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Veröffentlicht am 26.09.2023

Alltagstauglich? Nicht so ganz in meinem Alltag!

Kochen hart am Alltag
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Der Titel hat doch gleich gelockt – man hat oft wenig Zeit oder hatte einen so harten Tag, dass das Kochen am Abend einfach, schnell und unkompliziert sein soll. Am Ende staune ich jedoch darüber, dass ...

Der Titel hat doch gleich gelockt – man hat oft wenig Zeit oder hatte einen so harten Tag, dass das Kochen am Abend einfach, schnell und unkompliziert sein soll. Am Ende staune ich jedoch darüber, dass hier recht viele für meinen Geschmack exotische und nicht gar so leicht zu bekommende Lebensmittel verwendet werden, die noch dazu nicht jedem schmecken und nicht jeder einfach so mal im Vorrat hat. Zu den Zeiten muss man dann also noch den Einkauf rechnen.

Das Buch ist in die Kapitel Hauptsache zum Mitnehmen; Hauptsache kalt; Hauptsache einfach; Hauptsache weg; Hoch die Hände, Wochenende eingeteilt. Es beinhaltet auch Rezepte für Granola und Porridge. Beides für mich Rezepte, die die Welt nicht braucht, die aber in gefühlt jedem Rezeptbuch aktuell auftauchen. Eine Schinkenstulle bekomme ich echt auch noch ohne Anleitung zustande. Den Tipp, aus alten Brötchen Semmelmehl zu machen, finde ich ja doch ein bisschen seltsam. Weiß man das nicht auch ohne Tipp? Und vor allem: Wie soll das mit Brötchen, die nur einen Tag alt sind, denn gehen? Ich persönlich lasse die sehr, sehr, sehr viel länger trocknen! Überhaupt erstaunt mich diese Art der Resteverwertung – hier werden jede Menge frische Zutaten benötigt. Das ergibt dann mehr Reste, als es verarbeitet. Nicht gut.

Die Rezepte selbst folgen dem klassischen Aufbau Menge/Zeitbedarf/Kalorien, Zutatenliste, Zubereitungsschritte, Tipp. Daneben dann ein Foto davon. Kennt man also schon, ist bewährt und nützlich. Zutaten wie Pimentón de la vera (forte), Cashewmus, Fenchelsalami, Sriracha, Harissa, Manchego, Koriander, Sumach, Mizunasalat, Kritharaki usw. muss man mögen und erst mal finden. Das nenne ich jetzt nicht wirklich alltagstauglich oder hart am Alltag. Ganz so fix, wie sich das anfangs las, geht das auch in nur wenigen Fällen. Nicht nur, dass man selbst doch ein bisschen langsamer als der Koch kocht, Vorbereitungs- und Kochzeit ergeben insgesamt häufig eben doch fast eine Stunde.

Zwischen den Kapiteln finden sich immer wieder kleine Interviews mit dem Koch. Mehr oder weniger sympathisch, aber eben doch typisch TV-Promi (den ich nur zufällig hin und wieder in Kochshows gesehen habe), mit vielen Fotos im lässigen Look beim Essen und Kochen. Mir ist das zu gestellt und zu gewollt und ich brauche das nicht in einem Kochbuch. Da soll es, bittschön, nur ums Kochen gehen.

Insgesamt finde ich hier für mich einfach zu wenig, das wirklich zu meinem Alltag passt und noch dazu meinem Gaumen gefällt. Ich finde die Gerichte zu ausgefallen und eher etwas für alle, die beim Perfekten Dinner teilnehmen und ein bisschen angeben wollen. Von daher bleiben von mir drei Sterne. Ich bin wohl einfach nicht die richtige Zielgruppe.

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Veröffentlicht am 11.09.2023

Gewalt und ihre Folgen

Der Trip – Du hast dich frei gefühlt. Bis er dich fand.
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Evelyn Jancke ist forensische Psychologin und soll der Oldenburger Polizei bei der Ermittlung in einer Mordserie auf Campingplätzen im norddeutschen Raum helfen. Als es einen Zeugen und damit ein Phantombild ...

Evelyn Jancke ist forensische Psychologin und soll der Oldenburger Polizei bei der Ermittlung in einer Mordserie auf Campingplätzen im norddeutschen Raum helfen. Als es einen Zeugen und damit ein Phantombild gibt, verliert Evelyn den letzten Rest ihrer Fassung. Sie ist sich sicher, ihren seit zwei Jahren vermissten Bruder Fabian zu erkennen. Fieberhaft macht sie sich auf die Suche – sie muss ihn vor der Polizei finden!

Dieses Buch zeigt perfekt, wo meine Grenzen bei Thrillern sind. Gewalt gegen Kinder und psychopatische Vergewaltiger in dermaßen detaillierter Schilderung gehen bei mir schlicht gar nicht. Ich finde das nicht spannend, sondern ekelerregend. Spannung kann auch ohne diese Darstellung aufgebaut werden.

Für mich kam der Dreh am Ende nicht sehr überraschend. Ich hatte mit etwas in der Art von der ersten Seite an gerechnet. Es fehlen für mich ein paar Erklärungen und so einige Schlüsse, die gezogen wurden, fand ich dann auch ein wenig erzwungen und konstruiert.

Die Figuren sind allesamt so angelegt, dass man ihnen nicht traut. Das ist ein bisschen too much, finde ich. Selbst bei Evelyn ist man sich irgendwann nicht mehr sicher, was man von ihr halten soll. Zumal es schon ein bisschen ungünstig ist, wenn eine Psychologin psychische Probleme hat. Alkoholprobleme, Beziehungsprobleme, Alpträume und der Wunsch, den Bruder wieder zu haben, machen sie leider recht unglaubwürdig und als Beraterin der Polizei doch wirklich nicht gerade tauglich. Für mich war sie leider ein wenig bis stark nervig.

So schlängelt sich die ganze Geschichte dann dahin, mit Hinweisen und falschen Sicherheiten, Fehlinformationen, falschen Fährten und erschreckenden Erkenntnissen. Das wird dann noch durch den Perspektivwechsel zwischen Evelyn und dem Täter verstärkt. Die Motivation des Täters erschließt sich mir trotz der Vorgeschichte nicht und das hat den Lesefluss und Lesespaß dann doch sehr beeinflusst.

Der Schreibstil an sich ist so, dass man gern weiterliest, selbst dann, wenn sich mal wieder alles im Kreis dreht. Allerdings war ich am Ende einfach nur froh, dass ich nicht noch mehr kostbare Lesezeit verschwenden muss. Da half selbst die sehr gute Arbeit von Sascha Rotermund nichts mehr. Drei Sterne.

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Veröffentlicht am 23.05.2023

Ein Buch für Profis, leider nicht für mich

Gelato
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Ich liebe Eiscreme und ich mache gern mein Eis mit einer kleinen Eismaschine selbst. Doch die besten Rezepte zu finden, ist oft gar nicht so leicht. Dieses Buch hat mich deshalb sofort magisch angezogen. ...

Ich liebe Eiscreme und ich mache gern mein Eis mit einer kleinen Eismaschine selbst. Doch die besten Rezepte zu finden, ist oft gar nicht so leicht. Dieses Buch hat mich deshalb sofort magisch angezogen. Es ist wunderschön aufgemacht, sehr edel und mit mehr als 260 Seiten auch super dick und umfangreich.

Zunächst geht es mit einem Vorwort und der EISSCHULE los. Hier erfährt man eine Menge rund um Eiscreme, Stefano De Giglio und seine Leidenschaft und die wichtigen Dinge für die Eisproduktion. Das Ganze erstreckt sich auf mehr als sechzig Seiten. Danach folgen die Kapitel mit den Rezepten. Die Kapitel sind alle italienisch betitelt. Das mag stimmig sein, ist für den Nicht-Italiener aber beim Nachschlagen dann doch eher kontraproduktiv.

Die Fotos zu den Rezepten zeigen Eiscreme, die das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Leider habe ich persönlich aber Probleme mit den Rezepten. Man benötigt eine enorme Menge an Zutaten, die ich weder im Hause habe, noch leicht auftreiben kann. Zudem sind sie alle für mein Verständnis recht preisintensiv. Für eben mal ausprobieren und dann nicht mögen ist mir das echt zu teuer. Wer hat schon Trockenglukose, Maltodextrin, Dattelpulver, Glukosesirup, Inulin, Favabohnenmehl, Akazienfasern, Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Gummi arabicum und Xanthan Gummi im Vorratschrank? Dabei ist Magermilchpulver in jedem Eis zu finden und somit ein Universal-Produkt bei der Eiszubereitung. Das hatte ich bereits schon probiert und mochte es so gar nicht.

Da ich Joghurt-Eis liebe und das Rezept dafür recht einfach ist und außer Magermilchpulver keine für mich exotischen Zutaten enthalten sind, habe ich es ausprobiert. Es ist weich im Mund und geschmacklich recht gut.

Für mich ist das Buch leider nicht geeignet. Ich wollte mit meiner kleinen Eismaschine frische Eiscreme machen, ohne vorher aufwändig Zutaten organisieren zu müssen, die preislich den mehrfachen Besuch in der Eisdiele ermöglichen. Für Profis sicher ein wundervolles Buch, gar keine Frage. Doch leider bin ich keiner. Gelernt habe ich aber echt viel über Eiscreme. Daher drei Sterne.

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Veröffentlicht am 18.05.2023

Anders als erwartet

Mutterliebe
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Eine Mutter bringt ihre beiden Kinder in den Wald und erstickt sie. Der Junge stirbt, das Mädchen überlebt wie durch ein Wunder. Die Verhandlung ist spektakulär und die Öffentlichkeit hat ihr Urteil schon ...

Eine Mutter bringt ihre beiden Kinder in den Wald und erstickt sie. Der Junge stirbt, das Mädchen überlebt wie durch ein Wunder. Die Verhandlung ist spektakulär und die Öffentlichkeit hat ihr Urteil schon gefällt. Die Gerichtsreporterin Kiki Holland will unbedingt die Hintergründe für die Tat herausfinden, weil sie einfach nicht glauben kann, dass diese Frau schuldig ist, und beginnt zu recherchieren. Nach und nach kommt sie der Wahrheit auf die Spur. Und die hat keiner erwartet!

Kiki war mir quasi von Anfang an sympathisch. Sie hat eine interessante Art, kleine und witzige Macken und vor allem einen Riecher für Menschen, wodurch sie mehr erfährt als andere. Die kleine romantische Nebengeschichte ist ein bisschen ein Sahnehäubchen, das nicht zu stark betont wird. Ein wenig drüber sind aber die vielen weiteren Klischees, die dieser Krimi bedient. Das fängt bei Spitznamen an, geht über den schwulen besten Freund, vorbei an Freunde mit guten Verbindungen zu allem, was gerade benötigt wird, bis zu unfassbaren Zufällen bei Rettungen und Lösungen. Das ist streckenweise amüsant, nutzt sich dann irgendwann aber auch stark ab. Ihre Alleingänge und oft wirklich dummen Aktionen kosten mit der Zeit auch ein paar Sympathiepunkte. Da wird sie dann auch mal anstrengend.

Die Zeitsprünge strengen ebenfalls ein wenig an, da sie nicht chronologisch laufen, sondern wild durcheinander. So mag ich das dann doch nicht. Kurz vor Ende ist ein Fehler, der fast schon lustig ist, so unübersehbar müsste er für das Korrektorat gewesen sein. Aber das macht den Kohl auch nicht mehr fett. Mir fehlen hier ein paar gute Ermittlungen, mir sind zu viele Zufälle da und die Lösung selbst ist irgendwie auch nicht so wirklich befriedigend.

Lena Drieschner hat eine sehr angenehme Stimme, aber ihre Art der Betonung gefällt mir nicht immer. Zu sehr erinnert das dann gern mal an eine vorlesende Mutter (auch wenn der Text da nicht so passend ist).

Einen Justiz-Krimi kann man ihn eigentlich gar nicht nennen, denn die eigentliche Justiz hat super wenig Raum bekommen. Meine Kritikpunkte und der Fehler stammen vermutlich aus der Tatsache, dass Kim Selvig ein Autorenduo ist. Manchmal verderben viele Köche eben den Brei. Sorry, drei Sterne, mehr geht nicht.

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Mit schlafwandlerischer Sicherheit tapst Paul im Dunkeln

Tod in Siebenbürgen
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Paul Schwartzmüller stammt ursprünglich aus Siebenbürgen, ist ein Siebenbürger Sachse, aber mit vierzehn Jahren mit seinem Vater nach Deutschland geflohen. Paul wuchs mit dem Glauben auf, seine geliebte ...

Paul Schwartzmüller stammt ursprünglich aus Siebenbürgen, ist ein Siebenbürger Sachse, aber mit vierzehn Jahren mit seinem Vater nach Deutschland geflohen. Paul wuchs mit dem Glauben auf, seine geliebte Tante Zinzi sei kurz danach gestorben. So hat ihn nichts mehr in die alte Heimat gezogen. Dann bekommt er Post – und soll sein Erbe antreten, das Haus von Tante Zinzi, die laut Brief erst sechs Wochen zuvor verstarb. Er trifft auf seinen Kindheitsfreund und urplötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Ein Mord, viele Geheimnisse, seltsame Vorkommnisse und mittendrin Paul.

Dies ist der Auftakt einer Krimiserie. Und da fängt es schon an, mich zu erstaunen, denn Paul ist alles andere als ein Ermittler. Eigentlich ist er sogar in seinem Beruf, Journalist, eine Niete. Zumindest stellt er sich in dieser Story reichlich dumm an und schafft es noch nicht mal, anständig zu googeln. Das ist übrigens alles, was er an Recherchearbeit zustande bringt. Er ist nicht gänzlich unsympathisch, aber definitiv das dunkelste Licht in Osrams Lichtstudio.

Die anderen Figuren sind schon echt Originale. Vorneweg Maia, bei der man nicht genau weiß, ist sie nun eine schmuddelige Kräuterhexe oder eine betörende Schönheit. Pusomori lässt sich auch nicht ganz so leicht greifen und einordnen, aber sie ist für mich die interessanteste und gelungenste Figur. Sorin ist das Sinnbild eines Taugenichts, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt, aber ein herzensguter Kerl. Die Beschreibung der Landschaften, Speisen und Menschen gefällt mir gut, der Kriminalfall könnte spannender sein, die Ermittlung schlüssiger und weniger zufällig.

Der Schreibstil ist ein bisschen seltsam für meinen Geschmack. Manchmal ein bisschen eingeschlafen, immer wieder Lieblingsphrasen der Autorin (unser Paul streicht sich z.B. sehr gern über den gefüllten Bauch), ein frisch geborenes Zicklein wird zum Lamm, Sorins Mutter geht diesem gerade bis zur Hüfte (das stelle man sich mal bildlich vor!), viele Rumänische Wörter. Es gibt eine Art Spiel bei Lesenden: Die Suche nach dem bellenden Hund. In vielen Büchern kommt dieser vor. Ich habe sage und schreibe sechs Stellen in diesem Buch gefunden, die von bellenden Hunden berichten! Das dürfte Rekord sein.

Das Ende ist stimmig, aber auch wieder langweilig. Auf diese Lösung wäre jeder sofort gekommen an Pauls Stelle. Nur er hat mal wieder nicht eins und eins zusammenzählen können. Wenn Paul weiter ermittelt (hat er ja eigentlich hier gar nicht, er war nur zufällig anwesend und neugierig, schlafwandelte aber mehr, als dass er ermittelte), frage ich mich, wo und was. Und ich hoffe, er macht das dann etwas erfolgreicher und gewissenhafter. Ob ich ihn dabei begleiten möchte, kann ich aktuell noch nicht sagen. Für mich ist dies ein 3-Sterne-Buch, ein Roman, kein Krimi, und wenn doch, dann extrem gemütlicher Cosy Crime.

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