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Veröffentlicht am 27.03.2023

Regt zum nachdenken an

Die spürst du nicht
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Zwei gutsituierte österreichische Familien fahren gemeinsam in den Sommerurlaub in die Toskana. Mit dabei ist Aayana, eine Freundin der 14jährigen Tochter Sophie-Louise und Flüchtlingskind aus Somalia. ...

Zwei gutsituierte österreichische Familien fahren gemeinsam in den Sommerurlaub in die Toskana. Mit dabei ist Aayana, eine Freundin der 14jährigen Tochter Sophie-Louise und Flüchtlingskind aus Somalia. Der erste Ferientag verläuft geruhsam im Feriendomizil mit Pool, bis am Abend ein Unglück geschieht, das alles verändert.

Die Geschichte beginnt als herrlich bissige Gesellschaftssatire und wechselt nach dem Unglück etwas den Ton, die ironische Note tritt in den Hintergrund. Der Roman beleuchtet unseren Umgang als Gesellschaft und als Einzelne mit Migranten und Migrantinnen, geprägt von mangelnder echter Empathie, herablassender Ignoranz und kulturellen Missverständnissen.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Tochter Sophie-Louise und ihre Mutter Elisa, die für die Grünen im Nationalrat sitzt. Die Erzählung wird immer wieder ergänzt durch Onlineberichte diverser Medien und zugehörige Postings, die sehr gut getroffen sind. Jede Figur hat ihre eigene Art, mit dem Unglück umzugehen, doch drehen sie sich alle im Grunde nur um sich selbst und ihre eigenen Befindlichkeiten.

Die Charaktere sind scharf getroffen, der Schreibstil ist toll zu lesen. Leider ist der Part um Sophie-Louise recht vorhersehbar. Die Beschreibung der somalischen Familie empfinde ich als weniger gelungen, die Figuren wirken unrund und ihr Verhalten wenig glaubwürdig.

Zum Hörbuch: Das ungekürzte Hörbuch mit einer Laufzeit von 8h 47 min wurde von Tessa Mittelstaedt und Steffen Groth eingesprochen, wobei Frau Mittelstaedt die eigentliche Geschichte vorträgt und Herr Groth die Passagen, die Presseberichte und zugehörige Postings beinhalten. Diese Aufteilung ist eine tolle Idee und sehr gelungen umgesetzt. Beide haben eine sehr angenehme Stimme und ein gutes Sprechtempo. Herr Groth trifft genau den richtigen Presse-Ton und spricht auch die einzelnen Postings und Kommentare facettenreich und teilweise mit wunderbarem Wiener Dialekt. Ein echter Zugewinn zum reinen Buch! Auch Frau Mittelstaedt verstimmlicht jede Figur gekonnt und verleiht ihr eine individuelle Note.

Insgesamt eine interessante, außergewöhnliche und zum Nachdenken anregende Geschichte und ein  sehr empfehlenswertes Hörbuch mit  hervorragenden Sprechern.

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Veröffentlicht am 27.03.2023

Jugend in Rumänien in den 80ern

Die Goldene Höhle
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Der Roman erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen, Stefane, genannt Fane, und Paul. Es ist Herbst 1988, als sie sich in Bukarest kennenlernen, Fane ist noch Schüler, Paul 4 ...

Der Roman erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen, Stefane, genannt Fane, und Paul. Es ist Herbst 1988, als sie sich in Bukarest kennenlernen, Fane ist noch Schüler, Paul 4 Jahre älter und Student der Philosophie und begeisterter Schlagzeuger. Beide verbindet die Liebe zur Rockmusik, zu Deep Purple und Frank Zappa. Sie treffen sich fast täglich in einem verlassenen Theaterdepot, ihrer "Goldene Höhle",  und spielen dort stundenlang E-Gitarre und Schlagzeug. Die Goldene Höhle wird für sie und ihre gemeinsame Freundin Oksana ein Ort, an dem sie der Enge des kommunistischen Regimes entfliehen und ihren Träumen nachhängen können. Bis Paul eines Tages verschwindet.

