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Veröffentlicht am 02.06.2023

Das Spielchen mit der Angst

Die Verborgenen
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Inhalt:
„Was wäre, wenn das Böse nicht von außen kommt, sondern längst mit dir unter einem Dach lebt?
Sven und Franziska Hoffmann haben alles, wovon sie einst träumten: eine wunderbare Tochter und ein ...

Inhalt:
„Was wäre, wenn das Böse nicht von außen kommt, sondern längst mit dir unter einem Dach lebt?
Sven und Franziska Hoffmann haben alles, wovon sie einst träumten: eine wunderbare Tochter und ein traumhaftes Haus an der Küste. Alles könnte perfekt sein. Doch dann dringt jemand heimlich in ihr Haus ein. Der ungebetene Gast bedient sich an ihrem Essen, stöbert in ihren Schränken und steht neben ihren Betten, wenn sie schlafen. Als dann noch Gegenstände verschwinden und fremde Fußspuren im Keller auftauchen, bezichtigen sich die Eheleute gegenseitig. Je merkwürdiger die Vorgänge in ihrem Haus werden, desto mehr bröckelt die makellose Fassade der perfekten Familie. Und genau das ist es, was der Eindringling will …“


Schreibstil/Art:
Einen Großteil des Thrillers machen die Perspektiven aus – diese sind äußerst gut platziert und aus Sicht der richtigen Person geschrieben. Zum einen kommt jede:r aus der Familie Hoffmann zu Wort. Das verschafft eine gute Übersicht, baut Nähe auf und sorgt dafür, dass man deren Handlungen und Gedanken immer vor den Augen hat (und meint, einen Schritt voraus zu sein).
Zum anderen gibt es die Kapitel mit der „Du“ Überschrift. Hier machte es den Anschein als würde der Leser seine Gedanken selbst preisgeben. Mich spornte es an weiter zu lesen und zu erfahren wer wirklich dahinter steckte. Die Auflösung ist definitiv gelungen. Die Sprache ist durchweg gefällig und süffig.

Der Spannungsaufbau ist am Anfang ziemlich stark. Im Mittelteil werden einige Geheimnisse gelüftet, die ich mir lieber später gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz bleibt keine Frage offen.


Fazit:
Linus Geschke weiß wie man mit den Ängsten spielt, an den Nerven zerrt und an der Oberfläche kratzt. Doch um ehrlich zu sein war ich über die Auflösung etwas überrascht und bin mir nicht sicher ob der Klappentext zu viel verspricht. Trotzdem wirkte das Gelesene interessant, atmosphärisch und düster. So oder so: good Job!

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Veröffentlicht am 17.05.2023

Coole Kehrtwendung

Die Schwester
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Inhalt:

„Lisa und Mara sind zwei ungleiche Schwestern. Lisa, die ältere, ist eine erfolgreiche Ärztin, sie hat zwei kleine Kinder und ihren Mann Tim, der sie liebt. Mara hingegen lebt von Gelegenheitsjobs, ...

Inhalt:
„Lisa und Mara sind zwei ungleiche Schwestern. Lisa, die ältere, ist eine erfolgreiche Ärztin, sie hat zwei kleine Kinder und ihren Mann Tim, der sie liebt. Mara hingegen lebt von Gelegenheitsjobs, sie nimmt das Leben, wie es kommt. Als Lisa am Wochenende ein Seminar besuchen muss und Tim zu einer privaten Feier eingeladen wird, bittet sie Mara, ihre Kinder Alma und Hektor zu hüten. Mara sagt begeistert zu, doch am Montagmorgen stellt sich heraus, dass Lisa verschwunden ist. Während die Polizei nur zögernd ermittelt, erfährt Mara immer seltsamere Dinge über ihre Schwester, die offenbar einiges vor ihrer Familie verbarg. Dann wird eine Tote in einem Waldstück gefunden.“





Schreibstil/Art:

Petra Johann hat in diesem Thriller wirklich alles gegeben. Jeder einzelner Charakter ist glaubwürdig, die Themen gut durchdacht, die Wendungen überraschend, der Schreibstil liest sich einfach und mühelos, und die Auflösung ist böse doppeldeutig.

Kritisieren muss ich nur einige Längen zwischendurch und die umfassenden Einblicke in das Privatleben der Ermittler. Wobei das letztere Geschmacksache ist.



