Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2023

Mama, ich will leben

Geliebte Kinder
0

Die Autorin des Buches „Geliebte Kinder“ ist die Mutter von Olaf. Einem liebenswerten Jungen, der mit Trisomie 21 geboren wurde. Was sie damals, 1975 erlebte, das schildert sie in dieser Biographie. Sie ...

Die Autorin des Buches „Geliebte Kinder“ ist die Mutter von Olaf. Einem liebenswerten Jungen, der mit Trisomie 21 geboren wurde. Was sie damals, 1975 erlebte, das schildert sie in dieser Biographie. Sie beschreibt, wie ihre Umwelt auf die Geburt reagierte und mit welchen herabwürdigenden Kommentaren sie konfrontiert wurde.

Das wunderschöne Cover zeigt zwei fröhliche Kinder. Sie wollen leben und bereichern nicht nur das Leben ihrer Familie. Wie kann eine Gesellschaft es zulassen, dass 98% der Kinder mit DS (dem Down-Syndrom) abgetrieben, also im Mülleimer entsorgt werden? Selbst die sogenannte „Spätabtreibung“ ist gestattet. Aber zurück zum Buch. Frau Maren Müller-Erichsen erzählt vom Leben mit Olaf und auch ihren eigenen Lebensweg erwähnt sie. Nach dem ersten Schock wächst Olaf gemeinsam mit seinem größeren Bruder gut behütet, und vor allen Dingen gefördert auf.

Olaf hat das große Glück, dass sein Bruder ihn mit unter seine Fittiche nimmt. Er lehrt ihn sprechen und sie unternehmen sehr viel miteinander. Olaf kann ein selbständiges Leben führen, welches dann leider viel zu früh beendet wurde. Er starb am 08.04.2021 auf der Intensivstation im Uniklinikum Gießen. Das zu der Zeit grassierende tödliche Virus, war Schuld an seinem Tod.

Neben dem Leben Olafs erfährt der Leser auch einiges über die Anfänge der „Aktion Sorgenkind“ und seiner Einrichtungen. Heute heißt es „Aktion Mensch“ und die Initiative wächst zum Glück weiter. Zum Schluss schenkt die Autorin den Lesern auch einige Bilder von Olaf. Das Buch hat mich sehr berührt und zuweilen erbost. Es wäre so schön, wenn wir auch oder gerade Menschen annehmen könnten, die anders sind als die sogenannte „Norm“.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2023

Rasante Spannung bis zum Schluss

Der Privatdetektiv
0

Romain Tendre ist Wirt der Taverne Provencale, die in einem kleinen Bergdorf namens Gourdon steht. Er ist bekannt für seine Spezialitäten und Kunden aus allen Regionen verweilen gerne bei ihm. Am letzten ...

Romain Tendre ist Wirt der Taverne Provencale, die in einem kleinen Bergdorf namens Gourdon steht. Er ist bekannt für seine Spezialitäten und Kunden aus allen Regionen verweilen gerne bei ihm. Am letzten Tag eines jeden Jahres bietet er zudem auch noch perfekte Unterhaltung an. Der schweizer Privatdetektiv Florian Räber unterhält dann die Gäste. Er erzählt von seinen spannendsten Fällen. Nach Mitternacht Räber er dann zur kleinen Holzhütte mitten im Wald, wo er für einen Monat Auszeit vom Alltag nimmt. Alles ist ruhig und nie verläuft sich jemand in diese Einöde. Bis in dieser Neujahrsnacht ein lautes Klopfen die Ruhe stört. Florian öffnet und vor ihm steht eine junge Frau. Sie bittet um seine Hilfe und er lässt sie eintreten.

Auch wenn Florian zunächst skeptisch ist, das, was die junge Frau erzählt, scheint ihm dann doch zu abenteuerlich, um wahr zu sein. Schon am nächsten Tag hat er Fakten und diese sprechen für den Wahrheitsgehalt ihres Berichtes. Sie weckte nicht nur seinen Beschützerinstinkt. Der Sinn für Gerechtigkeit lässt ihn handeln, zumal auch sein Leben schon bald in Gefahr gerät.

