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Veröffentlicht am 13.05.2023

Neuanfang in Wicherns große Familie

Matze macht fette Beute
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Der 12jährige Matze will nicht stehlen, aber was soll er machen? Er hat so viel Hunger, und Papa kommt nicht nach Hause. Bestimmt ist er mal wieder in einer Kneipe. Zusammen mit seinem kleinen Bruder Jan ...

Der 12jährige Matze will nicht stehlen, aber was soll er machen? Er hat so viel Hunger, und Papa kommt nicht nach Hause. Bestimmt ist er mal wieder in einer Kneipe. Zusammen mit seinem kleinen Bruder Jan macht sich Matze auf den Weg, um etwas zu „organisieren“.

Da der Polizeiwachtmeister auf dem Markt patrouilliert, müssen sich die Jungs etwas anderes einfallen lassen. Sie hoffen in einem Wohnhaus „fette Beute“ zu machen, dann müssten sie nicht mehr hungern. Es scheint so einfach zu sein, ein Kellerfenster steht offen. Sie klettern herein und machen sich auf die Suche. Doch dann kommt die Tochter des Hauses zurück. Jan ist gleich weg, doch Matze kann nicht schnell genug fliehen. Er hat große Angst wieder ins Zuchthaus zu kommen.

Johann Hinrich Wichern kommt gerade zu dem Haus, in dem der Einbruch missglückte. Er nimmt Matze mit. Doch wie wundert sich dieser, als er nicht eingesperrt wird, sondern sich stattdessen zuerst einmal sattessen darf. Mit der Zeit lernt er die Hausgemeinschaft des sogenannten „Rauen Hauses“ lieben. Jetzt fehlt nur noch sein Bruder, doch bei dem Versuch ihn auch in Wicherns Haus zu bringen, verliert Matze fast alles, was ihm liebgeworden ist.

Diese Erzählung beruht auf die Lebensgeschichte Wicherns, der zusammen mit seiner Frau Rettungshäuser für die verarmten Kinder Hamburgs aufgebaut hat. Viele Ereignisse in der Geschichte haben tatsächlich so stattgefunden und wurden den Aufzeichnungen Wicherns entnommen.

Es ist interessant zu lesen, wie Kinder in der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten. Die Geschichte enthält viele spannende Episoden. Johann Wichern wird sehr gut beschrieben, er wirkt authentisch und lebensnah, mit seinen positiven und negativen Seiten. Ein kleiner Mangel sind einige Wiederholungen.

Sprache und Erzählstil passen gut zur empfohlenen Altersgruppe. Vermutlich haben besonders ältere Grundschulkinder Freude an diesem Buch, das auch gut in einer Unterrichts- oder Gruppenstunde vorgelesen werden kann.

Fazit: Eine spannende Geschichte über eine beeindruckende historische Gestalt, die die Lebensumstände von Kindern vor zweihundert Jahren beschreibt und mit seiner Schilderung eines liebevollen und aufopfernden Lebensstils beeindruckt. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 30.04.2023

Genügt Gnade?

Und etliches fiel auf den Fels
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Dieser geistliche Klassiker enthält drei kurze Erzählungen, die in der gleichen Kirchengemeinde spielen, jeweils um etwa zwei Generationen zeitversetzt. In jeder Geschichte steht ein junger Pastor im Mittelpunkt, ...

Dieser geistliche Klassiker enthält drei kurze Erzählungen, die in der gleichen Kirchengemeinde spielen, jeweils um etwa zwei Generationen zeitversetzt. In jeder Geschichte steht ein junger Pastor im Mittelpunkt, der beim Antritt seiner ersten Stelle als Hilfspfarrer feststellen muss, dass sein im Studium erworbenes Wissen nicht ausreicht, um eine Gemeinde zu führen.

Im Jahr 1808 wird der Hilfsgeistliche Savonius an ein Krankenbett gerufen. Widerwillig löst er sich von einer ausgelassenen Feier, um diese unangenehme Aufgabe wahrzunehmen. Doch am Bett dieser sterbenden Person schämt er sich. Er merkt, wie selbstsüchtig er ist, und wie hilflos angesichts der geistlichen Not dieses Kirchenmitglieds. Diese Erfahrung verändert ihn. Doch nicht jedem ist seine Verwandlung recht. Und am Ende muss Savonius feststellen, dass ihn diese Erneuerung nicht vor Selbstgerechtigkeit bewahrt.

Im Jahr 1879 tritt der bekehrte Fridfeldt seine Stelle als Hilfspastor an. Er meint viel frommer zu sein als sein Vorgesetzter, auf den er insgeheim verächtlich herabblickt. Doch mit der Zeit stellt er fest, dass er von seinem neuen Chef viel lernen kann, gerade wenn es um den Umgang mit streitenden Gemeindemitgliedern geht.

Und schließlich befindet sich der Leser im Jahr 1937. Der junge Pastor Torvik ist entmutigt. Gemeindearbeit passt einfach nicht zu ihm, er möchte lieber ganz in Ruhe hochgeistliche Inhalte studieren. Doch wegen einem eindeutigen Berufungserlebnis, entscheidet er sich doch in seiner Pfarrei zu bleiben. Wegen den Entscheidungen eines guten Freundes, muss er neu bedenken, inwieweit die Bibel die Richtschnur seines Leben ist.

Diese Geschichten spielen in einer lutherischen Kirchengemeinde, und sie setzen sich einerseits mit dem Pietismus und andererseits mit der Bibelkritik auseinander. 1941 geschrieben, ist die Schreibweise ungewohnt. In Romanform werden geistliche Fragen untersucht. Dazu gibt es mehrere Passagen mit längeren Dialogen oder Predigtausschnitten. Das Ergebnis ist trotz der ausgefallenen Form gut lesbar und spannend, und die aufgeworfenen Fragen und Probleme sind auch heute, nach fast einhundert Jahren, aktuell.

Jede Erzählung besteht aus drei längeren Kapiteln, die die Jungpfarrer in verschiedenen Phasen ihres Dienstes zeigen. Nach einer Bekehrung erwachsen neue Zweifel, aus einer bereinigten Freundschaft entsteht ein neuer Konflikt. Die Erzählungen enden mit Weisheiten, die zum Nachdenken anregen. Wichtige Themen sind Gnade und Gesetz, Barmherzigkeit und Selbstgerechtigkeit, Gehorsam und Scheinchristentum.

Fazit: In diesem wertvollen Werk stecken tiefe geistliche Wahrheiten, eingebettet in Erzählungen, die menschliche Eigenarten anschaulich darstellen. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 12.04.2023

Gnade ist ein unverdientes Geschenk

Wie mit Gold verwoben
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Isabel ist dankbar für ihre Arbeitsstelle in einer Weberei. Mit ihrem kargen Verdienst unterstützt sie ihre Familie. Sie vermisst ihre Familie, es ist schon mehr als zwei Jahre her, dass sie sie sehen ...

Isabel ist dankbar für ihre Arbeitsstelle in einer Weberei. Mit ihrem kargen Verdienst unterstützt sie ihre Familie. Sie vermisst ihre Familie, es ist schon mehr als zwei Jahre her, dass sie sie sehen konnte. Zusammen mit ihren Freundinnen in der Fabrik, setzt sie sich für die kleinen Mädchen in einem Waisenhaus ein. In ihrer Freizeit nähen sie Puppen für diese kleinen Kinder.

Carter kommt nach dem Tod seines Vaters aus Europa zurück, und tritt das Erbe seines Vaters als Fabrikbesitzer an. Er hat sich mit seinem Vater nicht gut verstanden, denn Carter ist der Glaube wichtiger als ausbeuterischer Gewinn. Mit den großzügigen Änderungen, die er zum Wohle seiner Mitarbeiter einführen will, ist sein Verwalter gar nicht einverstanden.

Carters Mutter möchte nichts sehnlicher als Enkelkinder. Wenn Carter sich doch endlich für eins der Damen entscheiden könnte, die sie ihm vorstellt!

Dieses kleine Buch mit großer Schrift ist schnell gelesen. Es ist eine leichte Lektüre, eher eine Kurzgeschichte, ohne komplizierte Wendungen. Es wird schon bald deutlich, dass Carter und Isabel einander zugetan sind, doch die Standesunterschiede zwischen ihnen scheinen unüberwindbar.

Viele Szenen berühren das Herz, zum Beispiel der Besuch des Waisenhauses. Im Mittelpunkt steht das Thema Gnade, denn Carter fühlt sich dafür verantwortlich die Fehler seines Vaters wieder in Ordnung zu bringen. Dabei fürchtet er, dass Gottes Zorn über ihn als Sohn kommen wird.

Fazit: Mit seiner großen Schrift und einer schlichten, gefühlvollen Geschichte, eignet sich dieses Buch für kleine Pausen zwischendurch und besonders gut für ältere Menschen. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 11.04.2023

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei

Gemeinsam
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Ein Umzug ist immer schwer! Neu anfangen, vertraute Menschen zurücklassen. Als Jennie Allen in eine neu Stadt zieht, ist sie anfangs verzweifelt, weil sie sich so einsam fühlt. In diesem Buch erzählt sie ...

Ein Umzug ist immer schwer! Neu anfangen, vertraute Menschen zurücklassen. Als Jennie Allen in eine neu Stadt zieht, ist sie anfangs verzweifelt, weil sie sich so einsam fühlt. In diesem Buch erzählt sie von ihren Erfahrungen auf dem Weg zu neuen Freundschaften, die in die Tiefe gehen und erfüllend sind.

Die drei Teile dieses Buchs bauen aufeinander auf. Im ersten Teil weckt die Autorin ein Bewusstsein dafür, was uns in unserer individualisierten Gesellschaft abhandengekommen ist. Anhand von mehreren Beispielen, beschreibt sie, wie wir für das Leben in einer überschaubaren Gemeinschaft geschaffen worden sind. Als Beispiel nennt sie dörfliche Gemeinschaften in Afrika, in denen jeder den anderen kennt, Menschen nicht alleingelassen werden und füreinander sorgen.

