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Veröffentlicht am 26.08.2024

Daniel Kraus - Whalefall - Im Wal gefangen

Whalefall - Im Wal gefangen
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Daniel Kraus - Whalefall - Im Wal gefangen
(Festa Verlag)

- außergewöhnlicher Biothriller mit Herz und Verstand -

Monterey, Kalifornien, im Jahre 2022. Jay Gardiner bereitet sich am Monastery Beach, ...

Daniel Kraus - Whalefall - Im Wal gefangen
(Festa Verlag)

- außergewöhnlicher Biothriller mit Herz und Verstand -

Monterey, Kalifornien, im Jahre 2022. Jay Gardiner bereitet sich am Monastery Beach, einem der gefährlichsten Strände Nordamerikas, der von vielen Tauchern auch Mortuary Beach (Leichenstrand) genannt wird, für einen Tauchgang in der Monterey Bay vor. Exakt an der Stelle an der sein Vater, ein langjähriger und versierter Taucher, vor knapp einem Jahr, im Alter von 56 Jahren, zu Tode kam. Das ist Jays Art der Therapie, um das Trauma zu verarbeiten, 17 Jahre lang der Sohn des strengen, verbitterten und lieblosen Mitt Gardiners gewesen zu sein. Jay will allen beweisen, wozu er ohne seinen Vater imstande ist und die sterblichen Überreste Mitt Gardiners bergen. Er will dadurch einen Abschluss für sich und vor allen Dingen seine Mom, sowie seine beiden Schwestern Nan und Eva schaffen. Und obschon der Jugendliche die genauen Koordinaten von Mitts bestem und wahrscheinlich auch einzigem Freund Hewey erhalten hat, ist es angesichts der Möglichkeit, dass Mitt von irgendeinem kräftigen Fleischfresser hunderte Meter weit mitgenommen wurde oder der Wahrscheinlichkeit der Überschüttung seiner Gebeine mit Sand, ein nahezu aussichtslose Unterfangen. Und während der Druck in seinem Sauerstoffbehälter kontinuierlich abnimmt, philosophiert Jay, der zwei Jahre lang keinen einzigen Tauchgang unternommen hat, über seine gegenwärtigen Erlebnisse unter Wasser, die Gefahren der Monterey Bay und die Beziehung zu seiner Familie. Jay geht dabei hauptsächlich auf diejenigen Ereignisse ein, die zu dem Zerwürfnis zwischen ihm und seinem Dad geführt haben. Ein traurig untermaltes Verhältnis von (Un-)Verständnis, Liebe und Verlust.

Der erfolgreiche US-amerikanische Roman- und Drehbuchautor Daniel Kraus nutzt für seinen neuesten Bio- und Wissenschafts-Thriller "Whalefall - Im Wal gefangen", einen einnehmenden, weichen und cinematischen Schreibstil mit ange-nehmem Flow. Er taucht sein gedankengeflutetes Sprachvermögen in bildhafte Poesie und hinterlässt der Leserschaft somit einen leicht nachzuvollziehenden Eindruck über Jays jeweilige Gefühlslage. Kraus, der bereits mit den beiden Regis-seuren und Filmproduzenten Guillermo del Toro, sowie George Andrew Romero zusammenarbeitete und für diverse Kino- und Netflixadaptionen tätig war, gestaltet sein Storyboard, welches aus der Sicht eines "stillen" Beobachters verfasst ist, lebendig und vital. Dabei wagt der, 1975 in Midland, Michigan geborene und in Fairfield, Iowa aufgewachsene Autor immer wieder Rückblicke in die vergangenen Jahre, als Jays griesgrämiger Vater Mitt noch lebte. "Whalefall" wurde dabei so mitreißend verfasst, wie ein tödlicher Strudel tief ins Abyssal.

Als Jay auf seinem Tauchgang den senkrecht abfallenden Monterey Canyon erreicht und neben ihm zuerst ein Riesenkalmar und dann ein Pottwal auftaucht, ist er wie gelähmt von der Schönheit, Anmut und der immensen Größe dieser Tiere. Bis ihm von Panik ergriffen aufgeht, dass der Wal den Riesenkalmar jagt. Als dieser sein Maul aufreißt, um den Kalmar zu packen, wird auch Jay durch einen misslichen Zufall tief in den Schlund des Pottwals gesaugt. Zu seinem Entsetzen ist er unwiederbringlich im Wal gefangen!

