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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2023

Höfliche Beschwerden

Ein bisserl schimpfen ein bisserl räsonieren
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Gestaltung:
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Das Buch ist ein Schmuckstück! Auf dem Cover die alte Schreibmaschine und dann dieser wunderhübsche Farbschnitt mit altertümlichem Muster. Durch die Größe (kleiner als DIN ...

Gestaltung:
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Das Buch ist ein Schmuckstück! Auf dem Cover die alte Schreibmaschine und dann dieser wunderhübsche Farbschnitt mit altertümlichem Muster. Durch die Größe (kleiner als DIN A5) ist es optimal zum Mitnehmen und zwischendurch Lesen.
Auch der Innenteil ist sehr schön gestaltet. Die Namen der Kategorien sind in einer altmodisch wirkenden Schrift gedruckt und zwischen den Kapiteln sind kleine Schwarz-Weiß-Illustrationen passend zu den Überschriften. Einfach klasse!

Mein Eindruck:
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Stefan Franke liebt alte Zeitungen und in diesem Büchlein hat er das Best-of der Leserbriefe der Wochenzeitung "Wiener Hausfrau" zusammengestellt. Erschienen sind sie in der Zeit zwischen 1909 bis 1915 in der Rubrik "Der Klaghansl". Wie der Name der Kolumne verrät, handelt es sich um Beschwerdebriefe, allerdings so höflich und "räsonierend" geschrieben, dass es eine Freude ist, sie zu lesen.
Eingeteilt in Kategorien zum Straßenverkehr, Hygiene, Lärm, Kinder, Beziehungen, Dienstpersonal, Ernährung, Mode, Lokalitäten, Wohnungssituation und Diverses erhält der Leser so einen Einblick in das Alltagsleben vor gut 100 Jahren.

Dabei fällt auf, dass sich einige Dinge scheinbar nie ändern oder nur in etwas modernerer Form heutzutage wieder auftauchen. Über Unrat auf der Straße, lärmende Kinder, mangelnden Respekt von Dienstpersonal oder von Kindern sowie über durch knisternden Bonbontüten oder Geschwätz störende Theaterbesucher wurde sich immer schon aufgeregt. Dagegen kann man beobachten, dass sich glücklicherweise die Rolle der Frau in der Gesellschaft doch um einiges geändert hat. Diese und noch viel mehr Beispiele findet man in diesem Buch.

Im Vergleich zu heute bedient sich der schimpfende Wiener allerdings einer sehr höflichen Sprache und schließt sein "Schreiben mit einer wohlmeinenden Bitte oder einem herzlichen Wunsch an die Allgemeinheit" (S. 9) ab. Denn letztendlich steht nicht das Anprangern im Vordergrund, sondern der damit verbundene Wunsch nach Verbesserung der Situation.
Da könnte man sich heute eine gute Scheibe von abschneiden!
Als Nicht-Österreicherin habe ich einige Begriffe nachschlagen müssen, aber gerade das war für mich auch der Reiz des Buches: Die österreichische Sprache hat ihren besonderen Charme und auf diese Weise habe ich mein Sprachwissen erweitert.

In der Einleitung und am Schluss berichtet Herr Franke noch kurz über die Zeitungsgeschichte der "Wiener Hausfrau" und ordnet die Briefe in ihren historischen Kontext ein. Das hat das Buch für mich rund gemacht.

Fazit:
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Wiener Leserbriefe zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus dem Bürgertum: Höflich, amüsant und aufschlussreich!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2023

Wenn Freundschaft mit dem Glauben kollidiert

Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen
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Cover:
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Das Titelbild erinnerte mich an ältere Jugendliteratur in den den orangen und grünen Farbtönen. Als Nostalgikerin gefiel mir das sehr und es machte mich neugierig.

Inhalt:
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Der ...

Cover:
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Das Titelbild erinnerte mich an ältere Jugendliteratur in den den orangen und grünen Farbtönen. Als Nostalgikerin gefiel mir das sehr und es machte mich neugierig.

Inhalt:
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Der 15-jährige Jehuda Rosen, genannt 'Hoodie" gehört einer jüdisch-orthodoxen Glaubensgemeinschaft an. Während des Unterrichts sieht er durch das Fenster ein gleichaltriges Mädchen. Sie fasziniert ihn schon, weil sie optisch anders ist als jüdische Mädchen. Und dann stellt sich noch heraus, dass Anna-Marie die Tochter der Bürgermeisterin ist. Diese ist der jüdischen Gemeinde gegenüber nicht wohl gesonnen. Und auch umgekehrt ist die aufkeimende Beziehung Hoodies Familie und seiner Gemeinde ein Dorn im Auge.

