Mehr weibliche Existenzen der Vergangenheit sollten auf diese Weise ein Gesicht bekommen
Tudor Blood – Queen of ThornsIn „Tudor Blood – Queen of Thorns“ führt uns Nika S. Daveron in das düstere 16. Jahrhundert, bringt uns an den Hof der Tudors und offenbart jene blutigen Geheimnisse, die es nicht in die Geschichtsbücher ...
In „Tudor Blood – Queen of Thorns“ führt uns Nika S. Daveron in das düstere 16. Jahrhundert, bringt uns an den Hof der Tudors und offenbart jene blutigen Geheimnisse, die es nicht in die Geschichtsbücher geschafft haben …
Fast jedem ist der Herrscher Heinrich VIII. ein Begriff, doch was ist mit seiner jüngeren Schwester, hier „Maria“ ?
In diesem Roman, in dem History auf dunkle Fantastik trifft, begleiten wir das Mädchen auf ihrem Weg, der weitab von ladylike liegt. Statt Benimmunterricht und Kaffeeklatsch bringt ihr ihre Mutter die verborgene Welt der JägerInnen näher, weiht sie in Kampf und erschreckende Unglaublichkeiten ein. Schon bald ist sie mehr als eine Schachfigur der Regierungsangelegenheiten, als schönes Beiwerk. Maria Tudor wird zur Beschützerin des englischen Königshofs, indem sie Waffen schwingt und dämonischen Ausgeburten trotzt. Eine Aufgabe, die Opfer verlangt und Schmerz hinterlässt …
Nika S. Daveron hat merklich recherchiert und sich genauso an die überlieferten Fakten gehalten wie an die für die damalige Zeit typischen gesellschaftlichen Regeln und Konventionen. Die royale Situation, Kriege und Schlachtpläne, der Stand der Frau und arrangierte Ehen (…) allein hätten schon für ausreichend Beklemmung und eine angespannte, triste Atmosphäre gesorgt. In Kombination mit Elementen der Dark-Fantasy, Intrigen und Kampf, den Mysterien der Vampire und Jägerschaft wurde diese schwere Stimmung gekonnt verstärkt.
Dass wir das Geschehen in einer Art datierter Tagebuchform verfolgen, ergo rückblickend, fand ich gewissermaßen interessant, jedoch wirkte die Handlung durch diese Art der Erzählung distanziert und monoton. Mir fehlte es an Emotionen, dabei haben einige Szenen die Kraft, nah zu gehen. Stilistisch griff Daveron – wie von der Autorin gewohnt – zu einem authentischen und für den Königshof angemessenen Tonfall.
Maria wird als (willens)starke Frau gezeichnet, die bereit ist, auf vieles zu verzichten. Nika lässt uns an ihrem inneren Zwiespalt, an Trauer und Zweifel teilhaben, ebenso wie an Entscheidungen – und dem (Er)Tragen der Konsequenzen.
Der Verlauf ist, wie für historische Erzählungen üblich, nicht frei von Blut, Tod und Ungerechtigkeiten. Zusätzlich sorgt die Thematik rund um die »teuflische Brut/Dämonen/Vampire« für Spannung. Aber auch diese geschichtliche Interpretation ist nicht frei von Romantik und Tragik. Ob Ludwig, Thomas Cromwell oder Charles Brandon – jeder der Herren war der Storyline zuträglich und brachte die eine oder andere, oft überraschende, Entwicklung.
„Tudor Blood – Queen of Thorns“: ein Fantasy-Roman mit historischen Einflüssen, der weder kitschig ist noch romantisiert.
[Laut dem WWW ist der Name der Schwester von Heinrich VIII. Mary Tudor, hingegen heißt seine Tochter Maria Tudor oder Maria I. (»Bloody Mary«)]