Lebendige Sprache mit vielen Dialogen und rasante Spannung, so schätze ich Krimis. Der Autor Patrick Salm hat mal wieder ein Buch so ganz nach meinem Geschmack veröffentlicht. Die Story ist realistisch und die unvorhersehbaren Wendungen sorgten bei mir bis zum Schluss für aufgeregten Lesegenuss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2023

Ein berührendes Buch über zwei Schwestern in Bergen-Belsen

Nicht ohne meine Schwester
0

Rachel Epstein, 17 Jahre alt, lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem Dorf und bisher verschlossen sie ihre Augen vor den Deportationen der Juden. Auf ihrem Hof hatten sie alles, was sie zum Leben ...

Rachel Epstein, 17 Jahre alt, lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem Dorf und bisher verschlossen sie ihre Augen vor den Deportationen der Juden. Auf ihrem Hof hatten sie alles, was sie zum Leben brauchten. Bis dann eines Tages der Landrat Keller, ein strammer Nazi, ihre Eltern als Gefangene vom Hof holte. Zum Glück war Rachel mit ihrer kleinen Schwester, 4 Jahre alt, nicht zuhause. Sie wurden gewarnt und konnten vor den Häschern flüchten. Ihr Glück währte aber nicht lange. Schon bald wurden sie verhaftet und kamen 1944 ins Lager Bergen-Belsen. Bei ihrer Ankunft dort musste die kleine Mindel mit ansehen, wie Rachel von ihr fortgezogen wird. Sie weint und ruft, aber die Aufseher haben kein Verständnis für ihre Not. Dabei fühlte sich für sie die Gefangenschaft doch gar nicht so schlimm an, wenn sie zusammen wären.

Bergen Belsen besuchte ich vor vielen Jahren mit meinen Eltern. Ohne Vorbereitung oder Aufklärung durch die Schule. Diesen Schock beim Anblick der Fotos werde ich nie vergessen. Rachel und Mindel vegetierten also in diesem Lager dahin. Unter den wachsamen Augen der Aufseher und ohne jegliche Zuwendung. Besonders für die kleine Mindel war das kaum zu ertragen. Und die Große kam fast um vor Sorge. Und trotzdem wurden Freundschaften geschlossen. Wie wichtig diese zum Überleben waren, kann niemand nachempfinden, der es nicht selbst erlebte.

Marion Kummerow schrieb einige Bücher über die grausame Zeit des zweiten Weltkriegs. In diesem Band stellt sie ein Ehepaar vor, das sich für die Kinder im Lager einsetzte. Sie bemühten sich dabei, den Kleinen Liebe und Geborgenheit zu geben. Erstaunlich für mich, dass die Nazis ihnen das gestatteten. Es gibt also nicht nur Leid und Schmerz zu erlesen. Auch schöne Erlebnisse richteten die Gefangenen immer wieder auf und lockern die Geschichte der Mädchen ein wenig auf. So ist auch kurz erwähnt, dass Anne Frank und ihre Schwester zu den Freundinnen Rachels gehörten. Was mit Anne geschah, wir jedem bekannt sein, der Bücher zu ihrem Leben las.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2023

Der lange Weg zur minimalen Gerechtigkeit

Im Bann des Bösen
0

Ja, es gab wohl auch „nette“ Aufseherinnen in den Konzentrationslagern. Zu denen gehörte Ilse Koch aber nicht. Das belegen die Akten amerikanischer und deutscher Gerichte. Die Historikerin Alexandra Przyrembel ...

Ja, es gab wohl auch „nette“ Aufseherinnen in den Konzentrationslagern. Zu denen gehörte Ilse Koch aber nicht. Das belegen die Akten amerikanischer und deutscher Gerichte. Die Historikerin Alexandra Przyrembel zeigt in dem Buch "Im Bann des Bösen" den Werdegang Kochs. Von ihrem Eintritt in die NSDAP bis zu ihrem Suizid. Diese „Hexe von Buchenwald“ war der Schrecken vieler Gefangener und lebte selbst in Luxus und Sorglosigkeit, sehr nah an den Baracken der Gefangenen.