Als Ich-Erzähler berichtet Fane einer zunächst unbekannten Person von den lange zurückliegenden Ereignissen um Paul und der Zeit zwischen September 1988 und Anfang 1990. Die Atmosphäre in der Endzeit der kommunistischen Diktatur Ceausescus wird dabei spürbar, die Bespitzelungen, der allgegenwärtige Mangel an Nahrungsmitteln, Strom und Gas, und die trostlosen Zukunftsaussichten. Vieles davon wird nahezu beiläufig, nur in Nebensätzen, erzählt. Dem steht die Wärme ihrer Freundschaft und der liebevoll gezeichneten Familie Pauls gegenüber. Der Autor ist Professor für Philosophie, was sich in einigen Passagen bemerkbar macht und manchmal etwas aufgesetzt wirkt.

Insgesamt ein berührender und empfehlenswerter Coming-of-Age Roman, in dem die Musik eine zentrale Rolle einnimmt, und der zugleich ein wichtiges Stück europäischer Geschichte erzählt.

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Veröffentlicht am 22.03.2023

Angst verstehen

Vom Sinn der Angst
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Das Buch "Vom Sinn der Angst" von Verena Kast, der bekannten Schweizer Psychoanalytikerin und ehemaligen Professorin für Psychologie an der Universität Zürich, wurde neu aufgelegt.

Darin erläutert die ...

Das Buch "Vom Sinn der Angst" von Verena Kast, der bekannten Schweizer Psychoanalytikerin und ehemaligen Professorin für Psychologie an der Universität Zürich, wurde neu aufgelegt.

Darin erläutert die Autorin ausführlich und gut verständlich die Hintergründe der Entstehung von Angst, ihre Auslöser und Erscheinungsformen, Formen der Angstbewältigung und unterschiedliche Angststörungen. Es kann dabei helfen, die eigenen Ängste und deren Mechanismen zu verstehen und so Ansätze zu finden, das eigene Verhalten zu hinterfragen und Veränderungen anzustoßen. Es ist allerdings kein Ratgeber, der konkrete ausführliche Bewältigungsstrategien an die Hand gibt, sondern eher eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Angstthematik.

In manchen Kapiteln, insbesondere denen,  die sich Beziehungen widmen, merkt man dem Buch seine 25 Jahre an, da sich hier in den letzten Jahren hinsichtlich Rollenmustern doch einiges verändert hat, und auch die zitierten Quellen aus den 50er bis 80er Jahren wirken etwas antiquiert. Umgekehrt finden dementsprechend auch Themen wie Veränderungen in der Arbeitswelt, der Familienstruktur und den Sozialen Medien und deren Einfluss auf Ängste keine Berücksichtigung.

Fazit: Insgesamt ein empfehlenswertes, fundiertes und umfassendes Buch zum Thema Angst, ihrer Entstehung und ihren Ausprägungen.

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Veröffentlicht am 21.03.2023

Ein echter Sträter

Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen
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"Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen" beinhaltet einen bunten Mix an Texten von Torsten Sträter aus den Jahren 2019 bis 2021. In seiner gewohnten unnachahmlichen Art sinniert der Wortakrobat ...

"Du kannst alles lassen, du musst es nur wollen" beinhaltet einen bunten Mix an Texten von Torsten Sträter aus den Jahren 2019 bis 2021. In seiner gewohnten unnachahmlichen Art sinniert der Wortakrobat über die Corona-Pandemie, Versicherungen, Fitnesstudios  Jahrmärkte und vieles mehr, und auch einige seiner Beiträge aus den Sendungen "Extra 3", "7 Tage, 7 Köpfe" und "Sträter" sind enthalten, etwa aus den Kultrubriken "Kammanommakucken", "Ansprachen ans Volk" oder die "Akte Wichs".

