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Veröffentlicht am 05.12.2023

Karrierefrau

Die Stunde der Reporterin
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„… die Pflicht einer Reporterin ist es, über interessante Neuigkeiten zu berichten.“ (S. 374) Aber wie weit Jordan Walsh eines Tages dafür gehen würde, ist ihr selbst nicht klar, als sie 1955 bei der Chicago ...

„… die Pflicht einer Reporterin ist es, über interessante Neuigkeiten zu berichten.“ (S. 374) Aber wie weit Jordan Walsh eines Tages dafür gehen würde, ist ihr selbst nicht klar, als sie 1955 bei der Chicago Tribune anfängt. Zumal sie, obwohl sie Journalismus studiert hat und aus einer bedeutenden Familie kommt (ihre Mutter ist eine berühmte Dichterin, ihr Vater und ihr Bruder waren bekannte Journalisten), zunächst nur über Klatsch und Trasch berichten darf, über Mode und Rezepte und wie man sich als perfekte Ehefrau / Sekretärin verhält. Doch Jordan will mehr. Sie will in die Nachrichtenredaktion und setzt sich dafür über die Anweisungen ihrer Vorgesetzten hinweg, knüpft wichtige Kontakte und versucht stets dort zu sein, wo was los ist. Als hilfreich erweist sich dabei ein Tippgeber aus dem Büro des Bürgermeisters, der eines Tages auf sie zukommt und ihr eine große Story verspricht, wenn sie ihn als Quelle geheim hält. Das kann sich Jordan nicht entgehen lassen, aber trotzdem startet ihre Karriere nicht so durch, wie erhofft …

Nach „Cosmopolitain – Die Zeit der Frauen“ waren meine Erwartungen an den neuen Roman von Renée Rosen ziemlich hoch, wurden aber leider nicht ganz erfüllt.
Ich hatte das Gefühl, dass sich die Autorin nicht entscheiden konnte, ob sie einen Roman über die stark von der Mafia beeinflussten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Chicago und der USA in den 50ern schreiben wollte oder über eine junge Frau, die ihren Weg in einer Männerdomäne sucht.
Zudem ist Jordan nicht besonders sympathisch und dass liegt nicht daran, dass sie mehr will als ihre weiblichen Kolleginnen, die anscheinend nicht mit ihrer Stellung in der Gesellschaft und Redaktion hadern, sondern weil sie sich über sie erhebt, sich mit ihren männlichen Kollegen verbrüdert, mit ihnen raucht und sie unter den Tisch säuft und dabei abfällig über die Kolleginne redet – und das auch wirklich so meint.

Dabei hat sie einen sehr spannenden Hintergrund. Ihr Bruder war einige Jahre älter als sie und ebenfalls Journalist. Er wurde bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht getötet, der nie aufgeklärt werden konnte. Daran ist die Familie zerbrochen. Ihre Mutter schreibt keine Gedichte mehr und unterrichtet nicht mehr, lässt den Garten verwildern und das Haus verkommen, ihr Vater hat seinen Job bei der Zeitung hingeworfen und schließt sich saufend in seinem Arbeitszimmer ein, um DEN großen Roman zu schreiben. Für Jordan und ihre Erfolge interessieren sie sich überhaupt nicht mehr. Die hofft, dass sie als Journalistin nicht nur ihre Eltern stolz machen, sondern auch den Tod ihres Bruders aufklären kann. Dabei ist extrem ehrgeizig und schießt manchmal eben auch über das Ziel hinaus.

Mein Fazit: Interessante Details zur Chicagoer Politik und Wirtschaft Ende der 1950er aus dem Blickwinkel einer jungen Journalistin, die für ihre Karriere über Leichen geht.

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Veröffentlicht am 08.11.2023

Coming of Age meets History meets Fantasy

Das Vogelmädchen von London
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„Wir können unseren Rollen nicht entfliehen … Wir können sie nur mit einer gewissen Eleganz spielen.“ (S. 436)
London 1601: Shay ist Aviscultarierin, ein Vogelmädchen, das vor den Toren Londons im Birdland ...