Kaum zu glauben, dass die Einwohner von Weimar damals nicht mitbekamen, was im Buchenwald vor sich ging. Zumindest die Stadtväter wussten es und es ist davon auszugehen, dass sie sich Vorteile durch ihr Schweigen erhofften. Ilse und ihr Ehemann kamen erst durch ihre Verbindungen ins Lager zu ansehnlichem Reichtum. Bis sie überhaupt heiraten durften, mussten sie ausführliche Befragungen über sich ergehen lassen. Die kamen vom „Sippenrat der SS“. Eine Institution, die ein wachsames Auge auf all ihre Mitglieder und deren hatte. Der einwandfreie Leumund und die Belege einer „reinen“ Rasse gestatten eine Heirat. Und diese durfte nicht in einer Kirche stattfinden.

„Das Christentum ist die Angelegenheit erbsündiger Menschen“, so hieß es damals. Auch die Hochzeitsfeier der Kochs wurde dem Brauchtum der Kelten angelehnt und nur mit SS-Kameraden veranstaltet. Die Gerichtsverhandlungen der Angeklagten Koch waren für etliche Deutsche ein Instrument zur eigenen Entlastung. Nach dem Motto: „Nein, so schlimm war ich aber nicht, oder Schau mal, was sie den Gefangenen antat“ ließ sie denken, dass sie zu den „Guten“ oder gar zum Widerstand gegen den Diktator gehörten.

Das Sachbuch hat eine sehr lange Einführung in die Geschichte. Es beleuchtet nicht nur den kleinen Kreis um Frau Koch und ihre Familie. Die ganze Situation damals wird aufgezeigt und es bedarf einer gewissen Stärke, dieses Sachbuch zu lesen. Wichtig ist es allemal. Wir, als nachfolgende Generation, dürfen nicht schweigend zusehen, wie Tendenzen rechter Gesinnung in unserer Gesellschaft Fuß fassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2023

Faktenreich und ein Genuss beim Lesen

Florentia - Im Glanz der Medici
0

Es sollte in rauschendes Fest werden. Lorenzo, der älteste Sohn der Eheleute Medici wird heiraten. Eine Römerin, die er noch nie sah. Guilamo, der jüngere Bruder von Lorenzo, holte sie nach Florenz. Obwohl ...

Es sollte in rauschendes Fest werden. Lorenzo, der älteste Sohn der Eheleute Medici wird heiraten. Eine Römerin, die er noch nie sah. Guilamo, der jüngere Bruder von Lorenzo, holte sie nach Florenz. Obwohl er bei seinem Vater gar nicht gut gelitten war, verstand er sich mit seinem Bruder sehr gut. Die Medicis waren eigentlich die unangefochtenen Herrscher in Florenz. Warum nur eigentlich? Weil sie unter anderem von dem Clan der Pazzis verachtet und zuweilen sogar angegriffen wurden.

Fioretta Gorini ist die Tochter des Leibarztes der Medici. Sie verbrachte ihre Kindheit mit den beiden Söhnen und hatte lange ein inniges Verhältnis zu ihnen. Leonardo da Vinci, damals noch ein unbekannter Ausnahmekünstler malte immer mal wieder Familienangehörige der Medici und Fioretta schaute ihm dabei über die Schulter. Ihr inniger Wunsch war es, ebenfalls das Malen zu lernen und sich damit den Lebensunterhalt zu verdienen. Und wie passt nun der reiche Guilamo zu diesen jungen Menschen? Was verbindet die drei? Spannend und äußerst faktenreich berichtet die Autorin über das Leben im Florenz 1469. Gedanken, Sehnsüchte und Erwartungen unterscheiden sich kaum von jenen der heutigen Zeit.

Wie kann einem die Geschichte eines Landes eindrücklicher entgegengebracht werden, als durch einen gut recherchierten historischen Roman. "Florentia - Im Glanz der Medici" ist solch ein Buch. Eintauchen in vergangene Tage, das konnte ich beim Lesen. Gleichzeitig erfuhr ich, in welcher Weise die „Heilige Mutter Kirche“ in Form des Papstes Einfluss auf das Leben ihrer Anhänger nahm. Brautpaare, die nur ganz selten aus Liebe zueinander fanden und Homosexuelle, die in abartiger Form verfolgt und sogar getötet wurden, das war damals normal.

Nicht nur die gute Recherche machen das Buch zu etwas Besonderem. Auch die abwechslungsreiche Sprache und der gehobene Stil ließen mich voller Begeisterung lesen. Viel mehr als die Höchstzahl der Sterne würde ich gerne geben. Fraglos ein Highlight im Lesejahr 2023.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere