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Veröffentlicht am 17.05.2023

Marc Raabe schickt sein neues Ermittler Duo Mayer & Tschaikowski ins Rennen

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
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Marc Raabe ist wieder in Bestform! Nach seiner sehr beliebten Tom-Babylon-Reihe, zeigt er erneut sein Können mit dem Start seiner neusten Thriller-Reihe.

Im Mittelpunkt von „Der Morgen“ steht der erfahrene, ...

Marc Raabe ist wieder in Bestform! Nach seiner sehr beliebten Tom-Babylon-Reihe, zeigt er erneut sein Können mit dem Start seiner neusten Thriller-Reihe.

Im Mittelpunkt von „Der Morgen“ steht der erfahrene, allerdings etwas eigenwillige Ermittler Art Mayer. Ihm zur Seite wird die noch unerfahrene, aber sehr ehrgeizige Kommissar-Anwärterin Nele Tschaikowski gestellt.
Gemeinsam versuchen sie eine Reihe von Morden aufzuklären, die alle auf den Bundeskanzler hinweisen. Die Ermittlungen in diesen Kreisen zeigen sich als besonders komplex, wie sensibel. Hierbei drückt die Zeit, die Medien, ebenso wie der ein oder andere persönliche Konflikt der Hauptfiguren. So muss sich Art alten Verbindungen aus seiner Vergangenheit stellen und Nele den aktuellen Problemen ihres Privatlebens.
Innerhalb der Geschichte versucht der Autor auch eher unsympathischen (Rand-) Figuren weitere Facetten zu geben, damit eben nicht alles immer nur schwarz/weiß ist.
Er geht geschickt auf den Widerspruch zwischen Loyalität und Integrität ein. Lässt hierbei seine Figuren hadern, was sie umso glaubhafter macht.
Es wird immer wieder die Frage nach den Berufsethos aufgeworfen: Wie weit sollte man gehen oder vielmehr, was darf man tun um seine Werte oder Freunde zu schützen?

Die Geschichte springt Kapitelweise immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Marc Raabe schafft es scheinbar mühelos die verschiedenen Geschichtsstränge miteinander zu verweben, ferner die Spannung konstant hochzuhalten, sodass man jeden Strang gerne weiterverfolgt.

Als kleiner Wermutstropfen bleibt, dass trotz allen genderns und sicherlich gut gemeinten aktuellem Zeitgeist, der Autor in der typischen Komfortzone verharrt.
Art Mayer, ist als Figur der klassische, eher wortkarge, einsame Wolf, der nicht immer nach den gängigen Regeln spielt.
Sein Gegengewicht soll, seine übereifrige Kollegin Nele Tschaikowski sein, die sich zu Anfang ganz auf ihre Ausbildung verlässt, dabei aber auch über ihren eigenen Enthusiasmus stolpert und erst ihren Weg finden muss.
Das mildert das Lesevergnügen keineswegs, das Rad erfindet er jedoch damit auch nicht neu.

Sprachlich und Stil technisch bedient sich der Autor einer sehr modernen ebenso zeitgenössischen Sprache. Gleichermaßen nutzt er ein Setting, welches elegant Themen wie Corona, Klimakrise, Fake News oder das Gendern einbindet, ohne dabei gestellt zu wirken.
Die Erzähltechnik ist wie gewohnt sehr gut. Es ist ein rasanter, im gleichem Maßen psychologischer Thriller, bei welchem man fast unweigerlich ein Kopfkino entwickelt.
Dadurch gleiten, die doch nicht unerheblichen 588 Seiten nur so dahin.
Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung der Reihe und kann es kaum erwarten die Ermittlungen mit Art & Nele wieder aufzunehmen!

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Veröffentlicht am 12.10.2022

Hommage an Sylvia Plath

Euphorie
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Die Autorin Elin Cullhed hat in ihrer Heimat Schweden den wohl wichtigsten Literaturpreis, den Augustris, für ihr Werk „Euphorie. Ein Sylvia-Plath-Roman“, gewonnen.
In „Euphorie“ verbindet Elin Cullhed ...