Der zweite Teil ist vermutlich der wichtigste Teil des Buchs. Hier zeigt die Autorin fünf wichtige Prinzipien für bleibende und tiefe Freundschaften auf. Es geht um Vertrauen, um Authenzität und um Offenheit. Sehr viele Aussagen untermalt sie mit Beispielen aus ihrem eigenen Leben. Dabei erzählt sie oft auch von Schwierigkeiten und misslungenen Versuchen Freundschaften aufzubauen, ermutigt jedoch den Leser eindringlich dranzubleiben und nicht aufzugeben.

Im dritten Teil steht verstärkt der Glaube im Fokus, gleichzeitig wird der Leser in diesem Teil erneut ermutigt Schritte auf andere zuzugehen. Außerdem zeigt die Leserin Hindernisse auf dem Weg zur Gemeinschaft auf, und erklärt, wie man am besten damit umgeht.

Die Gestaltung dieses Buchs ist wunderschön und einladend. Der Schreibstil ist einfach, das Lesen fühlt sich wie ein zwangloses Gespräch mit einer Freundin an. Die Autorin erzählt sie sehr offen aus ihrem Leben, an manchen Stellen vielleicht ein bisschen zu viel. Beispiele von anderen Personen wären hilfreich, denn nicht jeder wird sich mit der extrovertierten Persönlichkeit der Autorin und mit ihren Sorgen identifizieren können.

Sehr hilfreich ist, dass konkrete Schritte zum Aufbau von Freundschaften aufgezeigt werden. Gut ist auch, dass die Autorin auf Einwände eingeht, die Leser haben könnten.

Fazit: Ein ansprechendes und hilfreiches Buch, das in einfacher Weise erklärt, wie man Freunde in seiner unmittelbaren Umgebung finden kann. Es ermutigt auf Menschen zuzugehen und sie besser kennenzulernen, da wir alle Gemeinschaft brauchen. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 30.03.2023

Wenn Liebe über Unrecht siegt

Anfang einer neuen Zeit
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Wieder eine Bombennacht in Königsberg. Doch dieses Mal verliert die 20jährige Emma alles, was ihr lieb ist. Ihr Zuhause, ihre Schwester, ihre Sicherheit. Sie kann zwar auf dem Land unterkommen, doch auch ...

Wieder eine Bombennacht in Königsberg. Doch dieses Mal verliert die 20jährige Emma alles, was ihr lieb ist. Ihr Zuhause, ihre Schwester, ihre Sicherheit. Sie kann zwar auf dem Land unterkommen, doch auch diese neue Zuflucht muss sie bald verlassen, denn die Bevölkerung flieht vor der Roten Armee.

Die überstürzte Reise in Eiseskälte ist einfach nur schrecklich. Doch es kommt noch schlimmer. Eine russische Einheit überfällt die Gruppe der Flüchtlingen. Mord, Vergewaltigung, Verschleppung. Emma wird zusammen mit anderen Frauen gefangen genommen, denn eine von ihnen soll schuld am Tod eines russischen Spions sein.

Nach Kriegsende will Emma einfach nur in Ruhe die Fäden ihres zerstörten Lebens aufsammeln und neu anfangen. Alles ist so schwer, und die Ereignisse haben sie schwer gezeichnet. Dann taucht auch noch einer ihrer Peiniger aus der Zeit ihrer Gefangenschaft auf. Er will sie für weitere Befragungen mit nach Russland nehmen,. Emma will nicht mit, aber sie hat keine Wahl.

Wegen einer unüberlegten Bemerkung dort, ist ihr Leben in Gefahr. Es gibt nur einen Ausweg. Doch dieser Weg ist unsagbar schwer.

Dieser Roman ist sehr tiefgründig und gefühlvoll geschrieben. Der christliche Glaube spielt eine große Rolle. Dabei werden schwere Lebensfragen angesprochen, teilweise auch offen gelassen, da es nicht auf alles eine Antwort gibt.

Emma sehnt sich nach Heilung, Versöhnung mit der Vergangenheit und Liebe. Doch an den Gott des Christentums kann sie nicht glauben, denn sie versteht nicht, warum er sie nicht vor dem Schlimmen, das sie mitmachen musste, bewahrt hat. Ihre lange Suche nach Antworten wird überzeugend dargestellt.

Zentral sind die Themen Versöhnung und Fremdenhass. Emma wurde viel Schreckliches von den Russen angetan, und es fällt ihr schwer nicht alle Russen deswegen abzulehnen. Doch auch sie als Deutsche trifft in Russland auf Wut und Hass.

Die Handlung ist spannend und überrascht mit immer neuen Wendungen. Gegen Ende des Buchs scheint manches ein wenig unglaubhaft und Zusammenhänge werden teilweise nicht genügend erklärt. Doch das stört kaum, dafür sind die Charaktere wunderschön gezeichnet, mit all ihren Zweifeln, Kämpfen und Sehnsüchten.

Fazit: Eine spannende und gut geschriebene Erzählung, über die Grauen des Kriegs, innere Heilung, Versöhnung und Liebe. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die historische Erzählungen und christliche Romane mögen.