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Veröffentlicht am 27.07.2023

Lichtblicke

Everything is okay
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Inhalt:

Immer wieder hat Debbie das Gefühl, es anderen recht machen zu müssen. Es kommt nicht selten vor, dass ihr Chef sie bittet Überstunden zu machen. Oft arbeitet Debbie dann bis spät in die Nacht ...

Inhalt:

Immer wieder hat Debbie das Gefühl, es anderen recht machen zu müssen. Es kommt nicht selten vor, dass ihr Chef sie bittet Überstunden zu machen. Oft arbeitet Debbie dann bis spät in die Nacht an einem neuen Projekt, das dann letztlich doch zu oft über den Haufen geworfen wird. Nebenher versucht sie ihren Traum von einer Karriere als Illustratorin voranzutreiben. Doch auch hier stößt sie immer wieder an ihre Grenzen. Sie fragt sich, ob es im gesamten kulturellen Leben einen Beruf gibt, der sich so unterbezahlt vorkommen muss.

So wandert Debbie übermüdet von der Arbeit durch ihren Tag. Oft fehlt ihr die Kraft, sich mit ihren Eltern zu treffen, mit ihnen zu telefonieren oder Zeit mit Freunden zu verbringen. Sie könnte Tage nur im Bett liegen, spürt keine Motivation aufzustehen und sich dem Tag zu stellen.

Debbie denkt viel nach. Über ihr Leben, über das, was in der Welt passiert, über andere. Nicht selten versinkt sie in Selbstzweifeln; in Trauer, in starkem Kummer. Sie fühlt sich vom Leben überfordert, fragt sich, warum andere Menschen stets so unbeschwert und glücklich durchs Leben gehen. Was stimmt mit ihr nicht, dass sie diese Leichtigkeit nicht empfindet? Ihr Leben ist durch Unsicherheit und Lebensangst geprägt.

Die düsteren Gedanken sind erst nur schwer zu ertragen. Dann kommt eine erste Panikattacke. Die Hilflosigkeit, die Debbie hier verspürt, ist ein Weckruf. Auf Antriebslosigkeit und Selbstisolation folgen suizidale Gedanken.

Debbie weiß, dass sie Hilfe braucht. Sie geht zum Arzt. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Denn Debbie beginnt durch die Therapie ihre Gedanken zu hinterfragen. Sie lernt, dass andere Menschen die gleichen Probleme haben. Sie erfährt mehr über sich selbst, woher ihre negativen Gedanken kommen und wie sie damit umgehen kann. Die Frage, ob Debbie mit ihr wichtigen Menschen genauso umgehen würde, wie mit sich selbst, ist ihr eine große Hilfe. Denn diese kann sie klar mit „nein“ beantworten. Debbie lernt sich selbst liebevoller zu behandeln und sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen.


Meinung:

„Quiet Girl – Geschichten einer Introvertierten“ war das erste Buch, das von Debbie Tung im Loewe-Verlag ins Deutsche übersetzt wurde. Es handelte sich um eine Schwarz-Weiß-Graphic Novel. Das Buch ist biografisch-chronologisch aufgebaut.
Ich habe dieses Buch damals gelesen und es rutschte sofort unter meine Highlights. Daraufhin habe ich auch das zweite Buch, „Booklove – Eine Liebeserklärung an das Lesen“, gelesen. Wieder ein Volltreffer. Und nun ist „Everything is okay“ auf meinem Lesestapel gelandet. In allen drei Büchern der Autorin habe ich mich in den Gedanken der Protagonistin zu einem großen Teil wiederfinden können. Und ich denke, damit bin ich nicht alleine.

Debbie Tung berichtet in ihrem Buch aus ihrem Leben. Sie berichtet von ihren Schwächen und nerdigen Vorlieben. Sie erzählt, wie sie sich nicht selten als Außenseiterin sieht. Sie ist eben niemand, der gerne im Rampenlicht steht. Sie denkt viel nach. Es fällt ihr schwer, sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen. Das liegt zum Teil auch daran, dass sie Angst hat, dass ihre Sorgen und Ängste abgewertet oder/und nicht verstanden werden. Dabei hat Debbie einen wundervollen Freund, der ihr zuhört. Der immer Verständnis zeigt, selbst, wenn er ihr Verhalten mal nicht versteht. Er ist für sie da. In guten und auch in schlechten Zeiten.

Debbie weiß, dass sie - objektiv gesehen - ein gutes Leben hat. Sie hat einen Freund, der alles für sie tun würde und auch tut. Sie hat einen Job. Die Leute in ihrem Umfeld sind nett zu ihr. Und dennoch ist sie oft unglücklich. Diese negativen Gefühle überfordern Debbie. Sie weiß nicht, wie sie mit ihnen umgehen soll.

In "Everything is okay" beschreibt Debbie Tung in kleinen Comicstrips Auszüge aus dem Alltag ihrer Protagonistin. Sie thematisiert dabei nicht nur die Düsternis, sondern auch eine emotionale Entwicklung. Debbie sucht sich Hilfe und lernt mit ihren Gefühlen umzugehen. Doch damit endet das Buch nicht. Wie geht es weiter, nachdem Debbie gelernt hat, ihre Gefühle zuzulassen, sich anderen gegenüber mehr zu öffnen und wichtige Lektionen zu lernen.

Debbie Tung berichtet von einer Protagonistin, der es gelingt, ihren Träumen Beachtung zu schenken und diese auch zu verwirklichen. Sie spricht aber auch von Rückschlägen und einem Leben, das immer wieder Höhen und Tiefen hat. Es gibt nicht den einen "richtigen Weg", der vor einem liegt, sondern viele Möglichkeiten und ständige Hürden. Es wird immer wieder Tage geben, an denen man sich nicht gut fühlt und der Akku leer ist. Aber es gibt auch kleine Highlights im Alltag, die das Leben schön machen. Das Leben ist nicht geradlinig, es steckt voller Überraschungen - sowohl positiver als auch negativer Art. Es gibt auch Tage, an denen die Düsternis einem aus der Ferne winkt. Vielleicht auch Tage, an denen sie unkontrolliert auftaucht. Doch Debbie hat gelernt, damit umzugehen. Sie weiß jetzt, dass sie schwere Tage überstehen kann.

Zuletzt möchte ich noch auf die graphische Umsetzung des Buches eingehen. Die Graphic Novel ist, wie von anderen Büchern der Autorin gewohnt, in Schwarz-Weiß gehalten. Besonders gefallen hat mir hier der kleine visuelle Kniff, bei dem einige farbige Bilder im Buch abgedruckt wurden. Das geschieht immer dann, wenn Debbie schöne Momente erlebt, Fortschritte macht und erfährt, dass ihr Leben lebenswert ist.


Fazit:

Bei einer Erkältung oder einer Grippe bekommt man oft von seinem Umfeld liebevolle Worte: Ruh dich aus! Wie geht es dir? Kann ich dir helfen? Bei einer Depression sieht das aber oft anders aus. Hier erntet man nicht selten Sätze wie: Stell dich nicht so an! Das geht vorüber. Du hast doch einfach nur keine Lust. Wer dann auch noch unter die Räder eigener und fremder Leistungsansprüche kommt, reagiert oft mit destruktiven Selbstvorwürfen und Autoaggression.

Debbie Tung zeigt in „Everything is okay“ anhand ihrer Protagonistin wie derlei Gedanken zu einer Abwärtsspirale führen können.
Anhand ihrer Protagonistin zeigt die Autorin, wie es gelingt, diesen Ängsten wieder Herr zu werden.

„Everything is okay“ ist aber nicht nur eine Geschichte, die sich ums Thema Depressionen rankt, sondern zugleich auch ein Ratgeber. Einer, der nicht nur für eine bestimmte Zielgruppe, sondern für jeden von uns geeignet ist. Das Buch vermittelt dabei intime Einblicke in die Seele der Protagonistin. Sie stellt deren depressive Antriebslosigkeit ebenso dar wie Lebensbewältigung, Existenzbestimmung und Lichtblicke. Hierbei zeigt die Autorin ein Talent dafür Gedanken und Gefühle - im Wortsinn - in starken Bildern nachzuzeichnen. So gelingt es ihr, Depressionen erfahrbar zu machen. Eine Krankheit, der Nichtbetroffene zu oft mit Unverständnis begegnen.

Das Buch ist eine liebevolle Odyssee über das Leben. Es ist eine Gute-Nacht-Geschichte, die zeigt, dass der nächste Tag gut sein wird, egal, was da kommen mag. Jeder ist einzigartig. Jedes Leben verläuft anders. Und das ist auch gut so.

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Veröffentlicht am 19.07.2023

Licht aus, Spaß an

Die Geschichte von Dunkel
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Inhalt:

Mitten in der Nacht erwacht Dunkel aus seinem Schlaf. Er hat Angst vor den Geräuschen, vor den Lichtern, die langsam verglimmen. Er fühlt sich so allein …

Dunkel huscht aus seinem Bettchen und ...

Inhalt:

Mitten in der Nacht erwacht Dunkel aus seinem Schlaf. Er hat Angst vor den Geräuschen, vor den Lichtern, die langsam verglimmen. Er fühlt sich so allein …

Dunkel huscht aus seinem Bettchen und wandert durch den Wald. Er stößt auf ein Lämpchen, das so herrlich leuchtet. Dunkel ist ein wenig neidisch auf Licht. Denn Licht ist so warm und in seiner Nähe fühlt man sich sicher und geborgen.

Dunkel möchte unbedingt in Lichts Nähe bleiben. Er folgt ihm durch den Wald und macht dort so manche interessante, aber auch gruselige Entdeckung. Steine, die aussehen, als hätten sie Gesichter, Bäume, die riesig sind.

Bei genauerer Betrachtung erweist sich allerdings, dass all diesen Geheimnissen der Nacht auch ein Zauber innewohnt. Die Äste der Bäume glitzern im Dunkeln. Unter der Erde befinden sich Höhlen mit glänzenden Edelsteinen.

Bald schon begreift Dunkel, dass die Nacht eigentlich wunderschön ist. Alles wirkt so friedlich und heimelig.

Die Nacht bietet Zeit für Träume. Der Himmel leuchtet voller Sterne. Das Juwel in der Krone der Nacht ist der pralle Mond, der wie eine Laterne anmutet.

Mit den Gedanken an die Erlebnisse, die Dunkel in dieser Nacht gemacht hat, schläft er ein. Er träumt von Leuchttürmen, Nächten am Lagerfeuer und Diamanthöhlen.



Meinung:

Die Autorin Marit Kok witmet sich in ihrem Kinderbuch „Die Geschichte von Dunkel“ den Sorgen der Kleinsten unter uns. Ihr Protagonist „Dunkel“ guckt mal süß, mal neugierig, mal verängstigt, mal niedlich und es ist immer eine Freude, wenn er erscheint.

Alleine der Name verrät, dass es sich bei Dunkel um die Nacht selbst handelt. Und er fürchtet sich vor ihr. Aus berechtigten Gründen. Denn tagsüber werden wir Menschen der Omnipräsenz einer Reizüberflutung ausgesetzt. Überall sind Geräusche, überall gibt es etwas zu sehen. Nachts hingegen werden wir gezwungen, diese Reize herunterzufahren. Unsere Augen sind nicht mehr in der Lage alle Konturen wahrzunehmen. Nur noch wenige Geräusche beschäftigen unser Gehör.

Der Entzug von sensorischen Reizen und Sinneseindrücken kann aber auch dazu führen, dass wir Angst haben. Angst, dass wir die in der Dunkelheit lauernden Gefahren nicht wahrnehmen.

Diese unbegründete Angst gilt es zu überwinden. Denn die Gefahren nehmen durch Anbruch der Dunkelheit ja nicht zu.

Mit Hilfe ihres Protagonisten Dunkel erklärt Marit Kok, dass die Nacht ihren ganz eigenen Charme hat. Sie vermittelt ein entspannendes, beruhigendes Gefühl und reduziert den Herzschlag.

An diesem Kinderbuch gefiel mir nicht nur die Botschaft. Auch die Aufmachung ist hier besonders. Denn „Die Geschichte von Dunkel“ wird nicht durch Illustrationen begleitet. Marit Kok selbst hat dieses Buch mit Hilfe von Crafting, handgemachter Sets, Stop-Motion und Fotografie gestaltet. 2020 hat die Autorin ihren Abschluss als Filmemacherin absolviert. „Die Geschichte von Dunkel“ entstammt aus Teilen des Abschlussprojektes und einem Plan für einen Kurzfilm.



Fazit:

Das Monster unter dem Bett, die bösen Augen am Fenster oder das Gespenst im Schrank. Wer kennt sie nicht, die Angst vor dem Dunkeln. Rational ist vieles unbegründet. Aber dennoch klopft das Herz. Hätte ich „Die Geschichte von Dunkel“ schon in jungen Jahren als Gute-Nacht-Lektüre gehabt, wer weiß, vielleicht hätte ich den Zauber der Nacht dann schon viel früher begriffen.

Liebevoll erzählt Marit Kok in ihrem farbig illustrierten Kinderbuch von den Ängsten ihres Protagonisten „Dunkel“. Dieser berichtet von ungewohnten Geräuschen, düsteren Schatten und von der Sehnsucht nach Licht in der Nacht. Dunkel erkennt jedoch bald, dass der Nacht auch ein Zauber innewohnt. Ein Zauber, den er bislang übersehen hatte.

Neben einer wichtigen Botschaft überzeugt „Die Geschichte von Dunkel“ auch mit einer kunstvollen Aufmachung. Marit Kok arbeitet hier mit Crafting, handgemachter Sets, Stop-Motion und Fotografie. Wenig Text (ein bis zwei Sätze auf jeder bebilderten Seite) machen dieses Buch zur perfekten Einschlaflektüre für die Jüngsten unter uns.

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Veröffentlicht am 25.05.2023

Geschichte mit starkem Sogfaktor

XOXO – Der Rhythmus unseres Lebens
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Inhalt:


Neben der Schule übt Jenny jeden Tag hart für ihren Traum, als Cellospielerin groß rauszukommen. Irgendwann möchte sie in einem großen Orchester spielen. Ihre freie Zeit verbringt sie in der ...

Inhalt:


Neben der Schule übt Jenny jeden Tag hart für ihren Traum, als Cellospielerin groß rauszukommen. Irgendwann möchte sie in einem großen Orchester spielen. Ihre freie Zeit verbringt sie in der Karaoke-Bar ihres Onkels.

So auch an diesem einen Nachmittag an dem Jenny gerade einen schlechten Tag zu vergessen versucht. Eigentlich ist der Talentwettbewerb sehr gut verlaufen. Die Jury war angetan von ihrem Cellospiel. Ja, sie hat Jenny sogar in den höchsten Tönen gelobt. Ein empfindlicher Kritikpunkt, der ihr vorgehalten wurde, hallt aber nach: Ihr fehle der besondere Funke.

Gerade hat Jenny Onkel Jay ihr Leid geklagt und von ihm den Ratschlag erhalten, über eine größere Achtsamkeit und Wertschätzung, mehr Wärme und Leidenschaft zu spüren. Musik tritt bei Onkel Jay als Leidenschaft in Erscheinung, die gleichermaßen Freud wie Leid, das Gute wie auch das Schlechte spiegelt.

Jenny denkt noch über diese Worte nach, als Onkel Jay feststellt, dass einer seiner Kunden seine Zeit überzieht. Jenny nimmt sich des Problems an und erfährt eine Überraschung. Denn in dem Zimmer befindet sich nur ein einzelner Junge. Dieser sitzt traurig und niedergeschlagen in einer Ecke und denkt gar nicht daran die Karaokebar zu verlassen.

Den Onkel um Hilfe bitten, kommt für Jenny nicht in Frage. Sie möchte das Problem selbstständig lösen, zumal sie sich noch gut an dessen Worte erinnert: Sie muss den Tag leben und dazu gehört es, sich dem Leben zu stellen.

Kurzerhand bietet Jenny dem Fremden einen Deal an. Sie bucht zwanzig Extraminuten für die Box. Sollte es ihm gelingen, in einem Gesangsbattle als Sieger hervorzugehen, so bekommt er eine Gratisstunde von ihr. Sollte sie gewinnen, so muss er gehen.

Mit diesem Vorschlag gelingt es Jenny den Fremden aus seiner Lethargie zu reißen. Durch das Battle kommen sich beide näher. Dieser zauberhafte Moment endet jedoch viel zu schnell.

Als Jenny gewinnt und der Junge, der sich im weiteren Verlauf als Jaewoo vorstellt, die Bar verlässt, ahnen beide nicht, dass sie sich schnell wiedersehen werden.

Der Zufall führt Jenny und Jaewoo erneut zusammen. Sie verbringen den wohl schönsten Tag ihres Lebens miteinander. Ein koreanisches Festival und ein lustiges Fotoshooting in einer Fotobox sind nicht ihre einzigen Programmpunkte. Aber dann trennen sich ihre Wege erneut.

Der Junge verschwindet in einem schwarzen Van und reagiert nicht mehr auf ihre Textnachrichten; was ihn natürlich interessant macht.

Doch wieder schlägt das Schicksal zu. Denn Jennys Mutter möchte ihre Großmutter in Seoul besuchen und bei einer anstehenden OP beistehen. In Seoul ist Jaewoo, wie er einst berichtete, beheimatet. Jenny möchte nicht so lange Zeit von ihrer Mutter getrennt sein. Sie würde unglaublich gerne Jaewoo wiedersehen und träumt davon, ihre Großmutter kennenzulernen. Sie bittet ihre Mutter daher sie auf der Reise begleiten zu dürfen.

Jennys Mutter ist sehr streng, doch gibt sie unter der Bedingung nach, dass ihre Tochter weiterhin hart für ihre Zukunft als Konzertcellistin arbeitet.