"Der Mensch gegen den Ozean. Das ist kein fairer Kampf. War es nie." Zitat S. 166

Durch die multiplen Gefahren, in die der junge Gardiner vollkommen unverschuldet reingerät und seine damit verbundene erhöhten Atem- und Herzfrequenzen, verbraucht er bei weitem zu viel Sauerstoff. In dieser Extremsituation beginnt Jay zu halluzinieren, zu fabulieren und zu projizieren. Wie kann er sich aus dieser misslichen Lage befreien? Können ihn die früheren Ratschläge seines Vaters aus seiner misslichen Lage befreien? Und was blüht ihm, wenn der Wal beschließt auf 1.000 Meter, auf 2.000 Meter oder gar noch tiefer abzutauchen? Jay weiß es genau, denn tiefer als 40 Meter kann es ein Taucher ohne Spezialausrüstung nicht schaffen.

In dieser ausweglosen Situation wirft der Romancier Daniel Kraus, der heute mit seiner Frau in Chicago lebt, interessante, wissenschaftlich fundierte Fakten und Anekdoten authentisch und durchaus glaubhaft ein. Der Weg ist das Ziel in Kraus 416 Seiten umfassenden Biothriller "Whalefall - Im Wal gefangen", welcher 2023 im amerikanischen Original erschien. Jays Verschwinden im Wal und die folgenreichen Ereignisse werden derart spannend verpackt, wie ich es kaum für möglich gehalten habe. Der Bestsellerautor, der für seine Romane gefeiert, mit Preisen überhäuft und sogar mit dem Oscar prämiert wurde, hat seine wahnsinnig gute Idee mutig und grandios umgesetzt. Mit diversen Walexperten und -expertinnen hat Daniel Kraus sein Schreckensszenario akademisch und biologisch so korrekt wie möglich dargestellt. "Whalefall" ist eine außergewöhnliche Geschichte mit Herz und Verstand, eingetaucht in ein lyrisches Bett aus philosophischer Poesie.

(Janko)

https://www.danielkraus.com/
https://www.instagram.com/kraus_author/

Brutalität/Gewalt: 14/100
Spannung: 78/100
Action: 61/100
Unterhaltung: 89/100
Anspruch: 50/100
Atmosphäre: 53/100
Emotion: 48/100
Humor: 03/100
Sex/Obszönität: 00/100

https://lackoflies.com" target="_blank">https://lackoflies.com - Wertung: 85/100

https://lackoflies.com" target="_blank">https://lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 14 Jahre (aufgrund der allgemeinen Thematik und der mäßigen Brutalität)

Daniel Kraus - Whalefall - Im Wal gefangen
Festa Verlag
Thriller
Buchreihe: Festa Must Read – Band 56
ISBN: 978-3-98676-106-6
416 Seiten
Gebundene Ausgabe in der Festa-Lederoptik; mit Leseband
Originaltitel: Whalefall (2023)
Aus dem amerikanischen Englisch von Claudia Rapp
Erscheinungstermin: 16.05.2024
EUR 24,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN (Ebook/ePub): 978-3-98676-107-3
Erscheinungstermin: 02.04.2024
EUR 7,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Whalefall - Im Wal gefangen" beim Festa Verlag: https://www.festa-verlag.de/whalefall-im-wal-gefangen.html

Leseprobe: https://www.festa-verlag.de/mpattachment/file/download/id/718/

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Veröffentlicht am 08.04.2023

- herzzerreißender und investigativer Roman über innige Freundschaft und die zermürbende Qual des Verlustes -

Dinge, die wir brennen sahen
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Hayley Scrivenor - Dinge, die wir brennen sahen
(Eichborn Verlag)

- herzzerreißender und investigativer Roman über innige Freundschaft und die zermürbende Qual des Verlustes -

In der sterbenden Kleinstadt ...

Hayley Scrivenor - Dinge, die wir brennen sahen
(Eichborn Verlag)

- herzzerreißender und investigativer Roman über innige Freundschaft und die zermürbende Qual des Verlustes -

In der sterbenden Kleinstadt Durton, im ländlichen Australien, herrscht flirrenden Hitze. Als sich die beiden zwölfjährigen Mädchen Ronnie und Esther am frühen Freitagnachmittag des 30. Novembers 2001 gemeinsam von der Schule auf den Nachhauseweg machen, kommt eines der beiden Mädchen nicht zu Hause an. Ob sie einem Verbrechen anheimgefallen ist oder sich lediglich einen bösen Scherz erlaubt hat, wissen ihre Familie und ihre Freunde anfangs nicht. Und so werden aus einer anfänglichen Hoffnung heraus schnell Misstrauen, Verzweiflung und Trauer geboren. Verdächtigungen werden laut, welche die kleine verschrobene Gemeinde, wie auch die einzelnen Bewohner auf eine harte Probe stellen.

