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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.08.2017

Nett, aber nicht ganz überzeugend

Als das Meer uns gehörte
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Tess, erfolgreiche Schuhdesignerin, lebt mit ihrem (Haus-)Mann und dem gemeinsamen 8-jährigen gehörlosen Sohn Robbie in Manhattan. In der Vorweihnachtszeit wird der Mann von einem jugendlichen Gangster ...

Tess, erfolgreiche Schuhdesignerin, lebt mit ihrem (Haus-)Mann und dem gemeinsamen 8-jährigen gehörlosen Sohn Robbie in Manhattan. In der Vorweihnachtszeit wird der Mann von einem jugendlichen Gangster überfallen und ermordet. Für Tess und Robbie bricht eine Welt zusammen. Da Robbie Tess die Schuld am Tod seines Vaters gibt, zieht er sich immer mehr vor ihr zurück. Als Tess dann auch noch eine weitere schlimme Wahrheit verkraften muss, flüchtet sie am Weihnachtstag aus Manhattan. Dass an diesem Tag, an dem auch in den USA Weihnachten gefeiert wird, in Manhattan Presslufthämmer dröhnen und große Baugerüste aufgestellt werden, glaube ich einfach nicht. Hier sollte wohl eher der krasse Gegensatz dargestellt werden zwischen der Millionenstadt und dem verschlafenen Fischernest, in das Tess mit Robbie fährt. Montauk, der Ort ihrer Kindheit, direkt am Meer, wo Tess' alter Onkel Ike ein heruntergekommenes Motel besitzt. Bis hierher steigert sich die Geschichte, es kommen immer neue Tatsachen hinzu, die Spannung steigt, wie es mit Mutter und Sohn wohl weitergehen, ob Tess wieder einen Zugang zu Robbie finden wird. So einen Onkel Ike sollte jeder von uns haben, wohin man in Zeiten tiefster Verzweiflung flüchten kann.
Sehr gut gefallen haben mir auch die Naturbeschreibungen. Das Meer im Winter, später dann im Frühling und Sommer, die wechselnden Jahreszeiten und Wetterlagen, all das sah ich vor meinem geistigen Auge und glaubte es fast riechen zu können. Dieses Meer hat etwas Tröstliches, doch es scheint Tess und Robbie nicht direkt zu erreichen. Robbie findet erst ein wenig neuen Halt, als er den Meeresbiologen Kip kennenlernt und mit ihm Wale beobachtet. So faszinierend, wie diese Giganten der Meere sind, hier hat die Autorin es ein wenig zu gut gemeint. Kein Wal schwimmt so dicht neben einem Segelboot her, dass ein Achtjähriger ihn mit der Hand streicheln kann. Trotzdem fand ich die Walbegegnungen, genau wie die Meeresbeschreibungen, interessant.
Tess hingegen nervte zunehmend. Sie erwartet von ihrem Sohn, dass er all ihre plötzlichen Entscheidungen akzeptiert und mitträgt. Statt ihn in ihre Gedanken und Pläne einzubeziehen, ihm zu erklären, stellt sie ihn immer wieder vor vollendete Tatsachen und bedauert sich dann selbst, dass sie es so schwer hat mit ihm. Die Situationen wiederholen sich. Mal ist es das Essen, die Bibliothek, die Schule ... Alles wird von Tess bestimmt und ist Kampf. Der größte Teil des Buches dreht sich um dieses Hin und Her zwischen Mutter und Sohn, bis Robbie durch ein Schlüsselerlebnis plötzlich Montauk als seins ansieht und schützen möchte. Auch diese Szene fand ich etwas aufgesetzt. Tess findet nach und nach zu ihrer alten Form zurück, d.h. sie packt Projekte an und führt diese zum Erfolg. Sei es die Renovierung des Motels oder die Kreation neuer »Strand-Schuhe«. Dass sie als Mutter nicht in der Lage ist, auch das »Projekt Sohn« aus eigener Kraft zu einem guten Ausgang zu bringen, ist ebenso bedauerlich wie klischeehaft. Tess ist eben Geschäftsfrau, die Lösung kommt, sehr dramatisch, nicht von ihr, sondern von Robbie. Allerdings fragte ich mich, ob ein Acht- oder Neunjähriger wirklich nach einem ersten Sommer-Segelkurs zu solchen Heldentaten in der Lage ist.
Die meisten Figuren blieben für mich entweder rätselhaft und widersprüchlich oder blass. Dass es kein klassisches Happy End im Sinne von "... uns sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage ..." gab, empfand ich dagegen als wohltuend.
Ein Lob an den Gestalter des Schutzumschlages. Die silber-blaue, leicht geriffelte Oberfläche und das Bild mit dem Schatten des Wals neben dem schwimmenden Jungen gefallen mit sehr gut.
Fazit: Etwas in die Länge gezogene Geschichte mit netten Naturbeschreibungen. 3***