Mein Eindruck:
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"Auf der Wasserstein-Hochzeit ein Jahr zuvor hatte auch ich getanzt, war dort ganz genauso mit Freunden und der Familie herumgewirbelt. Damals hatte ich mich zugehörig gefühlt, als würde ich genau in diese Gemeinschaft hineinpassen. Aber jetzt fühlte ich mich wie ein Außenstehender, unsicher, wohin ich passte, ob ich überhaupt irgendwohin passte.
"Passen" war genau das richtige Wort. Denn die ganze Sache war wie eine Jacke, die mir nicht mehr richtig passte. Aber es war gleichzeitig, auch die einzige Jacke, die ich hatte. Darunter war ich nackt. Ich wollte sie nicht wirklich tragen, aber ich konnte sie auch nicht ausziehen, denn was sollte ich stattdessen überstreifen?"
(S. 204)

Mich hat das Buch von Anfang an gepackt. Der Einstieg ist recht humorvoll und man lernt nebenher viel über den jüdischen Glauben. Der Leser verfolgt das Geschehen ausschließlich durch Hoodies Augen und Gedanken. Er setzt sich kritisch mit den Inhalten seines Glaubens und Lebens auseinander und erzählt dabei das Ganze immer mit einer Spur Ironie.
Die Freundschaft zu Anna-Marie verläuft schließlich anders als gedacht und die Situation insgesamt spitzt sich ab dem ersten Drittel des Buches immer weiter zu. Teilweise hatte ich nicht erwartet, dass es sich so heftig entwickeln würde. Aber dank Hoodies Sarkasmus wird es nie zu dramatisch und das nimmt der Handlung die Schwere.
Das Ende gefiel mir sehr gut. Es war kein typisches Happy End, aber es ging in eine versöhnliche Richtung und ließ noch Raum für Entwicklung und Interpretation. Ich war allerdings traurig, von Hoodie Abschied nehmen zu müssen. Ich habe ihn sehr ins Herz geschlossen, wahrscheinlich wegen seiner kritisch-hinterfragenden und gleichzeitig sarkastischen Art. Und auch seine große Schwester Zippy war ein starker Charakter in diesem Buch, die immer den Durchblick hat und das richtige sagt oder tut zur richtigen Zeit. Ohne sie hätte die ganze Geschichte nicht so gut funktioniert.
Die meisten jüdischen Begriffe werden im Text erklärt, aber für einige wären Fußnoten oder ein Glossar am Ende eventuell hilfreich gewesen.

Fazit:
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Freundschaft, jüdischer Glauben, Rechtsextremismus und Toleranz in einer Mischung aus Spannung, Ernst und Humor vereint

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.04.2023

Wenn "Spießer" und Umweltaktivisten plötzlich an einem Strang ziehen (müssen)

Grüner wird's nicht
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Inhalt:
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Alles beginnt damit, dass sich die siebzehnjährige Rose den Schlafsack ihres dreizehnjährigen Bruders Luke ausleihen will. Dieser stimmt zu und dann ist Rose auch schon verschwunden: ...

Inhalt:
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Alles beginnt damit, dass sich die siebzehnjährige Rose den Schlafsack ihres dreizehnjährigen Bruders Luke ausleihen will. Dieser stimmt zu und dann ist Rose auch schon verschwunden: Umgezogen in das Haus gegenüber, in dem Umweltaktivisten ein Haus besetzen, um gegen die geplante Flughafenlandebahn zu protestieren. Die Eltern sind aufgebracht und Luke sieht seine gemütlichen Sommerferien in Gefahr. Doch dann wird dies ein Sommer voller Abenteuer, neuer Freundschaften und Erkenntnisse und am Ende ist nichts mehr so, wie es mal war.

Mein Eindruck:
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"Das orangerote Licht des Sommerabends fällt schräg in die Küche und wirft den verzerrten Schatten meines Vaters über unsere Teller und Gläser. Für einen Augenblick scheint alles still zu stehen, wie auf einem Foto. Ich habe den vagen Verdacht, dass sich dieser unbedeutende Moment in mein Gedächtnis einprägen wird. Und mit einem Mal habe ich das ungute Gefühl, dass nichts bleiben wird, wie es mal war." (S. 61, Luke)

Mich hat das Buch sofort in seinen Bann gezogen. Die Geschichte ist aus Lukes Sicht geschildert und manchmal hat er für einen Dreizehnjährigen einen erstaunlichen Durchblick und erzählt mit einem ironisch witzigen Ton und mit sehr bildhaften Vergleichen. Ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen.