Nachdem mich die ersten Geschichten nicht so richtig abholen konnten, da sie mir zu abstrus waren, nimmt das Buch danach deutlich mehr an Fahrt auf und enthält einige wirklich zündende und witzige Texte. Auch auf das Thema Depressionen geht Torsten Sträter an zwei Stellen ein, einmal sehr persönlich, ein zweites Mal sehr pointiert und treffend. Ich kannte den Text bereits aus der Sträter-Folge mit Kurt Krömer und habe mich gefreut, ihn hier nochmals nachlesen zu können.

Insgesamt ein gelungenes Buch für alle Sträter-Fans und eine sehr kurzweilige Lektüre!

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Veröffentlicht am 21.03.2023

Reihenauftakt mit Potenzial, aber Luft nach oben

Tod in Siebenbürgen
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Über 35 Jahre, nachdem er als Junge mit seinem Vater die Heimat Siebenbürgen bei Nacht und Nebel verlassen hat, erhält der Journalist Paul Schwarzmüller unverhofft Post aus Rumänien. Seine Tante Zinzi ...

Über 35 Jahre, nachdem er als Junge mit seinem Vater die Heimat Siebenbürgen bei Nacht und Nebel verlassen hat, erhält der Journalist Paul Schwarzmüller unverhofft Post aus Rumänien. Seine Tante Zinzi ist verstorben und vermacht ihm ihren Bauernhof, den Ort der schönsten Stunden in Pauls Kindheit. Paul macht sich auf nach Siebenbürgen und wird bei der Rückkehr in die alte Heimat von seinen lange unterdrückten Gefühlen eingeholt. Auf Zinzis Hof begegnet er der seltsamen Maia, und auch seinen Jugendfreund Sorin trifft er wieder. Die Wiedersehensfreude ist nur von kurzer Dauer, da auf Schloss Bran ein Mann aus dem Dorf ermordet aufgefunden wird und Sorin unter dringenden Tatverdacht gerät. Um Sorins Unschuld zu beweisen, stellt Paul eigene Nachforschungen an und begibt sich dabei selbst in in höchste Gefahr. Gleichzeitig lassen ihn die Schatten der Vergangenheit nicht los und er möchte herausfinden, warum er seine Heimat damals so überstürzt verlassen musste.

Lioba Werrelmann erzählt sehr stimmungsvoll und bildlich von der Landschaft Siebenbürgens und lässt interessante historische Informationen zur Geschichte und Tradition der Siebenbürgener Sachsen einfließen. Dadurch konnte ich mir die Schauplätze des Romans sehr bildlich vorstellen und habe auch einiges über die Region, mit der ich mich bisher noch nie beschäftigt hatte, gelernt. Dieses Setting hebt diesen Roman angenehm von den üblichen Krimischauplätzen ab.

Die Geschichte ist unterhaltsam, teilweise mystisch und gruselig, die Figuren sind undurchsichtig, und es bleibt bis zum Schluß geheimnisvoll. Leider handelt
Paul für einen erfahrenen Investigativjournalisten oft erstaunlich unstrukturiert und naiv, was in diesem 1. Band möglicherweise mit seiner privaten Geschichte zu tun hat, die ihn beschäftigt und nicht klar denken lässt. Hierdurch leidet jedoch die Spannung und Tiefe der Krimihandlung etwas, und das Buch lebt vor allem von seiner Atmosphäre. Auch der ständige Alkoholkonsum fiel mir negativ auf. Bei einigen interessanten Figuren hätte ich mir eine tiefergehende Charakterisierung gewünscht, das hätte der Geschichte meiner Meinung nach gut getan.

"Tod in Siebenbürgen" bietet abseits klassischer Krimipfade eine sehr unterhaltsame, düstere Geschichte. Wenn der Protagonist im nächsten Band seine investigativen Fähigkeiten stärker unter Beweis stellt, hat diese Reihe auf jeden Fall Potenzial. Da mir der Erzählstil von Lioba Werrelmann sehr gut gefallen hat und sie hinsichtlich Atmosphäre und Setting neue Wege gegangen ist, möchte ich den zweiten Teil mit Paul Schwarzmüller auf jeden Fall lesen.

Ich habe lange überlegt, ob ich 3 oder 4 Sterne geben soll, und mich letztendlich für 4 entschieden.

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