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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2023

Auftakt einer neuen Krimi-Reihe

Abschied auf Italienisch
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„Schuld ist derjenige, der ein Geheimnis nicht für sich behalten kann und stattdessen die Wahrheit spricht.“

Nun ist auch Ligurien als Schauplatz für Kriminalromane entdeckt worden. Die wunderschöne Steilküste ...

„Schuld ist derjenige, der ein Geheimnis nicht für sich behalten kann und stattdessen die Wahrheit spricht.“

Nun ist auch Ligurien als Schauplatz für Kriminalromane entdeckt worden. Die wunderschöne Steilküste mit seinen bunten Häusern dient hier als Kulisse für diesen Krimi.

Commissario Vito Grassi hat sich nach dem Ende von herausfordernden Ermittlungen und einem Prozess gegen das organisierte Verbrechen von Rom in das seiner Meinung nach beschauliche La Spezia versetzen lassen, Sein verstorbener Vater hat ihm ein Haus hinterlassen.

Er ist noch nicht einmal richtig angekommen und schon stolpert er in einen eigenartigen Mordfall, der zunächst von den Carabineri als unglücklicher Unfall deklariert wird. Wenig später gibt es eine zweite Leiche, die ausgerechnet in Grassis eigenem Olivenhain abgelegt worden ist. Grassis Bauchgefühl meint, dass die beiden Verbrechen zusammenhängen. Die Frage ist nur wie, denn was haben die Pensionswirtin und der Deutsche, der wegen dubioser Geschäfte von der deutschen Polizei gesucht wird, gemeinsam?

Nach dem fast schon üblichen Kompetenzgerangel mit den Carabineri wird Grassi mit den Ermittlungen betraut.

Meine Meinung:

Dieser Reihenauftakt führt uns Leser in eine malerische Landschaft, die soweit ich weiß, noch keine Rolle in der Krimiwelt gespielt hat. Das kann sich nun ändern, wobei dieser Krimi noch ein wenig Luft nach oben hat. Das Cover passt hervorragend und macht Lust, den Krimi zu lesen.


Es werden der Reihe nach die Protagonisten vorgestellt. Neben Grassi spielt auch Toni, die Mitbewohnerin des Vaters eine manchmal etwas undurchsichtige Rolle. Über Grassis Familie erfahren wir, dass sie sich, weil die Kinder zum Studium in anderen Städten weilen, ein wenig auseinanderfällt.

Commissario Vito Grassi ist zwar beruflich erfolgreich, aber hat selbst einige Schwächen. Da ist zum einem sein fast amouröses Verhältnis zu seinem Auto, einem Elektroauto der ersten Generation sowie sein Verhältnis zu seinem verstorbenen Vater oder zu seiner eigenen Familie. Auch sein Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen ist jetzt nicht richtig wertschätzend. Er sollte den Spruch „zuerst denken, dann reden“ beherzigen. Denn mehrmals beleidigt er seine Kollegin durch unbedachte Äußerungen. Die pariert das zwar, aber auf mich wirkt Grassi, als hätte er ein Problem mit starken Frauen.

Um Vito Grassi besser zu verstehen, gibt es einige Rückblenden in das ein wenig problematische Verhältnis zu seinem Vater. Hier zeigt sich, dass die Vater-Sohn-Beziehung durch eine gewisse Sprachlosigkeit dominiert ist. Jetzt, nach dem Tod des Vaters ist es natürlich zu spät. Vielleicht kann Toni, die er anfangs für den Gärtner des Vaters gehalten hat, Licht ins Dunkel bringen. Doch das ist Stoff für die Fortsetzung.

Gut gefallen hat mir das Lokalkolorit. So dürfen wir unseren morgendlichen Caffè an der Bar schlürfen und die Fußballergebnisse hitzig diskutieren.

Fazit:

Dieser Reihenauftakt hat noch ein wenig Luft nach oben, aber Potenzial zu einer Reihe. Ich runde meine Bewertung von 3,5 auf 4 Sterne auf.

Veröffentlicht am 30.04.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Kommissarin Moll und die Tote aus der HafenCity
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In diesem dritten Krimi mit Kommissarin Frederica Moll und Christian Lauterbach kommt es zur Bewährungsprobe ihrer neuen Abteilung, die CCU - Cold Case Unit, also einer Stelle, die alte, unaufgeklärte ...

In diesem dritten Krimi mit Kommissarin Frederica Moll und Christian Lauterbach kommt es zur Bewährungsprobe ihrer neuen Abteilung, die CCU - Cold Case Unit, also einer Stelle, die alte, unaufgeklärte Kriminalfälle neuerlich überprüft. Zunächst wühlen sie sich durch staubige Akten, als sie von ihrem Vorgesetzten einen besonders seltsamen Fall zugeteilt bekommen: Vor sieben Jahren wurde unweit des Alten Zollhauses in einer Baustelle der HafenCity eine junge Frau ermordet aufgefunden. Bislang hat sie niemand vermisst gemeldet, weshalb sie als Jane Doe in den Akten geführt wird.

Bei ihrer Recherche entdecken Frederica und Christian gemeinsam mit Tanja, dass damals - beinahe gleichzeitig - die Schwester der Inhaberin des Restaurants im Alten Zollhaus verschwunden ist.

Recht bald ist klar, dass die beiden Fälle zusammenhängen. Die Frage ist nur WIE?

Erst als Frederica wieder einmal ihre verquere Art, einen Fall zu betrachten, einsetzt, findet sich der Anfang eines raffiniertes verwickelten Wollknäuels.

Meine Meinung:

Langsam raufen sich Frederica und Christian wieder zusammen. Frederica, die Tochter aus reichem Haus, die sich in den Kopf gesetzt hat, als Polizistin den Tod des Vaters aufzuklären und Christian, ein Familienmensch, der Ehefrau und Kinder nicht vernachlässigt.

Schmunzeln muss ich immer über den Shopper Fredericas, der einen schier unerschöpflichen Vorrat an Schokoriegeln, Gummiviechern oder Lakritzschnecken beinhaltet. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, gelesen zu haben, dass sie diese Tasche jemals auffüllt. Irgendwann müsste er doch leer sein, oder?

Wie schon in den beiden Vorgängern werden auch diesmal nicht alle offenen Fragen schlüssig beantwortet. So erfährt man nur häppchenweise etwas aus der Vergangenheit von Fredericas Vater Klaus. Ein Brief von ihm, den Frederica nun in einem ihrer Kinderbücher findet, deutet an, dass sein Tod kein Zufall war. Doch bis zur Antwort auf diese Fragen werden wir uns wohl oder übel gedulden müssen.

Den Täter hatte ich recht bald auf dem Radar. Spannend war jedenfalls das WIE der Entlarvung.

Jetzt heißt es, wohl wieder warten, bis der der nächste Fall für Hamburgs CCU in die Regale der Buchhändler kommt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Hamburg-Krimi 4 Sterne.

Veröffentlicht am 29.04.2023

Wo ist Jade?

Leise steigt die Flut
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Als die elfjährigen Zwillinge Jade und Ethan Minear heimlich aus dem Elternhaus klettern und einen Abenteuerstreifzug über die Insel zu machen, weiß keiner der beiden, welche dramatische Ereignisse damit ...

Als die elfjährigen Zwillinge Jade und Ethan Minear heimlich aus dem Elternhaus klettern und einen Abenteuerstreifzug über die Insel zu machen, weiß keiner der beiden, welche dramatische Ereignisse damit lostreten. Jade verschwindet und Ethan kehrt traumatisiert nach Hause zurück. Der Junge wirkt ohne seine Schwester verloren, zumal sie als seine Dolmetscherin fungiert, denn Ethan weigert sich zu sprechen.

Während alle verfügbaren Kräfte nach dem Mädchen suchen, ist die kleine Insel St. Martins wegen der winterlichen Unwetter von der Außenwelt abgeschnitten. Ben Kitto muss wieder einmal beinahe alleine ermitteln. Nur Isla und Eddie stehen ihm zur Seite.

Bei seinen Recherchen entdeckt Ben Kitto, dass die Minears, trotz allem Reichtums, eine ziemlich dysfunktionale Familie sind. Vater Scott ist ein Despot, der alle tyrannisiert, Mutter Gemma ist Alkoholikerin, der älteste Sohn träumt von einer Sportlerkarriere, die ihm der Vater verbietet, und die ältere Tochter ist wegen ihrer Liebe zu einem wesentlich älteren Mann, quasi aus der Familie ausgestoßen worden. Nur Gemmas Eltern, scheinen in halbwegs geordneten Verhältnissen zu leben, obwohl die Demenzerkrankung des Vaters eine Herausforderung ist.

Man sucht akribisch nach Jade als man Scott unter einem Meer von seinen Lieblingsnarzissen auf dem Felsen mit dem Namen „Devils Table“ begraben, tot findet. Jetzt ist aus dem vermeintlichen Entführungsfall eine Mordermittlung geworden. Nach wie vor ist keine Hilfe von außen in Sicht.

Mühsam stochert Ben Kitto in der vernebelten Ermittlung herum. Es gibt Andeutungen, dass Scott sich gottgleich aufgespielt hat. Die Liste derjenigen, die ein Hühnchen mit ihm zu rupfen hätten, wird stündlich länger.

Meine Meinung:

Autorin Kate Penrose bleibt ihrem Konzept, ein Verbrechen, schlechtes Wetter verhindert Unterstützung vom Festland und Ben Kitto muss sich alleine um alles kümmern, auch im 5. Fall treu.

Allerdings habe ich persönlich den Eindruck, dass sich Ben Kitto nicht allzu sehr weiterentwickelt hat. Nach wie vor gibt es Animositäten mit seinem Chef und Ben stochert ziemlich lustlos im sprichwörtlichen Nebel herum. Der geübte Krimileser ahnt, ja weiß sogar schon, dass Ben an der falschen Stelle „seinen“ Täter sucht. Das Privatleben von Kitto scheint nun ein wenig Drive zu bekommen, denn seine Freundin Nina ist bei ihm eingezogen. Nun, auch nicht ganz friktionsfrei - aber daraus lässt sich etwas entwickeln.

Die Autorin versucht, durch Bens wiederholte Irrwege und Sackgassen Spannung in die Handlung zu bekommen. Das wäre meiner Meinung nach nicht gar nicht notwendig. Das Gefühl, auf der Insel den Elementen ausgesetzt zu sein, ohne auf externe Hilfe zählen zu können, ist für mich Spannung genug. Daneben geben die Abgründe dieser dysfunktionalen Familie zahlreiche Rätsel auf.

Das richtige Gespür für die Menschen scheint Kitto diesmal nicht haben. Da tut sich der Wolfshund Shadow schon viel leichter. Er weicht nämlich Ethan nicht von der Seite.

Fazit:

Nicht ganz so toll wie die anderen Fälle, weshalb ich einen Punkt abziehe und nur 4 Sterne vergebe.

Veröffentlicht am 23.04.2023

Ein gelungener Reihenauftakt

Mörderkirtag
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In Bad Höfstein, einem beschaulichen Kurort im Salzburger Pongau findet der alljährliche Kirtag statt. Jung und alt vergnügt sich feucht fröhlich. Noch weiß niemand, dass bald nichts mehr so sein wird ...

In Bad Höfstein, einem beschaulichen Kurort im Salzburger Pongau findet der alljährliche Kirtag statt. Jung und alt vergnügt sich feucht fröhlich. Noch weiß niemand, dass bald nichts mehr so sein wird wie vorher. Ein Schwammerlsucher findet zur selben Zeit den reichen Steinbruchbesitzer Federmayer erschossen mit offenem Hosentürl im Wald.

Die Bestürzung über den Mord hält sich im Dorf in Grenzen, denn der Tote war ein Ekelpaket ersten Ranges, dem es diebisches Vergnügen bereitet hat, seine Mitmenschen zu demütigen. Die Liste der Verdächtigen ist lang, das Motiv klar und der Besuch des Kirtags bei den meisten das wackelige Alibi. Während sich das LKA Salzburg auf den Schischul-Toni als Täter einschießt, verfolgt Postenkommandant Alfred Distl, noch andere Spuren.

Vier Tote später ist der Fall geklärt. Der Täter ist ...?? Nein, das verrate ich nicht.

