Sehr eindrückliche und emotionale Schilderungen menschlicher Schicksale während der Fluchtbewegungen in den Kriegswirren Ende des Zweiten Weltkriegs
FlüchtlingskindMarion Kummerow schickt interessierte Leser in ihrem aktuellen Roman "Flüchtlingskind - Ein Junge zwischen zwei Müttern" zurück in die unwirtliche Zeit der Kriegswirren Ende des Zweiten Weltkrieges, als ...
Marion Kummerow schickt interessierte Leser in ihrem aktuellen Roman "Flüchtlingskind - Ein Junge zwischen zwei Müttern" zurück in die unwirtliche Zeit der Kriegswirren Ende des Zweiten Weltkrieges, als von Osten her die große Fluchtbewegung einsetzte.
Der ganze Roman wirkte auf mich sehr authentisch und erschreckend real erzählt.
Auch wenn ich Gott sei Dank nicht der Kriegsgeneration entstamme interessiere ich mich rund um die Zeit des Zweiten Weltkriegs und dessen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Die ganzen Szenerien und Settings nahmen mich dann sehr schnell zurück in die dramatischen Zeiten und ich war mittendrin in der großen Fluchtbewegung, die den ankommenden russischen Soldaten entfliehen wollte und deshalb in Richtung Westen aufbrach.
Wie der Titel bereits aussagt spielen hier insbesondere die Schicksale der damaligen Flüchtlingskinder ein ganz besondere Rolle.
Wie muss es für ein Kind sein, wenn man urplötzlich alles Gewohnte aufgeben und verlassen muss?
Wird es nur ein Abschied auf Zeit oder für immer?
Wird man überhaupt irgendwo Unterschlupf finden und neu anfangen können?
Was, wenn man beispielsweise während der flucht auch noch seine Familie verliert?
Die Schicksale der flüchtenden Kinder mit ihren Familien wird hier exemplarisch erzählt und lies mich in keinster Weise kalt. Viel zu emotional und aufwühlend sind die Fluchtszenen und ich fragte mich immer wieder, was hätte ich wohl gemacht, wenn mich zu dem damaligen Zeitpunkt das gleiche Schicksal getroffen hätte. Für mich stellt sich die Frage nicht wirklich bzw. es ist für mich eine eher hypothetische Frage, die ich mir jetzt in meiner ganz eigenen Komfortzone stelle. Wie würde ich aber in Kriegszeiten dann wirklich entscheiden? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht wirklich, was kriegerische Handlungen und deren Auswirkungen dann mit mir machen würden.
Die ganze Flucht-Thematik aufgrund eines Krieges ist ja leider wieder brandaktuell durch den menschenverachtenden Ukrainekrieg. Gerade hier sind es wiederum die Zivilisten, die am meisten unter den Kriegshandlungen leiden müssen und mitunter ihr ganzes Lebenswerk in Schutt und Asche gelegt wird sowie in Rauch aufgeht. Auch in der Ukraine stehen dann auch wieder ganz besonders die Kinder im Fokus. Wer wohl nicht das unheimliche Glück hatte gleich anfangs in Richtung Westen zu fliehen, der muss nun Angst haben nach Russland verschleppt zu werden.
Uns allen sollten gerade solche Romane zur Mahnung dienen, das solche Umstände dann hoffentlich nie wieder eintreten werden. Gerade deshalb wäre beispielsweise auch ein solches Werk nach meiner Meinung geradezu prädestiniert dafür, im Schulunterricht begleitet gelesen zu werden und sich über die ganze Thematik dann untereinander auszutauschen.
Für mich war die Geschichte rund um den kleinen Flüchtlingsjungen Jakob eine richtige Achterbahnfahrt der Gefühle.