Den Ausgangspunkt bilden zwei Schwestern, die sich niemals persönlich kennenlernen, ...

In ihrem Roman „Heimkehren“ beschäftigt sich Yaa Gyasi mit dem Schicksal einer Familie über mehrere Generationen hinweg.
Den Ausgangspunkt bilden zwei Schwestern, die sich niemals persönlich kennenlernen, da sie von verschiedenen Müttern geboren wurden und vollständig unterschiedliche Lebenswege gingen.

Die Autorin hat gut recherchiert und ein historisch authentisches Werk geschaffen. Insbesondere die frühen Kapitel, in denen es um Sklavenhandel ging, haben mich sehr bestürzt. Die unvorstellbaren Lebensbedingungen und Qualen die diese Leute erdulden mussten sind eine Schande. Bis zu dieser Lektüre war mir nicht bewusst, dass Menschen aller Hautfarbe als Fädenzieher in die Sklaverei involviert waren, um sich finanziell zu profilieren.

„Heimkehren“ ist kein Roman in dem auf 7 dürre Jahre 7 fette folgen. Auch am Ende ist nicht alles Sonnenschein. Jede Generation hat mit Schicksalsschlägen und Missständen zu kämpfen und die Aussichtslosigkeit mit der die Charaktere konfrontiert wurden hat mich oft traurig gemacht.

Der Schreibstil von Yaa Gyasi ist sehr bildhaft und lässt sich angenehm flüssig lesen. Persönlich empfand ich die Protagonisten gegen Ende des Buches nicht mehr ganz so interessant wie am Anfang.

Die größten Mankos dieses Buches waren für mich die großen Zeitsprünge (teilweise um die 20 Jahre) und die abrupten Beendigungen der Kapitel.
Ich hatte das Gefühl, dass jede Geschichte auf ihrem Zenit endete, bevor zum nächsten Protagonisten gewechselt wurde.
Ich wollte oft noch so viel mehr wissen, aber nach Ende eines Kapitels erschienen die vorherigen Personen nur noch schemenhaft als Randfiguren.
Dadurch liest sich „Heimkehren“ nicht wirklich als zusammenhängender Roman, sondern mehr wie eine Sammlung an Kurzgeschichten.

Ich möchte dieses Buch dennoch jedem empfehlen, der ein wenig mehr über die Geschichte der Schwarzen wissen möchte.

Veröffentlicht am 27.05.2017

Plötzliche Erbschaft

June
0

Das Erste, was einem bei Miranda Beverly-Wittemores neuem Roman „June“ ins Auge sticht, ist das Titelbild. Das mit einem Filter bearbeitete Foto vermittelt ein Gefühl von Freiheit und die Farben erinnern ...

Das Erste, was einem bei Miranda Beverly-Wittemores neuem Roman „June“ ins Auge sticht, ist das Titelbild. Das mit einem Filter bearbeitete Foto vermittelt ein Gefühl von Freiheit und die Farben erinnern an Sommer und warme Temperaturen.

Die Geschichte spielt in zwei verschiedenen Zeitebenen.
Im Jahr 2015 wird Cassie, deren Leben gerade einen Tiefpunkt erreicht hat, von einer Erbschaft überrascht. Angeblich soll sie die Enkelin des Schauspielers Jack Montgomery sein. Plötzlich befindet sich Cassie in einem Ausnahmezustand. Jacks berühmte Tochter Tate und ihre Gefolgschaft stehen vor der Tür und in der Nacht wird sie von merkwürdigen Träumen heimgesucht, die sie ins Jahr 1955 führen. So erfährt sie, wie ihre Großmutter June Jack begegnete und wie ein ganzer Ort während den Dreharbeiten zu einem Hollywood Film Kopf stand.

Insbesondere der Teil, der im Jahr 1955 spielt, hat mir sehr gut gefallen. Ich mochte die Aufregung und die spannungsgeladene Stimmung in St. Jude. Das Leben der Dorfbewohner ist ebenfalls so spannend wie ein Film und die Intrigen, die hinter verschlossenen Türen vor sich gehen könnten aus einem Drehbuch sein.

June ist eine junge Frau, die als sehr schön beschrieben wird. Gleichzeitig versucht sie verzweifelt einen Platz im Leben zu finden, scheut sich jedoch davor, ihren eigenen Wünschen nachzugehen.
Ich habe sie teilweise als einen etwas anstrengenden Charakter empfunden und bin nicht wirklich warm mit ihr geworden.

Meine Lieblingsfigur war die kleine Lindie, die lieber Jungenkleidung als Mädchensachen trägt und trotz ihres zarten Alters bereits weiß, wie man die Fäden in die Hand nimmt.