„Wir können unseren Rollen nicht entfliehen … Wir können sie nur mit einer gewissen Eleganz spielen.“ (S. 436)
London 1601: Shay ist Aviscultarierin, ein Vogelmädchen, das vor den Toren Londons im Birdland (Marschland) lebt, von ihrem Vater als Falknerin ausgebildet und von ihrer Mutter im Voraussagen der Zukunft aus Karten und Vogelschwärmen unterwiesen wurde. Sie verdient ihr Geld mit Botengängen, die sie über den Dächern der Stadt macht, weil die nicht so voll und verdreckt sind wie die Straßen, und sie dem Himmel und damit den Vögeln näher ist. Außerdem befreit sie Vögel aus Käfigen, wo immer es geht. Als sie deswegen wieder einmal fliehen muss, hilft ihr ein fremder Junge – Nonesuch, der Star des Blackfriars-Theaters. Er zeigt ihr eine völlig neue Welt, in der alles besser zu sein scheint. Die Schauspieler, alles Jungen, tragen schöne Kleider und haben genug zu essen, aber es geht das Gerücht, dass der Besitzer des Theaters sie direkt von der Straße oder sogar aus ihren Elternhäusern raubt. Und müssen sie nach den regulären Vorstellungen noch private für besondere Gäste geben, bei denen sie nicht viel anhaben und die Stücke eher frivol als klassisch sind.
Shay und Nonesuch verlieben sich ineinander. Wenn er nicht auf der Bühne stehen oder sie Botengänge erledigen muss, streifen sie durch die Stadt, wobei er sich einiges ausdenkt, um Geld zu verdienen. Doch sein eigentlicher Plan ist ein eigenes, ein Geistertheater ohne festen Standort, in dem sie keine Stücke zeigen, sondern echte Szenen aus ihrem Leben nachspielen. Bei der ersten Vorstellung des Ghost Theaters überrascht Shay sich selbst und die anderen, als aus ihrem Vogelgesang eine Prophezeiung wird. Ihr Ruf verbreitet sich schnell und bald weissagt sie Königin Elizabeth – und löst damit einen Glaubenskrieg aus …

Mat Osmans schreibt über Außenseiter. Die jungen Schauspieler werden von ihren Fans bewundert und hofiert, aber niemand schaut hinter die Kulissen. Man munkelt zwar über das, was auf den Privatpartys passiert, aber niemand greift ein. Und wenn sich die Jungen weigern, droht der Abstieg vom Theater in die billigen Etablissements. Nonesuch hat eine Sonderstellung, weil er angeblich aus einer reichen, einflussreichen Familie stammt und ein wirklich guter Schauspieler ist, aber die Privatvorstellungen bleiben auch ihm nicht erspart.
Um die Aviscultarier, Shay Lebens- und Glaubensgemeinschaft, ranken sich viele Mythen. Sie leben auf einer Insel und lassen keine Fremden in ihre Gemeinschaft. Angeblich können sie mit den Vögeln kommunizieren und fliegen …

Ich tue mich schwer damit, dieses Buch einzuordnen, denn ein rein historischer Roman ist es nicht, dazu enthält es zu viele Fantasy-Elemente, wird im Laufe der Handlung immer gesellschaftskritischer und auch die Coming of Age-Geschichte der Protagonisten nimmt sehr viel Raum ein. Außerdem spielt er zwar im Mittelalter, fühlt sich aber oft dystopisch an.
Und ich hatte Probleme mit der Erzählweise, da es keinen durchgehenden Handlungsstrang gibt, sondern man wie im Theater in verschiedene Szenen geworfen wird, bei denen die Protagonisten auf- und wieder ab treten.
Der Schreibstil ist sehr poetisch und weitschweifig und passt damit zur Theater-Thematik, ich hätte mir allerdings manchmal etwas mehr Tempo und Inhalt gewünscht. Zudem fiel es mir schwer einzuschätzen, wie alt die einzelnen Personen sind und wieviel Zeit jeweils vergeht.

Mein Fazit: Auch wenn das Buch meinen Lesegeschmack nicht ganz getroffen hat, bin ich doch sicher, dass er andere Leser verzaubern wird.