Meine Meinung:

Hans Christ ist in seinem Brotberuf Tierarzt und kennt dörfliche Strukturen recht gut. Mit der Gestalt des, Pfeife rauchenden und manchmal mürrischen, Postenkommandanten Alfred Distl hat er einen kauzigen Ermittler geschaffen, der häufig aneckt.

„Der Distl und Papierkram, das verhält sich so ähnlich harmonisch wie barfuß und Glasscherben.“

Distl wird, ob seiner gemütlich erscheinenden Art mitunter unterschätzt. Er wollte auch gar nicht Postenkommandant werden, sondern hat sich mit seinem Vorgesetzten auf den „provisorischen“ Kommandanten geeinigt. Doch wie man weiß, haben Provisorien in Österreich 99 Jahre Bestand.

Auch die anderen Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Manche davon erregen fast schon Mitleid, andere wiederum sind ähnlich gestrickt wie der Federmayer. Ein besonders Ehrgeiziger ist der Polizist Reinhard Larisch, der unbedingt der dörflichen Enge sowie dem Distl entfliehen und zur Kripo will.

„Reinhard Larisch hält nicht viel von seinem Vorgesetzten, der weiß das auch, aber es ist ihm wurst, so wie ihm eigentlich alles wurst zu sein scheint.“

Der Schreibstil passt gut zur dörflichen Struktur. Man kennt sich, mag sich oder eben nicht. Der Leser wird durch direkte Ansprache immer wieder in das Geschehen einbezogen.

Schmunzeln musste ich über Distls Verballhornung mancher Begriffe. So wird aus dem „Kapazunder“ gleich einmal ein „Kapuziner“.

Fazit:

Ein gelungener Reihenauftakt, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 23.04.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Mordsglück
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Der Direktor des Oberstufenrealgymnasiums in Bad Höfstein sieht sich dem ultimativen Albtraum aller Lottospieler gegenüber: Das Euromillionenlos, das er für den Maturaball gespendet hat, hat den Hauptgewinn ...

Der Direktor des Oberstufenrealgymnasiums in Bad Höfstein sieht sich dem ultimativen Albtraum aller Lottospieler gegenüber: Das Euromillionenlos, das er für den Maturaball gespendet hat, hat den Hauptgewinn von 37 Millionen Euro erzielt. Blöderweise ist das Los verschwunden. Der Dieb hat das Los gleich eingelöst und den Gewinn eingestreift. Buchsberger verdächtigt die Schulsekretärin und wird wenig später erschlagen in seinem Büro aufgefunden und er wird nicht der einzige Tote bleiben.

Das LKA Salzburg schickt wieder die üblichen Beamten, den Jerry und den Roten, die darüber ziemlich erstaunt sind, dass der inzwischen pensionierte, Pfeife rauchende ehemalige Postenkommandant Alfred Distl, der immer wieder Wortspiele zu besten gibt, bei dem Ermittlungen mitmischt. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er diesen Fall, in dem wenig so ist, wie es scheint, löst.

Meine Meinung:

Der Krimi ist wie gewohnt leicht zu lesen und lebt von seinen kauzigen Charakteren. Allen voran dem nunmehr pensionierten Alfred Walz, der im letzte Fall beinahe einem Mordanschlag nicht überlebt hat.

„Der Walzig zwar kein Distl-Jünger, aber jünger als der Distl. Und wenn dir plötzlich ein von den Toten Wiederauferstandener ins Zimmer geschneit kommt, dann bist du natürlich momentan völlig dings.“

Wieder mit dabei sind auch die beiden Ermittler des LKA Salzburg, der Jerry und der Rote. Die Spitznamen haben sie aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit dem FBI-Agenten Jerry Cotton bzw. der roten Haare wegen.

Der Jerry und der Rote sind wieder einmal unterwegs nach Höfstein.
»Eigentlich müsste der Kübel inzwischen den Weg von alleine finden!«, mault der Rote, »außer uns, glaub’ ich, fährt nur noch der Leichenwagen öfter daher!«
»Und der Postautobus! Was wollen wir denn eigentlich hier schon wieder?«

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich 4 Sterne gebe.