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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2023

Aktuell und lesenswert

Geschichte für einen Augenblick
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Die Schriftstellerin Ruth findet das Tagebuch der Japanerin Nao wasserdicht verpackt am Strand und beginnt zu lesen. Nao erzählt von ihrer Kindheit in Amerika und der Rückkehr der Familie nach Japan, von ...

Die Schriftstellerin Ruth findet das Tagebuch der Japanerin Nao wasserdicht verpackt am Strand und beginnt zu lesen. Nao erzählt von ihrer Kindheit in Amerika und der Rückkehr der Familie nach Japan, von ihrer Urgroßmutter Jiro, einer Zen-buddhistischen Nonne und Haruki, dem Großonkel ihres Dads, der im Zweiten Weltkrieg Pilot war.

Auf den ersten Seiten fiel es mir schwer, Zugang zu der "Geschichte für einen Augenblick" zu bekommen, aber umso mehr ich mich darauf einließ, umso besser gefiel mir das Gelesene. Ruth Ozeki beschreibt die Geschichte von Naos Familie in leisen Tönen. Ruths Beschäftigung mit dem Tagebuch bildet den Rahmen, schafft aber auch eine Verbindung zwischen den beiden Frauen. Die Autorin verknüpft die beiden Erzählebenen gekonnt und verwebt so die Leben von Ruth und Nao geschickt. Die Protagonisten beschreibt sie lebensnah und detailreich. Sie gibt auf überzeugende Weise tiefe Einblicke in das Leben in Japan, das sich zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs, aber auch heute noch in mancherlei Hinsicht stark von dem im Westen unterscheidet und unterstreicht dadurch die Gegensätzlichkeit der beiden Protagonistinnen, aber auch ihre Gemeinsamkeiten.

"Geschichte für einen Augenblick" ist - obwohl bereits im Jahr 2013 entstanden - immer noch aktuell und allemal sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 01.06.2023

Liebesgeschichte mit Tiefgang

Honey & Spice
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Kiki gibt in der Campus-Radioshow Brown Sugar ihren Kommilitoninnen der schwarzen Community an einer britischen Uni Tipps für deren Beziehungen. Um die Einschaltquote zu erhöhen geht sie eine Fake-Beziehung ...

Kiki gibt in der Campus-Radioshow Brown Sugar ihren Kommilitoninnen der schwarzen Community an einer britischen Uni Tipps für deren Beziehungen. Um die Einschaltquote zu erhöhen geht sie eine Fake-Beziehung mit Malakai ein.

"Honey & Spice" ist eine Liebesgeschichte mit Tiefgang. Aus Sicht von Kiki beschreibt Bolu Babalola das Studentenleben der schwarzen Community und deren Beziehungen an einer britischen Uni. Kiki und Malakai sind schon fast übertrieben cool und toll, die Autorin beschreibt die Protagonisten aber so sympathisch, dass es leicht fällt, darüber hinwegzusehen und sich nur auf die schöne, spannende Geschichte zu konzentrieren. Ihr gelingt es, dass die Leser sich mitten drin fühlen und auch genau dorthin wünschen.

Ein großes Lesevergnügen!

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Veröffentlicht am 18.05.2023

Ein Büchlein, das immer wieder aufs Neue Freude bereitet

Das Wenige und das Wesentliche
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"Das Wenige und das Wesentliche" ist ein ganz besonderes Büchlein, eines das man mit Bedacht und Genuss lesen sollte. Auf jeder Seite gibt John von Düffel viel Anregung zum Nachdenken. Was ist das Wesentliche? ...

"Das Wenige und das Wesentliche" ist ein ganz besonderes Büchlein, eines das man mit Bedacht und Genuss lesen sollte. Auf jeder Seite gibt John von Düffel viel Anregung zum Nachdenken. Was ist das Wesentliche? Wieviel benötigt man zum Leben und Glücklich sein? Das alles verpackt er in Form eines Stundenbuchs und liefert so für die fünfte bis achtzehnte Stunde eines Tages jeweils passende Denkanstöße in Versform.

Wem es gelingt, sich auf von Düfffels philosophischen Gedanken einzulassen, erhält mit "Das Wenige und das Wesentliche" ein Büchlein, das immer wieder aufs Neue Freude bereitet.

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Veröffentlicht am 02.05.2023

Witzig, scharfsinnig und berührend

Besser allein als in schlechter Gesellschaft
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Teta Jele ist eine beeindruckende Frau. Sie ist selbst mit fast 100 Jahren noch eigenständig und fit, wie Manche oder Mancher in jüngeren Jahren nicht, aber auch eigensinnig und sie weiß, was sie will, ...

Teta Jele ist eine beeindruckende Frau. Sie ist selbst mit fast 100 Jahren noch eigenständig und fit, wie Manche oder Mancher in jüngeren Jahren nicht, aber auch eigensinnig und sie weiß, was sie will, und was eben nicht. So findet sie es "Besser allein als in schlechter Gesellschaft" zu sein. Adriana, ihre Nichte, wuchs bei ihr in Mantua auf, als ihre Eltern aus Zagreb fliehen mussten. Die Beziehung der beiden ist lebenslang enger als die zwischen Mutter und Tochter. Leider können sie sich an Teta Jeles hundertstem Geburtstag nicht sehen, da diese in einem Pflegeheim in Norditalien ist und wegen der "Malattia", der Pandemie, keine Besuche möglich sind. Adriana lebt in Berlin und telefoniert fast täglich mit ihrer Tante.

Adriana Altaras erzählt in zwei Erzählperspektiven, der eigenen und aus Sicht ihrer Tante, deren Lebensgeschichte, aber auch von ihrer Tante-Nichte-Beziehung. "Besser allein als in schlechter Gesellschaft" ist ein Spiegelbild einer großen Liebe und Dankbarkeit. Jedes Wort lässt erkennen, wie wichtig die beiden Frauen füreinander sind. Ein tolles Buch - witzig, scharfsinnig und berührend!

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Veröffentlicht am 25.04.2023

Faszinierendes Bild einer ungewöhnlichen Familie

Alles behalten für immer. Ruth Rilke
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Ruth Rilke wächst als Tochter des weltberühmten Lyrikers Rainer Maria Rilke und der Bildhauerin Clara Westhoff im beginnenden 20. Jahrhundert unter eher besonderen Umständen, wie man sie sich aber in einer ...

Ruth Rilke wächst als Tochter des weltberühmten Lyrikers Rainer Maria Rilke und der Bildhauerin Clara Westhoff im beginnenden 20. Jahrhundert unter eher besonderen Umständen, wie man sie sich aber in einer Künstlerfamilie durchaus vorstellt, auf. Nach dem Tod des Vaters kümmert sie sich um seinen Nachlass und archiviert alles, was sie finden kann - zunächst in Weimar, später dann in Fischerhude, einem Künstlerdorf bei Bremen im alten Atelierhaus ihrer verstorbenen Mutter, wo sie schon ihre Kindheit verbracht hat. Das Archiv ist ihre Lebensaufgabe, der sie sich mit großer Hingabe widmet.

"Alles behalten für immer. Ruth Rilke" beginnt mit der Anfrage eines Journalisten, in der er Ruth 1957 bittet, ihm von ihren Erinnerungen an ihre Mutter zu erzählen. In Rückblenden lässt Erika Schellenberger sie an ihre Kindheit in Fischerhude zurückdenken, an ihre Schulzeit in München "München war überhaupt das Allerschönste. Da waren sie eine richtige Familie." und ihren weiteren Weg über Weimar zurück nach Fischerhude. Die Autorin beschreibt Ruths Gedanken und Stationen aus deren Perspektive und geht immer wieder auf ihre Beziehung zu ihrem Vater ein. Sie musste schon sehr früh auf ihn verzichten, da er wegging - zunächst nach Paris - und von da an sein eigenes Leben führte. Einerseits ist er ihr besonders als Kind fremd, andererseits stehen sie trotzdem in enger, inniger Beziehung zueinander. Sie nennt ihn zärtlich "Väterchen".

"Alles behalten für immer. Ruth Rilke" ist eine gut recherchierte Biographie, die Einblicke in eine außergewöhnliche Künstlerfamilie gibt und eine Frau würdigt, die sich leidenschaftlich um das Vermächtnis ihres Vaters, einen der bedeutendsten Lyriker Deutschlands, kümmert.

Das Buch ist nicht mitreißend im eigentlichen Sinne, trotzdem ist es Elke Schellenberg gelungen, lebendig von Ruth und den Rilkes zu erzählen und ein faszinierendes Bild von dieser ungewöhnlichen Familie zu zeichnen.

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