Jenny ist außer sich vor Freude. Sie erwartet viel von ihrem Aufenthalt in Seoul. Das Schicksal zaubert mehr als einen Deus ex machina aus dem Hut. Nicht nur, dass sie ihre liebenswerte Großmutter kennenlernen darf. Bereits am ersten Tag lernt sie in der Umkleide zwei der Mitglieder einer in Seoul berühmten K-Pop-Gruppe namens XOXO kennen. Der Höhepunkt des Aufenthalts ist einzigartig, gerade auch weil die Erkenntnis so überraschend und unerwartet kommt: Der Junge aus der Karaokebar ist kein geringerer als der Main Vocalist von XOXO.



Meinung:


„XOXO – Der Rhythmus unseres Lebens“ verspricht einiges. Südkorea boomt! Technische und kulturelle Exporte hatten mich bereits erreicht. K-Pop ist angesagt. Und das Buch wird seinem Versprechen, horizonterweiternd zu sein, in vollem Umfang gerecht.

Zwar gibt es in ihrer Geschichte immer wieder allerhand Zufälle, die Jenny, eine liebenswerte und zugleich sehr zielstrebige Protagonistin, und Jaewoo, einen berühmten K-Pop-Star, der unter seinen Kollegen als der Vernünftige und Gewissenhafteste der Band gilt, immer wieder zusammenführen. Dennoch konnte ich über diesen – für mich einzigen Kritikpunkt – gut hinweg schauen.

„XOXO – Der Rhythmus unseres Lebens“ lässt sich wohl am besten unter den Begriff „Slow-Burn-Romance“ einordnen. Die Geschichte fügt sich nur langsam zusammen.

Jaewoo hat stark darum gekämpft und musste viele Opfer bringen, um zu dem Ruhm zu gelangen, den die Band aktuell erfährt. Der Höhepunkt der Karriere ist zum Greifen nahe. Ein Foto, eine falsche Story, ein falsches Wort, das an die Presse gerät, kann dafür sorgen, dass sein Lebenstraum von einem Moment auf den anderen platzt.

Auch Jenny kämpft darum ihren Traum, eine berühmte Konzertcellistin zu werden, verwirklichen zu können. Für eine Romanze und viel Freizeit bleibt hier wenig Zeit.

Neben diesen Konflikten wird in mosaikhafter Form von Jennys Leben erzählt. So erfährt der Leser vom alltäglichen Leben in Korea und von Freud und Leid ihrer Familie. Der Kampf um den sozialen Aufstieg erscheint als durchgängiges Thema immer wieder. Die Mischung aus biografischen Elementen, Späßen und ernsthaften Themen ist gelungen.

Jenny hat es an der Seoul Arts Academy nicht immer einfach, denn ihre neue Mitbewohnerin zeigt ihr die kalte Schulter. Doch Jennys sympathische, aufgeschlossene Art führt auch schnell zu neuen Freunden. Immer wieder trifft Jenny auf neue Menschen und bald schon hat sie einen Freundeskreis aufgebaut, der von Tag zu Tag immer mehr wächst.

Das Buch ist voll von wundervollen Szenen, die Jenny selbst schafft, emotionale Momente, frei von Kitsch.



Fazit:


Axie Oh spiegelt mit „XOXO-Der Rhythmus unseres Lebens" das ungefilterte Leben und schreibt dabei eine berührende Coming-of-Age-Geschichte.

Ein aufstrebender K-Pop-Star und eine ambitionierte Konzert-Cellistin suchen Impulse, mit denen sich der Konflikt Liebe vs. Beruf auflösen lässt. Protagonisten, die zuvor Gefahr liefen, die eigene Persönlichkeit nahezu aufzugeben und einer absoluten Fremdbestimmung zu opfern.

Das Buch bietet eine Exkursion in eine fremde Kultur, bringt dabei Geschichten mit, die so bunt, so herzergreifend sind, dass man das Buch nicht vor der letzten Seite zuschlagen möchte.

Ein Deus ex machina hier, einer dort, findet sich allerdings in einem ansonsten durchdachten Plot.

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Veröffentlicht am 18.04.2023

Ein perfekter Abschluss

Prison Healer (Band 3) - Die Schattenerbin
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Inhalt:


Nie hätte Kiva gedacht, dass sie nach all dem, was sie durchgemacht hat, noch einmal in Zalindov, dem wohl schlimmsten Ort Wenderalls, erwachen würde. Einst war das Gefängnis ihre Heimat. Hier ...

