Profilbild von Leseclau

Leseclau

Lesejury Profi
offline

Leseclau ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Leseclau über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2024

Ein gut unterhaltender Krimi für zwischendurch

Die Tote am Kai (WaPo Cuxhaven 2)
0


„Die Tote am Kai“ ist der zweite Band einer Reihe rund um die Polizeiteams der Wasserschutzpolizei und der Kripo Cuxhaven. Man kann gut einsteigen, ohne den ersten Band zu kennen. Die Charaktere werden ...


„Die Tote am Kai“ ist der zweite Band einer Reihe rund um die Polizeiteams der Wasserschutzpolizei und der Kripo Cuxhaven. Man kann gut einsteigen, ohne den ersten Band zu kennen. Die Charaktere werden schnell eingeführt, manchmal kommt deren Beschreibung fast ein bisschen zu hastig und einseitig daher.
Im als beschaulich beschriebenen Cuxhaven gibt es plötzlich zwei Fälle, eine tote Frau am Kai und einen angeschossenen Wasserschutzpolizisten. Die Ermittlungen liegen eigentlich in den Händen der Kripo, in deren Reihen auch noch der Bruder des Angeschossenen arbeitet. Und natürlich sind auch die Kollegen der Wasserschutzpolizei an der Aufklärung des Falls interessiert. Allen voran Agatha, die sich munter in alle Ermittlungen einmischt, mit den Betroffenen redet, hier Details gesteckt bekommt und da in Unterlagen schaut. Zusätzlich scheint sie sich mal zum Leiter der Ermittlungen und mal zum Schussopfer hingezogen zu fühlen.
Wenn mit dem Prolog noch eine gewisse Spannung aufkommt, geht diese im Buch leider verloren. Die vielen Nebengeschichten sind unterhaltsam zu lesen, tragen bei mir aber nicht zu einem echten Krimigefühl bei.
Ein dickes Plus sind die schöne Umschlaggestaltung und die zeitliche Führung durch den Fall. Ich mag es, wie die überwiegend kurzen Kapitel mit einer Art Zeitangabe starten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2024

Wie wird man glücklich?

Mit den Jahren
0

So richtig warm werde ich nicht mit dem Buch – auch nicht mit den Protagonisten. In einzelnen, teilweise minutiös detaillierten Beschreibungen tauchen wir ein in die Gedankenwelt von Jette, Lukas und Eva. ...

So richtig warm werde ich nicht mit dem Buch – auch nicht mit den Protagonisten. In einzelnen, teilweise minutiös detaillierten Beschreibungen tauchen wir ein in die Gedankenwelt von Jette, Lukas und Eva. Letztere sind ein Paar, Eltern von 2 Kindern und leben mehr oder weniger nebeneinanderher. Sie haben sich verloren über die Jahre. Eva ist mir am nahbarsten. Haushalt am Laufen halten, Verantwortung für Kinder und Beruf, es ist ein unermüdlicher Kreislauf. Sie sehnt sich nach Veränderung und kann diese gleichzeitig nicht wirklich benennen. Jette ist ihr Gegenentwurf, alleinstehend, kinderlos, frei (?). Und mit einer ebensolchen Sehnsucht nach (einem anderen) Leben. Lukas schließlich ist Künstler, unabhängig in der Familie, auf seine Art bemüht aber sich doch stets weg duckend und weg laufend.
Lukas und Eva treffen unabhängig voneinander auf Jette und beginnen ihre Leben mit Jette zu teilen. Warum es ausgerechnet Jette ist, bleibt mir schleierhaft. Jette wirkt, ebenso wie Lukas und Eva, als Person unglaublich blass. Jede(r) einzelne wird auf seine Gedanken rund um Lebensideale, verpasste Gelegenheiten und Möglichkeiten reduziert. Diese Gedankenspiralen sind toll beschrieben, reichen aber für mich nicht aus, um mich mit Begeisterung ins Buch zu stürzen. Zu langatmig ist es mir bisweilen, zu uninteressant und absolut zu sexlastig. Schade, denn es steckt so viel Weisheit und Nachdenkenswertes in den Zeilen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2023

Interessanter Einblick in den Journalismus der 70er Jahre

Die Unbestechliche
0

„Die Unbestechliche“ erzählt über eine junge Frau in den 70er Jahren, die dafür kämpft, ihre Träume zu leben. Alice möchte als Journalistin über das Leben berichten. Und das als Frau! Und Mutter! In einer ...

