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Veröffentlicht am 29.09.2025

Akademisch sehr gut, emotional eher flach

Katabasis
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Ich habe mich vorab sehr auf Katabasis gefreut. Kuang ist eine meiner Lieblingsautoren und Babel fand ich in der Dark Academia Schiene schon großartig.

Was ich bekam, war ein Buch, das mich in vielerlei ...

Ich habe mich vorab sehr auf Katabasis gefreut. Kuang ist eine meiner Lieblingsautoren und Babel fand ich in der Dark Academia Schiene schon großartig.

Was ich bekam, war ein Buch, das mich in vielerlei Hinsicht beeindruckt, aber auch frustriert hat. Kuang entwirft eine faszinierende Version der Hölle: eine Art akademisches Unterreich, das sich wie ein grotesker Campus anfühlt - übervoll mit Symbolik, philosophischen Konzepten und literarischen Anspielungen. Schon allein die Idee, zwei verfeindete Postgraduierte auf eine Reise durch die acht Höfe der Hölle zu schicken, um ihren toten Doktorvater zurückzuholen, wirkt auf mich sehr unterhaltsam. Und ja, die Namenswahl Alice und Peter weckt ganz bewusst Assoziationen zu Alice im Wunderland und Peter Pan – auch das fand ich clever und gelungen.

Stilistisch merkt man Kuang wieder einmal ihre Brillanz und Belesenheit an. Es steckt unglaublich viel drin: von mathematischen Modellen über theologische Gedanken bis hin zu antiker Mythologie. Das ist faszinierend und hat mich persönlich gar nicht gestört - ich mag anspruchsvolle Fiction-Wissenschaft und ich mag es auch, beim ersten Lesen vielleicht nicht immer alles zu verstehen. Ich verstehe jedoch die Gegenstimmen, die genau dieses "Belehrende" kritisieren. In meinen Augen macht das jedoch ein bisschen den aktuellen Schreibstil von Kuang aus...

Was mich leider auch gestört hat, waren die Figuren. Alice blieb mir lange Zeit fremd und ungreifbar, und Peter - so viel Raum seine Hintergrundgeschichte auch bekommt - wirkte auf mich eher blass. Die emotionale Ebene blieb insgesamt auf der Strecke. Zwar gibt es interessante Spannungen zwischen den beiden, aber diese Beziehung hat mich nie wirklich mitgerissen. Auch der Plot war stellenweise zäh - besonders nach den ersten zwei Höfen der Hölle verlor das Ganze für mich deutlich an Energie. Die Struktur an sich (eine Reise durch klar abgegrenzte Ebenen) hätte eigentlich für ein gutes Erzähltempo sorgen können, aber die Dichte der Sprache und die ständigen Exkurse haben das oft ausgebremst. Auch der direkte Wurf in die Hölle am Anfang hat mich etwas überrumpelt.



Trotz all dieser Kritikpunkte erkenne ich Kuangs handwerkliches Können absolut an. Die Welt ist atmosphärisch dicht, die Themen sind mutig gewählt, und das Buch hat definitiv Tiefe. Das sind für mich auch die klaren Stärken des Buches: die Komplexität, die kluge Symbolik, den intellektuellen Anspruch. Für mich kommt die emotionale Verbindung trotzdem zu kurz. Zu den Figuren, zur Handlung, zur Geschichte als Ganzes. Ich war selten wirklich berührt oder gepackt, sondern eher neugierig auf die nächste Idee, das nächste Konzept. Am Ende hatte ich das Gefühl, ein sehr durchdachtes, gut konstruiertes Werk gelesen zu haben - aber kein Buch, das mich nachhaltig bewegt hat.

Insgesamt würde ich sagen: Katabasis ist ein Buch für Menschen, die gerne gefordert werden, die Spaß an komplexen, vielschichtigen Texten haben und denen eine gewisse emotionale Distanz nichts ausmacht. Für alle anderen - besonders für diejenigen, die sich eher von Charakteren und zwischenmenschlichen Entwicklungen mitreißen lassen wollen - könnte das Ganze schnell anstrengend wirken. Ich bin froh, es gelesen zu haben, Kuang bleibt trotzdem ein Auto-Buy-Author für mich. Trotzdem wackelt meine Grenzenlose Liebe ein kleines bisschen.



Kuang erwähnte auf einer Lesung, dass sie vielleicht einen zweiten Teil von Babel schreiben möchte (nachdem sie fließend französisch gelernt und den amerikanischen Bürgerkrieg studiert hat) und im Moment viel zu Künster*innen und deren Arbeiten recherchiert...Außerdem deutete sie an, dass sich ihr Schreibstil nochmal stark ändern wird, weil sie zur Zeit viel Posie liest und mehr auf Sprachrhythmen achtet. Ich bin gespannt, was sie uns als nächstes serviert.

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Veröffentlicht am 18.06.2023

Cozy-Vibes, packt aber nicht so

Emily Wildes Enzyklopädie der Feen
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Leider habe ich mir von diesem Buch mehr erhofft. Ich habe so etwas ähnliches wie "Lady Trents Memoiren" erwartet, nur in einem Einzelband und nicht über eine Reihe.