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Veröffentlicht am 31.05.2023

Eiszeit

Träume aus Eis
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„Wir brauchen etwas Originelles, etwas Neues und anderes. Etwas, das ganz München, ja die ganze Welt, noch nicht gesehen hat.“ (S. 90/91)
Erna und Josef Pankofer eröffnen 1929 ihren kleinen Eissalon, doch ...

„Wir brauchen etwas Originelles, etwas Neues und anderes. Etwas, das ganz München, ja die ganze Welt, noch nicht gesehen hat.“ (S. 90/91)
Erna und Josef Pankofer eröffnen 1929 ihren kleinen Eissalon, doch die Konkurrenz ist groß. Nur wenige Straßen weiter bietet ein großes Kaffeehaus als Spezialität jetzt auch Eiscreme an, hergestellt von einem echten Italiener. Josef ist klar, dass seine Versuche mit neuen Sorten sie nicht weiterbringen, etwas Revolutionäres muss her. In einer Zeitschrift liest er, dass es in Amerika bereits Eis am Stiel gibt, und bei einer Reise nach Berlin kann er es zum ersten Mal kosten. Das Konzept überzeugt ihn und er will damit in München ganz groß rauskommen, doch die Herstellung ist weder einfach noch günstig. Ein weiteres „Problem“ sind die Töchter der Familie. Frieda, die Ältere, verliebt sich ausgerechnet in den Sohn eines Wettbewerbers und Lotte, die Jüngere, weiß noch nicht, was sie im Leben machen will.

Erna und Josef wollen, dass es ihren Mädchen mal besser geht, darum wagen sie die Selbständigkeit mit dem Eissalon. Josef ist ein sympathischer Eigenbrötler, immer mit dem Kopf in den Wolken und schon bei der nächsten Idee, bevor er die erste richtig umgesetzt hat. Seinem Vater gehört eine Großwäschereien, aber er hat seinen Sohn verstoßen, als der die in seinen Augen nicht standesgemäße Erna geheiratet hat. Erna ist das ausgleichende Element in der Familie, sie vermittelt zwischen Josef und ihren Töchtern und hält auch den heimlichen Kontakt zu ihrer Schwiegermutter. Frieda ist schon erwachsen und geht eigene Wege. Sie arbeitet in einem Kaufhaus und unterstützt mit dem Geld ihre Familie, die von dem Eisladen noch nicht leben kann. Lotte will es ihr gleichtun, ist allerdings viel zu ungeduldig, will immer mit dem Kopf durch die Wand und rennt im wahrsten Sinne des Wortes in ihr eigenes Unglück. Außerdem gibt es noch Fanny, die Haushälterin und gute Seele des Ladens. Sie alle könnten eine große glückliche Familie sein, wenn nicht diverse persönliche Dramen alles überschatten würden.

Franziska Winkler ist das Pseudonym der Autorin Nicole Steyer, die auch als Linda Winterberg und Anke Petersen schreibt. Ich habe schon einige historische Romane von ihr gelesen und war sehr gespannt auf die Entwicklung des JOPA-Steckerl-Eises. Allerdings bildet die hier lediglich den Rahmen für eine dramatische Familiengeschichte vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise, die mich nicht ganz überzeugen konnte. Einmal abgesehen von den wechselnden Namen und Altersangaben der Protagonisten oder Jahresangaben, sind auch andere Schnitzer drin, wie z.B. die unterschiedlichen Herkunfts- / Abstammungsangaben von Erna. Auch Josefs Konflikt mit seinem Konkurrenten in der Vergangenheit erschließt sich mir nicht so ganz. Und leider orientiert sich die Geschichte nur sehr grob an den historischen Fakten und Eckdaten zum Steckerl-Eis. Alles einzeln genommen, eigentlich kein Drama, aber in seiner Gesamtheit hat es mich beim Lesen leider dann doch gestört.

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Veröffentlicht am 25.05.2023

Mein Ein und Alles

Der letzte Sessellift
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Adam war ein absolutes Wunschkind. Er wurde von seiner Mutter vergöttert und verwöhnt, obwohl sie als Skilehrerin nur wenige Monate im Jahr zu Hause war. Sie ließ sich bei den Skimeisterschaften 1941 in ...