„Die Unbestechliche“ erzählt über eine junge Frau in den 70er Jahren, die dafür kämpft, ihre Träume zu leben. Alice möchte als Journalistin über das Leben berichten. Und das als Frau! Und Mutter! In einer Zeit, als es sich schickte, dass sich Frauen ausschließlich um die Familie kümmern. Doch sie findet ihren Weg, erst als Volontärin einer Lokalzeitung, später im Sportressort einer großen Münchner Zeitung und dann sogar im Hörfunk. Das Autorinnenduo begleitet Alice an den Scheidepunkten ihres Lebenswegs.
Und in diesem Begleiten liegt für mich auch die Schwäche des Buchs. Es wird fast wie in einem Sachbuch eine Geschichte über Alice erzählt. Die Protagonistin kommt mir nicht wirklich nah, zu distanziert und journalistisch ist der Erzählstil. Fast als würde ich einen Zeitungsartikel lesen.
Aber diese Liebe der Autorinnen zum Journalismus macht das Buch letztendlich doch zu etwas besonderem. Der Einstieg in jedes Kapitel mit historischen Zeitungsberichten gefällt mir richtig gut. Diese sind so ausgewählt, dass sie einerseits Erinnerungen wecken, andererseits perfekt zum Abschnitt passen. Auch der Einblick in die Pressearbeit ist sehr bereichernd. In den Redaktionsmeetings und im Umgang der Personen untereinander wird der Zeitgeist schön eingefangen.
Fast schon überfliegen musste ich dagegen die politische Einwertung der jeweiligen aktuellen Ereignisse. Die ewigen (Kneipen-)dialoge und ein bisschen zu viel Moralisieren mit dem Holzhammer haben mein Lesevergnügen getrübt. Zudem empfand ich das Buch auch stilistisch überfrachtet: die Zeitungsartikel als Einstieg, Haikus als haltgebende Lebensweisheiten und dann noch die Parallelgeschichte von Alice im Wunderland wegen der Namensgleichheit zur Protagonistin. Da hätte mir mehr Innenleben von Alice und das wirkliche Auserzählen der anderen Hauptfiguren viel besser gefallen. Diese sind immer nur punktuell da, wenn sie gerade gebraucht werden und verschwinden ansonsten für lange Zeit im Nichts. Das fand ich sehr schade, da in diesen Figuren auch jede Menge Potential liegt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.05.2023

Unterhaltsame Sommerlektüre

Sylt oder Süßes
0

„sylt oder süßes“ ist eine leichte Sommerlektüre, die man am besten am Strand so weg liest. Verlässlich weiß man von Anfang wie es ausgeht. Und das macht die Reihe der Glücksromane auch aus.
Leider ist ...

„sylt oder süßes“ ist eine leichte Sommerlektüre, die man am besten am Strand so weg liest. Verlässlich weiß man von Anfang wie es ausgeht. Und das macht die Reihe der Glücksromane auch aus.
Leider ist auch dieses Buch von Claudia Thesenfitz eher eine Beschreibung von (Luxus)gütern, Ortschaften und Handlungen wie den Abläufen auf einem Campingplatz. Speisen werden als aromatisch deklariert und Diätpläne werden ausführlich beschrieben. Das ist insofern schade, als dass die ersten Bücher der Autorin vor Lebensfreude und liebevoll ausgestalteten Charakteren nur so strotzten.
Hier bleibt Doreen, Hotelmanagerin und angetreten, einen Campingplatz in einen Glampingplatz umzuwandeln, für mich sehr an der Oberfläche. Ja, sie liebt Luxus und muss nun mit den einfachen Bedingungen auf dem Zeltplatz klarkommen. Dabei erfährt sie unerwartet viel Hilfe von allen Nachbarn und macht neue Bekanntschaften. Ihre Erkenntnisse, was ihr im Leben wichtig ist, reifen rasant. Da hätte ein bisschen mehr Tiefe dem Buch gut getan.
Drei Sterne gibt es dennoch, weil ich in jeder Zeile die Liebe der Autorin für Sylt spüre und mich auch ein bisschen dorthin träumen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2023

Zu viel gewollt

Abschied auf Italienisch
0

Commissario Grassi lässt sich aus Rom nach La Spezia versetzen. Er ist nicht nur der Mafia zu nahe gekommen, sondern ihn zieht es in Haus seines kürzlich verstorbenen Vaters. Gleich am ersten Tag verscherzt ...

Commissario Grassi lässt sich aus Rom nach La Spezia versetzen. Er ist nicht nur der Mafia zu nahe gekommen, sondern ihn zieht es in Haus seines kürzlich verstorbenen Vaters. Gleich am ersten Tag verscherzt er es sich mit allen: der geheimnisvollen Mitbewohnerin seines Vaters, den örtlichen Carabinieri, seiner engsten Kollegin. Nur zum Pathologen scheint er ein halbwegs normales Verhältnis aufzubauen. Dies braucht er auch bei seinen eigenwilligen Ermittlungen. Denn schließlich hat er gleich zwei Fälle zu lösen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.
Mich packt das Buch leider nicht. Die Charaktere sind mir zu stereotyp (warum kann Grassi nur grob sein oder sich leise entschuldigen?), die Geschichte zu gefüllt mit Nebenschauplätzen. Die Beziehung zum Vater nimmt recht viel Raum ein, auch Grassis Verhältnis zur in Rom gebliebenen Frau und der in Berlin studierenden Tochter (warum muss sie nun auch noch verletzt sein?) wird ausgiebig thematisiert. Und dann ist da noch Toni, die scheinbar eine wichtige Rolle im Leben seines Vaters gespielt hat und nun wohl auch in seinem spielen wird. Dazu kommen umfangreiche Buch- und Liedzitate.
Das Buch ist wunderbar gestaltet. Man spürt sowohl im Cover als auch den schönen Landschaftsstimmungen im Buch die Liebe des Autors zu Italien und der Cinque Terre.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere