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Veröffentlicht am 15.10.2023

Großartig und hochspannend erzählter deutscher Zeitabschnitt

Wie Sterben geht
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Zur Zeit des Kalten Krieges 1983 wird Nina Winter, Analystin, vom BND rekrutiert. Sie soll einen Spion in Moskau führen. Völlig unvorbereitet erwartet sie in eine harte Schulung zur Agentin bzw. Verbindungsführerin. ...

Zur Zeit des Kalten Krieges 1983 wird Nina Winter, Analystin, vom BND rekrutiert. Sie soll einen Spion in Moskau führen. Völlig unvorbereitet erwartet sie in eine harte Schulung zur Agentin bzw. Verbindungsführerin. Hart und gefährlich erfährt sie jegliche Tücken der Beschattung und Verteidigung. Geheime Briefkästen und lange raffinierte Fluchtwege gehören dazu. Sie wird sich in Moskau bewähren müssen. Dort bekämpft sie einen Todfeind und erfährt eine große Liebe.
Wieder wählt Andreas Pflüger für seine Hauptfigur eine taffe junge Frau, sportlich, intelligent. Großartig recherchiert ist die damalige politische Situation und Stimmung.
Oft habe ich selbst nachgeschlagen. Wie war das doch noch mit Helmut Kohls Schweigen oder dem Spion Guillaume, der Willy Brandt stürzte. Andreas Pflügers Einblicke in die internationalen Geheimdienste sind ungewöhnlich und entführen den Leser in ungeahnte Welten und Wahrheiten. Das allein wäre schon hochspannend. Die taffe Protagonistin Nina, jedem immer einen Schritt voraus, überaus intelligent, entführt in einen Wirbel von Ereignissen, die unglaublich überraschend und mit rasender Geschwindigkeit vonstatten gehen, sodass der Leser, wie Nina selbst, sogar Marathonläuferin, atemlos bleibt. Andreas Pflüger schreibt gekonnt mit ausgeklügeltem Humor, in seiner typischen Manier, die dem Leser volle Konzentration abverlangt. Man wird belohnt! Ich habe das Buch verschlungen. Es ist für mich mein Buch des Jahres, ein absoluter Hit!. Lediglich ein Glossar für die nochmalige Erklärung der üblichen Kürzel der dargestellten Abteilungen der jeweiligen Geheimdienste wäre von Nutzen gewesen. Ansonsten: Top! Ein deutsches Kapitel, das dank Andreas Pflüger noch einmal inszeniert und dadurch nicht vergessen wird. - Großartig!

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Veröffentlicht am 14.08.2023

Erstklassige Unterhaltung!

Bei euch ist es immer so unheimlich still
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Silvia Borowski kehrt überstürzt mit ihrer Tochter Hannah 1989 in ihr Heimatdorf zurück. Jahrelang in der Hauptstadt Berlin in einer WG lebend, konfrontiert sie sich jetzt mit ihrer Mutter Evelyn und ihrer ...

Silvia Borowski kehrt überstürzt mit ihrer Tochter Hannah 1989 in ihr Heimatdorf zurück. Jahrelang in der Hauptstadt Berlin in einer WG lebend, konfrontiert sie sich jetzt mit ihrer Mutter Evelyn und ihrer Herkunft. Auch Evelyn war einmal jung und ihre eigene Geschichte wird ab dem Jahr 1950 in Abschnitten bis 1989 erzählt. Die Perspektive von Silvia ist das Jahr 1989. Die Vergangenheit wird erzählt, aufgearbeitet, nähert sich.

Spießbürgertum, Schuld, Verpflichtungen, sozialer Zwang, Entscheidungen, die passend zur damaligen Zeit geschehen sind und die man jetzt so erfrischend mit empathischem Abstand genießen kann. Jede der 318 Seiten dieses Romans habe ich als spannendes Eintauchen in die Zeit empfunden, den „Kleinstadtmief“ mit heutigen Augen zu betrachten, betroffen und dennoch betrachtend. Doch sie geben auch Anregung darüber, wie der Mensch tickt und die Frage, welche Verkleidung die jetzige Zeit auswirft. Auch wie das Leben prägt durch angenommene Schuld und getroffene Entscheidungen. Beide Erzählstränge, der von Silvia sowie der von Evelyn sind vergangene, was das Zeitlose an dem Buch bewirkt – ein Stück Geschichte, nicht nur die der beiden, sondern auch die der deutschen Ereignisse. Die deutsche Mauer wird fallen, auch Evelyn und Silvia werden neue Wege einschlagen.