Fazit:

Was mir an diesem Thriller am meisten gefallen hat? Das Hauptthema um das sich das Verschwinden dreht.
Ich fand es unterhaltsam, spannend, energiegeladen und lebhaft. Thriller Liebhaber kommen hier auf ihre Kosten.

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Veröffentlicht am 12.05.2023

Halt finden in einer schwierigen Zeit

Vor uns das Leben
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Inhalt:
„Als ihr Vater bei einem Unfall ums Leben kommt, bricht für die 17-jährige Alice eine Welt zusammen. Monatelang zieht sie sich in ihr Schneckenhaus zurück. Bis sie einen Stapel alter Briefe ihrer ...

Inhalt:
„Als ihr Vater bei einem Unfall ums Leben kommt, bricht für die 17-jährige Alice eine Welt zusammen. Monatelang zieht sie sich in ihr Schneckenhaus zurück. Bis sie einen Stapel alter Briefe ihrer Mutter findet, welche die Familie vor Jahren verlassen hat. Alice beschließt, ihre Mutter zu suchen. Mit dem alten Auto ihres Vaters macht sie sich auf den langen Weg durch den Westen der USA. Und dort, auf einsamen Highways, in wunderschönen Nationalparks und aufregenden Städten findet Alice schließlich nicht nur zu sich selbst, sondern auch ihre erste große Liebe.“


Schreibstil/Art:
Dieser Jugendroman bietet eine schöne Vielfalt an Themen an. In dem Geschehen ist man ziemlich schnell drin und durchlebt eine ziemlich aufwühlende, bewegende Zeit mit Ally. Der Roadtrip entwickelt sich zu einer Art Trauerbewältigung und Cody ist stets an Alice‘ Seite, begleitet sie auf der Suche nach sich selbst und natürlich ihre Mutter. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut und die Funken sprühen nur so vor sich hin. Ein wenig übereilt und kitschig fand ich es leider schon.

Dennoch fand ich die Konstellation gut gelungen da jede:r sein eigenes Päckchen tragen musste und es schön zu sehen war, wie wichtig es ist in einer schweren Zeit, eine Schulter zum Anlehnen zu haben.


Fazit:
Ein bisschen gestört haben mich die ziemlich ausführlichen Beschreibungen rundum die Städte, Orte, Landschaften, Restaurants, Sehenswürdigkeiten, … An diesem Punkt hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht anstatt der üppigen Darstellung. Nichtsdestotrotz macht dieses Jugendbuch Mut und umhüllt den Leser trotz des schweren Themas mit einem schönen Lesegefühl.

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Veröffentlicht am 03.05.2023

Ein Plädoyer für mehr Gerechtigkeit

12 Grad unter Null
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Inhalt:

„Greta ist im sechsten Monat schwanger. Eigentlich ein Grund zur Freude, denn Greta und Henri haben lange Zeit versucht, Kinder zu bekommen. Doch dann ändert sich plötzlich die Gesetzesgrundlage ...

Inhalt:

„Greta ist im sechsten Monat schwanger. Eigentlich ein Grund zur Freude, denn Greta und Henri haben lange Zeit versucht, Kinder zu bekommen. Doch dann ändert sich plötzlich die Gesetzesgrundlage in Sandburg: Von nun an wird es jedem Mann ermöglicht, jegliches Geld, das dieser in eine Frau investiert hat, zurückzuverlangen. Wird den Forderungen nicht Folge geleistet, droht ein kompletter Rechteentzug.

Auch Henri, Gretas Verlobter, möchte sein Geld zurück. Doch bezahlen kann sie ihn nicht … Verzweifelt wendet sich Greta an ihren Verlobten: Henri habe nicht die Absicht sich zu trennen, er wolle schlichtweg zurück, was ihm zusteht, auch wenn Greta das gemeinsame Baby in ihrem Bauch trägt. 14 Tage habe sie Zeit. Greta wird konfrontiert: Mit Henris Kälte und Gleichgültigkeit. Mit dem Kapital, das ihr zur Verfügung steht. Mit ihrem zurückliegenden Leben und einer unsicheren Zukunft. Wie viele Jahre muss sie subtrahieren, um nicht bankrottzugehen?“





Schreibstil/Art:

Diese Dystopie lebt von seiner eindringlichen, pointierten und direkten Sprache. Ich musste mich anfangs an den ungewohnten, poetischen Stil zunächst einmal gewöhnen, doch je tiefer man im Geschehen ist, desto „leichter“ liest es sich. Wobei „leicht“ so eine Sache ist, denn die Thematik ist nicht ohne und stellenweise kaum zu ertragen. Psychische und physische Misshandlungen, Gewalt gegen Frauen, Demütigungen von Frauen, narzisstisches Verhalten, … all das spielt hier leider eine große Rolle.