Die australische Schriftstellerin Hayley Scrivenor ist eine wahnsinnig gute Erzählerin. Mit viel Gefühl und psychologischem Feingefühl hat sie ein ausgeklügeltes, exzellent arrangiertes, atmosphärisch dichtes und komplexes Storyboard konstruiert, in welchem sie dem Leser ganz bewusst Informationen vorenthält, um die Spannung ins Unermessliche zu treiben. In ihrem herzzerreißenden Debütroman "Dinge, die wir brennen sahen", seziert die Doktorin in Kreativem Scheiben, die bis dato unbeschwerte Kindheit der besten Freundinnen Esther Bianchi und Veronica "Ronnie" Elizabeth Thompson, sowie ihres gemeinsamen Freundes Lewis Kennard. Der 368 Seiten umfassende Bestseller, der im australischen Original den wesentlich adäquateren Titel "Dirt Town" (als Assoziation für die heruntergekommene Ortschaft Durton) trägt, ist modern und einfühlsam verfasst, aber auch ziemlich endgültig. Je nachdem, durch welche Situation der Leser gerade manövriert wird. Lediglich die Figuren hätten einer nachhaltigeren Zeichnung bedurft. Die Autorin fügt Nebensächlichkeiten wie selbstverständlich in ihren Plot ein, die ihren Zeilen Authentizität und Lebendigkeit verleihen. Die vielen, vagen Anspielungen, die Scrivenor macht, wirken dabei wie hartnäckige Cliffhanger.

Detective Sergeant Sarah Michaels, von ihren eigenen Dämonen gejagt, macht sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Detective Constable Wayne "Smithy" Smith und dem Ortspolizisten Officer Lacey Macintyre an die Ermittlungen. Als der anfängliche Verdacht auf Steven Bianchi, den Vater des verschwundenen Mädchens fällt, bricht für seine Ehefrau Constance eine Welt zusammen. Constance Bianchis durcheinandergewirbelte Gefühlswelt bekommt einen zusätzlichen Riss, als sie über ihre beste Freundin Shelly Thompson von einem unentschuldbaren Verbrechen erfährt, das Steven in seiner Jugend begangen haben soll. Derweil macht sich Ronnie auf die Suche nach ihrer besten Freundin Esther.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln berichtet Hayley Scrivenor, die in einer kleinen Ortschaft an der Ostküste Australiens, in der Region des Dharawal-Stamms lebt, über das Leben und Sterben in Durton. Über deren Einwohner, den Erwachsenen und den Kindern, mit ihren Stärken, ihren Schwächen und all ihren dunklen Geheimnissen. Scrivenor legt falsche Fährten, streut kleinere Twists ein und bringt die getrübte Stimmung des Augenblicks auf perfekte Weise zu Papier. Auf der einen Seite wird das Leben der Familien Bianchi und der Thompsons beleuchtet, auf der anderen Seite liegt die Gewichtung natürlich auf den Ermittlungen der Polizei. Der Suche nach Esther, den Befragungen, sowie dem Miteinander und Gegeneinander in einer Gemeinschaft aus verhärmten, misstrauischen Einwohnern. "Dinge, die wir brennen sahen" besitzt eine mitreißende Dynamik, die wahrlich tief unter die Haut geht. Hayley Scrivenor ist hier offensichtlich mit Leichtigkeit ein wahnsinnig gutes Erstlingswerk aus dem Ärmel gerutscht, das einfach alles hat. Thrill, Emotionen, Spannung, Atmosphäre, ein geniales, wie im Laufschritt erzählte Storyboard, Action, Empathie und das alles mit einem immensen Unterhaltungswert. Selten habe ich eine solch berührende Geschichte aus Gewalt, Unterdrückung und Tod gelesen! Ich bin absolut begeistert!!!