Inhalt:


Nie hätte Kiva gedacht, dass sie nach all dem, was sie durchgemacht hat, noch einmal in Zalindov, dem wohl schlimmsten Ort Wenderalls, erwachen würde. Einst war das Gefängnis ihre Heimat. Hier ist sie aufgewachsen, hat an der Seite ihres Vaters die Heilkunst gelernt, musste geliebte Menschen ziehen lassen und tagtäglich ums Überleben kämpfen.

Damals war Kiva allerdings als geschätzte Heilerin unter dem Schutz des Gefängnisaufsehers noch einigermaßen sicher. Nach den vergangenen Geschehnissen jedoch kann sie sich nunmehr allerdings weder auf Rookes Protektion verlassen, noch würde sie hier vermutlich nur auf sich gestellt auch nur zwei Tage überleben. Denn Kivas Schwester hatte nicht nur dafür gesorgt, dass Kiva wieder am Anfang landet. Sie hatte sie auch zugleich unter dem Einfluss einer gefährlichen Droge ausgesetzt. Zu guter Letzt sollte die junge Heilerin nun in den Tunneln arbeiten. Eine Aufgabe an der die stärksten Männer schon innerhalb kürzester Zeit zugrunde gegangen sind.

Auch droht Kiva von Vorwürfen und Gewissensbissen zerrieben zu werden. Sie hatte all ihre Freunde verraten. Sie hatte ihre große Liebe nicht nur seines Throns, sondern auch seiner Magie beraubt und schlimmer noch, sein Herz gebrochen.

Als Häufchen Elend trifft Kiva innerhalb der Gefängnismauern auf Cresta. Eine Leidensgefährtin, die sich über die Jahre hinweg jedoch nie ihrem Schicksal ergeben hat. Cresta beginnt für Kiva zu kämpfen und vertritt die Ansicht, dass Aufgeben nie eine Option ist. Gemeinsam versuchen die beiden Frauen Tag für Tag Zalindov irgendwie zu überstehen. Bis der Tag gekommen ist, an dem Kiva vor den Gefängnisaufseher treten muss.

Zwar gibt es Tiefpunkte, die sich als Wendepunkte erweisen. Dieser ist es nicht. Kiva darf das Gefängnis für kurze Zeit verlassen. Aber was sie außerhalb der Mauern erwartet, ist ein weiterer Albtraum. Erneut landet sie in einem Strudel aus Intrigen.



Meinung:


Mit Neugier und Vorfreude auf eine Geschichte, deren Vorgänger ein außergewöhnliches Lesevergnügen versprachen, habe ich dem Reihenabschluss entgegengefiebert.

Dass Kiva wieder in Zalindov landen würde, damit hätte ich beim besten Willen nicht gerechnet. Wie Leser der Reihe wissen, war es der jungen Heilerin nur mit Hilfe von Jarens Magie und der Unterstützung von Freunden gelungen, dem Gefängnis zu entkommen. So viel Glück würde sie vermutlich nicht ein weiteres Mal haben. Das bestätigt sich auch bereits auf den ersten Seiten des Buches. Kiva muss sich nicht nur einem heftigen Drogenentzug stellen, sie muss auch schwerste körperliche Arbeit in den Tunneln erleiden. All das in unmittelbarer Nähe von Aufsehern wie „Metzger“ und „Knochenbrecher“. Eine schier unlösbare Aufgabe.

Wie zuvor erschafft Lynette Noni auch im Finale neue Figuren, die Kiva im Laufe ihrer Geschichte zur Seite stehen und die dem Leser schnell ans Herz wachsen. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle Cresta, die über Jahre hinweg in Zalindov überleben musste, und die Kiva schon bald mit ihrem vorlauten Mundwerk, ihrer burschikosen aber irgendwie auch herzlichen Art zur Seite steht.

Eine der im Fokus der Geschichte stehenden Figuren ist auch Navok, der gutaussehende aber bösartige und furchteinflößende König, der für seine Brutalität bekannt ist und der in diesem Buch eine tragende Rolle erhält.

Immer wieder habe ich mich beim Lesen dieses finalen Bandes gefragt, wie es der Autorin wohl gelingen würde, all die offenen Stränge wieder zueinander zu führen. Ich war mir sicher, dass Lynette Noni ein Happy End für ihre Charaktere und auch für den Leser würde schaffen wollen. Doch wie sollte das gelingen, bei all den Verstrickungen, dem Gefühlschaos und den ständig neuen Problemen, die sich von Seite zur Seite auftun?