Veröffentlicht am 10.08.2017

Jugendkultur?

Ich war jung und hatte das Geld
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Untertitel: "Meine liebsten Jugendkulturen aus den wilden Neunzigern". Von manchen Jugendkulturen haben die meisten Menschen schon gehört. Hippie, Punker, Öko oder Christ ... mit diesen Begriffen kann ...

Untertitel: "Meine liebsten Jugendkulturen aus den wilden Neunzigern". Von manchen Jugendkulturen haben die meisten Menschen schon gehört. Hippie, Punker, Öko oder Christ ... mit diesen Begriffen kann sogar meine Mutter etwas anfangen. Bei Grunge, Emo oder Straight Edge würde sie nur verständnislos mit den Schulter zucken und fragen, ob das was ein neues Putzmittel, oder was zum Essen ist. Für alle, denen es ähnlich geht, hat Sebastian Lehmann dieses Buch geschrieben, dachte ich.
Eigentlich müsste das 192 umfassende Buch, in dem über 50 verschiedenen Jugendkulturen je ein kurzes Kapitel eingeräumt wird, heißen: »Ich war jung und hatte das Geld nicht.« Denn während sie von einer trendigen Bewegung zur nächsten wechseln, fehlt Sebastian und seinen Freunden Flo, Dirk und Tina vor allem eins: das nötige Kleingeld, um sich standesgemäß auszustaffieren. So improvisieren die Schüler mit Hilfe von Handtüchern, Bademantelgürteln oder eingetrockneter Handmalfarbe. Erfinderisch sind sie und trotzdem geht immer irgendetwas schief. Dirk ist mit Abstand der Uncoolste von allen, so dass er fast schon wieder cool ist, denn diese Rolle zieht er tapfer durch. Egal ob er als Backpacker nur einen Kinder-Rollkoffer mit Marienkäfern dabeihat oder als Skinhead Pumuckl-Hosenträger, Dirk führt jede Jugendkultur ad absurdum. Für mich ist er der eigentliche Held der kurzen Geschichten. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass die Erlebnisse immer noch Überraschungen bieten. Denn irgendwann hat man das Gefühl, egal was die Jungs da jetzt gerade ausleben, das hatten wir doch so ähnlich schon mal. Ein paar Kapitel vorher.
Wer eine Art Nachschlagewerk der Jugendkulturen erwartet, wird enttäuscht sein. Der Autor nimmt sich selbst und all die verschiedenen Jugendbewegungen nicht wirklich ernst. Das zeigt sich auch darin, dass die Helden so jung sind, dass sie sich vor den bösen Fünftklässlern fürchten müssen. Denn sind sie kleine, unschuldige Grundschüler, die mit den oben erwähnten, begrenzten Mitteln und zusätzlich eingeschränkt durch Muttis Verbote, ausprobieren wollen, was bei den großen, echten Jugendlichen angesagt ist. Diese Konstellation hatte ich, ehrlich gesagt, nicht erwartet, sondern doch eher ein Mittelding zwischen humoriger Auseinandersetzung und Erlebnissen von jemandem, der wirklich dabeigewesen ist, bei den Gruftis, den Trekkies und den Skatern. Auch das Cover lässt keinesfalls an ständig aufs Neue scheiternde Grundschüler denken. Die phantasievollen Ankleidepüppchen zum Ausschneiden (??? Au weia, dann ist das Buch kaputt!), die viele der Kapitel illustrieren, sprechen auch eher jüngere Kinder an.