Die Autorin Elin Cullhed hat in ihrer Heimat Schweden den wohl wichtigsten Literaturpreis, den Augustris, für ihr Werk „Euphorie. Ein Sylvia-Plath-Roman“, gewonnen.
In „Euphorie“ verbindet Elin Cullhed geschickt reale Inhalte mit fiktiven Darstellungen über das Handeln und der Gefühlswelt von Sylvia Plath.
Sylvia war eine Frau, die zerrissen war zwischen Mutterschaft, Eigenständigkeit, Autorenschaft und ihrer eigenen Dunkelheit. Ihre Ehe mit dem Dichter Ted Hughes war ein tragisches auf und ab.
Vermutlich dadurch wurde sie ein Opfer ihrer Zeit, gezwungen in Normen und Rollen, die sie nicht erfüllen konnte oder wollte. Die unglücklichen Umstände, ihre immer wieder bewunderte Dichtkunst sowie der bis heute andauernde Erfolg über ihr einziges Buch „die Glasglocke“, welches sie zu einer Ikone der Feministischen Bewegung machte und sie daher immer wieder Erwähnung findet.

Schon die ersten Seiten machen klar, dass die inhaltliche Thematik alles andere als leichtgängig sein wird.
Ich möchte hier eine deutliche Trigger Warnung aussprechen!
Es geht um die letzten intensiven Lebensmonate von Sylvia Plath, welche gekennzeichnet sind von zwanghaften Gedankenstrukturen, mannigfaltigen psychischen Problemen, Selbstmordgedanken, dem letztlichen Scheitern der zerrüttenden Ehe und anderen toxischen Beziehungen.

Auf der emotionalen Ebene ist das Werk sehr fordernd, inhaltlich allerdings etwas Handlungsarm. Vorwiegend geht es immer wiederkehrend um das Zusammenleben des Ehepaares, ihre Schwangerschaft und das Kämpfen um Zeit zur freien Entfaltung. Dies ist nicht weiter störend, es wird vielmehr Wert auf den stetigen Zerfall der Ehe, ihre Ängste, das innere Ringen um Glück, Erfolg und Liebe gelegt.
Die Autorin schafft es Sylvia wirklich glaubhaft zu transportieren. Jeder Gedanke, jede zwiegespaltene Gefühlsebene bringt sie einem näher.
Durch die Perspektive der Ich-Erzählung kommt es zu einem sehr nahen, fast schon schmerzhaften Kontakt zur Hauptfigur. Die schonungslose Innensicht, die hier sehr glaubhaft und authentisch präsentiert wird, lässt den Lesenden sich in Sylvia einfühlen, wenn sie uns doch gleichermaßen abstößt mit ihrem Verhalten.
Diese Sylvia zerfleischt sich fast. Wird von einer manisch euphorischen Phase fließend in eine tiefe Depression und Selbstzweifel geworfen. Sie sieht sich immer wieder in selbstgewählten Konkurrenzkämpfen, ist leidend und unerträglich. Ihre Gefühlswelt ist so wandelbar, sie wird reumütig, übertrieben freundlich, nur um zugleich fordernd zu sein. Diese verschiedenen Verhaltensweisen lassen sie als Person wiederum sehr glaubhaft agieren.
Keine der handelnden Figuren wirkt dabei durchgehend sympathisch. Aber genau das macht dieser Roman richtig. Er verherrlicht nicht die leidende Sylvia Plath. Es fordert vielmehr den Lesenden auf nachzudenken beziehungsweise darüber hinaus Nachforschungen anzustellen. Nur so kann man, meiner Meinung nach, dass volle Potential erleben. Mit einem schnellen durchlesen würde man ihm unrecht tun.

Sprachlich ist dieses Buch wunderschön. Ich habe so viele Stellen markieren müssen, weil sie so kunstvoll und prosaisch sind. Sicherlich liegt das auch an der herausragenden Übersetzung von Franziska Hüther.
Vielleicht macht gerade das diese starke Sogwirkung aus.

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Veröffentlicht am 30.01.2022

Sehr lesenswertes Debüt! Frau Moniz legt den Finger mit ihren Geschichten in die Wunden dieser Zeit.

Milch Blut Hitze
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Als ich „Milch Blut Hitze“ das erste Mal sah, fiel mir sofort dieses poppig-knallige Cover und der Titel auf. Die Farben und Formen fliegen einem einfach nur so entgegen. Und dann diese Lobeshymnen von ...

