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Veröffentlicht am 19.06.2023

Roman der ruhigen Töne

Leonard und Paul
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Gewisse Bücher müssen einfach zum richtigen Zeitpunkt kommen. In meinem Falle und in Bezug zu "Leonard & Paul" war es auf jeden Fall so.

Die Geschichte um diese beiden so außergewöhnlichen wie unscheinbaren ...

Gewisse Bücher müssen einfach zum richtigen Zeitpunkt kommen. In meinem Falle und in Bezug zu "Leonard & Paul" war es auf jeden Fall so.

Die Geschichte um diese beiden so außergewöhnlichen wie unscheinbaren Freunde überzeugt mit ruhigen Tönen und wenig Spannung. Scheinbar passiert nicht viel, auch wenn sich das Leben der beiden Männer innerhalb dieser Seiten massiv verändert.

Die Handlung an sich ist wenig komplex, dafür liegt der Fokus zu sehr auf den beiden Hauptfiguren. Beide scheinen recht unscheinbar, auch wenn sie nur schlecht in das aktuelle Gesellschaftsschema passen. Typische introvertierte Menschen, die nur schwer mit dem schnellen Puls des Lebens mithalten können und deshalb oft belächelt oder bevormundet werden. Und doch wird man im Laufe des Buches davon überzeugt, dass sie das Leben auf ihre Art und Weise genauso meistern und das Beste abgewinnen können.

Vielleicht ist genau das auch die Botschaft, die man als Leser mitnehmen soll: Egal, wie du dein Leben führst und wie andere über dich urteilen- erfolgreich ist es nur, wenn du damit glücklich bist.

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Düstere (Bald-)Realität

Institut für gute Mütter
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Wer die politischen Entwicklungen in den USA in der letzten Zeit verfolgt hat, könnte auf die Idee kommen, diese mit dem unwahrscheinlichsten Szenarien düsterer Dystopien zu vergleichen. Wie weit sind ...

Wer die politischen Entwicklungen in den USA in der letzten Zeit verfolgt hat, könnte auf die Idee kommen, diese mit dem unwahrscheinlichsten Szenarien düsterer Dystopien zu vergleichen. Wie weit sind wir noch von solch fiktiven Entwicklungen entfernt? Wie lange dauert es noch, bis wir uns der Welt von Margarethe Atwood oder Jessamine Chan annähern?

Frida ist zur vollkommen falschen Zeit von ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter einer kranken Tochter überfordert. Gerade entwickelt der Staat eine neue Methode, fehlgeleitete Eltern zu rehabilitieren und Frida hat das Pech, Teil des ersten Testdurchlaufs zu sein.

Das Buch fängt relativ gemächlich an und steigert sich dann in ein beklemmendes Schaustück, das einen förmlich an die Seiten fesselt.

Die Szenerie wird wirklich spannend, wenn auch etwas überspitzt geschildert und überzeugt mich auf ganzer Linie. Dabei bleibt die Figurenentwicklung leider etwas zurück. Vor allem für Frida fällt es mir sehr schwer, Sympathien zu entwicklen. Als die hauptsächliche Leidtragende sollten ihr die Herzen der Leser eigentlich nur so zufliegen, aber dafür übernimmt sie leider zu wenig Verantwortung und versinkt stattdessen in Selbstmittleid.

Insgesamt erwartet einen aber ein fesselnder, wenn auch beängstigender Blick in eine mögliche Zukunft, gegen die wir auf jeden Fall ankämpfen sollten.

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Kein Sommerroman

22 Bahnen
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Wenn man sich das Cover so ansieht, könnte man auf den trügerischen Gedanken kommen, dass es sich bei "22 Bahnen" um einen sommerlichen, leicht verdaulichen Roman handeln könnte. Man könnte sich wohl kaum ...

Wenn man sich das Cover so ansieht, könnte man auf den trügerischen Gedanken kommen, dass es sich bei "22 Bahnen" um einen sommerlichen, leicht verdaulichen Roman handeln könnte. Man könnte sich wohl kaum stärker täuschen.

Tilda ist gerade dabei ihren Master zu beenden, lelbt aber immer noch mit ihrer kleinen Schwester Ida bei der alkoholkranken Mutter. Ihre einzige Flucht sind die täglichen 22 bahnen, die sie im Freibad zieht. Als sie dort eines Tages auf Viktor trifft, katapultiert sie das gedanklich in ihre Schulzeit zurück und weckt unschöne Erinnerungen.

Caroline Wahls Debüt besticht durch einen sprachlich interessanten, etwas kantigen Schreibstil. Die Figuren, besonders die beiden Schwestern haben mich mit ihrer Charakterstärke und Intelligenz beeindruckt.

Darüber hinaus hat mich allerdings der etwas laxe Umgang mit Drogen abgeschreckt. Auch wenn sie im Großstadtdschungel wohl mittlerweile dazu gehören und der Konsum in manchen Gesellschaftskreisen fast schon zum guten Ton gehört, stört es mich doch sehr, wie normal es für Tilda immer wieder zu sein scheint, sich das verschiedenste Zeug einzuwerfen.
Mir scheint das etwas zu sehr verharmlost zu werden.

Auch der Umgang mit dem Alkoholismus der Mutter kommt mir etwas zu kurz bzw erscheint zu leicht. Aber vielleicht haben sich die beiden Töchter nach den Jahren auch einfach schon zu gut eingespielt.

Insgesamt hat der Roman viel Flair und Vibe, wird aber vermutlich nicht allzu stark nachhallen.

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Veröffentlicht am 14.04.2023

Am Ende versunken

In blaukalter Tiefe
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Wer schon einmal mit einem Boot unterwegs war, wird sich auf diesen Seiten vielleicht ein wenig wiederfinden, denn es geht ums Segeln. Genauso aber wird er auch die Probleme und engen Grenzen kennen, mit ...

Wer schon einmal mit einem Boot unterwegs war, wird sich auf diesen Seiten vielleicht ein wenig wiederfinden, denn es geht ums Segeln. Genauso aber wird er auch die Probleme und engen Grenzen kennen, mit denen sich die fünf Figuren in Kristina Hauffs neuem Roman konfrontiert sehen.

Caroline und Andreas sind seit langem verheiratet und führen diese Beziehung mit all den Problemen, die man als erfolgreicher Anwalt und ebenso erfolgreiche Leiterin einer Zeitschrift so entwickeln kann. Um ihre Ehe zu retten planen sie einen Segeltörn zu den schwedischen Schären. Als Überraschungsgäste lädt Andreas jedoch seinen Kollegen Daniel und dessen Freundin Tanja ein. Gemeinsam mit Skipper Eric auf engstem Raum im Segelboot unterwegs tun sich schon bald die ersten Probleme und Befindlichkeiten auf.

Eines muss man der Autorin lassen: Landschaft und Segeln beschreiben, das kann sie. Ich habe mich zwischendurch gefühlt, als würde mir jeden Moment die Gischt ins Gesicht schlagen (oder in problematischen Momenten das Segel) und mich hat die Lust aufs Segeln gepackt.

Allerdings bin ich mir sicher, dass ich auf dem nächsten Törn keine der Figuren dabei haben möchte. Frau Hauff schafft es, aus ihnen das schlimmste hervorzukehren und dabei ein Kammerspiel dar Abgründigkeiten zu stricken, das sich immer weiter aufschaukelt.

Die Figuren werden mir dabei leider mit der Zeit so unsympathisch, dass mir die Lust am Lesen ein wenig vergeht. Das wird leider auch dadurch unterstützt, dass die Autorin es nicht schafft, ihren Spannungsbogen richtig aufzubauen. Zum Ende hin sinkt er wie ein Segelboot im Sturm und schafft es nicht mehr in den rettenden Hafen.

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Veröffentlicht am 14.04.2023

Geschichtlich interessant

Rote Sirenen
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Ich stelle immer wieder fest, wie viel man doch aus Büchern über fremde Länder und Kulturen lernen kann. Nicht zuletzt seit dem Kriegsbeginn 2022 habe ich mich für die Ukraine interessiert und war deshalb ...

Ich stelle immer wieder fest, wie viel man doch aus Büchern über fremde Länder und Kulturen lernen kann. Nicht zuletzt seit dem Kriegsbeginn 2022 habe ich mich für die Ukraine interessiert und war deshalb sehr gespannt, was ich aus diesem autobiografischen Buch mitnehmen kann.

Victoria wächst in der Ukraine im Kreis ihrer großen Familie auf, bevor sie mit ihrer Mutter in die USA auswandert und dann später mit ihrem Mann nach Belgien zieht. 2014 kehrt sie zurück in ihre Heimat, als Russland die Krim besetzt, und versucht ihre familiären Wurzeln zurückzuverfolgen.

Ich liebe es, wenn in Büchern die Spurensuche als Hauptelement des Erzählens eingesetzt wird. Meist wird es aber durch die Verknüpfung zwischen Vergangenheit und Gegenwart romantisiert und verwaschen. Hier liegt der Fokus ganz klar auf Victorias Ermittlungsarbeit und Spurensuche und bietet dadurch einen wesentlich konkreteren, an manchen Stellen aber auch trockeneren Einblick.

Man merkt, dass die Erzählung aus ihren Erinnerungen und Erfahrungen aufgebaut ist. So springt sie öfter in der zeitlichen Reihenfolge hin und her, bleibt an manchen Ereignissen länger hängen als an anderen und konzentriert sich teilweise auf Details, die zwar für sie, nicht aber unbedingt für die Handlung wichtig gewesen wären.

Dadurch zeichnet sie ein sehr authentisches Bild, das auch einen tiefen Einblick in die Gefühlslage (und vor allem ihre Zerissenheit) der Ukrainer bietet. Man lernt unheimlich viel über ihr Schicksal der letzten Jahrzehnte, über die politischen Verstrickungen und Machtwechsel und deren Bedeutung für die Bevölkerung.

Für mich hat das Buch vollkommen gehalten, was ich mir von ihm versprochen habe. Und man sollte es unbedingt lesen, um die vielen Flüchtlinge besser verstehen zu können, die zwar vor der derzeitigen Situation in ihrem Land fliehen, es aber kaum erwarten können, in ihre Heimat zurückzukehren.

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