Adam war ein absolutes Wunschkind. Er wurde von seiner Mutter vergöttert und verwöhnt, obwohl sie als Skilehrerin nur wenige Monate im Jahr zu Hause war. Sie ließ sich bei den Skimeisterschaften 1941 in Aspen schwängern, weil sie ein Kind nur für sich, ohne Mann und ohne Konsequenzen haben wollte. Also wächst Adam bei seinen Großeltern auf. Während Nana ihm Melvilles Moby-Dick vorliest, was in ihm den Wunsch weckt, selber Schriftsteller zu werden, spricht sein Großvater nie und vergreist immer mehr.
Die Frage nach seinem Vater begleitet Adam schon seit deiner Kindheit, doch erst als Erwachsener fährt er endlich nach Aspen, um ihn zu suchen und sich den Geistern der Vergangenheit zu stellen.

„… Schriftsteller können nicht aufhören zu schreiben.“ (S. 1079) legt John Irving Adam am Ende des Buches in den Mund und ich denke, dass er sich damit selber meint. Ich glaube nicht, dass er existieren kann, ohne zu schreiben, auch wenn es die immer gleichen Themen sind, die er in seinen Büchern verarbeitet: Sex, Familie, die Suche nach mindestens einem Elternteil, Geister, Sport, vor allem Ringen, und die Uni Exeter. Selbst die Bären haben wieder eine winzige Nebenrolle.

Wobei man das Wort Familie nicht zu eng fassen sollte. Die Mitglieder in Adams Familie sind nicht zwingend miteinander verwandt, sondern haben sich gefunden. Auch die Geister Verstorbener gehören dazu, die sich, sehr zum Schrecken von Adams Freundinnen, unter die Lebenden mischen.

Adam wächst im Umfeld starker Frauen auf. Seine Nana hält die Familie zusammen, seine Cousine outet sich schon früh als homosexuell und lebt das auch offen auf der Bühne aus, seine Mutter will keinen Mann außer Adam. Der kann bei so viel weiblicher Dominanz ja gar nicht selbständig werden und lässt sich selbst seine Frau von seiner Mutter aussuchen.

John Irving schreibt sehr sensibel und eindringlich über Themen, die er aus seiner Familie kennt: Homosexualität und die damit einhergehende Homophobie, Aids als Strafe Gottes und Transsexualität, über die Gefahren, denen sich die Betroffenen aussetzen, um so zu leben, wie sie wollen. „Adam, wir können Sicherheit nicht zum obersten Gebote in unserem Leben machen. Wir können nur die sein, die wir nun mal sind, und tun, was wir nun mal tun.“ (S. 292 / 293)
Er zeichnet auch ein sehr umfassendes Bild der gesellschaftlichen und politischen Strömungen und Entwicklungen in den USA in der Zeit von Adams Geburt bis heute, wie sich die verschiedenen Regierungen auf das Leben auswirkten.

John Irving kann richtig gut erzählen, aber er neigt zu Wiederholungen und zur Ausführlichkeit. Das hat es mir diesmal erschwert, durchzuhalten. Mir fehlte der rote Faden, bzw. schien er ihn zwischendrin verloren zu haben. Die Handlung plätschert seitenweise vor sich hin, es gibt zu viele Dopplungen und der literarische Kniff der integrierten Drehbücher hat mich einfach überfordert. Dazu kommen die ganzen Toten und Geister, der zu viele und ausführliche Sex. Ich war echt traurig, dass mich der emotionale Höhepunkt, die Erklärung für den Buchtitel, dann gefühlsmäßig nicht mehr erreichen konnte, weil er zu vorhersehbar und ich schon ausgelaugt war. Vielleicht war ich auch einfach nicht in der richtigen Stimmung für die 1088 Seiten. Darum werde ich das Buch in ein paar Jahren auf jeden Fall noch einmal lesen.

