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Veröffentlicht am 01.07.2023

Irgendwann findet man sich selbst in dieser Situation wieder

Elternhaus
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Elternhaus ein Roman von Ute Mank (dtv)

„Ja, nun kommt doch!“ Sanne hatte Türen geöffnet, gerufen „Guckt doch mal, was für eine hübsche Aussicht“, oder „Ist diese Küche nicht praktisch?“ oder „Das Bad ...

Elternhaus ein Roman von Ute Mank (dtv)

„Ja, nun kommt doch!“ Sanne hatte Türen geöffnet, gerufen „Guckt doch mal, was für eine hübsche Aussicht“, oder „Ist diese Küche nicht praktisch?“ oder „Das Bad ist viel größer als eures. Und vor allem kann man in die Dusche fahren.“
Die Eltern hatten genickt und „Ja, ja“ gesagt. Wie gehorsame Kinder, hatte Sanne gedacht. Als sie sie wieder an ihrem schmalen Haus abgesetzt hatte, war Sanne so erschöpft gewesen, als hätte sie zwölf Stunden ohne Pause gearbeitet.
Sie hatte den Eltern noch viel bessere Wohnungen gezeigt. Moderner. Offener. Größere Fenster. Aber sie hatten die Köpfe geschüttelt. „ Das ist nichts für uns.“
Einmal hatte die Mutter die Hand auf ihre gelegt und „Du meinst es ja gut“ gesagt. Als müsste Sanne getröstet werden. S.53

In dem schmalen Haus sieht jeder etwas anderes für sich und zugleich ist es ein Zufluchtsort, an dem die Familie zusammenkommt und beieinander sein kann, auch hier jeder auf seine Art und Weise. Die Eltern sind dort die Basis, an einem Ort, an dem sich die Kindheit und das Erwachsenwerden noch immer versteckt haben. Doch was passiert mit diesem Haus, welches auch Heimat ist, wenn Vater und Mutter älter werden? Was geschieht mit den Eltern und ihren erwachsenen Kindern, wenn diese Situation unausweichlich näher rückt? Die Aufgaben kehren sich um und jeder muss seine Rolle finden, ob er sie nun freiwillig spielt oder nicht.

Ute Mank hat ein feines Gespür für Situationen und umschreibt ihre Beobachtungen in klaren, kurzen Sätzen. Es ist ein stilles Hinsehen mit deutlichen Worten und spezifischen Gedankengängen. Ich habe ihre Zeilen gern gelesen.

Die drei Schwestern sind sehr unterschiedlich und gehen jede für sich mit Sannes Entscheidung, die Eltern in einer altersgerechten Wohnung unterzubringen, um. Die Beweggründe und Argumente, ob realistisch oder gefühlsbetont, sind alle nachvollziehbar. Bei dem schwelgenden Konflikten und Entfremdungen reißen alte Wunden wieder auf. Es ist Zeit, verdrängte Sachen aufzuarbeiten.

Für mich ist „Elternhaus“ ein brandaktuelles und zeitloses Buch. Mich hat die Lektüre zum Nachdenken angeregt. Die leisen Töne, die die Autorin anschlägt hallen noch deutlich nach. Vielleicht sollte man sich viel öfter in sein Gegenüber hineinversetzten, zeitnah miteinander reden, Hilfe annehmen und über die Bequemlichkeit hinaus dem anderen die Hände reichen. Es besteht die Kunst darin, sich von Vorwürfen zu lösen und wieder einen Schritt aufeinander zuzugehen.
Ehrlich und nachdenklich stimmend! Berührend und lesenswert!

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Veröffentlicht am 01.07.2023

So schön!

Sommertage im Quartier Latin
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Sommertage im Quartier Latin ein Roman von Lily Martin (Rowohlt Verlag)

Er erhob sich ächzend und sah Lola, die beim Rühren innehielt, eindringlich an. „ Es kommt nicht darauf an, jemand anderes zu werden. ...

Sommertage im Quartier Latin ein Roman von Lily Martin (Rowohlt Verlag)

Er erhob sich ächzend und sah Lola, die beim Rühren innehielt, eindringlich an. „ Es kommt nicht darauf an, jemand anderes zu werden. Es geht darum, der zu werden, der man ist. Der man schon immer war! Diese Person tief in uns drinnen zu finden, die uns ausmacht - und endlich ganz und gar zu ihr zu stehen. Dann sind wir wirklich angekommen. Dann erst leben wir und existieren nicht nur.“ S. 121/122

Dieser Roman kommt als leichte Lektüre daher. Es hat den Anschein, dass dieses zart rosa Büchlein in liebevoller Aufmachung einfach der Unterhaltung dienen soll. Doch es steckt so viel mehr zwischen den beiden Buchdeckeln. Berührend sind die klugen Lebensweisheiten, derer man nicht überdrüssig wird, da Lily Martin feines Fingerspitzengefühl beim Schreiben zeigt. Sie beschreibt die Lokalitäten in Paris so wundervoll, dass man das Gefühl hat selbst im Cafe´ des Artisans bei einem Croissant und einem Cafe´ au Lait zu sitzen und der Szenerie zu folgen. Dabei sind die französischen Floskeln gekonnt in das Geschehen integriert und erfrischen den Text.

Die verschiedensten Protagonisten mit ihren bunten Geschichten sind der Puls im Quartier Latin. Ein jeder weiß etwas zu erzählen, hat eine Vergangenheit, Geheimnisse und Sehnsüchte. Mit an Bord ist L`amour mit all ihren Verzwickungen, Enttäuschungen und Hoffnungen.
Auch bei Lola drückt der Schuh und erst eine Reise zurück in ihre Heimatstadt Paris, in ihr Viertel, öffnet ihr die Augen. Dieser Sommer stellt alles auf den Kopf, rüttelt an ihren Prinzipien und macht Hoffnung auf ein Ankommen bei sich selbst.

Lola und Co. hinterlassen ein gutes Gefühl. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und dabei gelacht sowie nachdenklich dreingeschaut. Dieser Sommerroman hat alles, was eine gute Unterhaltungslektüre mitbringen muss! Genießen Sie es, diese Reise lohnt sich! Ich hoffe auf weitere Episoden aus interessanten Vierteln aus der Stadt der Liebe! Daher bin ich gern mit von der Partie.

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Veröffentlicht am 11.06.2023

Sei gnadenlos ehrlich zu dir selbst!

Und was, wenn es gut wird?
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Und was, wenn es gut wird? Ein Coaching-Ratgeber von Chris Bloom (mvgverlag)

Bist du ein Mängelexemplar? Cool, ich auch! Das sind wir alle. Wir haben Macken, Ecken und Kanten, sind keine makellosen Designerstücke, ...

Und was, wenn es gut wird? Ein Coaching-Ratgeber von Chris Bloom (mvgverlag)

Bist du ein Mängelexemplar? Cool, ich auch! Das sind wir alle. Wir haben Macken, Ecken und Kanten, sind keine makellosen Designerstücke, sondern lebendige Kunstwerke. Und das ist okay. Du bist okay. Genauso, wie du gerade bist. S.137

Es gibt immer und für jeden Situationen im Leben, in denen es nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Oder man ist unzufrieden, wartet auf zukünftige Vorteile und mögliche Dinge, die eventuell eintreten könnten. Man funktioniert, statt zu leben und zu genießen.
Der Autor stellt sich genau diesen Empfindungen und hinterfragt die Gründe der daraus resultierenden Unsicherheit und latenten Unzufriedenheit.
Die Frage: „Und was, wenn es am Ende gut wird?“ erfordert Mut und Selbstreflektion. Chris Bloom hilft dabei, Verhaltensmuster und Denkweisen aufzubrechen. Er fordert zur aktiven Teilnahme am Beschäftigen mit dem eigenen Ich auf. Dabei ist die Lektüre passend auf jede Lebensbereiche anwendbar.
Auf sympathische, motivierende Art macht er Mut. Inspiriert durch eigene Erfahrungen des Autors, praktische Übungen und zahlreiche Tipps liest sich dieses Buch flott weg. Dieser kleine Ratgeber ist ein hilfreicher Begleiter und aktive Hilfe beim Erreichen der eigenen Ziele auf dem Weg in ein selbst kreierte Leben.

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Veröffentlicht am 10.06.2023

Pierre Durand, Chef de Police mit Leib und Seele

Provenzalische Täuschung
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Provenzalische Täuschung Ein Fall für Pierre Durand von Sophie Bonnet (Blanvalet)

Er steckte das Mobiltelefon in die Jackentasche und schlug den Weg zur Wache ein. Sainte-Valerie lag still im Morgendunst. ...

Provenzalische Täuschung Ein Fall für Pierre Durand von Sophie Bonnet (Blanvalet)

Er steckte das Mobiltelefon in die Jackentasche und schlug den Weg zur Wache ein. Sainte-Valerie lag still im Morgendunst. Eine erwachende Schönheit, die sich dem Tag entgegenreckte.
Wie friedlich es hier ist, dachte Pierre, als er in die Rue des Oiseaux bog. Noch immer angefasst angesichts der Bilder, die bei dem Gespräch mit Penelope in ihm aufgestiegen waren.
Frieden, so erkannte er, war ein Zustand, den zu viele als selbstverständlich annahmen. Dabei war er ein Geschenk, für das ein jeder seinen Teil beizutragen hatte. S.233

Der Chef de Police, Pierre und die begabte Köchin und Besitzerin eines Feinkostladens, Charlotte stecken mitten in ihren Hochzeitsvorbereitungen, deren Verzögerung einigen Kompromissen geschuldet ist. In diese wiederkehrende Diskussion fällt der Mord eines Polizisten und Widersachers von Pierre Durand. Die Ermittlungen beginnen und bald fällt der Verdacht selbst auf Pierre. Auf eigene Faust gräbt er in der trüffelträchtigen Gegend am Fuße des Mont Ventoux und legt ungeahnte Verbindungen frei. Hierbei spielen der Bürgermeister von Sainte-Valerie und Pierres Ziege Cosima eine Rolle.

Auch im neuen Fall rund um den schlauen, französischen Ermittler Pierre Durand beweist Sophie Bonnet wieder ein grandioses Erzähltalent. Der Fall selbst ist spektakulär und verbindet die Vergangenheit und die Gegenwart. Die Einflüsse an historischen Details zur französischen Geschichte und Kolonialzeit sind sehr gut recherchiert. Neben den Fakten bleibt der unterschwellige und passende Humor nicht auf der Strecke. Die Figuren sind treffend beschrieben und agieren entsprechend ihrer Charaktereigenschaften.
Besonders gut gefallen haben mir die Landschaftsbeschreibungen der Provence, das französische Flair und die Einblicke in die landestypische Kulinarik sowie Trüffelkunde.

Fazit: Die Geschichten und Fälle rund um den kleinen französischen Ort im Herzen der Provence einschließlich seiner illustren Bewohner und Ermittler ist immer wieder eine Reise wert! Auch dieser Krimi, „Provenzalische Täuschung“ steht für ausgezeichnete und vergnügliche Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 21.05.2023

Bilder schreiben Geschichte

Das Licht im Rücken
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Das Licht im Rücken ein Roman von Sandra Lüpkes

„Abrakadabra, Simsalabim!“
Dana kniet sich auf den Hocker und reißt erstaunt die Augen auf. Meister Barnack kann ja zaubern! Er taucht schneeweiße Blätter ...

Das Licht im Rücken ein Roman von Sandra Lüpkes

„Abrakadabra, Simsalabim!“
Dana kniet sich auf den Hocker und reißt erstaunt die Augen auf. Meister Barnack kann ja zaubern! Er taucht schneeweiße Blätter in eine Flüssigkeit. Sie schwimmen vor Danas Nase in der Schüssel, und plötzlich erscheinen darauf Menschen. Milan und sie selbst. Ohne dass irgendjemand irgendetwas berührt. Aus dem Nichts tauchen hellgraue Umrisse auf, die wie die Landkarte in der Schule aussehen. Aus Südamerika wird in einer Sekunde Milans Hüfte oder seine Stirn, auf die ein Schatten fällt. Aus der Antarktis geht sein rechtes Auge hervor oder die Falte seiner Hose.
„Das ist wirklich faszinierend!“, findet auch Milan, der dafür zuständig ist, die fertigen Bilder zum Trocknen an die Leine zu hängen. S.127

Geschichte erzählen und die Bilder fest in Erinnerung behalten, das gelingt der Autorin anhand ihrer Erzählung rund um die Familie Leitz und der Entstehungsgeschichte der Leica. Schwarz-weiße Dokumente der Geschichte erzählen das Schicksal zweier Familien in der Zeit von 1914 bis 1945. Die schwierigen Umstände und politischen Gegebenheiten durchdringen private und geschäftliche Belange der Protagonisten. Fiktion und Wahrheit, Erdachtes und Realität greifen wie Zahnräder eng ineinander. Das vorliegende Werk ist nicht rein schwarz und weiß, sondern besticht durch die vielen Grauschattierungen zwischen den Zeilen.

Sandra Lüpkes schreibt in flüssiger und ergreifender Form, sodass man sich sehr gut in die jeweilige Situation und an den Handlungsort hineinversetzt fühlt. Die grundlegenden Beschreibungen zur Kameratechnik und Fotografie wechseln sich zwischen fachlichen Kenntnissen und poetischen Beschreibungen beim Entstehen der Fotos ab. Dazwischen finden sich die einzelnen Figuren mit ihren charakterlichen Unterschieden und dem differenzierten Umgang mit den zeitlichen Gegebenheiten und Schwierigkeiten auf Basis historischer Tatsachen.

Elise hat mich hier besonders beindruckt. Das Bild 1 auf der inneren Umschlagseite zeigt sie so, wie ich sie mir vorstelle, fest und forsch. Die geschriebenen Zeilen zeigen an gewissen Stellen eine andere Seite von ihr. Die Autorin versteht es ausgezeichnet diese beiden Seiten zu verknüpfen. Daher ist es wohl eine Frage der Perspektive und die Antworten finden sich oftmals dazwischen.

Die hochwertige und liebevolle Aufmachung des Buches hat mir sehr gut gefallen. Die Fotografien der Umschlagsseiten und zum Anfang der einzelnen Abschnitte erweitern den Blickwinkel, sind eine hilfreiche Abwechslung und machen das Gelesene greifbar.

Fazit: Mir hat der Ausflug in die Anfänge des 20. Jahrhunderts mit dem Erfindergeist und Wissensdurst sehr gut gefallen. Sandra Lüpkes schreibt großartige, historische Romane, wobei man immer etwas dazulernen kann!

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