"»Ich habe ihnen erzählt, was ich hier mache. Ich beziehe Stellung zu einem der wichtigsten Themen unserer Zeit.«
»Okay. In Ordnung.«
»Das ist eine weltweite Bewegung, die sich damit auseinandersetzt, was derzeit passiert, und wirklich Dinge verändern will – und ich will daran teilnehmen, statt das Problem einfach zu ignorieren und mich abzulenken, indem ich immer mehr Zeug kaufe, während unterdessen die Erde zugrunde geht. Ich weiß, dass Mum und Dad durchdrehen und finden, dass das verrückt ist. Aber verrückt ist doch, nichts dagegen zu tun! Verrückt ist, einfach so weiterzumachen, als wäre alles in bester Ordnung.«
»Stimmt.«" (S. 34, Rose zu Luke)

William Sutcliffe hat es geschafft, die Themen Umweltaktivismus, Außenseiter und Aussteigertum, Freundschaft und Problem von Teenagern in einen humorvollen, manchmal sarkastischen und gleichzeitig nachdenklich machenden Roman zu verarbeiten, der nicht nur Jugendliche ansprechen dürfte. Die behandelten Themen gehen alle etwas an, die sich mit dem Sinn ihres Lebens und dem Thema Klimawandel und Umweltzerstörung auseinandersetzen. Die Handlung ist spannend und birgt einige Überraschungen. Das Ende ist schlüssig und auch wenn der Roman abgeschlossen ist, hätte ich nichts dagegen, mit Luke und Sky noch ein Abenteuer erleben zu dürfen. Die beiden sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Fazit:
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Umweltaktivismus, Aussteigertum, Freundschaft und Teenagerprobleme - humorvoll, aber auch mit ernsten Untertönen erzählt - empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2023

Herr Heinleins Leichen

Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller
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Gestaltung:
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Das Cover ist sehr ansprechend und passend für einen Krimi. Es sind nur Andeutungen in Form zweier Messer und einer Fliege mit Blutspritzern und doch kann man dahinter einen ...

Gestaltung:
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Das Cover ist sehr ansprechend und passend für einen Krimi. Es sind nur Andeutungen in Form zweier Messer und einer Fliege mit Blutspritzern und doch kann man dahinter einen Mann erahnen. Die verlaufende blutrote Farbe, die sich auch in der Schrift widerspiegelt und die leicht glänzt, sticht einem direkt ins Auge.
Im Innenteil bekommt der Leser statt Kapiteln Gänge samt Rechnung serviert und die Abschnitte werden von einer Herrenfliege voneinander getrennt. Optisch ist das Buch toll gestaltet! Ein Highlight ist zu Beginn die aufklappbare Karte der Stadt, in der Herr Heinlein wohnt und sein Geschäft betreibt. So kann man sich beim Lesen noch besser orientieren und es wirkt realer.

Inhalt:
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Norbert Heinlein ist ein fast 60-jähriger Mann, der in 3. Generation einen Laden für Delikatessen betreibt. Er wohnt über seinem Geschäft und pflegt dort auch seinen dementen Vater. Er ist noch vom alten Schlag, bei ihm zählen Werte wie Höflichkeit, Loyalität und vor allem Qualität! Er hat ein gutes Herz und so hat er Marvin, einen jungen Mann mit scheinbarer geistiger Behinderung in seinem Laden angestellt. Zudem schreibt er regelmäßig seinem Patenkind Lupita in Afrika und spendet ihm Geld.
Eines Tages kommt mit Herrn Morlok ein sehr netter Kunde in sein Geschäft, der zu seinem Stammkunden wird. Doch drei Monate später stirbt er in der Küche des Ladens. Aus Panik lagert ihn Heinlein im Kühlhaus des Kellers. Doch bei der einen Leiche bleibt es nicht und Herr Heinlein gerät immer tiefer in eine Lage, aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

Mein Eindruck:
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"Ich betrachte Probleme als etwas Positives, als Herausforderung", dozierte Morlok. "Sie stehen im Kontrast zu unserer natürlichen Trägheit, zwingen uns, aktiv zu werden. Wir müssen handeln oder zumindest nachdenken. Die Menschheit würde noch grunzend auf Bäumen vegetieren, doch mit jedem Problem, mit dem sie konfrontiert wurde, hat sie sich entwickelt. Der technische Fortschritt, jede einzelne Erfindung basieren auf nichts anderem als auf einem gelösten Problem." (S. 66)

Ich kannte bisher noch keinen Roman des Autors, Thriller sind eher nicht mein Fall. Doch dieser Roman ist anders. Die Spannung baut sich langsam, aber stetig auf und obwohl es teilweise makaber zugeht, ist immer ein humorvoller Teil dabei. Anfangs mochte ich Herr Heinlein und auch seinen Angestellten und Ziehsohn Marvin sehr gerne. Im Laufe der Handlung beobachtete ich jedoch ungläubig, wie beide die Realität immer mehr zu ihren Gunsten auslegen. Sie wurden mir mit der Zeit eher unheimlich. Die Lage spitzt sich immer weiter zu, bis man glaubt, dass es jetzt kein Entrinnen mehr für Herr Heinlein geben könne. Doch genau in dem Moment gelingt dem Autor noch eine unerwartete Wendung im Roman.
Dieser Krimi ist skurril, er ist verrückt, makaber und ironisch und nebenbei extrem spannend. Zwischendurch gibt es auch einige ernste Szenen, z. B. in denen Herr Heinlein über den Sinn des Lebens und über die Beziehung zu seinem strengen Vater nachdenkt.
Ich mochte diese außergewöhnliche Mischung an Elementen, und obwohl die Geschichte im Prinzip abgeschlossen ist, könnte ich mir gut eine Fortsetzung vorstellen. Ich würde mich freuen!

Fazit:
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Außergewöhnlicher Krimi, der mit Spannung, skurrilen Charakteren, schwarzem Humor und überraschenden Wendungen gut unterhält.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2023

Praxistaugliche Andachten für ein zufriedeneres Leben

Gut genug!
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Cover:
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Das Titelbild mit dem zerknitterten und somit unperfekten Blatt passt hervorragend für dieses Buch und springt einem sofort ins Auge.

Inhalt:
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Ob von den sozialen ...

Cover:
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Das Titelbild mit dem zerknitterten und somit unperfekten Blatt passt hervorragend für dieses Buch und springt einem sofort ins Auge.

Inhalt:
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Ob von den sozialen Medien, der Werbung oder auch im (christlichen) Alltag: Überall wird uns gesagt, dass wir perfekt sein müssen und dass es doch sicher nicht schwer ist, perfekt zu sein, wenn man sich nur entsprechend anstrengt. Doch ist das tatsächlich so und reicht es nicht, einfach nur "gut genug" zu sein, auch das Christsein betreffend? Und wie geht das, wie findet man hier seine persönliche Grenze, seinen eigenen Lebensstil? Hierzu haben sich die Autorinnen Gedanken gemacht und liefern 40 alltägliche Anregungen, das Leben zwar unperfekt, aber befriedigender zu gestalten.

Mein Eindruck:
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Mich hat dieses Buch bereits im Vorwort in seinen Bann gezogen. Die Autorinnen haben mir mit jedem Wort aus der Seele gesprochen. Auch im christlichen Alltag habe ich oft das Gefühl, dass man dies und das und jenes tun oder sagen muss, um als guter Christ und somit als guter Mensch angesehen zu werden. Dass dieses Ziel aber in Gänze kaum zu erreichen ist oder wie man vielleicht das alles etwas entspannter angehen kann, sagt einem keiner.
Aus ihrem eigenen Leben greifen die Autorinnen Themen auf, erzählen hierzu eine kurze Geschichte. Anschließend folgt ein Tipp, wie man im kleinen Rahmen Ziele setzen kann, um dem Thema gerecht zu werden und die erreichbar sind. Auch einen Vorschlag für ein entsprechendes Gebet um Gottes Unterstützung gibt es zu jedem Thema.
Man kann das Buch in einem durch lesen oder sich immer das Thema auswählen, das einen anspricht. Ich habe das Buch sehr genossen und fühlte mich danach befreiter und gleichzeitig motivierter, einige Baustellen in meinem Leben anzugehen. Ich werde es sicher noch öfter bei Bedarf zur Hand nehmen. Sehr empfehlenswert!

Fazit:
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Alltags-Impulse, um Ziele im Kleinen zu erreichen und mehr Zufriedenheit in seinem (christlichen) Leben anzustreben

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