(Janko)

https://hayleyscrivenor.com
https://www.facebook.com/hayleyscrivenorwrites/
https://www.instagram.com/hayley.scrivenor

Brutalität/Gewalt: 31/100
Spannung: 89/100
Action: 49/100
Unterhaltung: 96/100
Anspruch: 55/100
Atmosphäre: 87/100
Emotion: 89/100
Humor: 07/100
Sex/Obszönität: 09/100

LACK OF LIES - Wertung: 94/100

Hayley Scrivenor - Dinge, die wir brennen sahen
Eichborn Verlag
Literarische Unterhaltung
ISBN: 978-3-8479-0115-0
368 Seiten
Hardcover
Originaltitel: Dirt Town (2022)
Aus dem Englischen von Andrea O'Brien
Erscheinungstermin: 31.03.2023
EUR 22,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-7517-4264-1
Erscheinungstermin: 31.03.2023
EUR 19,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

ISBN Hörbuch (Download) ungekürzt: 978-3-7540-0753-2
Erscheinungstermin: 31.03.2023
EUR 19,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Dinge, die wir brennen sahen" beim Eichborn Verlag: https://www.luebbe.de/eichborn/buecher/literarische-unterhaltung/dinge-die-wir-brennen-sahen/id_8942751

Leseprobe: https://books.google.de/books?id=MY6ZEAAAQBAJ&lpg=PP1&hl=de&pg=PP1#v=onepage&q&f=false

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Veröffentlicht am 01.03.2023

- immersive Mystery-Horror-Story mit bedrohlicher Aura -

Old Country – Das Böse vergisst nicht
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Irgendwo in der ländlichen Abgeschiedenheit der Berge Idahos, in einem ruhigen Tal im Teton County. Der 35-jährige Kriegsveteran Harold "Harry" Blakemore und seine fünf Jahre jüngere Frau Sasha haben sich ...

Irgendwo in der ländlichen Abgeschiedenheit der Berge Idahos, in einem ruhigen Tal im Teton County. Der 35-jährige Kriegsveteran Harold "Harry" Blakemore und seine fünf Jahre jüngere Frau Sasha haben sich für ein Einsiedlertum, auf einer abgelegenen Ranch entschieden. Hier wollen sie ein für alle Mal ihrem stressigen und arbeitsreichen Leben entfliehen. Es ist eine traumhafte Gegend, direkt vor den westlichen Ausläufern der Tetons (einer Bergkette in den Rocky Mountains). Mit ihren Nachbarn Dan und Lucy Steiner, einem älteren Ehepaar, das eine Ranch etwa eine Meile entfernt bewohnt, verstehen sie sich von Anfang an. Doch als die Steiners Harry und Sasha über die Besonderheiten des Grundstücks, des Tals, sowie der sie umgebenen Flora und Fauna aufklären, kippt die Stimmung. Harry fühlt sich mächtig veräppelt, als ein uralter Fluch, der auf dem Tal lasten solle, zur Sprache kommt. Er wirft die Steiners, die ihm und seiner Frau einen Haufen Notizen dalassen, daraufhin achtkantig von seinem Grundstück. Die Blakemores nehmen sich die durchaus ernstgemeinten Ratschläge ihrer Nachbarn nicht so recht zu Herzen, tun sie als Unsinn ab und machen sich sogar lustig darüber. Ein Umstand, den sie noch bitter bereuen werden und der sie alle teurer zu stehen kommen soll.

Den immersiven Mystery-Horror-Thriller "Old Country – Das Böse vergisst nicht", der 2022 im amerikanischen Original unter dem Titel "Old Country" veröffentlicht wurde, umgibt eine subtile, bedrohlich-düstere Aura. Das Brüderpaar Matt und Harrison Query baut seinen 432 Seiten umfassenden Plot über Charakterbeschreibungen, eine komplexe Spannungs- und Bedrohungslage, sowie ein "cozy feeling" mustergültig auf. Die heimelige Erzählweise, der beiden in Colorado geborenen Autoren, sorgt für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen nervenaufreibender Inszenierung und intelligentem Aufbau. Die Perspektiven, die kapitelweise zwischen Harrys und Sashas Blickwinkel hin und her wechseln, sind in der Ich-Form verfasst. Sie lassen die Erzählung menschlich, authentisch, lebendig und eingängig erscheinen. Auch der ausführlich und empathisch beschriebene Background der beiden Hauptprotagonisten, sowie deren Charakterdarstellungen untermalen die sogähnliche Atmosphäre, die dieser kurzweilige Horrorroman zu verströmen vermag.