Auch der Teil aus dem Jahr 2015 lies sich leicht und unterhaltsam lesen, auch wenn man nicht unbedingt auf allzu viel Logik hoffen sollte. Welcher Filmstar würde sich darauf einlassen, zuerst einmal in einem heruntergekommenen Haus nach Überbleibseln aus der Vergangenheit zu suchen, bevor die potenzielle Erbin ihre Einwilligung zum DNA Test gibt?

„June“ ist nach „Bittersweet“ der zweite Roman von Miranda Beverly-Wittemore und mir hat imponiert, dass es der Autorin gelungen ist, eine Geschichte zu verfassen, die sich vollständig von ihrem Debütroman unterscheidet.

Ich empfand „June“ als durchaus lesenswert und vergebe 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 23.12.2025

Erst spannend, dann absurd

Der Boss – Ist er ein Monster oder ein Genie?
0

Nachdem mich „Love, Mom“ kürzlich enttäuscht hatte, wollte ich Iliana Xander eine zweite Chance geben. Der Klappentext von „Der Boss“ klingt nämlich ausgesprochen viel versprechend. Kaum angefangen, war ...

Nachdem mich „Love, Mom“ kürzlich enttäuscht hatte, wollte ich Iliana Xander eine zweite Chance geben. Der Klappentext von „Der Boss“ klingt nämlich ausgesprochen viel versprechend. Kaum angefangen, war ich von dem Thriller zunächst einmal richtig begeistert. Die Handlung ist temporeich, die Kapitel sehr kurz. Ich flog durch die Seiten, eben ein richtig guter Buchsnack für zwischendurch.

Als Natalies Freundin nach einer Partynacht vergiftet im Krankenhaus liegt, beschließt sie auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Unter einem Vorwand besorgt sie sich einen Job bei dem Mann, dem sie die Schuld am Zustand ihrer Freundin gibt. In dem Haushalt ist alles sonderbar. Der Hausherr ist exzentrisch, die Angestellten geheimniskrämerisch und es gibt eine Menge seltsamer Regeln.

Alles ist sehr fesselnd geschrieben. Iliana Xander führt den Leser erfolgreich aufs Glatteis, was die Gründe für die Vergiftung sein könnten. Für weitere Verwirrung sorgen kurze Kapitel aus der Perspektive einer unbekannten Person. Schien es am Anfang noch eindeutig, um wenn es sich hierbei handelt, musste ich meine Vermutung im Verlauf der Geschichte mehrmals ändern. Hier kamen „Pretty little liars“ Vibes auf, mit einem Anonymus, der die Strippen zieht.

Ich fand „Der Boss“ richtig gelungen, bis zu dem Moment, als die Auflösung anfing sich zu entwickeln. Ab da ging es steil in Richtung Absurdität. Die Handlung nahm eine Wendung, die ich zwar nie hätte kommen sehen, die die Geschichte allerdings komplett an den Haaren herbei gezogen und unrealistisch macht.
Schade, die letzten ca. 70 Seiten haben den Thriller für mich leider verbockt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.07.2025

Thematisch überladen

Der Sommer am Ende der Welt
0

3,5 Sterne.
An Eva Völler mag ich, dass sie sich nicht auf ein Genre festlegt, sondern ihre Geschichten unterschiedlich aufzieht. Sie hat bereits Fantasy Romane veröffentlicht, historische Romane und ...

3,5 Sterne.
An Eva Völler mag ich, dass sie sich nicht auf ein Genre festlegt, sondern ihre Geschichten unterschiedlich aufzieht. Sie hat bereits Fantasy Romane veröffentlicht, historische Romane und historische Krimis.
„Der Sommer am Ende der Welt“ unterscheidet sich dadurch, dass ein großer Teil der Handlung in der Gegenwart spielt.
Die Journalistin Hanna kommt gemeinsam mit ihrer Tochter Katie nach Borkum, um für ihre nächste Story zu recherchieren. Sie möchte die Missstände aufdecken, die in den 60er Jahren unter dem Deckmantel von Kinderkuren stattfanden.

Es gibt immer wieder „Trends“ in Büchern und momentan veröffentlichen mehrere bekannte Autorinnen Romane, zum Thema Kinderverschickungen. Für mich war „Der Sommer am Ende der Welt“ das erste Buch hierzu und so war meine Bestürzung riesig. Ich finde es wichtig, dass auch über Themen, die vielen nicht bekannt sind bzw. in Vergessenheit geraten sind, berichtet wird.