Fazit: Nicht ganz mein Humor und ganz anders, als ich es dem Klappentext nach erwartet hätte. 3***

Veröffentlicht am 05.03.2018

Teils gut, teils nicht gut

Radiergummitage
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Selten hat mich ein Buch so widersprüchlich berührt, wie "Radiergummitage". Der Aufhänger der ganzen Story ist, dass Maja die Zahl 35 hasst und es es sooo schrecklich findet, 35 zu werden und das ganze ...

Selten hat mich ein Buch so widersprüchlich berührt, wie "Radiergummitage". Der Aufhänger der ganzen Story ist, dass Maja die Zahl 35 hasst und es es sooo schrecklich findet, 35 zu werden und das ganze Jahr danach ebenso. Erstens ist das Jahr nach dem 35. Geburtstags das 36. Lebensjahr - sie hätte ihr "Problem" also im Jahr vor dem Geburtstag ausleben müssen. Und dann ist diese Unannehmlichkeit des 35. Geburtstags etwas, das wohl kaum jemand nachvollziehen kann. Wer älter ist, sagt "35? Cool." Und wer jünger ist als 30, für den sind alle ab 30+ doch sowieso uralt.

Mindestens dreimal wollte ich das Buch nicht mehr weiterlesen, weil es mir einfach zuviel Blabla war. Diese ganze Küchentischphilosophie von Maja war überhaupt nicht meins. Allein fast 5 Seiten über Kresse! Andererseits fand ich die Einblicke in den Alltag der Theaterschauspieler interessant. Auch die Freundschaft zu Majas "Wahl-Oma" gefiel mir sehr. Die Idee mit den 12 Aufgaben hatte was. So hielt ich trotz der klischeehaften Charaktere bis zum Schluss durch. Auch, um mir bestätigen zu lassen, wen Maja am Ende küsst. Und genau der war‘s ...

Fazit: 2,5 Sterne

Veröffentlicht am 31.08.2017

Zu düster für Sommergefühle

Mittsommer
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Mittsommer = glitzerndes Wasser, Boote, Sonnenschein, Kinder, die im Wasser plantschen, Fahrradfahren, luftige Kleider, die im Wind flattern, Duft frisch gemähter Wiesen ... Von diesem leichten Sommergefühl ...

Mittsommer = glitzerndes Wasser, Boote, Sonnenschein, Kinder, die im Wasser plantschen, Fahrradfahren, luftige Kleider, die im Wind flattern, Duft frisch gemähter Wiesen ... Von diesem leichten Sommergefühl ist im Buch kaum etwas zu finden. Eher wirken die meisten Geschichten düster und depressiv. Und nur, weil jemand im Sommer vertrieben oder ermordet wird, ist das für mich keine Mittsommergeschichte. Schade. Das Cover versprach Sommerglück. Das Buch hielt es nicht. 2,5 Sterne

Veröffentlicht am 31.08.2020

Abgebrochen

Granat für Greetsiel
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Nach den Nordseekrimis um Inselkommissarin Lena Lorenz von Anna Johannsen suchte ich ähnliche Lektüre - Hauptsache Meer und kriminell spannend. Die Wahl fiel auf dieses E-Book, weil ich in Greestsiel selbst ...

Nach den Nordseekrimis um Inselkommissarin Lena Lorenz von Anna Johannsen suchte ich ähnliche Lektüre - Hauptsache Meer und kriminell spannend. Die Wahl fiel auf dieses E-Book, weil ich in Greestsiel selbst schon zwei schön Wochen verbracht habe. Vielleicht hätte ich zwischendurch etwas Anderes lesen sollen, denn das Buch war aus meiner Sicht eine Enttäsuchung. Der Schreibstil wirkte auf mich recht holperig, Dinge wurden mehrfach erklärt - weil entweder der Leser sie sonst nicht versteht oder Seiten gefüllt werden mussten? Ich weiß, der Deich ist lang und das Land ist platt und weit ... gerade darum hätte ich mir den Krimi etwas flotter gewünscht. Schade.