Harry und Sasha Blakemore fragen sich durchaus, warum ihnen ihre Nachbarn solch einen ausgemachten Blödsinn über einen Fluch und die verschiedenartigen Manifestationen eines Geistes weismachen wollen. Und obwohl die skurrilen Anweisungen der Steiners, wie darauf zu reagieren sei, in ihren Ohren mehr als nur lächerlich klingen, kriecht allmählich die Angst tief in sie beide hinein. Als sich dann tatsächlich diverse Erscheinungen manifestieren, die gewissermaßen in Gemetzel, Blut, Knochen, Tod und in weiteren grausamen Konsequenzen ausarten, können die Blakemores die Phänomene mit all ihren Sinnen absorbieren. Doch Harry, der immer ungehaltener reagiert, sieht sich provoziert und beginnt, mit den extraordinären Entitäten zu "spielen", sie herauszufordern und sie zu verhöhnen. Wenn er sich da, mit seinem ungebührlichen und provokanten Verhalten, mal nicht ordentlich in den Finger schneidet!

Als Leser ist man ad hoc in der fesselnden und unheimlichen Geschichte der Gebrüder Query drin. Die relativ detailreich geschilderte Brutalität, die sich stellenweise gegen Tiere richtet, könnte sich für Zartbesaitete durchaus als harter Tobak herausstellen, wirkt sie doch stellenweise regelrecht schockartig. Die Gewaltdarstellungen werden aber nicht vordergründig als Stilmittel oder zur Effekthascherei ausgenutzt und erfüllen lediglich ihren vorgesehenen Zweck, innerhalb der authentischen bis mysteriösen Horrorstory, die phasenweise an Stephen King erinnert. Ich habe mich von dem mitreißend strukturierten Mystery-Horror in jedem Fall astrein unterhalten gefühlt. Matt und Harrison Query haben mit "Old Country" einige extraordinäre und intensive Ideen verarbeitet, die in ihrer weitreichenden Konsequenz regelrecht bösartig sind. Vor lauter Nervenkitzel konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Ein gelungener Horrorroman ganz nach meinem Geschmack!

(Janko)

https://www.instagram.com/harrisonquery

Brutalität/Gewalt: 56/100
Spannung: 81/100
Action: 79/100
Unterhaltung: 89/100
Anspruch: 23/100
Atmosphäre: 80/100
Humor: 06/100
Sex/Obszönität: 05/100

LACK OF LIES - Wertung: 87/100

Matt Query, Harrison Query - Old Country – Das Böse vergisst nicht
Heyne Verlag
Horror
ISBN: 978-3-453-32231-8
432 Seiten
Paperback, Klappenbroschur
Originaltitel: Old Country
Aus dem amerikanischen Englisch von Michael Pfingstl
Erscheinungstermin: 15.02.2023
EUR 15,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-641-29362-8
Erscheinungstermin: 01.02.2023
EUR 11,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Old Country – Das Böse vergisst nicht" beim Heyne Verlag: https://www.penguinrandomhouse.de/Paperback/Old-Country-Das-Boese-vergisst-nicht/Matt-Query/Heyne/e589171.rhd

Leseprobe: https://www.penguinrandomhouse.de/leseprobe/Old-Country-Das-Boese-vergisst-nicht/leseprobe_9783453322318.pdf

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Veröffentlicht am 31.03.2026

- mysteriöser, rasanter und mitreißender Psychothriller -

Giftiger Grund
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Sieben Jahre nach einem Überfall auf eine Tankstelle in der ländlichen Provinz, folgt die Bloggerin Charu einem neuen Eintrag auf der Urbex Guild Map. Die junge Frau möchte die erste sein, die eine Zeitraffer-Nachtaufnahme ...

Sieben Jahre nach einem Überfall auf eine Tankstelle in der ländlichen Provinz, folgt die Bloggerin Charu einem neuen Eintrag auf der Urbex Guild Map. Die junge Frau möchte die erste sein, die eine Zeitraffer-Nachtaufnahme dieser, mittlerweile zum Lost Place verkommenen Tankstelle postet. Dass Charu jedoch nicht die erste vor Ort ist, muss sie sich schnell eingestehen. Vandalismus, Partys und Obdachlose haben ihren Tribut gefordert. Als sich während der unbeaufsichtigten Videoaufnahme der Influencerin ein Mädchen in Schlafanzug und Gummistiefeln auf der nächtlichen Aufnahme verewigt, legt sich Charu in der darauffolgenden Nacht auf die Lauer. Das junge Mädchen kehrt tatsächlich wieder, doch als die Kleine Charu bemerkt, flüchtet sie in das nahe Waldstück. Die Bloggerin verfolgt das Mädchen und rennt dabei in den etwas konfus wirkenden Joran. Was hat die Kleine hier nachts zu suchen? Warum liegt sie nicht im Bett, wie alle anderen Kinder ihres Alters auch? Warum ist sie überhaupt nachts alleine unterwegs? Und was macht der junge Mann hier? Gehört er zu dem Mädchen oder hat er es verfolgt? Fragen über Fragen, die beginnen Charus Gedanken zu martern.

Aus der Ich-Perspektive der jeweiligen Akteure und im Präsens verfasst, birgt Thomas Knüwers 336 Seiten starker Psychothriller "Giftiger Grund" einen stakkatoartig pointierten, mitreißenden und endgültigen Erzählstil. Das ist zwar nicht neu, aber höchst effektiv. Die modern aufgepimpte, prägnante und eindringliche Gen-Z-Sprache, des 1983 im Münsterland geborenen und heute mit seiner Frau und drei Kindern in Hamburg ansässigen Schriftstellers, ist düster, brutal, mysteriös und spannend. Eingebettet in eine pessimistisch resignierte Grundstimmung ist Knüwers eigensinniger Schreibstil in eine, vor Sarkasmus triefende Metaphorik getaucht, die schon mal mit obszönen Untertönen belegt ist. Der Leiter einer Hamburger Digitalagentur neigt jedoch, im Gegensatz zu vielen seiner Genrekollegen, selten zu Übertreibungen, zur Dramaturgie oder zur Effekthascherei, was sich positiv auf die Glaubwürdigkeit seiner, teils regelrecht ekligen Szenarien auswirkt. Und so lässt er seine potenzielle Leserschaft an seinen Seiten kleben, wie ein Neugeborenes an den Brüsten seiner Mutter.

Ein weiterer Erzählstrang befasst sich mit dem bereits erwähnten Joran Horvat. Nach sechs Jahren und acht Monaten frisch aus dem Knast entlassen, kommt der 26-Jährige zunächst in einem schäbigen Hotel unter. Er will sein Leben auf die Kette kriegen, was sich als gar nicht mal so einfach herausstellt. Als Joran erfährt, dass die Tankstelle, die er damals mit Marvin und Aras überfallen hat, mittlerweile leer steht, macht er sich noch in derselben Nacht auf den Weg, in der Hoffnung, dass sich das gestohlene Geld noch immer in dem einstigen Versteck befindet. Doch was Joran in dem alten Schacht nahe der ehemaligen Tanke findet ist nicht das Geld, sondern eine verrottende und brutal stinkende Leiche. Nachdem er seine DNA, in Form seines halbverdauten Mageninhaltes, großzügig um den männlichen Leichnam verteilt, ist es auch mit seiner Anonymität zum Teufel. Da Joran befürchtet, dass man ihn mit dem Toten in Verbindung bringt und er wieder einfährt, will er sich aus dem Staub machen. Dabei rennt ein kleines Mädchen an ihm vorbei, das von einer jungen Frau verfolgt wird, die Joran beinahe über den Haufen rennt. Als tags darauf auch noch sein damaliger, gewaltbereiter Kumpel und Mittäter Marvin vor dem Hotel steht, um ihm einen Job anzubieten, ist dies der Beginn eines perfiden und infamen Albtraums für Joran.

Knüwers vielschichtiger, rätselhafter und spannungsvoller Plot baut auf den vielen verpassten Chancen seiner Charaktere auf, die sich immer tiefer in ihrer eigenen Scheiße vergraben. Teilweise selbstverschuldet, oft auch unverschuldet, zumeist aber einfach nur ungerechtfertigt! Fairness ist nun mal nicht die Priorität des Lebens. Und so werden Joran immer wieder Steine in den Weg gelegt. Er sucht Arbeit, findet aber keine. Und anstatt Marvin die kalte Schulter zu zeigen oder sich gegen selbigen zur Wehr zu setzen, benimmt sich Joran wie ein Hosenscheißer. "Giftiger Grund" ist eine emotional breitgefächerte, unkonventionelle und rätselhafte Geschichte über Opferrollen, (Macht-)Missbrauch, Elend, Hilflosigkeit, Mord, Vertuschung und die Frage nach Schuld, mit einem Ende wie ein Faustschlag ins Gesicht! Den Gemütlichkeit bevorzugenden Lesern sei an dieser Stelle eine Warnung anheimgestellt: "Giftiger Grund" ist alles andere als ein cozy crime!

(Janko)

https://thomasknuewer.com
https://www.instagram.com/thomas_knuewer

Brutalität/Gewalt: 48/100
Spannung: 81/100
Action: 72/100
Unterhaltung: 86/100
Anspruch: 58/100
Atmosphäre: 76/100
Emotion: 66/100
Humor: 17/100
Sex/Obszönität: 32/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Wertung: 85/100

https://www.lackoflies.com" target="_blank">https://www.lackoflies.com - Altersempfehlung: ab 15 Jahren (aufgrund der allgemeinen Thematik, der Obszönitäten und der Gewaltdarstellungen)

Thomas Knüwer - Giftiger Grund
Droemer Knaur
Kriminalroman / Psychothriller
ISBN: 978-3-426-56846-0
336 Seiten
Paperback
Erscheinungstermin: 02.03.2026
EUR 18,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook (epub): 978-3-426-56657-2
Erscheinungstermin: 03.03.2026
EUR 12,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

ISBN Download - Streaming (Ungekürzt): 978-3-7324-8718-9
Erscheinungstermin: 02.03.2026
EUR 20,95 Euro [DE] inkl. MwSt.

"Giftiger Grund" bei Droemer Knaur: https://www.droemer-knaur.de/buch/thomas-knuewer-giftiger-grund-9783426568460

Leseprobe: https://www.book2look.com/book/9783426568460

Hörprobe: https://www.argon-verlag.de/hoerbuch/thomas-knuewer-giftiger-grund-9783732487189

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.02.2026

- rasanter, spannungsvoller und mystischer Science-Fiction-Thriller -

Messias
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Andreas Brandhorst - Messias
(Heyne Verlag)

- rasanter, spannungsvoller und mystischer Science-Fiction-Thriller -

Der neueste Science-Fiction-Thriller "Messias", des deutschen Schriftstellers Andreas ...

Andreas Brandhorst - Messias
(Heyne Verlag)

- rasanter, spannungsvoller und mystischer Science-Fiction-Thriller -

Der neueste Science-Fiction-Thriller "Messias", des deutschen Schriftstellers Andreas Brandhorst, hat alles, was ein guter Pageturner mitbringen muss. Mitreißende Spannung, geballte Action, intelligente Twists, einnehmendes Lokalkolorit, angemessene Charakterzeichnungen, packende Cliffhanger, eine hervorstechende Extravaganz und das alles verpackt in einem ausgeklügelten Plot. "Messias" besteht zunächst aus drei losen Handlungssträngen, die der 1956 in Sielhorst (NRW) geborene Romancier auf versierte Weise miteinander verknüpft. Zunächst befinden wir uns auf dem Cerro Armazones, einem 3046 Meter hohen Berg in der chilenischen Atacama-Wüste, genauer gesagt in der Forschungsstation des ELT (Extremely Large Telescope). Als der 70-jährige Astronom Jayden Chapman die Datenanalyse des ELT durchgeht, ertönt ein Alarm, der auf eine elektromagnetische Anomalie auf dem Mond hinweist. Fast überall rund um den Globus werden, an Polarlichter erinnernde Leuchterscheinungen am Nachthimmel sichtbar. Während die Forscher am ELT von einem Erstkontakt mit außerirdischen ausgehen, ereignen sich auf dem Erdtrabanten und in vielen religiösen Zentren der Erde äußerst denkwürdige Begebenheiten.

In der zweiten Erzählebene befinden wir uns mit dem, kurz vor dem Ruhestand stehenden Auftragskiller Nathan, in Buenos Aires. Seinen allerletzten Auftrag nur suboptimal erledigt, ist er auf der Flucht vor seinen mächtigen Auftraggebern. Um ihm einen letzten Auftrag abzuringen, wird er mit dem einzigen, was ihm lieb ist, erpresst. Dabei lautet die simple Order an Nathan: Töten sie Gott! Doch wie tötet man jemanden, der nicht sterben kann? Diese Passagen, die den Auftragsmörder unter anderem nach Gibraltar, Málaga, Paris, Brüssel und Algier führen, bergen einen gewissen Agententhriller-Charme.

Die dritte Sequenz spielt sich in der südlichen Toskana in Italien ab. Ein Mann erscheint. Er nennt sich Simon. Er kann Wunder bewirken und sogar Tote erwecken. Sogar Papst Pius XIII., den er während einer Ansprache auf dem Petersplatz einen Lügner schimpft, stiehlt Simon die Show. Er spricht von einer neuen Offenbarung, von Wahrheit, Freiheit, großen Veränderungen und Erlösung. Gemeinsam mit seinem ersten Jünger Eric taucht Simon zeitgleich in Mekka, Jerusalem, Mexiko, Java, Tibet und etlichen weiteren heiligen Stätten auf sämtlichen Kontinenten auf und verkündet sein Wort. Am Ende dieses Tages wird die Welt eine andere sein.

Auf 576 Seiten entführt uns Andreas Brandhorst, der heute im Emsland lebt, in eine völlig neue Weltordnung. In beinahe blasphemischen Zügen verteilt der visionäre Autor etlicher Erfolgsromane diverse Seitenhiebe an die Mächtigen und die selbsternannten Hüter des Glaubens. Er spricht über Fundamentalismus, Machtmissbrauch, Egoismus, Falschheit, Narzissmus, sexuelle Unterdrückung, religiösen Fanatismus, Gehirnwäsche, Verschwörungen, Abhängigkeiten, Inszenierungen, sowie allem von dem der Mensch keine Ahnung hat, die Unvernunft die damit einhergeht und die Furcht seiner selbst im Umgang mit allem ihm Unbekannten. Daher auch die äußerst fragwürdige Behandlungsweise "unseres" Gastes, welche gravierende Auswirkungen auf den uns umgebenden Kosmos nach sich ziehen könnte. Über sein literarisches Sprachrohr Simon, gibt Brandhorst seine Sichtweise auf diverse philosophische, wie religiöse Fragen bezüglich Weltanschauung, Ethik, Ökonomie, Wissenschaft, Glauben und Manipulation wieder. Eine Art neue Weltreligion entsteht, die sich "Revelation" nennt und weltweit ganze Anhängerscharen rekrutiert. Auch wenn Simmons Weisheiten ein esoterischer Touch innewohnt, besitzt die fesselnde und aufwühlende Story zu "Messias" eine adäquate geistige Tiefe. Als Leser ist man von Anfang an auf die kontextgerechte und schlüssige Auflösung dieses rasanten, spannungsvollen und mystischen Science-Fiction-Thrillers gespannt. Ob und inwiefern das Andreas Brandhorst gelungen ist, darf jeder für sich selbst entscheiden. In der gesunden Mischung aus Schriftstellern wie Marc Elsberg, Dan Brown, Phillip P. Peterson, Frank Schätzing oder Uwe Laub, kommen immer wieder interessante Fragen auf, die Brandhorst mit fantastischen Ideen angereichert hat.

(Janko)

https://www.andreasbrandhorst.de/
https://www.facebook.com/andreas.brandhorst.autor/
https://www.instagram.com/andreas.brandhorst/

Brutalität/Gewalt: 65/100
Spannung: 85/100
Action: 78/100
Unterhaltung: 88/100
Anspruch: 72/100
Atmosphäre: 75/100
Emotion: 56/100
Humor: 04/100
Sex/Obszönität: 01/100

LACK OF LIES - Wertung: 86/100

LACK OF LIES - Altersempfehlung: ab 16 Jahren (aufgrund der perfiden Gewalttaten)

Andreas Brandhorst - Messias
Heyne Verlag
Thriller
ISBN: 978-3-453-27443-3
576 Seiten
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
Erscheinungstermin: 11.02.2026
EUR 24,00 Euro [DE] inkl. MwSt.

Weitere Formate:
ISBN eBook: 978-3-641-30903-9
Erscheinungstermin: 11.02.2026
EUR 15,99 Euro [DE] inkl. MwSt.

ISBN Hörbuch Download: 978-3-7599-0127-9
Erscheinungstermin: 09.02.2026
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"Messias" beim Heyne Verlag: https://www.penguin.de/buecher/andreas-brandhorst-messias/buch/9783453274433

Leseprobe: https://www.penguin.de/content/edition/excerptsextended/Leseprobe978-3-453-27443-3.pdf

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