Naja. Das wars nicht.

Die Welt startet ...

Leider habe ich mir von diesem Buch mehr erhofft. Ich habe so etwas ähnliches wie "Lady Trents Memoiren" erwartet, nur in einem Einzelband und nicht über eine Reihe.

Naja. Das wars nicht.

Die Welt startet sehr cozy und hat total Potential: weite Reise, Academia Hintergrund, Buch schreiben, mysterische Love-Interest. Ulkige Dorfbewohner, Fae-Setting, Geheimnisse. und dann wirds wild.

Leider hat mich die Hauptcharakterin nicht so gecatched. am Anfang mochte ich ihre Awkwardness total, das wird auch oft erklärt und betont. Leider ändert sich ihr Verhalten und denken so ab 70-75% total, dass ich es nicht mehr nachvollziehen kann. Am wenigsten verstehe ich leider die Liebe zwischen ihr und dem Love-Interest. Für mich ist da gar keine Chemie über gekommen und dann geht alles noch viel schneller. Schade!

Im letzten viertel passiert für meinen Geschmack zu viel auf Einmal. Wir haben super wenig über den alten König erfahren - ich habe ihn mir um einiges Mächtiger und Einflussreicher vorgestellt, so, wie er bis dato dargestellt wurde. Einzelband, ja, aber ein bisschen Tiefe könnte man dem Antagonisten schon geben.

Außerdem wäre es hier schön gewesen, den Text durch Illustrationen zu unterbrechen, die ja sogar in der Geschichte erwähnt werden (!!). Warum setzt man die nicht ins wirkliche Buch?

Also - 2/3 bis 3/4 waren entspannt, schön, cozy und toll, danach hat es mir gar nicht mehr gefallen. Also geht hier die Empfehlung eher an "Lady Trents Memoiren" - das ist ein ähnliches Prinzip, nur mit Drachen statt Feen.

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Veröffentlicht am 28.05.2023

ich bin immernoch verwirrt

The Atlas Paradox
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Die Meinungen zum ersten Band gehen sehr auseinander, darum war ich umso gespannter auf den Zweiten und darauf, wie die ganze Geschichte weiter geht.

Hauptaspekt des Buches und der Story sind immer noch ...

Die Meinungen zum ersten Band gehen sehr auseinander, darum war ich umso gespannter auf den Zweiten und darauf, wie die ganze Geschichte weiter geht.

Hauptaspekt des Buches und der Story sind immer noch die Auserwählten. Dalton und Gideon sind auch interessant, ein paar andere AkteurInnen treten auch auf. Leider gibt es sehr wenig Input zu Atlas und seine Vergangenheit. Auch Ezra bekommt meiner Meinung nach zu wenig Raum - hier hätte ich mir sehr gerne mehr Einblick in seinen Antrieb und seine Vergangenheit gewünscht. Ich weiß immer noch nicht, wer eigentlich die "guten" oder "bösen" sind und ob es sowas überhaupt gibt, oder ob das ganze komplizierter ist. Ich finde nicht, dass ein Buch/eine Reihe eine klare Abgrenzung braucht, aber ich hänge schon sehr in der Luft.

Die Geschichte um Libby und ihre Erlebnisse haben mich etwas enttäuscht. Ich habe viel mehr erwartet - beispielsweise, dass sie mit Ezra spricht und die beiden aneinander geraten nach der Aktion aus Band 1. Ich fand toll, dass Gideon immer interessanter und wichtiger wurde und bin gespannt, wie es in Teil 3 mit ihm weiter geht. So richtig Verstanden, was es mit Dalton 2 auf sich hat, habe ich nicht wirklich. Das Ende ist mir auch schleierhaft.

Die Welt ist so gut gestaltet und ich liebe die ProtagonistInnen wirklich sehr! Doch trotz der geringen Erwartungen konnten nur wenig Fragen beantwortet werden und die Unklarheiten verwoben sich mehr miteinander. Ich freue mich trotzdem enorm auf Band 3 und hoffe, dass sich dann alles offene erklärt und der Kreis rund gemacht wird.

Edit: Ich kann mir auch vorstellen, dass man das ganze Konstrukt erst nach und nach versteht, wenn man beide Bücher ein zweites mal liest. Vor Band 3 bestimmt sinnvoll.

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Veröffentlicht am 17.05.2023

Trotz Zeitreisen gelungen

Stealing Infinity
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Normalerweise mag ich Zeitreisen-Kram nicht, aber dies hier ist ein toller Einstieg in die Thematik.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, man ist von Anfang an in der Story drin und lernt die Charaktere ...