Die humorvolle und präzise Beobachtung der unterschiedlichen Milieus, hat mich beeindruckt. Es werden in diesem Roman Teilstücke erzählt, die sich erst zum Ende hin zusammenfügen und aufschlussreichen Sinn ergeben. Nebendarsteller werden zu maßgebenden Wendepunkten in Silvias sowie Evelyns Lebensweg. Der Roman ist raffiniert geschrieben, die Sprache entspringt der Jetztzeit und führt dadurch in die betrachtende, unbefangene Gegenwartsperspektive. Attribute, die ein kluges unterhaltsames Buch erfüllen: Zeitkolorit, Milieubetrachtungen, glaubhafte lebendige Protagonisten und Nebendarsteller, die zu eigenen Erinnerungen anregen. Alena Schröder trifft den Punkt und fesselt. Sie schildert ohne zu urteilen. Kinder nehmen die Eltern als eigene Persönlichkeit nicht wahr während sie Kind sind. Hier wird dies angeregt und aufgearbeitet.

Alena Schröder arbeitet als Journalistin und Autorin in Berlin. Schon ihr erstes bekanntes Buch „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ überzeugte. Auch dieser Roman mit dem“ vielsagenden Titel „ Bei euch ist es immer so unheimlich still“ ist eine absolute Empfehlung.
Ein großer Wurf, eine erstklassige Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 12.07.2023

Aktueller und bemerkenswerter Ratgeber!

What the Fake!
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Dieser Ratgeber ist bereichernd für jeden, der im Internet unterwegs ist, über soziale Netzwerke oder per Email.

Etrit Asllani zeigt auf, wie man Falschmeldungen erkennt und von tatsächlich passierten ...

Dieser Ratgeber ist bereichernd für jeden, der im Internet unterwegs ist, über soziale Netzwerke oder per Email.

Etrit Asllani zeigt auf, wie man Falschmeldungen erkennt und von tatsächlich passierten und belegten Informationen unterscheidet. Er, der Psychologe stellt dar, was ihn zu diesem Buch bewegt hat, welche Erfahrungen ihn zu dieser Recherche geführt haben.
Wie fallen wir auf falsche Informationen herein, wie werden wir manipuliert, was ist das Anliegen von denen, die Falschmeldungen verbreiten.
Worauf sollte man achten.

Das Buch ist verständlich erklärt und durch das Hinzuziehen von Ereignissen der Geschichte, die durch Unwahrheiten und Manipulationen ihr Ziel erreichten, sehr spannend!

Ist die gelesene Meldung tatsächlich informativ und mit Fakten belegt oder dient sie einem fremden Eigennutz?
Körpersprache Ausdruck des Gegenüber, Sprache und Gesamteindruck fallen bei Informationen über das Internet weg – es gibt kein Gegenüber, den wir mit sozusagen noch gesundem Menschenverstand beurteilen können.
So müssen wir auf andere Tricks zurückgreifen. Hierbei ist Etrit Asllani überaus hilfreich.

Meine Großmutter kannte nur Brot vom Bäcker oder selbstgebackenes, bei dem sich die Frische mit einem Daumendruck ins Brot erkennbar machte. Als dann Konservierungsstoffe und andere Zutaten das Brot länger weich und haltbar machten, war der Urinstinkt irritiert, so dass man sich informieren musste, warum – um in Kenntnis gesetzt zu werden, um entscheiden zu können, ob man weiterhin die althergebrachte Richtung einschlägt oder ob man sich auch mit der Zeit auseinandersetzt, die diese Abarten auswirft.
Und das ist das Anliegen des Psychologen Asllani, die Manipulationen dieser jetzigen Zeit erkennbar zu machen, leider das Nebenprodukt der umfangreichen und bereichernden Informationen, die wir durch das Internet erhalten. Die Sprache Asllanis berührt und nimmt einen sofort mit in diese komplexe Thematik.

Ein kompakter Ratgeber für jede Altersstufe, der mit verständlichen Worten erklärt und auch Hinweise auf weiterführenden Seiten gibt. Gut aufgebaut in 8 Kapiteln, lehrreich mit umfangreichem Quellenverzeichnis. Nach dem Lesen dieses Buches sollte man gewappnet sein, zu hinterfragen, was mit im Internet gelesenen Meldungen bezweckt wird, wie man selber darauf anspringt, was es in einem auslöst und zu welcher Meinungsbildung es führt.

Sehr empfehlenswert, humorvoll, mit vielen Aha – Erlebnissen und umfangreichen helfenden Hinweisen!

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Veröffentlicht am 25.04.2023

Sehr unterhaltsame und spannende Biografie!