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Veröffentlicht am 15.05.2023

Die Rolle ihres Lebens

Die einzige Frau im Raum
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Hedy Kiesler ist 18 und steht als Sisi auf der Bühne, als sie vom Waffenfabrikanten Friedrich Mandl, dem „Kaufmann des Todes“, entdeckt wird. Dem eilt sein Ruf als Schürzenjäger voraus, doch mit Hedy scheint ...

Hedy Kiesler ist 18 und steht als Sisi auf der Bühne, als sie vom Waffenfabrikanten Friedrich Mandl, dem „Kaufmann des Todes“, entdeckt wird. Dem eilt sein Ruf als Schürzenjäger voraus, doch mit Hedy scheint er es ernst zu meinen und ihre Eltern trauen sich wegen seiner einflussreichen Stellung nicht, sein Werben abzulehnen. „Herr Mandl ist der Mann hinter Kanzler Dollfuß´ Thron. Aber er könnte auch der Mann sein, der Österreich weiter die Unabhängigkeit sichert.“ (S. 31)
Hedy ist von Fritz‘ weltmännischem Auftreten und seinem Reichtum beeindruckt, darum sagt sie auch ja, als er ihr die Rolle ihres Lebens als seine Ehefrau anbietet. Dafür verzichtet sie auf ihre Karriere beim Film und Theater und konvertiert zum Christentum. Aber schon nach der Verlobung zeigt Fritz sein wahres Gesicht. Ab sofort entscheidet er alles. Sie hat nur noch nett auszusehen und die perfekte Gastgeberin bei seinen unzähligen Geschäftsessen zu sein, eine eigene Meinung oder gar eigene Interessen sind unerwünscht. „Ich war wie ein exotischer Vogel, der nur für seine Auftritte herausdurfte aus dem goldenen Käfig und der anschließend wieder darin eingesperrt wurde.“ (S. 92) Als er dann auch noch gewalttätig wird, flieht sie nach Hollywood und wird als Hedy Lamarr berühmt. Nebenbei engagiert sie sich im Kampf gegen den zweiten Weltkrieg und erfindet zusammen mit dem Komponisten Georg Antheil eine treff- und störungssichere Funkfrequenzsteuerung für Torpedos …

Ich hatte schon im Podcast „Frauenleben“ von Hedy Lamarr gehört und letztes Jahr hat sich Charlotte Leonard in „Die Verwegene“ überwiegend ihrer Filmkariere in LA und ihren Erfindungen gewidmet.

Marie Benedict legt ihr Augenmerk in „Die einzige Frau im Raum“ vor allem auf die Zeit von Hedys Ehe mit Fritz Mandel, die leider nicht besonders glücklich war. Hedy begriff sie erst nach der Hochzeit, in welchen Kreisen ihr Mann verkehrte und mit wem er Geschäfte machte – u.a. mit Hitler und Benito Mussolini. „Ich hatte Papa stets für einen erfolgreichen Mann gehalten, … aber erst jetzt begriff ich, was Macht war.“ (S. 37) Aber sie war klug, merkte sich bei den Gesprächen wichtige Details zu den Waffen und las sich das dafür nötige Hintergrundwissen in seiner Bibliothek an.
Später verstand sie, dass schon zu dieser Zeit der Grundstein für den 2. WK und die Vernichtung ihrer Glaubensgenossen gelegt wurde und machte sich Vorwürfe, dass sie das nicht verhindern konnte.

Während mir der erste Teil des Buches, in dem es um Hedys Ehe und die politischen Entwicklungen in Österreich und der Welt ging, noch relativ gut gefallen hat (auch wenn mir einige politischen Winkelzüge zu detailliert beschrieben wurden), konnte mich der zweite Teil mit ihrem Leben in Hollywood leider nicht begeistern. Marie Benedict erzählt Hedys Karriere, Ehen und Affären nur in Stichpunkten, reiht Fakten einfach aneinander und die Erfindungen passieren in Nebensätzen. Mir fehlten Spannung oder interessante Details, die Handlung wirkte leider nicht sehr lebendig. Ich hatte mir neue, interessante Einblicke in Hedys Leben erhofft und wurde leider etwas enttäuscht.

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