Normalerweise mag ich Zeitreisen-Kram nicht, aber dies hier ist ein toller Einstieg in die Thematik.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, man ist von Anfang an in der Story drin und lernt die Charaktere in einem guten Tempo kennen. Die Prota ist am Anfang wahnsinnig nervig, dass ich mehrmals die Augen gerollt habe. Ich verstehe aber, wieso sie so geschrieben ist: Sie hat quasi alles verloren und ist nicht hundert prozentig freiwillig in der neuen Situation. Nach und nach legt sich das zum Glück aber.
Die Nebencharaktere sind sehr gut geschrieben, bei Elodie hatte ich ab und an totale Praticia (aus Atlas Six)-Vibes, und das in einem guten Sinne. Die Mystik um Braxton rum ist anziehen und doch verwirrend.Ich hab immer Angst, wenn eine Art Beziehung so schnell passiert - Angst vor Herzschmerz und Verrat. Der neue Auftritt am Ende bringt natürlich richtig Chaos in die Geschichte - da bin ich total gespannt wie es weiter geht. Ich wünsche mir auch mehr Einblick in die Geschichte aus dem Epilog und den Hintergrund der ganzen Sache, das hat mir etwas gefehlt. Habe da mehr Intrigeren und "deep shit" erwartet. aber vielleicht kommt das ja im nächsten Teil ;) Ich werde ihn auf jeden Fall lesen.

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Veröffentlicht am 23.03.2023

unschlüssig. Ja!! aber mhm.

Muss ich das gelesen haben?
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Ich bin unschlüssig.

Das Cover hat mich nicht wirklich angesprochen, der Titel etwas mehr. Ich beschäftige mich schon länger mit Unterdrückung und unterschiedlichen Geschlechtern bei der Buchveröffentlichung, ...

Ich bin unschlüssig.

Das Cover hat mich nicht wirklich angesprochen, der Titel etwas mehr. Ich beschäftige mich schon länger mit Unterdrückung und unterschiedlichen Geschlechtern bei der Buchveröffentlichung, darum ging ich nicht blind in das Thema.
Ich mag sehr, wie die Autorin ihre Sprache bewusst locker hält. Es geht hier nicht darum, ein krasses literarisches Stück zu schreiben, sondern Tachales zu reden und es vor allem für Jugendliche und Jüngere zugänglich zu machen. Das gelingt ihr meiner Meinung nach wunderbar - das Buch liest sich so, als würde man entspannt auf dem Sofa oder am Küchentisch gegenüber sitzen und miteinander fachsimpeln - aber eben auf eine lockere, umgängliche Art.
Ich habe richtig viel aus dem Buch gelernt! In der Schule habe ich schon jede noch so öde Lektüre gelesen und mich damit befasst, aber das ist kein Vergleich zu dem, was die Autorin hier beschreibt. In der Schule hatte ich noch eine andere Ansicht, die, der weißen cis-Männer (als weiße cis-Frau in den 00ern leider gar nicht so selten), und habe viele Dinge als gar nicht problematisch oder, wie Teresa es so schön nennt, als "das war halt damals so" abgestempelt. Ich habe mittlerweile eine andere Denkweise und kann sowas viel reflektierter betrachten und trotzdem haute mich die Autorin aus den Socken.
Zwischenzeitlich wurden die Ausführungen leider sehr lang. Bestimmte Werke kannte ich nicht oder kaum, weswegen ich die (Wenn auch lockere) Analyse des drölften Werkes dann mehr überflogen habe. Ihre Fußnoten und Anmerkungen, die glaube ich auch viel Witz ausmachen, sind im e-Book weit hinter der eigentlichen Seite, darum kann man gar nicht mehr zuordnen, zu welchem Satz jetzt welche Zahl gehört hat. Das fande ich sehr schade, ist aber wahrscheinlich ein Formatierungsding des eBooks.
Die Alternativen-Liste am Ende fand ich enorm wichtig und wirklich gut. Vielleicht wäre aber hier eine tatsächliche Liste mit 2-3 Sätzen dazu sinnvoller gewesen als ein Fließtext. So, wie am Ende nochmal erwähnte Werke aufgelistet werden.

Ich bin unschlüssig. Auf der einen Seite finde ich das Buch großartig und unglaublich wichtig. Ich habe vollen Ernstes überlegt, meinem damaligen Deutsch-LK-Lehrer das Buch kommentarlos zu schicken. Und allen anderen Deutschlehrerern (männlich), die ich mittlerweile kenne. Wenn man alle geführten Werke kennt, ist es bestimmt ein ganz anderes Erlegbnis. Auf der anderen Seite ziehen sich manche Parts so sehr und zieht Themen heran, die nur in Entfernung etwas mit dem grade besprochenen Hauptthema zu tun haben, dass ich Angst habe, sie würden es in die Ecke werfen und Teresa in ihrer weißen-cis-Art, wie sie eben sind, als "überfeministische" abstempeln. Obwohl das falsch ist! Die Autorin redet einfach Klartext, ohne Bashing, ohne Schuldzuspruch und ohne "überfeministisch" zu sein. Sie spricht das aus, was Sache ist.
Die Zielgruppe des Buchs sind eher jüngere Leute, die in diesen Situationen stecken, öde Literatur in den Schulen/Unis lesen zu müssen. Für die ist dieses Buch gold wert. Um direkt da etwas ändern zu können. Um mal zu sagen "ne, das war eben nicht halt so!".

Ich habe lange überlegt, ob ich 3 oder 4 Sterne vergebe. deshalb dazwischen.
In kurz; Super wichtiges, gutes Thema, tolle Herangehensweise, manchmal etwas sehr abgeschweift.

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