Die einzige Frau im Raum
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Was für ein ungewöhnliches Leben! Hedy Lamarr, als Hedwig Maria Kiesler in Wien geboren, nimmt einen abenteuerlichen Werdegang bis zu den MGM Filmstudios in Hollywood. Schon früh steht sie auf der Bühne ...

Was für ein ungewöhnliches Leben! Hedy Lamarr, als Hedwig Maria Kiesler in Wien geboren, nimmt einen abenteuerlichen Werdegang bis zu den MGM Filmstudios in Hollywood. Schon früh steht sie auf der Bühne spielt die Sisi. Ein großer Verehrer, der Waffenfabrikant Fritz Mandl wird sie, die geborene Jüdin christlich heiraten.
Nach der einengenden Ehe flüchtet sie über Paris nach London, nimmt Kontakt zu dem Filmproduzenten Mayer auf und wird als Filmschauspielerin in Hollywood bekannt und berühmt. Was viele nicht wissen, ist ihr Erfindergeist. Ihre bekannteste Erfindung wird Vorreiter für das heutige Bluetooth und Wlan.
Marie Benedict schreibt Biografien in Romanform. Dies ist die erste, die ich gelesen habe. Schon das Cover ist sehr ansprechend. Der Roman ist aus Sicht von Hedy geschrieben mit ihren Gedanken, Empfindungen und Betrachtungen der sie umgebenden Welt von 1933 – 1942. Vorerst noch behütet in Wien und naiv entwickelt sie in der sie umgebenden Welt ein waches politisches Bewusstsein, wählt Wege, ihre Familie und sich zu schützen vor dem beginnenden 2. Weltkrieg. Sofort ist sie ein Sympathieträger, ihre Gedanken und Betrachtungen sind sympathisch nachvollziehbar und vorbildlich – eine Heldin!. Als Leserin war ich begeistert über ihre Klugheit, die sie gezielt einsetzt. Man erlebt regelrecht das Abenteuer ihres Lebens hautnah mit, kann nachvollziehen, warum sie die Entscheidungen ihres Lebens trifft. Beeindruckend, dass sie nicht aufgibt, nicht lockerlässt, sich auseinandersetzt, bis zur nächsten Wegzweigung. Großartig u, spannend und unterhaltsam von Marie Benedict beschrieben. Man glaubt ihr jedes Wort. Große und nachhallende Unterhaltung in Form der Biographie! Empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 03.04.2023

Bemerkenswerter Erstlingsroman!

22 Bahnen
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Caroline Wahls gelungenes Erstlingswerk ist aus der Perspektive von Tilda, einer Studentin, geschildert.
Tilda, eine gekonnte Schwimmerin absolviert regelmäßig 22 – 23 Schwimmbahnen. Das Buch schildert ...

Caroline Wahls gelungenes Erstlingswerk ist aus der Perspektive von Tilda, einer Studentin, geschildert.
Tilda, eine gekonnte Schwimmerin absolviert regelmäßig 22 – 23 Schwimmbahnen. Das Buch schildert ihren Alltag. Tilda, die neben ihrem Mathematikstudium an der Supermarktkasse jobbt, kümmert sich um ihre kleine Schwester Ida, sowie um die Alkohol abhängige Mutter.
Die Situation muss neu erdacht werden, als Tilda Viktor kennenlernt, ihr eine Promotion in Berlin angeboten wird und Ida auf eine weiterführende Schule kommt.
Wenn Tilda nicht so erwachsen agieren würde und Ida nicht so klug, wäre die Situation möglicherweise nur durch äußere Hilfe zu bewältigen. So wird die Familie erhalten, der, trotz der misslichen Situation, Auffangort und Heim der beiden verbundenen Schwestern ist.
Die Mutter wird betrachtet, wird als hilflos und absurd beschrieben, wirkt in kaum einer Szene wie eine traditionelle Mutter, wird jedoch zu diesem Zeitabschnitt als notwendig erachtet. Trotz aller Widrigkeiten bleiben Tilda und Ida mit beiden Beinen am Boden und versuchen die Situation zu meistern.

Wunderbar empfindsam wird das Schicksal, der überschaubaren Mitspieler, Tilda, ihrer kleine Schwester Ida und ihrer Mutter von Caroline Wahl beschrieben. Das macht das Buch so sympathisch, das genaue Schildern, das liebevolle Verstehen der einzelnen Personen, vor allem Tildas Verbundenheit zu Ida.

Ein mit Humor und Lebensweisheit berührender moderner coming-of-age Roman.
Ein gelungener Debütroman! Caroline Wahl, 1995 geboren, schreibt über ihre Generation und einer Protagonistin mit einem selbstverständlichen, unverfälschten Urvertrauen, das berührt. Ein stark nachwirkendes Buch, das den Punkt trifft!

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