Fazit:

„Die schlimmste Dystopie war die, von der man nicht merkte, dass sie zur Realität geworden war.“



Die Autorin zeichnet ein Bild von einer Frau, die zu einem Objekt wird und Männer ihre Machtposition ausnutzen. Gruselige Vorstellung aber gar nicht so weit von der Realität entfernt.

Dieser Roman ist wortgewaltig, düster, packend und fordert den Lesenden definitiv heraus. Ich persönlich hätte mir mehr verständlichere Zusammenhänge gewünscht, denn mich lässt das Gefühl nicht los, dass ich einiges falsch verstanden/interpretiert habe. Es ist eine Lektüre die ein zweites Mal gelesen werden muss, auch wenn die Auflösung viele der offenen Fragen beantwortet.

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Veröffentlicht am 16.03.2023

Liebe im 21. Jahrhundert

Nach einem Traum
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Inhalt:
„Marie hat sich in Simon verliebt, und Simon sich in Marie. Aber Simon ist verheiratet und versucht, der körperlichen Anziehung zu widerstehen – dennoch finden sie eine Möglichkeit, sich einander ...

Inhalt:
„Marie hat sich in Simon verliebt, und Simon sich in Marie. Aber Simon ist verheiratet und versucht, der körperlichen Anziehung zu widerstehen – dennoch finden sie eine Möglichkeit, sich einander nahe zu fühlen: im digitalen Raum. Die beiden schreiben sich intensive Nachrichten. Mit der Zeit steigert sich Maries Sehnsucht nach Simon, nach Intimität, nach Kontrolle zu einem fieberhaften Bedürfnis. Immer tiefer taucht sie in den sozialen Medien in sein Leben ein und verliert dabei ihr eigenes aus dem Blick. Ihre Karriere als Cellistin und ihre Freundschaften treten hinter dem Bedürfnis zurück, nach versteckten Botschaften von Simon in seinen Stories und Posts zu suchen. Auch der Versuch, eine Beziehung mit dem musikbegeisterten Philipp einzugehen, scheitert. Als Simon den Kontakt abbricht, fällt es Marie noch schwerer, loszulassen. Bald ist sie nicht mehr nur regelmäßig auf Simons Profil unterwegs, sondern auch auf denen seiner Frau und seiner Kinder. Marie bemerkt die Grenzüberschreitung und versucht, sich abzulenken, doch es ist wie verhext: Jedes Mal, wenn sie gerade etwas Distanz zu Simon bekommt, läuft sie ihm zufällig über den Weg. Oder sind ihre Begegnungen gar nicht so zufällig?“


Schreibstil/Art:
In diesem Roman erfährt der Leser nicht mehr oder weniger als der Klappentext hergibt, nur die letzten paar Sätze sind eine kleine Überraschung. Die Autorin fokussiert sich komplett auf Marie und dessen Leidensweg bzw. die Phasen, die sie durchlebt. Der Schreibstil ist dabei ziemlich ehrlich, unaufgeregt, gezielt und modern zugleich. Bis auf die Textnachrichten ist alles als Fließtext geschrieben, selbst die Dialoge sind nicht in Anführungszeichen gesetzt. Mir fehlte deshalb etwas mehr „Normalität“ im Geschriebenen.

Die Thematik selbst könnte nicht aktueller sein. Die Grundidee hat mir deshalb zugesagt. Auch die Kombination zwischen den Gefühlen, der Grenzüberschreitung und dieser innerlichen Zerrissenheit hat mir gut gefallen.


Fazit:
„Simon ist wie ein Zustand, in den sie abgedriftet ist und den sie nur schwer wieder verlassen kann. Es ist ihr Zustand.“

Dieser Roman macht deutlich wie schwer es ist, die Kontrolle über einen anderen Menschen abzugeben. In Zeiten wie diesen macht es die Digitalisierung dem Leidtragenden gar nicht einfach, Abstand zu nehmen. Die Autorin beschäftigt sich unter anderem mit der Tatsache, was ein Like anrichten kann und was es mit einem macht. Liebe/Abhängigkeit/Kontrolle im 21. Jahrhundert.

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