Als ich „Milch Blut Hitze“ das erste Mal sah, fiel mir sofort dieses poppig-knallige Cover und der Titel auf. Die Farben und Formen fliegen einem einfach nur so entgegen. Und dann diese Lobeshymnen von verschiedenen Seiten. Vor allem die kurze Rezension von Entertainment Weekly hat mich unglaublich neugierig auf dieses Buch gemacht.
Und so stellte sich mir direkt die Frage, ist dieses Buch wirklich so eine Wucht, so aktuell und gleichzeitig schonungslos?
Klare Antwort, ja. Die Prosa und überhaupt der Ganze Stil von Dantiel W. Moniz ist sehr kraft- und gefühlvoll. Sie spricht unglaublich viele Themen an die viele Menschen, egal wo auf der Welt, betreffen werden.
In elf sehr verschiedenen Geschichten geht es unter anderem um komplexe Partnerschaften, schwierige Familienverhältnisse, Enttäuschungen von Erwartungen und große Hindernissen. Sie beleuchtet die Fragen: Was macht eine Frau in der heutigen Zeit aus? Wie funktioniert ein selbstbestimmtes Leben? Sie rückt die unterschiedlichsten Beziehungen in den Fokus und beleuchtet manchmal recht schonungslos die Probleme. Scheinbar mühelos streift Sie Themen wie Religion, Mutterschaft, Lust und Verlangen ebenso wie Tod, Verlust, Missbrauch und Ängste ohne dabei jemals ins kitschige oder künstliche abzugleiten. Dabei geht sie nicht zimperlich mit ihrer Leserschaft um, denn manche Erzählungen sind hart, intensiv und nur schwer zu verdauen. Einige lässt sie gerne offen, oder mit einer Augenzwinkernden Moral versehen, enden. Dennoch fühlen sich die Schilderungen immer ehrlich an, trotz ihrer Kompromisslosigkeit.

Besonders hat mich die Titelgebende Story der beiden Mädchen beeindruckt. Sie beschreibt so zart und doch gleichzeitig hart authentisch wie sich Mädchen im Alter von 13 Jahren fühlen können. Wie losgelöst, unverstanden und unangepasst sie manchmal sind. Und was passiert, wenn Eine einen Schritt zu weit geht.
Aber auch der Erzählstrang der jungen Frau, die ihr ungeborenes Kind verloren hat und nur schwer sich damit abfinden kann, hat mich sehr bewegt.

An manchen Enden hätte ich einfach anstandslos weiterzugehört, weiter mitgefühlt oder oft einfach auch mal gerne eingegriffen. Als würde man Freundinnen eine helfende Hand reichen wollen. Aber gerade diese lassen viel Spielraum für Interpretationen bzw. Diskussionspotential.

Nun könnte man sagen, dass auf 226 Seiten und in elf Kurzgeschichten keine Zeit bleibt sich auf die Figuren einzulassen und eventuell keine Chancen auf Charakterentwicklungen bestehen - da fehlt man aber gewaltig! Das war wirklich das Beeindruckteste an diesem Buch. Frau Moniz schafft es, allen Figuren eine Lebendigkeit einzuhauchen, so dass man einfach mitfühlen muss.

Ich bin mir sicher, dass wir nach diesem gelungen Debütroman noch einiges von dieser Autorin lesen werden.

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Veröffentlicht am 17.09.2021

Wer mit der Zeit spielt, muss mit den Konsequenzen leben.

Instabil 1 - Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen
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„Instabil – Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen“ startet direkt mit einer Horrorvorstellung.
Nichtsahnend wird Patrick Richter von einer schwerbewaffneten Spezialeinheit aus dem Tiefschlaf gerissen ...

„Instabil – Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen“ startet direkt mit einer Horrorvorstellung.
Nichtsahnend wird Patrick Richter von einer schwerbewaffneten Spezialeinheit aus dem Tiefschlaf gerissen und direkt in Untersuchungshaft gebracht. Und es wird sogar noch schlimmer für ihn, niemand glaubt seinen Unschuldsbeteuerungen, noch darf er sich rechtlichen Beistand holen. Patrick ist es auch weiterhin unklar welche Straftat er begangen haben soll. So nimmt der Albtraum seinen weiteren Lauf, er soll ohne langes Geplänkel nach Guantanamo abgeschoben werden, um dort weiterverhört zu werden. In Patricks Augen ein sicheres Todesurteil. Mit dieser verzwickten Ausgangslage beginnt Patricks spannende Reise, eine Reise, die schier unmöglich scheint, denn er springt durch die Zeit.

Nach und nach entblättert sich dieser spannende Sci-Fi-Thriller. Was diesen Thriller abhebt, sind die verschiedenen Zeitebenen und die Protagonisten darin. Sehr interessant fand ich den Perspektivwechsel zwischen den anderen Figuren, das macht diesen Thriller vielschichtiger und spannender. Sicherlich sind einige Entwicklungen und Enthüllungen vorhersehbar, aber das tut der Sache keinen großen Abbruch. Mich hat es eher mit einem Schmunzeln und den „Hab-ich-es-doch-gewusst-Moment“ zurückgelassen. Und für einen Feuerbach typischen Roman darf der Humor nicht zu kurz kommen, so wechseln sich James-Bond-würdige Action-Szenen mit vor Wortwitz und Charme sprühenden Situationen ab.
Sam Feuerbach ist ein Autor von Fantasy-Romanen und Thrillern und hat bereits mit seinen Werken viele Auszeichnungen und Awards gewinnen können. Für die „Instabil“-Reihe hat er sich mit dem Autor Thariot zusammengeschlossen und ein spannendes neues Werk geschaffen.
Robert Frank hat bereits einige Werke von Feuerbach vertont und steht auch wieder für diese Reihe zur Verfügung. Er schafft es scheinbar mühelos, den verschiedenen Figuren ein tolles Eigenleben einzuhauchen. Was sehr gut ist, so hatte ich zunächst das Gefühl von zu viel schnell eingeführten Personen erschlagen zu werden, was besonders bei Hörbüchern schwierig ist. Doch löst sich dieses anfängliche Knäul schnell wieder auf und man findet sich sehr gut in die Geschichte ein. Das ist sicherlich auch der sehr guten Vertonung zu verdanken.

Definitiv ein Lesens- bzw. Hörenswertes Buch. Und als kleines Schmankerl obendrauf gibt es viel Lokalkolorit aus Düsseldorf. Wer sich also auskennt in der Stadt, wird sich noch mehr unterhalten fühlen.

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Veröffentlicht am 07.09.2021

Die neue Herausforderung: Gärtnern in Zeiten des Klimawandels

Trockenhelden
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Simone Kern hat mit ihrem Ratgeber „Trockenhelden“ ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen, welches für uns (Hobby-) Gärtner*innen immer wichtiger wird. Noch zu Zeiten unserer Großeltern stellte die Wasserversorgung ...

Simone Kern hat mit ihrem Ratgeber „Trockenhelden“ ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen, welches für uns (Hobby-) Gärtner*innen immer wichtiger wird. Noch zu Zeiten unserer Großeltern stellte die Wasserversorgung kein so großes Problem dar wie heute.
Das Wetter schlägt immer mehr Kapriolen und so kann es sein, dass wir Jahreszeiten erleben, die von einem Extrem ins nächste gleiten. Unteranderem eben auch sehr lange Trockenphasen. Viele Pflanzen sind darauf gar nicht eingestellt und würden eine ständige (künstliche) Bewässerung nötig machen.

Frau Kern stellt in ihrem Buch erprobte Pflanzen vor, die wahre Hitzekünstler sind und trotzdem den eigenen Garten oder Balkon wunderschön ergänzen.
Der Ratgeber hat 20 schöne Beet Gestaltungsideen, von denen man sich inspirieren lassen kann. Dazu helfen auch die integrierten Einkaufslisten, mit denen man direkt loslegen kann.
Dabei stellt sie verschiedene Beet-Ideen, wie zum Beispiel Steppenbeete, Mediterrane, aber auch die schwierigen Schattenbeete vor, um nur einige zu nennen. Sodass sicherlich jeder geneigte Gärtnertypus seinen vorhandenen Garten gestalten kann.
Die Autorin schneidet auch weitere interessante Themen an, beispielsweise Gemüseanbau bei Trockenheit, warum die Bodenbeschaffenheiten so wichtig sind und wir gerade jetzt umdenken müssen, wie man auch auf Sonnenterassen Kübelpflanzen versorgt und wie effizientes Bewässern und Beet Kosmetik gelingt.

Im Großen und Ganzen ist Frau Kern ein interessanter Ratgeber gelungen, der einen guten Überblick gibt sowie wichtige Denkanstöße bereithält.

Ich denke, dass dieses Buch für alle hilfreich sein wird, die ihren Garten den neuen Bedingungen anpassen möchten.

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