Da für mich diese Reihe zu den absoluten Mustreads der Fantasyliteratur gehört, möchte ich euch so wenig wie möglich Spannung und Leseerlebnis nehmen. Verraten sei an dieser Stelle, dass ich über die Seiten hinweg eine wahre Achterbahnfahrt erlebt habe.

Die Handlung ist rasant arrangiert, scheint auf den ersten Blick etwas eilig strukturiert, enthüllt aber bei weiterem Lesen zahlreiche Wendungen, Finten und Dramatik.

Lynette Noni schreibt, als hätte sie im Leben nie etwas anderes getan. Sie berührt, sie bewegt, sie schockiert. Sie zerbricht Herzen und kittet sie wieder.



Fazit:


Mit „Die Schattenerbin“ schließt Lynette Noni ihre großartige Trilogie, eine absolut lesenswerte Jugendfantasyreihe, ab. Ihr gelingt es, alle Handlungsebenen miteinander zu verweben und in einem genialen Finale aufzulösen.

Auch zum Abschluss wird wieder eine unglaublich spannende, plausible, ungemein berührende Geschichte ohne künstlich wirkende Effekte, dafür aber mit viel Emotionalität präsentiert.

Bleibt zu hoffen, dass Lynette Noni bald wieder zur Tastatur greifen wird und ihren LeserInnen weitere Abenteuer von solch grandiosem Stil schenken wird.

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Veröffentlicht am 04.04.2023

Mein erstes und mit Sicherheit nicht letztes Buch von Mario Fesler

SWITCH YOU. Völlig übergeschnAPPt! 1: Völlig übergeschnAPPt!
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Inhalt:

Fred steht seinem kommenden Geburtstag eher skeptisch gegenüber. Denn was Geschenke betrifft, haben seine Eltern in der Vergangenheit einen wirklich gruseligen Geschmack bewiesen. Seine Freunde ...

Inhalt:

Fred steht seinem kommenden Geburtstag eher skeptisch gegenüber. Denn was Geschenke betrifft, haben seine Eltern in der Vergangenheit einen wirklich gruseligen Geschmack bewiesen. Seine Freunde konnten sich über die coolsten Spielzeuge freuen, er hingegen bekam Sachen wie vegane Holzklötze, die auch noch splittern, einen Zimmergarten oder einen Schaukasten für Steine geschenkt. Dinge, die die Welt nicht braucht. Dabei hätte er doch so gerne dieses coole Zeichenprogramm oder noch viel besser: Endlich seinen großen Traum von einem eigenen Handy erfüllt.

Doch dass es neben einem gruseligen Geschenk auch noch weitere Enttäuschungen geben könnte, damit hat Fred dann doch nicht gerechnet. Die Talsohle scheint erreicht, als sein Vater ihm verkündet, dass er genau an Freds Geburtstag auf eine wichtige Geschäftsreise gehen müsse.

Fred ist zutiefst enttäuscht. Auch der Umschlag, den sein Vater ihm überreicht, und der sein Geburtstagsgeschenk enthält, kann ihn da nicht mehr trösten.

Schlimmer geht es immer. Das muss Fred bald schon feststellen. An der Schule werden Mitschüler von einer geheimen Organisation, den „maskierten Skifahrern“, erpresst. So unter anderem auch Ruwen, der nur mit wenig Geld über die Runden kommen muss und einen sehr strengen Vater hat. Hundert Euro soll er an die Erpresser zahlen. Als Fred das erfährt, hat er Mitleid. Helfen kann er Ruwen nicht. Ihn aber wohl zu seiner Geburtstagsparty einladen.

Doch all das hat einen Harken. Denn Ruwen ist ein Pyromane. Die Sorge, dass an Freds Geburtstag plötzlich sein Elternhaus in Flammen stehen könnte, ist also nicht ganz so unbegründet. Doch Fred ist sich sicher, dass seine Mutter gewiss aufpassen wird.

Doch auch aus dieser Senke geht es plötzlich weiter steil nach unten. Denn Freds Mutter hat an seinem Geburtstag eine schlechte Nachricht für ihn: Onkel Ingmar muss sich einer Dünndarmoperation unterziehen. Als sozialer Mensch und als passionierte Heilpraktikerin kann Freds Mutter ihren Bruder natürlich nicht im Stich lassen.

Freds Laune ist im Keller. Doch die Party steht. Mittlerweile von seinem miesen Karma überzeugt, öffnet er am Geburtstag den Umschlag, den ihm sein Vater gegeben hat. Das Geschenk, das er hervorholt, ist der Game-Changer: ein Smartphone. Ein Smartphone jedoch ohne Appstore und mit nur einer App namens „Switch you“ darauf. Freds Enttäuschung macht sich schnell wieder breit. Noch weiß er nicht, was diese App kann. Sie ist einzigartig. Aber auch ziemlich gefährlich ...



Meinung:

Bei „Switch you – Völlig übergeschnAPPt!“ handelte es sich um mein erstes Buch von Mario Fesler. Zuvor hatte ich schon viel gutes über die Bücher des Autors gehört und war somit auch mit hohen Erwartungen an diese Geschichte herangetreten.
Diese wurden, soviel sei vorweggenommen, nicht enttäuscht.

Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an begeistern können. Mario Fesler baut das Grundgerüst rund um seinen Protagonisten Fred, einen ganz normalen 11-jährigen Jungen, gekonnt und stabil auf und würzt seine Erzählung mit einem lockeren und natürlichem Humor, der mir sehr gefallen hat.

Noch vor der eigentlichen Geschichte lernt der Leser die wichtigsten Charaktere anhand von kleinen Steckbriefen kennen. Alleine diese machen schon neugierig und laden zum Schmunzeln ein. So wird Freds Bruder Erik zum Beispiel mit den besonderen Kennzeichen Angst vorm Duschen und den Hobbys Schlafen, Kühlschrank plündern und seltsame Leute treffen vorgestellt. Ruwens Attribute hingegen lauten wie folgt: Hobbys: Wutanfälle, Dinge kaputt machen, Omas Blaubeerkuchen. Besondere Kennzeichen: Verhängnisvolles Interesse an Streichhölzern und Feuerzeugen.

Neben Ruwen, Erik und Fred wird auf diesen Seiten auch Freds beste Freundin Svetlana vorgestellt. Diese erhält als Erzählerin eine besondere Rolle in der Geschichte. Zwischen den Kapiteln gibt Svetlana, die unglaublich klug ist und hervorragend kombinieren kann, immer wieder ihren Kommentar ab. Sie berichtigt Freds Erzählung um eigene Details und reflektiert seine Wahrnehmung. Diese Kapitel empfand ich als sehr unterhaltsam, zumal sie die eh schon spannende und humorvolle Geschichte noch weiter auflockern.

Dem Autor gelingt es, Spannung zu erzeugen und unsere Aufmerksamkeit zu fesseln. Denn natürlich möchte man als Leser wissen, was es mit der mysteriösen App auf sich hat. Das findet Fred auch bald heraus. Denn er landet schnell in dem größten und verrücktesten Abenteuer seines Lebens. Allerdings gerät er auch in Gefahr.

Sehr gefallen hat mir hier auch die Darstellung von Fred, der eigentlich nie in Panik gerät, sondern alles sehr sachlich und rational betrachtet. Er lässt sich nicht einschüchtern und geht die Probleme auf seine Art an. Dabei wirkt er nie wie ein klassischer Held, sondern immer wie ein ganz normaler, ziemlich cooler Junge.

Aber auch der Nebenplot rund um die maskierten Skifahrer, den Mario Fesler gekonnt in seine Geschichte einbindet, erhält einige spannende und rätselhafte Wendungen, die beim Lesen zu fesseln wussten.

Sehr gefallen hat mir, neben dem natürlichen Humor, der Spannung und Dynamik der Geschichte, dass der Autor strickt einem roten Faden folgt. Von der ersten Seite bis zur letzten kam keinerlei Langeweile auf.

Als wäre das nicht schon der perfekte Bausatz für eine gelungene Geschichte, gibt es hier aber auch noch ein weiteres Schmankerl: Vereinzelte Schwarz-weiß-Zeichnungen von Nikolai Regner lockern die Geschichte noch zusätzlich auf.



Fazit:

„Switch you – Völlig übergeschnAPPt“ war mein erstes, mit Sicherheit aber nicht letztes Buch von Mario Fesler.

Den Leser erwartet hier eine durchweg spannende und gut durchdachte Geschichte, getragen von lockerem Witz und liebevollem Humor. Zusätzliche kleine Highlights wie vereinzelte Schwarz-weiß-Zeichnungen von Nikolai Regner, Steckbriefe am Anfang des Buches, die die wichtigsten Charaktere kurz und knackig vorstellen sowie gelegentliche Kommentare von Freds bester Freundin Svetlana sind hervorzuheben.

Ich bin begeistert. Und da das Buch den Interessen von Heranwachsenden Rechnung trägt und die ins Visier genommene Zielgruppe somit zur Identifikation einlädt, werde ich hiermit nicht allein bleiben.

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