Trotz des hohen Informationsgehalts empfand ich die Umsetzung des Romans nicht ganz gelungen.
In der Gegenwartshandlung lernt Hanna direkt am Schiffsanleger bei Ankunft einen Mann kennen. Es funkt auf beiden Seiten auf den ersten Blick, die Wolken sind rosa... Die Liebesgeschichte hatte etwas von einer Sommerlektüre und wollte mit all seinen Emotionen nicht zur ansonsten sehr ernsten Thematik passen.
Je mehr Kapitel verstrichen, desto mehr stellte ich fest, dass das Hauptthema von „Der Sommer am Ende der Welt“ gar nicht wirklich die Kinderkuren sind, wie mich der Klappentext vermuten lies. Tatsächlich wird dieses Thema sogar relativ kurz abgehandelt durch Telefonate zwischen Hanna und Sabine, einem ehemaligen Verschickungskind. Da die Gespräche immer wieder unterbrochen werden, ziehen sie sich durch das komplette Buch, auch wenn es umfangmässig ziemlich wenig ist.
In dem Roman geht es schwerpunktmäßig um ein Familiengeheimnis, welches sich zu einem Kriminalfalls entwickelt und bis in die Nazizeit zurückreicht.
Ich mag den Schreibstil von Eva Völler gerne und das Buch lies sich gut lesen, jedoch fand ich das Buch thematisch sehr überladen. Naziverbrechen, Kinderkuren, Familienstreitigkeiten und zwei extrem blumige Liebesgeschichten. Dazu noch ein Handlungsstrang über seltsame Deja-Vus und Krankheit, was ich völlig überflüssig fand.
Fazit: joah.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.05.2025

Verschenktes Potential

Killer Potential
0

3,5 Sterne.
„Killer Potential“ fällt schon durch das intensiv gelbe Cover auf. Das Buch wirkte auf den ersten Blick anders und tatsächlich fand ich die Storyline von der Grundidee her ziemlich erfrischend. ...

3,5 Sterne.
„Killer Potential“ fällt schon durch das intensiv gelbe Cover auf. Das Buch wirkte auf den ersten Blick anders und tatsächlich fand ich die Storyline von der Grundidee her ziemlich erfrischend.
Evie arbeitet als Tutorin. Als sie eines Nachmittags zur Nachhilfestunde erscheint, findet sie die Eltern ihrer Schülerin ermordet vor. Sie hätte die Polizei rufen können, doch von einer Sekunde auf die andere läuft alles aus dem Ruder. Unter der Treppe findet Evie eine gefesselte Frau und durch ein Missverständnis kommt es zu einem Handgemenge mit ihrer Nachhilfeschülerin Selena. Plötzlich befinden sich Evie und die gefesselte Frau auf der Flucht. Eine wilde Fahrt durch sämtliche Bundesstaaten beginnt, denn für die Polizei sind die beiden Mörderinnen.

Der Thriller beginnt sehr skurril und Evie hatte zunächst einen ziemlich sarkastischen Humor, der mich amüsiert hat. Die Geschichte startet direkt mit dem Mord und der Flucht. Da es so spannend begann, hatte ich erwartet, dass es nun immer so rasant weitergeht. Allerdings war die Luft nach einer Weile raus, weil sich die Dinge zu wiederholen beginnen. Die beiden Frauen klauen immer wieder Autos, Boote oder Lebensmittel, brechen irgendwo ein und werden dabei immer mal wieder erwischt.
Auf Dauer wurde es doch ein wenig lahm, zumal mir Evie mit der Zeit immer mehr wie eine naive Idiotin erschien. Das man im ersten Schock etwas Unbedachtes tut, okay, aber irgendwann müssten die Synapsen ja wieder einklicken. Evie hat die Victors nicht ermordet, deswegen ist diese ganze Tour kompletter Irrsinn. Sie steht permanent neben sich und zieht die einfachsten Schlüsse nicht. Für mich lag ziemlich bald auf der Hand, wer die Morde begannen hat, deswegen war die Auflösung keine Überraschung. Für meinen Geschmack ging die Geschichte noch zu lange weiter, nachdem die Flucht beendet war.
Auch die Liebesgeschichte empfand ich ein wenig überflüssig und ohne wirkliche Emotionen. Die befreite Frau spricht im ersten Drittel des Buches nicht und ich war sehr neugierig, mehr über sie zu erfahren. Nachdem sie die Sprache wiedergefunden hat, fand ich ihren Background dann doch nur so mittel interessant.
„Killer Potential“ hatte wirklich Potential. Leider wurde dieses doch ziemlich viel verschenkt.
Das Buch war okay, aber ich würde es nicht weiterempfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere